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TV-Nostalgie-Forum

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Dieses Thema hat 5 Antworten
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 Fernsehtipps: am Samstag läuft... Nicht verpassen!
Mariposa



Beiträge: 841

09.01.2019 14:31
HOLOCAUST antworten

Liebe TV-Nostalgie-Freunde,

im Januar 1979 wurde im deutschen Fernsehen erstmals die US-Mini-Serie HOLOCAUST ausgestrahlt. Ihr Inhalt ist die fiktive Geschichte der jüdischen Arztfamilie Weiss, die zu Beginn des Nationalsozialismus in Berlin lebt. Die Serie hatte damals heftige Diskussionen über den Nationalsozialismus zur Folge. Das war übrigens meine erste Bildschirmbekanntschaft mit Meryl Streep, die die Schwiegertochter der Familie Weiss mimt. Auch gab es ein "Wiedersehen" mit Rosemary Harris, die mir durch DER LANGE TRECK (Die Chisholms) schon bekannt war.

Wer die Serie damals gesehen hat und gerne wiedersehen möchte oder wer sie überhaupt einmal sehen möchte, um mitreden zu können, der kann das jetzt tun.

Einige Sender wiederholen sie im Januar, beim SWR läuft sie ab heute Abend 22:00 Uhr.

Da dies bisher meinerseits noch nicht geschehen ist: FROHES NEUES JAHR, viel Gesundheit und Glück und wenig Stress.
Mögen alle Vorhaben machbar sein und Wünsche in Erfüllung gehen.

MARIPOSA

Träumerle


Beiträge: 951

09.01.2019 15:00
#2 RE: HOLOCAUST antworten

Die Serie habe ich damals gerne gesehen....Manchmal denkt man so, dass man diese Serie evtl. teilweise als Pflichtprogramm für bestimmte Personen nehmen sollte....Für mich leider sehr spät....muss ich mal schauen, dass ich das irgendwie aufgenommen bekomme.

Mariposa



Beiträge: 841

20.01.2019 23:55
#3 RE: HOLOCAUST antworten

Was die Ausstrahlung besonders interessant gemacht hat ist im Anschluss eine neuere Doku mit dem Titel: "Wie Holocaust ins Fernsehen kam". Wirklich sehenswert !!!

Da gibt es nach all' der Zeit ein Wiedersehen zwischen Rosemary Harris und ihrer Filmtochter, die damals Opfer der Euthanasie wurde. Auch der Darsteller des Dorf kommt zu Wort, über seine Gefühle diesen Charakter zu mimen.

Ich hoffe mal, dass auch andere Dritte das noch wiederholen, vielleicht zu einer früheren Zeit oder an einem anderen Wochentag.

Nächtliche Grüße

MARIPOSA

Mariposa



Beiträge: 841

31.01.2019 23:21
#4 RE: HOLOCAUST antworten

Auch die letzte Folge der Holocaust-Wiederholung hatte noch Überraschungen parat. Ich finde die Serie noch genauso emotionell und ergreifend wie als Teenager.

Zum einen war in einer kleineren Rolle der nervige Journalist Blount (Vernon Dobtcheff) aus MICHAEL STROGOFF zu sehen. Also auch bei Erstaustrahlung ein "alter Bekannter" aber damals hatte ich nicht darauf geachtet. Er mimte Karp, eine Art Aufsichtsperson über die Abtransporte nach Auschwitz, der eigentlich auf Seiten der Familie Weis war, sie abernicht vor ihrem entsetzlichen Schicksal bewahren konnte.

Bei Erstausstrahlung endete die Serie mit Rudi (Joseph Bottoms) der die Gleise entlangwandert und sich gegen seine Kameraden entscheidet, die nach Osten gehen. Rudi ist einziger Überlebender der Familie Weis. Obwohl er insgeheim ahnt was passiert ist, macht er sich auf, den Verbleib seiner Angehörigen in Erfahrung zu bringen.

Nach dem Selbstmord von Massenmörder Dorf beharren seine fanatische Frau und die Kinder darauf, er sei den Heldentod gestorben.

Als kleines Schmankerl gab es ganz zum Schluss noch die letzten Szenen der US-Fassung in englischer Sprache. Da musste man sich erst mal drann gewöhnen, dass die Darsteller mit anderen Stimmen sprachen und die Namen der Lager anders ausgesprochen wurden. Hier zündet Dorfs Frau noch eine Kerze für ihren verblichenen Gatten an. Wie grotesk!

Dann trifft Rudi auf seine christliche Schwägerin Inga, die sich liebevoll mit ihrem Sohn beschäftigt. Es ist das Kind Karls, in Theresienstadt geboren. Sie hat den Kleinen in Erinnerung an ihren Schwiegervater Josef genannt. Rudi findet, er sähe wie Churchill aus. Onkel und Neffe freunden sich an. Weder Rudi noch Inga wissen, wie es weiter geht aber Inga möchte zuerst mal nach Deutschland zurück.

Da wird Rudi angesprochen, die Verantwortung für 40 aus Griechenland stammende jüdische Waisenkinder zu übernehmen, die nach Palästina geschmuggelt werden sollen. Zuerst zweifelt er, weil er weder griechisch noch hebräisch spricht, aber dann fängt er an sich mit den Jungs und der Situation anzufreunden. Er wurde für diese verantwortungsvolle Aufgabe ausgewählt, weil sein Mut und seine Tatkraft aber auch sein Leid sich bis nach Palästina herum gesprochen haben.

Ein einigermaßen versöhnliches Ende für einen aufwühlenden Film. Gegen Ende wurde auch in der deutschen Version nicht mit Blut und mit Tod gespart.

Freundliche Grüsse
MARIPOSA

loe



Beiträge: 61

20.03.2019 16:55
#5 RE: HOLOCAUST antworten

Das war einer der wichtigsten und bewegendsten Filme meiner Jugend. Er war sehr gut gemacht, weitgehend frei von amerikanischen Geschmacksverirrungen und hatte zum Glück viele ruhige, reflektierte Momente. Die Ergriffenheit der Zuschauer konnte so auch aus dem Inneren kommen und nicht bloss aus Szenen, deren Dramatik ins Auge fiel. Die Leute, die an diesem Film gearbeitet haben, konnten etwas: bis zur letzten Nebenrolle und bis in den hintersten Winkel hinter der letzten Kulisse.

Neun von zehn Kindern hatten damals bei uns diesen Film gesehen. Auf dem Schulhof waren dank sechs Staatssendern noch echte Diskussionen und echter Austausch möglich. (Wie ist das heute mit 2'500 Programmen, deren Inhalt schnurgerade in die mentale Ablöschung führt?) Damals war ich noch Deutscher Staatsbürger, ein Isolani, umgeben von Schweizern, die zum Teil die Dinge sehr klug und mit grossem Verständnis einzuordnen wussten. Andere begegneten mir neuerdings mit gewaltiger Skepsis und Kühle. Der Gang zur Schule am Morgen nach jedem Teil war nicht leicht. Eine grosse Betroffenheit und eine grosse Wut war in mir. Hinzu kam eine Scham, die ich nie wieder verloren habe.
Einem Menschen bin ich näher gekommen, der schon zuvor, also von Natur aus, skeptisch und zurückhaltend war. Auf dem Heimweg über eine Eisenbahnbrücke stellte sich nach langem Reden am Ende ein Detail heraus, nämlich dass wir uns beide in die tschechische Jüdin Helena Slomova verliebt hatten. Aber die Filmszene, die Mariposa schildert, nämlich wie Rudi auf den Gleisen läuft und hofft, noch Überlebende seiner Familie zu finden, war die schwerste und hat sich tief in mir eingebrannt.

Elaine



Beiträge: 330

21.03.2019 19:14
#6 RE: HOLOCAUST antworten

Ich war 15, als der Film lief, und war in erster Linie fassungslos. "Wie war das? Habt ihr das gewusst??", war meine Frage an meine Eltern (Jg. 1917 und 1922). Meine Mutter beeilte sich zu versichern, dass sie in dem kleinen Städtchen, in dem sie aufgewachsen war, nichts (allenfalls von der Reichsprogromnacht ein bißchen) mitbekommen hätte... und mein Vater hat sich dezent gar nicht dazu geäußert...
Unsere Schuldirektorin (Jg. 1921 in Berlin), bei der wir gerade das Dritte Reich in Religion durchnahmen, hat sich differenziert kritisch zu dem Film geäußert (ihr war er tendenziell noch zu verharmlosend).
Aber ist Scham wirklich die richtige Reaktion??? Ich kenne Leute in ungefähr unserem Alter, die sind bis nach Australien und Neuseeland gelaufen, um ihrer deutschen Identität mit dem Schuldkomplex zu entkommen, aber:
Haben wir es gemacht oder unsere Eltern/ Großeltern??
Und unsere Generation hat noch einen guten Teil der Kriegstraumata per Erziehung weitergereicht bekommen...
"Wenn in Deutschland etwas schief geht, muss man erst ´mal den Schuldigen finden - während man sich in Frankreich und England darum kümmert, den Fehler so weit wie möglich zu beheben", hat ´mal ein gebildeter und wohlsituierter Klient von mir gesagt.
Ich finde, unser Job ist es, ähnlichen Auswüchsen, soweit es uns möglich ist, entgegenzuwirken. Nichts mehr und nichts weniger.


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