Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 

TV-Nostalgie-Forum

Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 26 Antworten
und wurde 5.208 mal aufgerufen
 Adventsvierteiler und Weihnachtsserien - Vom Seewolf zu Anna
Seiten 1 | 2
Swiftnick ( gelöscht )
Beiträge:

17.11.2011 07:16
#16 RE: Zwei Jahre Ferien - Die französische Version Antworten

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Ich finds cool, dass du angefangen hast ein Ende zu schreiben, aber irgendwie hab ichs auf der Seite nicht gefunden
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

doch, hast du

----------------------------------------------------------------
Cool finde ich, dass er aus der Sicht von Dick geschrieben wurde
----------------------------------------------------------------

das ist der Anfang des ersten Kapitels
in der Folge trifft sich Service mit Dick, aber der reagiert abweisend.
Service fährt auf dem Heimweh bei Gordon vorbei, der Anwalt geworden ist.
Gordon scheint an einem Fall zu arbeiten, der mit der Insel zu tun hat. Er erzählt Service nichts davon.
Nachdem Service gegangen ist, wird Gordon überfallen. Er kann sein Dienstmädchen noch mit einer Nachricht zu Jimmy schicken.
usw.

es sollte eine Abenteuergeschichte werden.

SteffiSand



Beiträge: 130

17.11.2011 12:49
#17 RE: Zwei Jahre Ferien - Die französische Version Antworten

Zitat
----------------------------------------------------------------
Cool finde ich, dass er aus der Sicht von Dick geschrieben wurde
----------------------------------------------------------------

das ist der Anfang des ersten Kapitels



Achso, alles klar.
Klingt doch bis jetzt aber gut :)

HC ( gelöscht )
Beiträge:

08.08.2014 13:29
#18 RE: Zwei Jahre Ferien - Die französische Version Antworten

@Swiftnick: Klasse, dass Du Dir die Mühe machst. Ich finde, Du hast Dick sehr genau getroffen - so einen Bericht hätte er wahrscheinlich geschrieben.

Wäre schön, wenn man es mal komplett lesen dürfte.

Ich habe die französische Version leider nicht - und mein Französisch würde wohl auch nicht reichen um sie zu verstehen. Ich fahre zwar nächste Woche mal wieder durch Frankreich, aber wie in vielen Ländern heute, man muss ja eigentlich mit niemandem mehr reden. Irgendwo schade, aber das nur am Rande.

Ich finde, ZJF hat seine Längen, aber eigentlich gehören die ja auch dazu. Schließlich waren die Jungen zwei Jahre lang weg, da ist kaum zu erwarten, dass es jeden Tag spannend wird. Daher finde ich diese Passagen gut, sie zeigen den Alltag mitten im Abenteuer ebenso wie das Abenteuer im Alltag. Eine Ferienfahrt mit einem Schoner ist vielleicht nicht alltäglich, aber sooo ungewöhnlich auch nicht - bedenkt man den finanziellen Hintergrund der Jungen.
Mir ist es so ergangen, dass ich am Anfang nur Dick, Gordon, Brian und Doniphan auseinanderhalten konnte, später erst wurden aus Service (da geht es recht schnell), Jimmy und Maurice und schließlich aus den beiden 'Kleinen' Charakterfiguren. War das Absicht oder liegt es an meiner Unfähigkeit mir Gesicher zu merken? Wie dem auch sei, auch das macht mir ZJF sympathisch. Immerhin haben sie Zeit, sich zu Charakteren zu entwicklen - heute sind es vielfach Hohlfiguren, die uns serviert werden.

Die 'Logik' der Story erschließt sich mir nicht komplett, aber genau wie Dick tröste ich mich, dass Forbes eben 'einen Sparren locker' hat. Seine Irrfahrten lassen sich so erklären, wobei ich nie verstanden habe, warum er den Farmer um Hilfe bittet.
Der hätte mit Lord Buchanan verhandeln und Forbes ausbooten können. Dazu kommt, dass der Farmer ein gewaltiges Risiko eingeht. Die Jungen kennen ihn, seine Farm und seine Familie...

HC ( gelöscht )
Beiträge:

10.08.2014 17:22
#19 RE: Zwei Jahre Ferien - Die französische Version Antworten

Wobei mich eines doch mal interessieren würde:
Doniphan ist eine sehr seltener Vorname im Englischen, aber durchaus möglich. Service hab ich aber als Namen noch nie gehört. Wie schaut das im Französischen aus - die Namen sind ja original Jules Verne?

Sonst sind die Namen ja relativ üblich für die Zeit... Jimmy, Brian (Briant im Französischen), Maurice, Ben, Dick und Gordon.
Doniphan - Dauphin? Hätte was Nobles.. Service als Zeichen seines Charakters?

loe



Beiträge: 90

29.03.2019 14:37
#20 RE: Zwei Jahre Ferien - Die französische Version Antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (Film)

Französische Version mit deutscher Übersetzung: Schlussdialog von Forbes & Pike

Szene auf der Insel, Forbes & Pike in der Höhle mit dem Goldschatz

PIKE, mit grossen Augen; FORBES abseits; WALSTON gierig in eine Kiste voller Goldmünzen starrend und darin wühlend; ein weiterer Pirat mit Gewehr dahinter;
das Phantom hat sich in einer Nische vor den Piraten versteckt, in seinen Händen die Seile der Steinschlag-Vorrichtung haltend;
PIKE hebt goldene Statuen empor (oder zeigt darauf) und sagt jeweils dabei, was er sich davon kaufen werde (z.B. eine Farm in Australien mit Abertausenden von Schafen, einen Wald und endlose Hektaren von Weizen usw.);
PIKE wendet sich an FORBES und fragt ihn, was er sich denn nun kaufen werde.


FORBES:
…Moi?
(Zögert zehn Sekunden, wobei er sich abwendet, einen kleinen Gegenstand in die Hand nimmt, sich dann wieder umdreht und auf Pike zugeht.)
Je ne crois pas que tu me puisses comprendre. D'ailleurs…
Je ne sais même pas si cette montagne d'or me donnera ce que je cherche.

PIKE:
Mais qu'est-ce que tu cherches donc de tellement rare?

FORBES:
Le retour au passé.
Tout s'achète ici-bas. On a tout. Sauf une chose. Le respect et l'estime de soi.
Tout le reste ne compte pas. Tout le reste est du vent.
Et je ne veux pas (re)devenir l'homme que j'étais.
Ah, dans le fonds je m'en fous.
Parce qu'une chose est sûre. Oui, j'ai l'or, beaucoup d'or, tout l'or que je veux.
Et si c'est pas assez pour appaiser ma propre conscience, j'achèterai celle de mes compatriotes.

(Bricht ab durch Einsturz in der Höhle).



Ü b e r s e t z u n g



FORBES:
...Ich?
(Zögert zehn Sekunden, wobei er sich abwendet, einen kleinen Gegenstand in die Hand nimmt, sich dann wieder umdreht und auf Pike zugeht.)
Ich glaube nicht, dass du mich verstehen kannst. Übrigens ...
... ich weiss ich nicht einmal, ob dieser Berg von Gold mir das geben wird, was ich suche.

PIKE:
Aber was also suchst du, das so selten ist?

FORBES:
Die Rückkehr in die Vergangenheit.
Alles kann man hier billig kaufen. Wir haben alles. Nur eines nicht. Den Respekt und die Selbstachtung.
Der ganze Rest zählt nicht. Der ganze Rest ist Gesäusel [leere Worte].
Und ich will nicht wieder der Mensch werden, der ich gewesen bin.
Ach, im Grunde genommen ist es mir egal.
Denn eine Sache ist sicher. Ja, ich habe Gold, viel Gold, alles Gold, das ich will.
(Wirft einen Gegenstand an die Wand.)
Und wenn das nicht genug ist, um mein eigenes Gewissen zu beruhigen...
... dann werde ich das meiner Mitmenschen kaufen.

(Bricht ab durch Einsturz in der Höhle).

Mariposa



Beiträge: 861

30.03.2019 00:05
#21 RE: Zwei Jahre Ferien - Die französische Version Antworten

Nachdem ich es geschafft habe, mich an einem Computer mit fremdlaendischer Tastatur in einem deutschen Forum anzumelden, kann ich ja auch meinen Senf dazu beitragen, wenn auch nicht so ueppig.

Danke dass sich jemand des franzoesischen Textes und der franzoesischen Version angenommen hat. Bei mir haette das wahrscheinlich gedauert bis zum St. Nimmerleinstag.

Hoert sich in Deiner Uebersetzung gar nicht so unflott an, lieber Loe-Leo. Ich verstehe die frz. Version im grossen und ganzen. Die vielen *Aehs*, *Mmhs* und Aussetzer meinerseits im Kontext wuerden allerdings Seiten fuellen .

Eines muss ich der Version unseres Nachbarlandes zu Gute halten. VOGUE LA VIE erinnert mich maechtig an die frz. Fassung von SANTIANO. Das war - an der Gitarre durch unseren Herbergsvater vorgetragen - der absolute Renner waehrend unserer Abschlussfahrt in die Vendee. Hinzu kommt, dass wir damals fast alle ein wenig fuer unseren flotten Herbergsvater geschwaermt hatten, der uns auch noch beigebracht hat, wie man Crepes (normannische Pfannkuchen) baeckt. Dass man mit Unmengen Aprikosenkonfituere dazu heftige Bauchschmerzen bekommt, das mussten wir selbst feststellen.

Dass Dominique Planchot damals in Rennes Theater gespielt hat (wie waren auch in Rennes) und dass es unser Lieblings-Phantom spaeter in die Bretagne verschlagen wuerde konnten wir im September 1976 nicht ahnen.

C est la vie, c est comme ci. Man muss das Leben nehmen wie es ist.

Avec les meilleurs souvenirs
MARIPOSA

loe



Beiträge: 90

31.03.2019 23:27
#22 RE: Zwei Jahre Ferien - Die französische Version Antworten

An die Virtuosin auf fremdländischen Klaviaturen:
Ja, wie Du sagst, liebe Mariposa: Dass wir die frz. Version grosso modo verstehen, das ist das Wichtigste. Etwas wirklich Schwieriges ist sehr, sehr selten. In dieser Höhlen-Szene sind dies nur 1-2 Dinge. Wenn z.B. etwas lautlich gleich klingt, aber sogar im Kontext durchaus auf sinnvolle Weise mehreres bedeuten könnte.
So sagt Forbes z.B. "Tout s'achète ici-bas", also "Alles kauft sich hier [in der Welt mit viel Gold] billig".
Aber meine Ohrmuscheln waren zuerst nicht sicher, ob er sagte: "Tout s'achève ici-bas." Und das hiesse: "Alles endet hier unten", also im geografischen Sinne: hier in dieser Höhle im Chonos-Archipel.
Lautlich gibt es bei dieser miserablen Tonqualiät eigentlich keinen Unterschied zu hören. Die Entscheidung kommt aus dem ganzen Zusammenhang, also auch aus dem, was Pike zuerst sagt.

"Für einen Herbergsvater geschwärmt." Das lässt mich an zwei Dinge denken:

Dass Mädchen in "ZWEI JAHRE FERIEN" vielleicht einen Vorteil hatten, weil das Schwärmen für Schauspieler bei ihnen den Film intensiviert hat (in the very long run). In meiner Schulklasse und in meiner Verwandtschaft haben zwar Mädchen und Buben den Film in der Verteilung fifty-fifty gesehen und zumindest äusserlich gleich gefiebert, aber wohl mit ungleicher Kolorierung.

Erinnerungen an Herbergen, Jugendherbergen; Frankreich vs. Deutschland:
1979 oder 1980 machte ich mit 5-6 Schulfreunden eine Fahrradtour von Colmar über Strasbourg, Saverne, Phalsbourg, Saarbrücken, Trier, Koblenz, Berncastel-Kues. Die französischen Jugendherbergen waren so etwas von locker, freiheitlich und atmospärisch, dass wir ungern weiterzogen. Die Jugendherberge in Phalsbourg war eine ehemalige Burg, grossartig eingerichtet. Ausser einem deutschen Hippie war da kein Gast, auch kaum Personal zu sehen, und wenn, dann unfassbar sympathisch. Es gab dort alles. Wir haben zusammen gekocht, grilliert und gelebt wie die Musketiere. Der deutsche Hippie wollte nie wieder nach Deutschland zurück.
Dann kamen wir in die deutschen Jugendherbergen. Da kann ich nur mit Pike sagen: "meine Fresse". Die Zustände dort waren teilweise auf eine schockierende Weise (vor allem die Jugendherberge Trier) von einem längst vergangen geglaubten Ungeist, von einer Engstirnigkeit und von einem bräunlichen Kontrollwahn beherrscht, der uns fassungslos machte. Mir, als einzigem Deutschen in der Fahrradtruppe, stieg die Röte der Scham tiefer ins Gesicht als jene der Wut. Gipfelpunkt war schon unsere Ankunft in Trier, also noch ehe wir die Jugendherberge gesehen hatten. Wir wurden nämlich von der deutschen Kripo verhaftet. Drei Wagen mit Polizisten, die Waffen im Anschlag hielten, und ein Kommissar, der glaubte, wir wären durch seinen markigen Ausdruck "Deutsche Kriminalpolizei" und die Marke, die er an einer Kette trug, beeindruckt. Wir haben unseren Humor trotz Verhaftung und Einzelverhör nicht verloren, ja haben uns sogar noch im Korridor des Polizeigebäudes Witze zugerufen, zum riesigen Ärger der Beamten. Respektlose, 15-16 jährige unbeugsame Schweizer. Eine der lustigsten Erinnerungen meines Lebens. Aber ich bin noch heute weltweit einer der grössten Anhänger der deutschen Serie DER KOMMISSAR.

Schalte jetzt um auf Sendepause. Standbild des WDR. Links, ein grosses helles Gebäude. Über fünf bis fünfzehn Minuten erklingt eine Folge elektronisch-gongartiger Töne (da-DA-da-DA-da-DAAA-da). Dazu wiederholt eine sonore Stimme, wo wir sind. Meine Sendepause wird zwei Wochen dauern. (Besichtige keine Festungsanlagen mehr.)
Liebe Grüsse an Elaine und Mariposa.

Mariposa



Beiträge: 861

31.03.2019 23:49
#23 RE: Zwei Jahre Ferien - Die französische Version Antworten

Die Sendepause sei Dir gegönnt, lieber Loe-Leo. Du hast in den letzten Wochen ja mit Siebenmeilenstiefeln aufgeholt, so wie Du Dich ins Zeug gelegt hast. Das müssen wir erst mal verinnerlichen und verdauen.

OK, keine gefährlichen Sportarten oder Aktivitäten mehr.

Hab' eine schöne Auszeit ... wo auch immer.

Ich begebe mich in Kürze *sur les traces de POLY*.

LG MARIPOSA

loe



Beiträge: 90

18.04.2019 12:54
#24 RE: Zwei Jahre Ferien - Die französische Version Antworten

ZWEI JAHRE FERIEN

Forbes &

Frankreich vs. Deutschland


Forbes: in Deutschland ein Pillendreher und Kurpfuscher. Und in Frankreich?

In der frz. Version ist eine wunderbare Szene drin, die in der dt. Version fehlt (wie so viele). Es ist eine Szene zwischen Forbes & Pike in der Kapitänskajüte direkt nach der Meuterei und dem Aussetzen des Kapitäns und seiner Mannschaft im Boot.

Forbes, der schon das Oberteil einer Kapitänsuniform trägt, setzt sich in der Kajüte eine Kapitänsmütze auf, dreht sich zu Pike um und fragt diesen, lachend und posierend nach seinem Eindruck: "Na, was sagst du dazu?"
Pike: "Ich finde, du hast schon genauso Allüren wie ein wirklicher Kapitän."
Forbes: "Du wirst erstaunt sein, aber ich bin wirklich Offizier der Marine Ihrer Majestät gewesen.
Ich habe die Seefahrtsschule abgeschlossen, weisst du?"
Forbes lacht spöttisch, verzieht dann aber in einem irre schnellen Umschlagen das Gesicht, flucht ärgerlich und schleudert die Mütze weg, indem er sagt: "Eine Mütze hat noch nie einen Kapitän aus jemandem gemacht."

Die beiden trinken auf ihr Wohl. Im Gespräch mit Pike setzt sich Forbes, herrlich süffisant lächelnd, mit dem Rücken an die Holzwand.
Diese ganze Szene ist grosse Klasse von Werner Pochath! Sie dauert genau eine Minute (Disc 1, Episode "Mutinerie", 50:00 bis 51:00).
Wie so viele gute Szenen fehlt sie in der dt. Version. Dort beginnt die Kajütenszene (Disc 1, Teil 2, 44:43) erst mit Pikes Frage: "Was glaubst du, was wir aus den Jungen rausschlagen?"

Auch im weiteren Verlauf dieser Szene fehlen in der dt. Version gewisse Einstellungen.
In der frz. Version sieht man rechts von Forbes Gesicht an der Holzwand eine Fotografie einer barbusigen Südseeschönheit. Auch diese "anstössigen" Einstellungen sind aus der dt. (Advents-) Version "grosszügig" herausgeschnitten worden!

Apropos "anstössig", "freizügig" und "grosszügig":
Im Sommer 1977 lebte ich zusammen mit einem Schulkameraden vier Wochen bei einer Gastfamilie in einer französischen Hafenstadt, um das trockene Schulfranzösisch mit einem echten Sprachbad im Lande zu verflüssigen. Das Zimmer, in dem wir schliefen, war zugleich die Familienbibliothek. Die drei Kinder der Familie, im Alter zwischen 8 und 18, gingen ein und aus mit getürmten Stapeln von Büchern vor der Brust. Aber es war nicht Racine oder Proust, was sie sich zum Lesen ausliehen, nicht einmal so etwas Triviales wie Verne, nein es war oft abgrundtiefe "prngrf". Wir entdeckten nämlich, dass gut ein Fünftel des Regals aus Comics-Büchern bestand, und zwar von einer solch ungeheuerlichen Art, dass wir gar nicht wussten, dass es so etwas auf der Welt gibt. Ohne zu erröten, ohne jede Scham holte sich die 18-jährige Tochter oder der 8-jährige Knirps Bände, deren Inhalt unsere Gesichter burgunderrot anlaufen liess und uns Zähneklappern bescherte. Wäre in Deutschland ein solcher Band im Handel erschienen, so hätten das Bundesamt für Verfassungsschutz und das Bundeskriminalamt in einer konzertierten Aktion die Urheber und Verkäufer dieser Schriften bis ans Rote Meer verfolgt. Hier in Frankreich brachte ein 8-Jähriger gelangweilt sieben Bände zurück und holte sich gähnend sechs neue.
Beim Mittag- und beim Abendessen schüttete der Gastfamilienvater unsere bierhumpengrossen Gläser grosszügig bis oben voll: erst eine Hälfte Rotwein, dann den Rest Wasser. Wir dachten erst, das sei Himbeersirup. Wir waren knapp 14 Jahre alt und hatten noch nicht einmal Erfahrungen mit Bier. Am Nachmittag hatten wir Sprachschule. Das wurde sehr lustig, besonders in Sachen Aussprache.

In der dritten Woche, an einem heissen Tag, heiratete die 18-jährige Tochter. An der Hochzeit wurden wir zwei unwichtigen Ausländerknaben mit einer solchen Herzlichkeit, Aufmerksamkeit und Grosszügigkeit von den vielen feiernden Gästen empfangen und umsorgt, dass wir nicht wussten, wie uns geschah. Für viele Stunden glaubte ich, Teil einer neuen Verwandtschaft zu sein, und vergass meine eigene Herkunft und Familie. Zwei 16-jährige Mädchen flirteten auf solch charmante Art mit uns, dass wir unsere Hemden bis aufs Gerippe durchschwitzten. Höhepunkt des Abends war eine Art Versteigerung. Die Braut, also die 18-jährige Tochter unseres Gastfamilienvaters, stieg auf einen Tisch. Jetzt konnte jeder bieten. Wir sahen Hände voll Papiergeld herumfuchteln und hörten Rufe wie "100 Francs" oder "500 Francs". Dann zog die Braut dieses oder jenes Kleidungsstück aus. Es war also eine Strip-Versteigerung. Und niemand scherte sich darum, ob 3-jährige Kinder oder 90-Jährige das sahen. Es herrschte Freude und Lachen bei Frauen wie Männern. Der Sinn der Versteigerung, die bis auf einen Grad der Nacktheit hinauslief, den ich hier nicht zu nennen wage, war eine Geldsammlung für die Hochzeitsreise des Brautpaars. Doch damit war die Grosszügigkeit noch nicht zu Ende. Es muss schon gegen Mitternacht gewesen sein, dass wir mit den Autos aus der Stadt raus ins Grüne fuhren. Da wurde dem Brautpaar ein schönes Haus gezeigt, fast fertig gebaut, daneben ein Auto. Für dieses Geschenk hatten alle Verwandten grosszügig zusammengelegt. Und das waren keine reichen Leute. Viele von ihnen waren Hafenarbeiter. Also, 1977 bin ich in Frankreich noch einmal auf die Welt gekommen! Eine Lektion fürs Leben.

Ohne die Mentalitätsunterschiede zwischen Franzosen und Deutschen hätte es ZWEI JAHRE FERIEN nicht gegeben, wie wir es kennen. Denn die Deutschen haben früher sehr werkgetreu oder eben autoritätsgläubig verfilmt. Ein solches Drehbuch wie das von Claude Desailly, nämlich mit lässiger Hand gemixte Anleihen und Motive aus vielen Verne-Büchern, dazu historische Abenteuergeschichten und freie Einfälle von Desailly himself, wäre in Deutschland unmöglich gewesen! Und so sollten wir den Franzosen auch dankbar sein für den Dick Sand! Denn ihn hätte es in einem deutschen Drehbuch von ZJF nie gegeben! Und Franz Seidenschwan wäre nie zu dieser Traumrolle gekommen!

Mariposa



Beiträge: 861

19.04.2019 11:48
#25 RE: Zwei Jahre Ferien - Die französische Version Antworten

Danke für Deine interessanten Ausfuehrungen lieber Leo-Loe. Ich gebe Dir Recht, dass diese Bücher und Serien uns neugierig gemacht haben, auf fremde Welten. Ich muss auch sagen, dass sich die grossen Highlights meines Lebens überwiegend in Spanien, Frankreich und Neuseeland abgespielt haben. Als es noch kein Lord of the Rings Country war sondern einfach das schönste, grünste und nasseste Ende der Welt.

Falls Du Mal einen Nostalgietrip in frz. Hafenstädte planst, so möchte ich Dir dringendst die im Schloss beheimatete Auberge de Jeunesse CHATEAU DU BOIS LUZY un Marseille ans Herz legen. Da werden Träume wahr. Für mich wurden sie es.

Übrigens bekommen andere Länder es besser hin, Kinder bei der Stange zu halten. Hier in Spanien (derzeit Ausnahmezustand wegen der SEMANA SANTA) laufen Kinder gegen 4:00 Uhr morgens wohlgemut, quicklebendig und gutgelaunt durch die Straßen und das jüngste Kind sitzt im Kinderwagen oder auf Papas Schultern. Niemand schert sich drumm, dass die Kleinsten früh zu Bett gehen MUESSEN. Überhaupt schaut niemand auf die Uhr.

Geht auch ... und wie das geht.

Einen angenehmen Karfreitag wünsche ich ...
MARIPOSA

loe



Beiträge: 90

20.04.2019 17:09
#26 RE: Zwei Jahre Ferien - Die französische Version Antworten

Für Deine Empfehlung in Marseille danke ich Dir sehr, liebe Mariposa.
Ja, das Fernsehen hat das Fernweh geweckt. So weit in die Welt hinausgezogen wie Du und Elaine bin ich allerdings nicht. Habe bloss zwei von sieben Kontinenten betreten. Und einer davon ist schon unser erweitertes Europa.

Europa und Fernseh-Kindheit:
Aus Polen kam Lolek & Bolek, aus der Tschecheslowakei kamen Pan Tau und wunderbare Märchenfilme, aus der UdSSR kamen ebenfalls grosse Märchenfilme, aus Dänemark und Schweden kam mehr, als ich hier nennen kann. Aber zu Spanien und Italien finde ich auf Anhieb keine TV-Erinnerungen.

Deine saftig formulierten Grundsätze für eine gedeihliche Kindheit sind auf köstliche Weise zutreffend.

Dir und allen anderen eine schöne Osterzeit.

loe



Beiträge: 90

28.04.2019 21:05
#27 RE: Zwei Jahre Ferien - Die französische Version Antworten

ZWEI JAHRE FERIEN

Forbes &

Frankreich vs. Deutschland

Verhaftung oder nicht Verhaftung


Mitte der 70er Jahre habe ich eine bestimmte Szene nicht verstanden (und auch heute noch nicht so ganz). Da hat doch Forbes die Nerven und fährt mit der SLOUGHI (jetzt BIRDEYE) in das Hafenbecken von Auckland. Obwohl man in Auckland von weitem erkannt hat, dass es sich um die unverwechselbare SLOUGHI unter falschem Namen handelt, fährt nun ein bloss schwach besetztes Ruderbötchen mit Lord Buchanan, einem sehr alten Hafenmeister und einem alten bewaffneten Offizier (Ziersäbel) zum Schiff, wo ihnen Forbes auf der Nase rumtanzt. Warum hat man nicht die Hafenausfahrt blockiert? Warum hat man das ankernde Schiff nicht festgesetzt und die Mannschaft verhaftet? Wie die deutsche Erzählstimme nämlich sagt (der rückblickende Dick Sand), war das ein verdammt grosses Wagnis von Forbes, der hier gewiss mehr als bloss "einen Sparren locker" hatte.
In der französischen Version stellt sich Forbes in dieser Szene auf dem Schiff als "Kapitän Forbes" vor. Das ist sehr gut und passt zu seiner kühnen Dreistigkeit sowie zu den lockeren Sparren in seinem "Mastkorb". Warum aber stellt sich Forbes in der deutschen Version als "Kapitän Turner" vor? Welch ein einfältiger Einfall von deutscher Seite! Dieser Forbes würde seinen Namen niemals verleugnen!

Nun gut, zur Verhaftung ist es also nicht gekommen. Zu Forbes' Uniform und Mütze sowie zu der "anstössigen" Dame auf dem Bild in der Kajüte noch ein polizeilicher und polizeilich genehmigter Abschluss.

"Auf vielfachen Wunsch" von Frauen, die mit Neugier geschlagen sind (null Meldungen), hier noch das Ende der Episode "Trier" mit unserer Verhaftung während der Fahrradtour 1980 durch Frankreich und Deutschland.

Wir sechs Schulkameraden kommen von Saarbrücken aus sehr früh am Morgen in Trier an. Da die dortige Jugendherberge erst in ein paar Stunden öffnet, wissen wir nicht, wo wir hingehen sollen. Wir sehen auch keine offenen Lokale. Wir möchten gern etwas Besseres trinken als das Leitungswasser in unseren Fahrradflaschen, am besten einen Kaffee. Da entdecken wir einen Spielsalon, der nach langer Nacht immer noch offen zu sein scheint. Doch schon am Eingang gibt man uns zu verstehen, der Laden schliesse gleich. Wir sind enttäuscht. Da sagt uns ein Mann, der auf einem Hocker vor einem Glücksspielautomaten sitzt und offenbar die ganze Nacht hindurch gespielt hat, er wisse, wo es hier in Trier noch etwas gebe, das geöffnet sei. Wir sollten in die Karl-Marx-Strasse gehen, dort gebe es die "Haifischbar", die habe noch ein Weilchen offen. Er erklärt uns den Weg. Wir wechseln noch ein paar Worte mit dem sympathischen Mann und verabschieden uns.

Eine Viertelstunde später stellen wir unsere Fahrräder an eine Hauswand nahe der verruchten "Haifischbar". Als wir dort eintreten, kommen uns eine verrauchte wie auch nächtlich-verbrauchte Luft und alkoholische Dünste entgegen. In einer Nische sitzen ein Mann und eine Frau und sehen einen anstössigen Film auf einer Leinwand. Wir fühlen uns unwohl. Um älter zu wirken, als wir sind (16-17), bestellen einige von uns nicht Kaffee, sondern Bier. Eine barbusige Dame bringt das Tablett. Wir sitzen keine Viertelstunde vor dem abgestandenen Bier, da geht die Türe auf, der schwere Vorhang geht zur Seite, ein Mann tritt ein, überblickt den Raum kurz und kommt dann an unseren grossen Tisch, der nahe am Eingang steht. Wir merken auch, dass die Türe hinter dem Mann nicht wieder zugefallen ist, sondern von jemandem offengehalten wird. Wir hören mehrere Stimmen draussen. Der Mann zieht einen freien Stuhl zu sich, stellt seinen Fuss darauf und zieht eine Marke an einer Kette aus der Hosentasche: "Deutsche Kriminalpolizei. Sie sind verhaftet." Wir sind dermassen verdutzt und glauben zuerst, das sei ein Scherzbold. Dann glauben wir, der Wirt der "Haifischbar" habe uns angezeigt, weil wir noch nicht volljährig sind und hier wohl gar nicht eintreten durften. Vom Eingang her kommen nun mehrere Polizeibeamte. Wir stehen langsam auf und gehen dorthin. Draussen ein unglaubliches Bild: Drei oder vier Polizeifahrzeuge bilden ein Drei- oder Viereck um den Eingang. Fünf oder sechs uniformierte Polizisten mit Mützen empfangen uns mit gezückten Waffen. Ist das wirklich? Oder wird hier ein Remake von "Das Gasthaus an der Themse" gedreht, mit spontan gewonnenen Laiendarstellern?

Im grossen Wagen werden wir ins Präsidium gefahren. Im Wagen beginnen wir Witze und Sprüche zu machen. Die Polizisten schreien immer "Schnauze" oder "Schnauze, Mann". Wir sollen also nicht reden und vor allem nicht untereinander sprechen. Doch auf dieses "Schnauze" müssen wir jedesmal derart laut auflachen, dass die Polizisten es mit uns bald aufgeben. E i n guter Spruch von uns weckt den nächsten. Kommt hinzu, dass die Polizisten unser Schweizerdeutsch nicht verstehen. Sie fühlen sich ausgegrenzt. Wir lachen aus einer Mischung von Amüsement und Hohn angesichts dieser Schmierenkomödie, aber auch aus Wut über das übertriebene polizeiliche Waffenaufgebot. Wir fühlen uns immer besser und stärker und steigern uns in einen Rausch des Humors.
Auf dem Präsidium hören wir wieder "Schnauze". Daraufhin erschallt wiederum unser lautes Gelächter. Und die lustigen Sprüche, die wir uns gegenseitig zurufen, machen die Runde unter uns! Lachsalven und irrwitzige Sprüche wechseln sich ab. Schon bald wagt kein Polizist mehr, "Schnauze" zu sagen, weil sie wissen, was dann kommt!
Um Absprachen, Verdunkelung oder die hellen Sprüche zwischen uns zu unterbinden, sollen wir vereinzelt und wohl einzeln verhört werden. Noch ehe dies geschieht, zieht ein junger Polizist aus einer Tasche der schwarzen Cordjacke meines Kameraden einen Salzstreuer, besieht ihn bei Lichte und ruft, zu seinen Kollegen gewandt, siegessicher: "Aha, Kokain, getarnt!" Unser Lachen kennt kein Halten mehr. Ich stehe drei Meter von einer Scheibe entfernt und muss vor Lachen derart losprusten, dass sie dort wohl noch heute die Scheibe putzen. Den Salzstreuer hatte mein Schulkamerad aus der Jugendherberge Phalsbourg mitlaufen lassen. Denn als Schüler assen wir tagsüber auf offenem Feld oder am Waldrand mit Gaskocher Spaghetti. Ständig fehlte Salz. Ja, das war ein Delikt.
Endlich erfahren wir, wessen man uns verdächtigt: Wir sollen DM 6'000.- gestohlen haben! Der sympathische Mann im Spielsalon sei ein Spieler, der am Vortage seinen Monatslohn bezogen und in der Nacht Gewinne gemacht habe. Seit unserem herzlichen Abschied fehle ihm die Brieftasche. Da er selbst uns ja den Weg zur "Haifischbar" gewiesen hatte, war es für die Polizei leicht, uns zu finden. Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei. Zu Einzelverhören ist es nach meiner Erinnerung nur noch für wenige Minuten gekommen. Der Mann im Spielsalon rief nämlich die Polizei an, weil er unterdessen seine Brieftasche gefunden hatte. Nach der langen Nacht und dem vielen Alkohol hatte er vergessen, dass er sie an einen anderen Ort als üblich hingetan hatte.

Der Kommissar, der der sich die ganze Zeit über ruhig, sachlich und korrekt verhalten hat, bietet uns irgendetwas an. Ich weiss nicht mehr, was es war. Vielleicht eine Mahlzeit in der Polizeikantine oder so etwas Ähnliches. Wir danken und bitten bescheiden nur um eines: Dass man uns, die wir unsere Fahrräder nicht bei uns haben und uns in Trier nicht auskennen, zum Ort der Verhaftung zurückbringe. Dort setzt uns der Polizeifahrer ab. Keiner von uns ist noch empört. Einer von uns sagt das Richtige: "Wisst ihr, wenn ich zu Hause etwas Wichtiges nicht finde, so fahre ich als erstes erschrocken meine Geschwister an, wer zum Teufel meine Sachen habe. Aber fast immer aber bin ich es selbst, der die Sache verlegt hat." Tatsächlich sind wir dem Mann nicht böse. Eines bleibt uns noch zu tun. Wir gehen in die "Haifischbar" und setzen den Wirt in das richtige Licht: Dass er keine Verbrecher bewirtet hat. Die barbusige Dame sagt, das habe sie gleich gemerkt. So nette und hübsche Jungen hätte sie in diesem Haus noch nie gesehen.

Bleibt die Frage: Warum ein solcher Polizeiaufmarsch und ein solch bewaffneter Empfang vor der "Haifischbar"? Vielleicht musste der Mann aus dem Spielsalon uns der Polizei beschreiben? So jung wir mit 16-17 Jahren auch waren: Von uns sechs waren vier 1 Meter 80 gross (darunter ich), einer war 1 Meter 85, und einer war schon 1 Meter 90 gross, wenn nicht gar darüber. Wie auch immer: Heute bin ich dem Mann im Spielsalon dankbar für eine unvergessliche Erinnerung.
Das Ganze hätte uns genausogut in Strasbourg passieren können. Diesen bestimmten Typ des übereifrigen jungen Polizisten gibt es dort genauso wie auch in anderen Ländern. Der Trierer Kommissar hatte es nicht leicht mit uns, aber er war gut. Erik Ode oder Siegfried Lowitz, die ich sehr schätze, hätten keine bessere Figur gemacht. Es ist leicht, bei einer Verhaftung lustig zu sein, wenn man jung, selbstbewusst, frech, kühn, unschuldig und noch in einer Gruppe ist.

Seither habe ich ein Auge für Verhörsituationen.

Einer der besten Filme in der Geschichte ist "Das Verhör" (1981) mit Michel Serrault und Lino Ventura, die unglaublichste Naturbegabung seit der Erfindung des Kinofilms durch die französischen Gebrüder Lumière. ("Nur Ventura, Ventura", sagten meine Tanten, die alle Giganten kannten.) Diesen schwer beeindruckenden und packenden Film gibt es auf DVD. Unbedingt zupacken!

Die grösste Entdeckung auf dem Gebiet des Polizeikrimis ist aber der "Polizeiruf 110" aus den Jahren 1971 bis 1988. Die Qualität der Stoffe (Geschichten), der Handlungen und der Darsteller ist derart überragend, dass ich erschlagen war und mich bis heute nicht davon erholt habe. So etwas hat es im ganzen Westen von Hauzenberg bis Honolulu nicht gegeben. Die DVD-Boxen der Reihe "DDR TV-Archiv" sind immer noch erhältlich. Bei mir liegen sie heute im Tresor.

Seiten 1 | 2
 Sprung  

Xobor Erstelle ein eigenes Forum mit Xobor
Datenschutz