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TV-Nostalgie-Forum

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Dieses Thema hat 11 Antworten
und wurde 2.193 mal aufgerufen
 Western - Bonanza im Big Valley am Fuß der blauen Berge
Richard ( gelöscht )
Beiträge:

23.03.2007 14:27
Wilder Westen Arizona Antworten

Den Wilden Westen kannte ich Kind schon ein bisschen aus den Abenteuern von Fuzzy Johns im 11-Uhr-Kino sonntags morgens, bei uns um die Ecke, Eintritt eine Mark. Diese Filme tauchten dann später als „Western von gestern“ im TV auf. Im Fernsehen sah ich meinen ersten Western in Arizona, in der Stadt Tombstone, wo Sheriff Clay Hollister für Recht und Ordnung sorgte:
http://www.fernsehserien.de/index.php?serie=4163
http://www.tvder60er.de/tvserien/tvser050.htm

Den Hauptdarsteller Pat Conway konnte man auch in anderen Serien als Gaststar sehen, so auch am Fuß der Blauen Berge. Leider ist er schon früh verstorben. An eine Folge kann ich mich noch ganz gut erinnern: Da tauchten in Tombstone Chinesen auf, die die unangenehme Angewohnheit hatten, mit Beilen um sich zu werfen. Dagegen war aber ein Kraut gewachsen: das Bleikraut von Sheriff Hollister. Die Anfangsmelodie war auch sehr einprägsam.

Diese Western-Serie war, wie fast alle dieser Zeit, nicht nur in schwarz-weiß zu sehen, sondern auch inhaltlich schwarz-weiß. Da wusste man gleich von Anfang an, wer gut und wer böse ist. Hier noch eine interessante Seite zum Thema Western im Fernsehen:
http://wildwester.wi.ohost.de/webart11.htm

Lonewolf Pete ( gelöscht )
Beiträge:

31.07.2007 01:47
#2 RE: Wilder Westen Arizona Antworten

Tombstone Territory hieß die Serie im Original und hatte mit Pat Conway doch einen ehr gewöhnungsbedürftigen Helden, der meist ziemlich mürrisch dreinblickte und wie bereits gesagt rigoros durchgriff. Da gab's wirklich nur Gut und Böse und nichts dazwischen. Dafür sorgte auch der Betreiber des Tombstone Epitaph, ein enger Freund des marshals, der für den pseudohistorischen Touch der Geschichten sorgte, die offenbar alle auf tatsächlichen Zeitungsberichten basieren sollten. Nun ja, Tombstone Territory war schnell, bleihaltig, spannend und hatte ein tolles Titellied. Eine typische Westernserie der 60er eben. Bei uns waren nicht alle Folgen zu sehen.

Pete

Arjuna ( gelöscht )
Beiträge:

03.08.2010 08:32
#3 RE: Wilder Westen Arizona Antworten

Die Folge "Todesritt in der Wüste" war nach meiner Erinnerung das Spannendste, was ich je im Fernsehen erlebte - allerdings war ich damals auch erst 13 Jahre alt. Ich würde die ganze Serie, oder wenigstens diese eine Folge, so gerne einmal wieder anschauen.

Berggeist1963 ( gelöscht )
Beiträge:

16.12.2010 13:51
#4 RE: Wilder Westen Arizona Antworten

Ich denke mal, dass der Serienmarshal eine Kopie von Wyatt Earp darstellen sollte. Die Freundschaft zu dem Herausgeber des "Tombstone Epitaph" lässt dieses zumindest vermuten. Im "richtigen" bzw. historischen Tombstone war der damalige Herausgeber des "Epitaph", John P. (das "P." steht für "Philip") Clum, jedenfalls Parteigänger des Earp-Clans, während das Konkurrenzblatt "Daily Nugget" es mehr mit den Gegenspielern der Earps, den sog. "Cowboys", hielt.
Wer irgendwann einmal nach Arizona kommen sollte und Westernfan ist, darf einen Abstecher nach Tombstone auf keinen Fall versäumen. Zwar ist auch dort kein historisches Gebäude von der Kommerzialisierung verschont geblieben (innen ausschliesslich Souvenirläden, Shops für Westernwear, "Kneipen" etc.), aber draussen auf der "Allen Street" fühlt man sich wirklich an die vergangenen "wilden" Jahre erinnert. Die Aufführung des Kampfes am O.K. Corral und seiner Vorgeschichte durch Teile der Einwohnerschaft hält sich allerdings nicht so ganz genau an die historischen Fakten. Da wurde einiges für die Zuschauer klischeegerecht "aufgepeppt" und auch mit "humoristischen" Einlagen versehen.

Ein Besuch des alten "Boothill Graveyard" vor den Toren der Stadt ist absolute Pflicht! Da umweht einen wirklich spürbar der "Hauch der Geschichte", besonders wenn man vor den Gräbern der McLaurys und Billy Clantons steht. Auch der Vater der Clanton-Brüder, Newman Haynes "Old Man" Clanton, liegt ein Stück unterhalb begraben. Er spielte aber während der Ereignisse, die zum "Gunfight at the O.K. Corral" führten, keine Rolle mehr, da er im August 1881 nach einem (ohne seine Söhne) in Mexiko durchgeführten Viehdiebstahl auf dem Rückweg samt seiner Kumpane von den wegen bereits zuvor begangener Viehdiebstähle eh schon aufgebrachten Mexikanern getötet wurde. Auch manch anderes Grab ist für den Westernfreund durchaus "reizvoll". Die Grabinschriften zeugen z.B. von einigen ausserhalb Tombstones von Apachen getöteten Einwohnern (der berühmte Geronimo zog ja zu jener Zeit mit seinen aus der San Carlos-Reservation - die übrigens von John P. Clum vor seiner Tombstone-Zeit geführt wurde - geflüchteten Stammesbrüdern und -schwestern umher). Der eine oder andere gelynchte damalige Zeitgenosse (darunter auch ein versehentlich aufgeknüpfter) erscheint ebenfalls. Diverse erschossene oder von einem Messer ins Jenseits beförderte Personen runden das Bild dann sozusagen ab.
Für alle, die noch nicht dort waren, gilt also: Nix wie hin!

cessnaritter ( gelöscht )
Beiträge:

16.12.2010 18:56
#5 RE: Wilder Westen Arizona Antworten

Irgendwann, ich kann nicht mal mehr sagen wann genau und wie, "lernte" ich ja, daß es viele Westernhelden aus Film und Fernsehen ja wirklich gegeben hat. Aber das zerstörte dann auch in den meisten Fällen meine Illusionen, weil ich dabei erfuhr, daß meine Idole doch gar nicht so heldenhaft oder edel waren, wie ich es vom Bildschirm her kannte.

Aber ich lasse mir trotzdem nicht einreden, daß es keinen Weihnachtsmann gibt.... (schon gar nicht 8 Tage vor Heiligabend)

Träumerle


Beiträge: 954

16.12.2010 20:19
#6 RE: Wilder Westen Arizona Antworten

ja genau Illusionen.......vor allem wo ich die sendung gesehen habe, bei der die mal diese colts getestet haben.....die hätten auf 10schritt entfernung nicht mal nen zug getroffen, geschweige denn, einen mann erschossen und schon gar nicht zielgenau die hüte vom kopf.....die dinger waren sowas von ungenau........obwohl...ich wollte da nicht stehen...falls doch mal einer trifft....

Berggeist1963 ( gelöscht )
Beiträge:

17.12.2010 06:12
#7 RE: Wilder Westen Arizona Antworten

Ich habe mal einen Bericht gesehen, in dem ein heutiger Sheriff aus Arizona die Treffgenauigkeit eines "Peacemaker" und einer Winchester ´73 mit seinen heutigen Dienstwaffen in einem praktischen Test verglichen hat. Das Ganze endete unentschieden, also Trefferquote und Durchschlagskraft waren nahezu identisch. Es kam in den "alten Zeiten" nun mal auch oft auf den pfleglichen Umgang mit der betreffenden Waffe an.

Ein Cowboy beispielsweise hatte aufgrund seiner harten Arbeit und langen Arbeitszeit gar nicht die Zeit und Lust, sich um die nötige Pflege und den "sachgerechten Umgang" mit seiner Waffe zu kümmern, von Schiessübungen ganz zu schweigen. Und wenn der Revolvergriff z.B. oft auch als Hammer oder anderweitig als Werkzeug verwendet wird kann es ja sowieso nicht weit her sein mit der Schussgenauigkeit. Der Cowboy als solcher feuerte seinen Revolver meist nur ab, um in den Rinderstädten lautstark seine Ankunft nach einem langen Viehtrieb zu verkünden oder auch um die "spiessige" Einwohnerschaft einer solchen Stadt aus Jux und Übermut ein wenig zu erschrecken. Und auf dem "Trail" halt um beispielsweise eine Stampede aufzuhalten.

Die tägliche Waffenpflege als auch das Üben waren für den erfolgreichen Gebrauch einer Schusswaffe damals unabdingbar. Hinzu kam die gewisse erforderliche "Coolness", wenn es "ernst" wurde. Wer vor Aufregung oder Angst mit zittriger Hand einen Revolver hielt oder hektisch wild und blind drauf los ballerte, hatte schon verloren. Wer jedoch die nötige Ruhe bewahrte und sorgfältig zielte war am Ende auch "erfolgreich" (meistens zumindest).
Als praktisches Beispiel mag hier ein gewisser Jim Riley aufgeführt werden. Dieser hat bei einer Saloonschiesserei in Newton/Kansas am 19.August 1871 mit einem Perkussionscolt, also einem eigentlich eher primitiven und äusserst störungsanfälligen Vorderladerrevolver, mit 6 Schüssen 5 Männer getötet und einen schwer verletzt. Von den 5 "Todesschüssen" war jeder einzelne sofort tödlich. Auch er hatte die nötige Ruhe weg und schoss nicht hektisch und unüberlegt wild drauf los. Diese Begebenheit könnte meines Erachtens evtl. Clint Eastwood als Vorbild für seine "Schlussschiesserei" in "Erbarmungslos" gedient haben.

Und "Turkey Creek" Jack Johnson wurde nach einer Streiterei in einem Saloon anschliessend draussen von seinen zwei Gegenspielern in eine Schiesserei verwickelt. Diese liefen, jeder mit 2 Revolvern in den Fäusten, aus ca. 100m wild schiessend auf ihn zu, natürlich ohne Treffererfolg. Er liess sie seelenruhig näherkommen und als sie ca. noch 50m entfernt waren hat er mit seinem Revolver jedem der beiden Gegner eine sofort tödliche Kugel "verabreicht".

Man sieht also: Wenn die Waffe gut gepflegt war, sorgsam damit umgegangen und die nötige Ruhe bewahrt wurde, dann waren auch die damaligen Waffen durchaus eine tödliche "Angelegenheit".

cessnaritter ( gelöscht )
Beiträge:

17.12.2010 09:52
#8 RE: Wilder Westen Arizona Antworten

Wow, ich bin beeindruckt. Du bist ja sehr detailliert informiert. Alle Achtung!

ich habe übrigens vor längerer Zeit mal gelesen, daß es aber im Verhältnis mit dem tödlichen Schußwaffengebrauch im sogenannten Wilden Westen nicht so gravierend gewesen sein soll. Es hätte, so hieß es in dem Bericht, allein in New York City in einem Jahr (des ausgehenden 19.Jahrhunderts soweit ich mich erinnere) mehr Tote durch Gewalteinwirkung mit Schußwaffen gegeben als im gesamten "Wilden Westen" in mehreren Jahrzehnten.

Berggeist1963 ( gelöscht )
Beiträge:

17.12.2010 18:36
#9 RE: Wilder Westen Arizona Antworten

So mit 14 Jahren bekam ich mal ein Buch von Heinz-J. Stammel mit dem Titel "Die Stunde des Cowboys" geschenkt. Beim lesen und betrachten der historischen Fotos darin kam dann so ein "Aha-Effekt" nach dem Motto "Hoppla, das war ja alles ganz anders als wie ich es im Fernsehen bisher gesehen habe". Und seitdem beschäftige ich mich mit der US-amerik. Pioniergeschichte etwas ausführlicher und habe inzwischen auch eine kleine Bibliothek entsprechender Sachbücher dazu zusammengesammelt. Und ich hatte auch das grosse Glück, mich im Jahr 2000 ein wenig "vor Ort" umsehen zu können (z.B. Tombstone, die Old Tucson Studios, Fort Worth, der Alamo usw.).

Die angeführte Statistik kenne ich auch. Und sie stimmt wirklich. Nun war New York ja bereits damals eine Millionenstadt und ein regelrechter Schmelztiegel. Und gewisse Gegenden dort waren auch damals sehr gefährlich. Der Film "Gangs Of New York" vermittelt ja ein recht anschauliches Bild davon.
Der Westen hingegen war (und ist auch heute noch in einigen Bundesstaaten) im Vergleich dazu äusserst spärlich besiedelt. Da konnte eine kleine unbedeutende Schiesserei alkoholisierter Hitzköpfe in einer 500-Seelen-Gemeinde schnell auch mal zu einer Riesensache aufgebauscht werden. Das war halt eine Abwechslung vom sonst doch recht eintönigen täglichen Einerlei in solchen Orten. Und Schreiberlinge aus dem Osten trugen mit ihren Groschenromanen und stark übertriebenen Zeitungsartikeln auch dazu bei, den Westen in einem völlig überzogenen Bild zu schildern. Auch die in den 1930-er bis in die 1950-er-Jahre hinein gemachten und veröffentlichten Interviews mit sog. "Oldtimern", die dabei gern mal etwas "Westerngarn" oder auch "Westernlatein" spannen, schufen ein Bild, welches den inzwischen durch das Kino vermittelten Klischees entsprach. Halt nach dem Motto "Die Leute wollen das so hören und lesen, also sollen sie es auch bekommen". Das ist ähnlich wie am Ende von "Der Mann, der Liberty Valance erschoss", wo der Zeitungsmensch im US-Originalton zu James Steward sagt "Dieses Land braucht seine Helden! Und wenn wir hundertmal die Wahrheit wüssten - wir würden trotzdem immer nur die Legende drucken." In der deutschen Fassung wurde dieser Satz aber etwas "umsynchronisiert".
Und auch die Anzahl getöteter Männer wurde bei den sog. "Revolvermännern" zu gern nach oben hin aufgebauscht. Billy The Kid beispielsweise wurden 21 getötete Männer angedichtet, als gesichert und nachweisbar gelten aber nur 4. Und so war das bei anderen Vertetern dieser Kategorie wie "Wild Bill" Hickock, John Wesley Hardin, Ben Thompson und wie sie alle hiessen, halt auch.

Das bei manchen Auseinandersetzungen wie z.B. den texanischen Familien- und Weidefehden (Sutton-Taylor-Fehde oder Horrell-Higgins-Fehde z.B.) über Jahre und manchmal sogar Jahrzehnte hinweg im wahrsten Sinne des Wortes "bis zum letzten Mann" gekämpft wurde liess ebenfalls den Eindruck entstehen, dass im Westen nur rumgeballert wurde.

Natürlich gab es auch Männer, die mit der Schusswaffe ihr Geld verdienten. Der Gebrauch der Worte "Revolverheld" oder "Revolvermann" kam jedoch erst so Ende des 19., Anfang des 20. Jhds. auf. Bis dahin hiessen alle, die "von Berufs wegen" Waffen trugen und diese auch einsetzten, schlicht im Jargon der Bevölkerung "Killer" (auch die Gesetzeshüter!).

Als Zusatzinfo dann noch, dass in Dodge City in seinem "schlimmsten" Jahr 1878 insgesamt "nur" 5 Männer durch äussere Gewalteinwirkung umgekommen sind.
Und bei den Planwagentrecks sind auch mehr Menschen durch unsachgemässen Umgang mit Schusswaffen (noch eine Kugel im Lauf beim reinigen der Flinte, versehentlich durch die Ruckelei während der Fahrt an den Abzug gekommen oder ähnliche Missgeschicke) umgekommen als durch Indianerangriffe (die es wie in den Filmen dargestellt so auch nicht ein einziges Mal gegeben hat - die Indianer hätten nie eine grössere bewaffnete Gruppe in rollenden kleinen "Festungen" angegriffen. Sie beschränkten sich höchstens auf einzeln dahinziehende Wagen.).

charlotte ( gelöscht )
Beiträge:

17.12.2010 21:17
#10 RE: Wilder Westen Arizona Antworten

@ Berggeist "Als Zusatzinfo dann noch, dass in Dodge City in seinem "schlimmsten" Jahr 1878 insgesamt "nur" 5 Männer durch äussere Gewalteinwirkung umgekommen sind."

Dazu gibt's eine typische Geschichte, die sich in einer dunstigen Juli-Nacht des Jahres 1878 zugetragen hat: zwei betrunkene Cowboys meinten zum Abschluß ihres nächtlichen Gelages ein bisschen rumballern zu müssen und eine ihrer Kugeln zischte in eine Tanzhalle und verursachte eine fürchterliche Aufregung in der Stadt. Der Zwischenfall verwandelte sich plötzlich vom Streich zweier Dampf ablassender Cowboys in ein tödliches Duell, nachdem Jim Masterson und Wyatt Earp zum Tatort geeilt waren. Dazu gesellte sich dann noch ein Wichtigtuer, der ein wahlloses Geschieße auf eigene Faust veranstaltete.
Fazit: ein verwundeter Cowboy, jede Menge neue Einschusslöcher im Lady Gay Saloon und ein durchlöcherter neuer Anzug eines Variete-Künstlers
(Die Revolverhelden - Time Life)

Berggeist1963 ( gelöscht )
Beiträge:

17.12.2010 21:25
#11 RE: Wilder Westen Arizona Antworten

Wenn ich mich nicht irre war der Varieté-Künstler der damals recht bekannte Komiker Eddie Foy...

charlotte ( gelöscht )
Beiträge:

17.12.2010 21:27
#12 RE: Wilder Westen Arizona Antworten

............stimmt genau :o)))

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