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Wie ich vor kurzem schon schrieb, hat mir Peter Schirmann, der Komponist der Titelmelodie von MS Franziska ins Gästebuch geschrieben. Er schrieb mir auch ein Mail, und auf meine Antwort erzählte er mir die Geschichte der bekannten Pfeif-Melodie. Er hat mir erlaubt, sie auch auf die Homepage zu stellen, aber hier mal die Rohversion davon:
"Staudte rief mich an und bat mich nach Baden-Baden. Er habe eine Serie im Schneideraum und drei Musik-Vorschläge, die ihm nicht gefielen. Letzte Hoffnung: icke.
Man spielte mir die Bänder der drei anderen Kollegen, die ihre Arbeiten in einer Art Wettbewerb eingereicht hatten, anonym vor.
Den Ersten erkannte ich sofort. Das war der von mir sehr verehrte Martin Böttcher (Winnetou). Aber es passte tatsächlich nicht so recht.
Der Zweite hatte eine Jazz-Sache a la "Strassen von San Franzisco" geliefert. Diese Nummer war richtig gut, aber eher Krimi-Titel. Ich habe sie dann, weil ich sie dufte fand, in der MS Franziska unter dem Stadtbummel in Rotterdam verwendet, was mir der Kollege (Dieter Reith) erst glaubte, als er dann die Erstausstrahlung sah.
Die dritte Musik war sicher gut, aber nicht so, dass man darüber längere Briefe an die Verwandtschaft schreiben müsste.
Ich hatte jedenfalls den schwarzen Peter, denn ich war Seiteneinsteiger und musste gute Leute überzeugend übertreffen.
Sah mir alle acht Folgen im Rohschnitt an und hatte den gleichen Eindruck, den Sie beschreiben: Es war Realismus pur, ganz ohne Fett.
Und so war die Lösung:
Was macht ein Partikular-Kapitän, der 70 Jahre alt ist, wie sein Schiff und auch noch vom knorzigen Paul Dahlke verkörpert wird? Spielt der im Steuerhaus Akkordeon oder Geige? Hört der ständig Radio? Nee! Der pfeift 'n bißken durch die Zähne, vielleicht auch 'n bißken falsch vor sich hin und passt auf, dass der Kahn genug Wasser unterm Kiel hat!
Aus diesem Gedanken entwickelte sich die Titelmusik, die ohne Murren angenommen und übrigens auch von meinen Kollegen neidlos als passend empfunden wurde.
Staudte war happy! Ick ooch."
Dann kam heute noch eine Ergänzung, nämlich die:
"Man hätte die Melodie auch mit einer Mundharmonika oder einem Accordeon spielen können, aber das wäre zu einfach gewesen. Ein Klischee wie der Hochzeitsmarsch aus dem Sommernachtstraum oder der Brautchor aus Lohengrin. Oder La Paloma wenn in See-Stücken der gebräunte Stenz an der Ruderpinne bedeutend aussehn soll.
Ist Ihnen aufgefallen, dass in MS Franziska sehr wenig Hintergrund-Musik verwendet wird? Staudte zeigte mir am Schneidetisch, wo er Musik haben wollte. Und als ich immer öfter "Nein, hier nicht" sagte, forderte er fast ärgerlich eine Begründung. Er schloss sich dann meinem Argument an, dass realistische Scenenfolgen, wenn sie denn sauber insceniert und gespielt sind und für sich sprechen, durch Musik eher beeinträchtigt werden.
Wenn Jakob Wilde Terminschwierigkeiten hat, muss die Musik das nicht naseweis kommentieren, was sie eh nicht kann: >Hej Leute, hört mal alle her, grummel, grummel, Paukenwirbel, Jakob Wilde hat Schwierigkeiten und ihr seid zu doof, das ohne grummel, grummel, Paukenwirbel zu erkennen<. Und dass es langweilig und staubig ist, 'ne Ladung Kali zu löschen, muss man nicht musikalisch verdeutlichen. Lieber nerviges Krangequietsche als nichtssagende Musiksauce."
Genau das denke ich mir eben manchmal auch - manchmal ist es besser ohne Musik. Besonders nervt es mich bei sog. "Dokus".
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