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Diese Westernserie, die auch im Nachmittagsprogramm lief, ist ein Geniestreich aus der Feder des Horror-Kult-Regisseurs und Produzenten Larry Cohen. Von einem amerikanischen Waschmittelhersteller gesponsort, bietet Shenandoah eine der besten, wenn nicht gar die beste, Eröffnungssequenzen einer Westernserie schlechthin:
Ein Reiter, dessen namen wir nicht kennen, kommt in eine Stadt. Er geht ins Hotel, erkundigt sich nach einem bestimmten Mann und bittet den Portier: "Wenn sie ihn sehen, richten Sie ihm aus, dass ich hier bin. Mein Name ist..." Dann überlegt er es sich anders. "Ach lassen Sie, ich mach mich frisch, dann treffe ich ihn ja bestimmt...". Seinem Gesichtsausdruck zu urteilen, erwartet der Fremde einen Freund. Den namen des Fremden erfahren wir nicht, und werden wir auch nie, denn kaum hat er sich frisch gemacht, gerät er in einen Schusswechsel und wird verwundet. Leider verliert er aufgrund dieser verwundung sein gedächtnis und weiß nicht mehr, wer er ist, woher er kommt und wen er in der Stadt treffen wollte. Er weiß nur zwei Dinge - er kann mit dem Schießeisen umgehen, und der Shenandoah-River sagt ihm was. deshalb nennt er sich abs sofort "Shenandoah" und begibt sich auf die Suche nach sich selbst...
In jeder Folge versucht Shenandoah, grandios dargestellt von Robert Horton, seinem Namen und sich selbst ein Stück näher zu kommen. Leider war es ihm nicht vergönnt, seinen richtigen namen zu erfahren, denn nach einer Folge, in der ein Sheriff bereits seinen namen auf den Lippen hatte und dann vor Shenandoahs Füßen erschossen wurde, versagte der Sponsor den Produzenten das Geld und aus wars mit Shenandoah... quasi von einem Tag zum nächsten. So erzählte es mir Robert Horton, der Hauptdarsteller, höchstselbst, als ich ihn beim Festival of the West in den USA treffen durfte. Bob Horton hatte die Serie geliebt und die Figur des Shenandoah war ihm sehr ans Herz gewachsen. Auch ihn wurmt es bis zum heutigen tag, dass er nie erfahren durfte, wie sein Seriencharakter wirklich hieß. Mister Horton ließ es sich auch nicht nehmen, das berühmte Titellied "Oh Shenandoah" selbst zu singen... sehr langsam, sehr wehmütig.
Shenandoah ist eine sehr interessante Figur - er ist ein knochenharter Westmann, ein einsamer Wolf, ein Revolvermann, und dennoch zerreißt ihm die Hoffnung darauf, seinen Namen herauszufinden, und die Angst davor, es nicht zu schaffen oder der Schmerz darüber, wieder einmal gescheitert zu sein, schier die Brust. Shenandoah redet nicht viel - er handelt. Wenn nötig, greift er zum Schießeisen. Oder er kämpft mit den Fäusten. Aber - er ist kein bandit, das wird von Anfang an klar. Er ist ein Guter, er ist ein Gerechter, und - obwohl sein Name nie bekannt ist - wird er zu einer jener zahlreichen Legenden im Westen. Der Name "Shenandoah" wird zum Begriff, und dennoch bleibt Shenandoah immer ein geheimnisvoller Einzelgänger - der Mann ohne Namen.
Mit Shenandoah hat Larry Cohen eine der faszinierendsten Westernserien der Sechziger Jahre geschaffen. Die Serie wurde Ende der Sechziger noch in Schwarzweiß produziert, was ihrer geheimnisvollen Atmosphäre keinen Abbruch tut. Für mich eines der ganz großen Highlights des Genres.
Pete
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