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TV-Nostalgie-Forum

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Dieses Thema hat 8 Antworten
und wurde 207 mal aufgerufen
 Off-Off-Topic
Petra



Beiträge: 7.289

29.03.2020 15:16
34 Jahre und fast vier Monate ... Antworten

... ist sie alt geworden, die Lindenstraße. Ich habe vermutlich über alle Jahre verteilt, 10 Folgen verpasst. Im Urlaub, noch ohne Internet. Ansonsten habe ich jede Folge gesehen, vermutlich auch viele vergessen, die letzten Jahre litt meine Konzentration ein wenig, aber ich saß immer um 18.40 Uhr, später um 18.50 Uhr, vor dem Bildschirm. Selten habe ich mir gedacht: "Das gucke ich später in der Mediathek", es war ein Ritual am Sonntagabend. Anrufen ab 18.30 Uhr ging gar nicht, und wenn, wurde das Gespräch schnell abgebrochen, und nicht immer haben die Gesprächsteilnehmer verständnisvoll reagiert. Aber mit der Zeit haben sie es gelernt.

Heute geht sie zu Ende - in unruhigen Zeiten. Die Lindenstraße ist abgedreht, schon vor drei Monaten. In 34 Jahren hat man sich immer die Mühe gemacht, die jeweilige Folge zu aktualisieren, da die immer am Donnerstag vor dem Ausstrahltag spielte (Ausnahmen gab es, wenn auch wenige, z. B. an Wahltagen - da wurden auch schon mal drei verschiedene Enden gedreht und das gesendet, was zum Ergebnis der Wahl passte). Ich hatte eigentlich vor, bis zum 30.06.2020 (das war das eigentliche Abbaudatum der Kulissen) wenigstens einmal im Leben nach Köln-Bocklemünd zu fahren und mir die Kulissen anzusehen, ein Versuch im letzten Jahr hat nicht geklappt, weil ausgebucht. Ich weiß ja jetzt, dass dies vermutlich ohnehin nicht geklappt hätte - aber die Kulissen wurden schon viel früher abgebaut, alle Kostüme, Geschirr, Mobiliar in großen Flohmärkten an die Fans verkauft. Eine Aktualisierung in Zeiten von Corona sieht so aus, dass gerade mal die Radionachrichten im Hintergrund eingespielt werden, aber gleichzeitig handelte die vorletzte Folge von einer Demonstration, die es so nie gegeben hätte. Das muss den Machern der Lindenstraße in der Seele weh getan haben, dass ausgerechnet zum Ende der Serie die Lindenstraße nur noch eine Serie wie viele ist - ohne aktuellen Bezug.

Leider bekommt das Ende der Lindenstraße auch nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdient - das wird natürlich (verständlich!) von Corona überlagert. Ich werde sie vermissen. Nicht alles war gut, manches war sogar richtig schlecht. Aber die Serie hat realistische Probleme und aktuelles immer thematisiert. Der Serie wurde oft vorgeworfen, linkslastig zu sein. Das mag sein, der Macher der Serie hatte manchmal auch etwas missionarisches an sich. Die Menschen in der Lindenstraße waren nicht schön, sie sahen aus wie ganz normale Menschen, und da es vielen Fans auch schwer fiel, neue Figuren zuzulassen, kam selten "frisches Blut" in die Serie, was zur Folge hatte, dass die Serie hinsichtlich ihrer Darsteller als leicht "überaltert" galt. Auch die Fans dürften im Schwwerpunkt zwischen 50 und 60 Jahren sein. Ich habe es nie verstanden, was einige "Hardcore"-Fans da manchmal antrieb - vor einigen Jahren kam eine neue Familie in die Lindenstraße, da wurde so viel herumkritisiert (hauptsächlich deshalb, weil Vater und Mutter bayerisch sprachen! Hallo: die Serie spielt in München! - Das Bayerisch war übrigens gut zu verstehen), dass die nach und nach alle herausgeschrieben wurden, bis auf den Großvater und eine Tochter, beide spielten am Ende allerdings auch nicht mehr mit. Das fand ich extrem schade. Auch die Lindenstraße kam nicht immer um Zweitbesetzungen herum, was logisch ist. Da gab es eine zweite Marion Beimer, eine zweite Sandra Sarikakis, eine zweite Lydia Nolte, einen zweiten Timo Zenker, einen zweiten und sogar dritten Nico Zenker. Fünf Darsteller standen nicht mehr zur Verfügung, eine Darstellerin starb. Die Fans waren mehrheitlich der Meinung, dass man dann auch die Figur hätte sterben lassen müssen. Außer bei Timo - der kam erst nach Jahren wieder in die Straße, da wurde es hingenommen, weil sich an das erste Gesicht kaum noch einer erinnern konnte und Timo vorher eine absolute Nebenrolle hatte. Ich bin der Meinung, dass Zweitbesetzungen eher das kleinere Übel sind als Rollen einfach sterben oder verschwinden zu lassen. Das ist nämlich erst recht unglaubwürdig. Es war zum Beispiel absolut unglaubwürdig, dass eine Marion Beimer nicht ans Krankenbett ihrer Mutter geeilt ist, als diese auf der Schwelle des Todes stand. Gut, auch die zweite Marion stand wohl nicht mehr zur Verfügung. Für die Dramaturgie und die Glaubwürdigkeit hätte man auch nochmal eine dritte nehmen können, zumal man auch die zweite Marion etliche Jahre nicht mehr gesehen hat ... Die zweite Sandra wurde von den Fans regelrecht aus der Serie herauskritisiert, plötzlich ging die einstmals so verliebte und treue Sandra einfach fremd, und der Ehemann setzte sie an die Luft. Aber ich schweife ab.

Es gab im Laufe der Jahre ca. 150 Stammdarsteller, darunter waren natürlich auch Nebenrollen, Personen, die oft dabei waren, aber nie wirklich etwas erlebten. Da ist z. B. Gung, praktisch von Anfang an dabei, er hatte nie eine eigene Geschichte, aber er wird von den Fans geliebt.

Viele sagen, die Lindenstraße sei unrealistisch. Nein, ist sie absolut nicht. Und doch - irgendwie. Denn das, was in dieser Serie in einem kurzen Straßenabschnitt alles passiert, würde vermutlich sonst über mehrere tausend Personen in einem kleinen Ort passieren. Das wahre Leben ist vermutlich viel langweiliger, von daher muss die Lindenstraße einfach mehr Handlung hinein bringen. Die Handlungen als solche sind absolut nicht unrealistisch, nur die Häufung an sich.

Ich werde heute abend schon ein wenig trauern. Die erste Folge am 8.12.1985 hieß "Herzlich willkommen", die heutige heißt "Auf Wiedersehen". Daran glaube ich nicht wirklich, aber wer weiß - vielleicht gibt es ja doch irgendwann mal eine Überraschung.

Off Topic ist das eigentlich gar nicht, denn die ersten 10 Jahre der Serie sind im Sinne dieses Forums auch schon Nostalgie. Und leider auch die ganze Serie ab heute Abend. Wer guckt heute Abend mit mir die letzte Folge?

Träumerle


Beiträge: 964

29.03.2020 18:22
#2 RE: 34 Jahre und fast vier Monate ... Antworten

So lange ist das schon her mit dem Anfang dieser Serie? Aber mehr, als das man davon gehört hat und das es Sonntage gab, in denen viele Sendungen aus irgendwelchen Gründen ausfielen, aber die Lindenstraße nicht kann ich dazu nicht sagen....Die Sendung war nicht so unbedingt die meine...Ab und an hat man so Nachrichten mitbekommen, die wohl die Sendung interessant halten sollten wie z.B.: "Mutter Beimer macht sich nackig!"...Ich glaube, den Deutschen Serienrekord hat die Sendung auch nicht? Ich meine SOKO5113, welche heute als SOKO München läuft war Älter, aber eben eine Krimiserie und keine Familienserie.....

Petra



Beiträge: 7.289

29.03.2020 19:33
#3 RE: 34 Jahre und fast vier Monate ... Antworten

Mag sein, dass sie älter war, aber die Lindenstraße hatte mehr Folgen. Außerdem ein anderes Genre, sonst wäre der Tatort wohl am ältesten. Der Tatort ist ja auch nicht wirklich eine Serie, sondern eine Reihe.

Die letzte Folge hat nun versöhnlich geendet, was mich freut. Trotzdem bin ich ganz fertig ...

Mariposa



Beiträge: 888

29.03.2020 19:48
#4 RE: 34 Jahre und fast vier Monate ... Antworten

Ich hatte die Folge geguckt, weil es halt die letzte Folge war, aber leider keinen Bezug mehr dazu gefunden. Meine Eltern und später mein Vater wollten das immer sehen. Damals war ich noch "up to date", mehr als in der eigenen Nachbarschaft. Nachdem ich es alleine gucken musste, habe ich aufgehört und schaue lieber Regionalfernsehen.

Bestimmt wird es eines Tages ein Veteranentreffen der Darsteller geben. Diese werden in nostalgischen Erinnerungen schwelgen und darüber erzählen wie auf einem Klassentreffen.

Schlimm ist es für die ehemals kindlichen Darsteller, die von Anfang an mit dabei waren und damit aufgewachsen sind. Oder auch für die Ur-Gesteine, die all die Jahre durchgehalten haben.

Wenn ich Spiegeleier brate, werde ich immer an Mutter Beimer denken. Das sind dann die Mutter-Beimer-Gedächtnis-Spiegeleier.

LG MARIPOSA

Petra



Beiträge: 7.289

29.03.2020 21:24
#5 RE: 34 Jahre und fast vier Monate ... Antworten

Klar, wenn man es jahrelang nicht mehr gesehen hat und etliche Darsteller nicht mehr kennt bzw. weiß, was in der Zwischenzeit geschehen ist, findet man keinen Zugang mehr. Ich hoffe ja, dass die Geißendörfers noch ein paar Ideen für Fernsehfilme in der Schublade haben - es gäbe so viele Möglichkeiten, ein paar Fortsetzungen zu drehen, das muss keine Serie werden, aber so ein oder zwei Fernsehfilme pro Jahr könnte ich mir gut vorstellen. Die Fans werden sicher für Ideen sorgen.

Zementa


Beiträge: 137

03.04.2020 08:54
#6 RE: 34 Jahre und fast vier Monate ... Antworten

Oh, wie schön :-). Ein Nachruf auf die "Lindi" (wie es bei uns immer hieß)! Damals, als Herr und Frau Zementa noch jünger waren, hatten wir sogar ein Lindenstraßen-Kränzchen. Schon etwas skurril, wenn sich ein Punk-Trommler und weitere echt voll harte Typen sonntags zu einer Familienserie treffen .
Eine Zeitlang war ich raus, da ich während meines Studiums am Wochenende in einer Kneipe gearbeitet habe, aber ansonsten war auch ich von der ersten Folge an dabei. Und man hat immer mit Spannung die nächste Hörzu erwartet, in der es die Vorschau auf die nächste Folge gab.

Aber - liebe Petra - du irrst . Der Gatte und ich hatten tatsächlich einige Zeit in einem Haus gelebt, in dem alle möglichen Dramen unter einem Dach stattfanden. Das Witzigste war, als wir Besuch aus dem hohen Norden hatten und mit diesem draußen auf dem Hof saßen. Der Gatte erzählte ein bisschen, was hier immer so los sei, und meinte wortwörtlich: "Das ist hier wie in der Lindenstraße". In exakt diesem Moment kommen zwei Polizisten um die Ecke und gehen ins Haus, gefolgt von Sanitätern. Daraufhin konnte er dann ganz selbstbewusst "Siehste!" sagen .

Und ich wünsche mir sehr, dass deine Idee mit den Fernsehfilmen wahr wird :-).

Petra



Beiträge: 7.289

03.04.2020 15:25
#7 RE: 34 Jahre und fast vier Monate ... Antworten

Ich habe diese Idee auch weitergegeben an eine Autorin der Lindenstraße (wobei ich schon genaue Vorschläge hatte), diese fand die Idee sehr gut und meinte, das könne sie sich sehr gut vorstellen, sie werde dies an die Geißendörfers weiterleiten. Und - witzigerweise - hatte ich mir sogar eine Geschichte ohne die Straße ausgedacht (denn die ist ja abgebaut). Aber wer sagt denn, dass z. B. nicht drei Bewohner aufs Land ziehen und ihre Charaktere weiter spielen? Dazu kommen dann in jedem Film ein paar ehemalige Nachbarn zu Besuch. Da kann man herrlich was zusammenspinnen.

Elisabeth


Beiträge: 143

10.04.2020 08:35
#8 RE: 34 Jahre und fast vier Monate ... Antworten

Ich bedauere es auch sehr, dass die Lindenstraße abgesetzt wurde. Mein Mann und ich waren Zuschauer seit der 1. Folge und hatten keine Folge verpasst. Wenn wir in Urlaub waren, hatte der DVD-Recorder gute Dienste geleistet.

Horace



Beiträge: 503

11.05.2020 18:59
#9 RE: 34 Jahre und fast vier Monate ... Antworten

Ich habe nur die ersten Folgen in den 80er gesehen, mit dem Tennslehrer (Nossek ?), der frühreifen Tanja und ihrer seltsamen Mutter. Else Kling, der Blockwart aus dem Treppenhaus und die Beimers sind bei mir noch hängen geblieben. Ach ja, an den Griechen Vassilli kann ich mich noch erinnern und dann verließen sie ihn.... Ich bin allerdings auch nicht für Serien, die über Jahre hinweg gehen, gemacht...

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