Auf SPIEGEL-Online (http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,729676,00.html) ist heute unter dem Titel "Herrlich narkotisierend" eine Kurzbesprechung der auf DVD veröffentlichten deutschen TV-Krimi-Klassiker erschienen, die sich recht amüsant liest.
naja, mehr kurz wie besprochen wurden eigentlich nur 3 ZDF-Mehrteiler aus den frühen 70igern. Die wahren Straßenfeger liefen jedoch schon Jahre vorher in der ARD, nämlich die Durbridge-Krimis wie Der Andere, Das Halstuch, Melissa u.a. Damals wurden die Fälle noch mehr mit Köpfchen statt Knarre gelöst. Vielleicht sind sie auch heute nicht mehr so beliebt, weil sie zum Mitdenken zwingen, wo doch die heutigen Action-Thriller eher das Gegenteil verlangen. Das Tempo nicht immer das Maß aller (Krimi)Dinge ist, beweisen aber auch internationale Produktionen aus dieser Zeit wie etwa Das Fenster zum Hof vom Altmeister Alfred Hitchcock.
Apropos 60 er - auch wenn es keine deutschen Vierteiler waren: ich sehe mir gerade die DVDs von "Tennisschläger und Kanonen" an, und es ist absolut erstaunlich, wie lange manche Kameraeinstellungen waren. Bei Dialogen fällt es mir auf - die Kamera bleibt einfach an der gleichen Stelle, schwenkt höchstens mal etwas nach rechts oder links, und die beiden Hauptdarsteller (Bill Cosby und Robert Culp - Gott hab ihn selig) haben einen ungeschnittenen zwei Minuten langen Dialog zu sprechen.
Das Abgedrehteste allerdings war eine Szene, in denen ein Bösewicht einen Monolog sprach, und währenddessen schälte er mit einem kleinen scharfen Messer eine Weintraube! Ich saß völlig fasziniert vor meinem PC und sah mir diese Szene an - kein Schnitt, eine unbewegte Kamera, und er schälte diese Weintraube, ohne dass die Pelle auch nur in zwei Teile zerbrach. Und hatte dazu noch seinen Monolog, 30 Sekunden lang. Sowas dreht doch heute keiner mehr - das war für mich wirklich der Inbegriff eines "beeindruckenden Mangels an Tempo", den es damals sicher nicht nur bei deutschen Produktionen gab...