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TV-Nostalgie-Forum

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Dieses Thema hat 24 Antworten
und wurde 3.656 mal aufgerufen
 Krimis - gab es kriminelles Leben vor Derrick?
Seiten 1 | 2
Elisabeth


Beiträge: 93

03.07.2014 15:24
#16 RE: Der Kommissar wieder im TV antworten

Stimmt! Ich hatte es im Nachsatz korrigiert, damit es nicht missverständlich rüberkommt.

Flammentanz



Beiträge: 27

28.02.2015 13:15
#17 RE: Der Kommissar wieder im TV antworten

Ich war noch nicht einmal geboren, als der Kommissar 1969 seine Ermittlungen aufnahm, sondern lernte ihn erst durch die späteren zahlreichen Wiederholungen kennen.
Sofort mit der ersten Folge war ich dem Charisma dieses Herrn erlegen. Natürlich hat das vor allem mit Erik Odes unvergleichlicher Darstellung der Titelfigur zu tun. Seit dem “Kommissar” weiß ich, dass es eine Offenbarung sein kann, einem Schauspieler zuzusehen, wie er zuhört und nachdenkt, wie er leise und sanft und dennoch überaus hartnäckig sein kann und wieviel er nur mit einem Blick sagen kann. Am meisten verwundert mich, wie jemand der fast immer einen Kopf kleiner ist als alle übrigen Beteiligten, soviel Energie und Autorität ausstrahlen kann.

Dieser Kommissar ist ganz ohne Zweifel eine Vaterfigur. Streng, aber gerecht, autoritär, aber dennoch tolerant gegenüber Vertretern eines alternativen Lebensstils.
In “Ein Mädchen meldet sich nicht mehr” beklagt Kommissar Keller zwar, dass die junge Generation der älteren nicht erlaube, sie zu verstehen, und in “Dr. Meinhardts trauriges Ende” sowie in “Der Papierblumenmörder” versteht er sie wohl tatsächlich nicht, jedoch sind sie deshalb für ihn nicht automatisch Verbrecher. Zu einer Zeit als die “Langhaarigen” gerade von den Vertreter der Kriegs- und Vorkriegsgeneration, der Kommissar Keller angehört, auf zum Teil übelste Weise diffamiert wurden, übt sich dieser Mann in Toleranz. “Dieser nette, sanfte, junge Mann” äußert er zum Beispiel in “Der Papierblumenmörder” über den Hippie “Teekanne”. Kommissar Keller kann zwar weder in “Lagankes Verwandte” noch in “Als die Blumen Trauer trugen” einen Plattenspieler anstellen, hört sich jedoch sehr aufmerksam die ihm fremde Rockmusik an. “Vielleicht ein bisschen sonderbar” meint er über “Hey Joe” von Jim Hendrix in “Eine Kugel für den Kommissar”, aber das ist schon das äußerste an Kritik, was er formuliert.

Überhaupt verfügt Kommissar Keller über immense Toleranz.
“Moral ist nicht mein Fach, schon gar nicht die bürgerliche!” verkündet er in “Ein Mädchen meldet sich nicht mehr”. "Harry, du hast ja die Vorurteile von uns! Wie jemand wohnt, sagt nicht unbedingt etwas über seinen Charakter aus!” ruft er seinen Assistenten in “Die kleine Schubelik” zur Ordnung. “Was es nicht alles hinter Türen gibt!” ist seine einzige Reaktion, als er in “Ein rätselhafter Mord” damit konfrontiert wird, dass eine verheiratetete Frau ihren Mann während dessen Nachtschicht regelmäßig mit dem minderjährigen Sohn eines Nachbarn betrügt und sich das Schweigen ihrer ebenfalls minderjährigen Tochter mit Geld erkauft.

Offene menschliche Niedertracht jedoch empört auch den Kommissar zutiefst, und wenn er seine Verachtung oder Erschütterung darüber meist nur mit einem Blick deutlich macht, wirkt es umso intensiver.

Dieser lebenserfahrene Mann ist natürlich weitaus verständnisvoller als seine jungen Mitarbeiter.
In “Grauroter Morgen” muss Kommissar Keller Harry Klein allen Ernstes erklären, dass eine Mutter, die soeben ihre ermordete Tochter identifizieren musste, eine Stunde Zeit braucht, um zu weinen, während Klein und Heines auf dem Korridor die Vorzüge von Harrys neuester Freundin erörtern.
In “Ein Mädchen meldet sich nicht mehr” und in “Die kleine Schubelik” verhört er auf so einfühlsame Weise zwei junge Frauen, dass man glaubt ein Vater spreche mit seinen Töchtern. In “Der Held des Tages” spricht er überaus sensibel mit dem zehnjährigen Zeugen eines Banküberfalls. In “Fährt der Zug nach Italien” weigert er sich energisch, ein ständig misshandeltes kleines Mädchen zu verhören, obwohl er genau weiss, dass sie den Täter kennt.

Immer spürt man, dass er bei allen seinen Ermittlungen menschlich betroffen ist. “Wenn ich nicht ständig daran gedacht hätte, dass ich es mit Menschen zu tun habe, hätte ich nie herausbekommen, wer der Mörder ist.” verkündet er schon in seinem ersten Fall “Toter Herr im Regen”. Auch in “Spur von kleinen Füßen” äußert er sich über sein Berufsethos.

Weil Kommissar Keller seinem Beruf so überaus intensiv nachgeht, wird des öfteren thematisiert, wie sehr seine Arbeit ihn körperlich belastet.
“Ihr seid alle so frisch!” wundert er sich in “Tod eines Klavierspielers” über seine jungen Assistenten, während er auf der Couch in seinem Büro gegen die Müdigkeit ankämpft. In “Die Schrecklichen” verhört er spät nachts ganz allein mehrere Verdächtige gleichzeitig und bekämpft seine Erschöpfung mit Musik. So ist es auch kein Zufall, dass der Abspann dieser Folge über ein Bild des sich übermüdet mit der Hand übers Gesicht fahrenden Kommissars läuft. Am Ende von
“Geld von toten Kassierern” seufzt er vernehmlich: “Also für heute reicht’s mir!”
“Wo nimmt dieser Mensch nur die Kraft her?” wundert sich Fräulein Rehbein in “Kellner Windeck”, und Kommissar Keller selbst meint in “Schwester Ignatia”: “Manchmal frage ich mich, wie ich das aushalte.”

Außer seiner Leidenschaft für seinen Beruf ist sicherlich auch sein immenser Verbrauch an Genussgiften aller Art eine Antwort. Er raucht unentwegt (“Malboro” - wie in “Ein Anteil am Leben” relativ deutlich zu sehen ist) und trinkt neben seinem geliebten Rotwein alles was es an Alkohol zu haben gibt. All das macht ihn so ganz und gar menschlich.

Neben seinen charakterlichen Tugenden verfügt Kommissar Keller über zwei weitere Vorzüge: Charme und Humor. Man hat dabei immer das Gefühl, Erik Ode spielt damit gegen seinen Autoren an, der alles zu ernst nimmt. Gibt man ihm die
Gelegenheit dazu, dann liefert der Schauspieler wahre Kabinettstückchen ab.
Wie er in “Das Messer im Geldschrank” als verdeckter Ermittler einem Animiermädchen vor allem durch intensives Zuhören mehr an Geheimnissen entlockt, als dieser lieb sein kann.
Wie er in “Die Schrecklichen” nachts um elf Uhr nach dem ergebnislosen Verhör von vier mehr oder weniger Verdächtigen zunächst seine Erschöpfung mit einer Zigarette und Musik bekämpft, dann jedoch den Einfall hat, wie er des Mörders mit
Hilfe eines Tricks doch noch habhaft werden kann und ein unendlich leichtes Lächeln der Freude erst die Augen und dann den Mund überzieht und er jede Müdigkeit abschüttelt.
Wie er und Walter Grabert sich in “Tod einer Zeugin” zu den Klängen von “A Banda” von Herb Alpert gegenseitig durch ein Appartment jagen, jeder in der Annahme, einem Mörder zu verfolgen.
Wie er in “Der Papierblumenmörder” ganz allein einen langsamen Walzer tanzt und sich dann zur Ordnung ruft.
Wie er in “Die Schrecklichen” auf die Annäherungsversuche einer Verdächtigen reagiert.

Sämtliche Szenen mit seiner Frau Franziska gehören in diese Kategorie. Wie er sich ihrer Fürsorge entzieht und ergibt (“Toter Herr im Regen”), wie er sich ihrer Krankenpflege verweigert (“Das Messer im Geldschrank”), wie er ihr vergeblich seinen Zigarettenkonsum verheimlichen will (“Die Wagonspringer”), wie er einen Fall mit ihr bespricht (“Der Tod fährt 1. Klasse”), wie er sich über ihr Lob freut (“Geld von toten Kassieren”), wie er seinen Hochzeitstag nicht in Ruhe mit ihr feiern kann, weil er über “Dr. Meinhardts trauriges Ende” nachdenkt.

Zu einer solchen Vaterfigur gehören natürlich auch die Kinder, und so hat Kommissar Keller gleich drei “Söhne”, von denen jeder über bestimmte Eigenschaften seines “Vaters” verfügt.
Die "deutschen Tugenden" hat er an Robert Heines weitergegeben, den Charme und den Humor an Walter Grabert und seine
Statur und die Sanftheit an Harry Klein. Die “Tochter” Helga Lauer ist nicht annähernd so profiliert gezeichnet wie die “Söhne”, so dass sie niemand richtig vermisst, als sie später spurlos verschwindet.
Zu dieser Familie gehört mit Fräulein Rehbein noch die “Mutter” als “Stütze des Unternehmens” wie Walter Grabert bereits im ersten Fall meint.

Die Familie ist einander überaus zugetan, und man sorgt sich um den anderen.
Todesdrohungen durch rachsüchtige Verbrecher (“Eine Kugel für den Kommissar”) oder ungerechte Behandlung durch einen ignoranten Vorgesetzten (“Der Tod fährt 1. Klasse”) lassen sie nur näher zusammenrücken. Mitunter wird sogar der Feier-
abend gemeinsam verbracht wie in “Die Nacht mit Lansky”.
Über Körperkontakt wird immer wieder Zuneigung deutlich gemacht, etwa wenn Kommissar Keller Walter Grabert sanft mit der Faust gegen die Wange drückt.
Gegenseitige Zuneigung schließt natürlich liebevolle Flachserei untereinander nicht aus. Besonders der sanfte Harry Klein eignet sich bestens dafür, von seinem “Vater” und seinen “großen Brüdern” gefoppt zu werden. Bei seinem Bruder Erwin ist das nicht mehr ganz so ausgeprägt, obwohl er sich in “Der Liebespaarmörder” bei der schwärmerischen Beschreibung einer Zeugin von seinem Chef anhören darf: “Krieg dich wieder ein, oder ich lass dich zur Sitte versetzen!”
Aber auch Walter Grabert wird in “Die Tote im Dornbusch” ebenso wie Robert Heines in “Die Pistole im Park” gefrotzelt. Und auch Fräulein Rehbein darf sich von ihrem Chef des öfteren einige ironische Bemerkungen anhören.

Das Familiäre wird auch dadurch betont, dass das Büro zwar in erster Linie der Arbeit dient, aber eben auch für ganz private Dinge genutzt wird. Die Sofaecke im Büro von Kommissar Keller erinnert nicht von ungefähr an ein
Wohnzimmer.
Der Kommissar hat dort bereits übernachtet (“Das Messer im Geldschrank”), Siesta gehalten (“Tod eines Klavierspielers”) und sich rasiert (“Die kleine Schubelik”). Hier wird gefrühstückt und zu Abend gegessen. Nur zum Mittagessen scheint man
die Kantine aufzusuchen.
Auch seine geliebten Fische im Aquarium dienen der Regeneration des Kommissars. Als er in “Das Messer im Geldschrank” nach einem grippalen Infekt wieder genesen im Büro erscheint, erkundigt er sich als erstes, ob Fräulein Rehbein seine
Fische gefüttert hat. Des öfteren vermitteln ihm seine Lieblinge ein Gefühl der Ruhe inmitten aller Turbulenz. “Ihr habt`s gut!” meint er zu ihnen in “Ein Mädchen meldet sich nicht mehr” bevor er mit einem wichtigen Verhör beginnt.
So ist es nicht verwunderlich, dass Harry Klein seinem Chef zum Abschied in “Spur von kleinen Füßen” ein neues Exemplar (einen Schlammbeisser) schenkt.

Die Fälle, die Kommissar Keller und sein Team aufzuklären haben, sind überaus abwechslungsreich, weil sie sich nicht ausschließlich in den Villen der Reichen und Schönen abspielen. Vielmehr haben die Kriminalisten es auch mit sozial Schwachen sowie mit Berufsverbrechern zu tun.

Viele Episoden thematisieren die schrecklichen Schattenseiten der bürgerlichen Wohlstandsgesellschaft, in der sich die Menschen nur noch mit Hass, Verachtung, Gleichgültigkeit und Vorurteilen begegnen. In Episoden wie “Das Ungeheuer”, “Der Tod des Herrn Kurrusch”, “Mit den Augen eines Mörders”, “Schwierigkeiten eines Außenseiters” und “Im Jagdhaus” sind scheinbar biedere Bürger allzu schnell dabei, andere zu denunzieren, um von ihren eigenen Vergehen abzulenken.
Häusliche Gewalt wurde bereits damals thematisiert (“Die kleine Schubelik”, “Schwester Ignatia”, “Fluchtwege”, “Fährt der Zug nach Italien?”) sozial Schwächere gelten als Freiwild (“Der Tennisplatz”, “Schwierigkeiten eines Außenseiters”) und ältere Menschen werden nur noch als Erwerbsquelle sowohl für die nächsten Angehörigen (“Schwarzes Dreieck”) als auch für skrupellose Geschäftemacher (“Tod eines Ladenbesitzers”) betrachtet.

Neben diesen sozial engagierten Folgen gibt es die Klassiker, deren Geschichten überaus unkonventionell erzählt sind.
“Sonderbare Vorfälle im Hause von Professor S.” klingt wie ein Horrorfilm und ist es am Ende auch, wenn ein Psychiater nicht bemerkt, dass seine Sprechstundenhilfe den Verstand verloren hat.
“Traum eines Wahnsinnigen” ist ebenfalls beinahe ein Gruselfilm bei der man - Beginn und Ende zeigen die gleiche Einstellung - nicht beruhigt aus der Folge entlassen wird, sondern das Gefühl hat, alles könnte wieder von neuem beginnen.
“Schwarzes Dreieck” ist eine schier unglaubliche Geschichte über drei mörderische alte Damen, deren Treiben man dennoch ein gewisses Maß an Verständnis entgegenbringt.

Immer wieder wird die heuchlerische Moral der bürgerlichen Klasse geschildert. Es ist erstaunlich, wie viele “Stützen der Gesellschaft” sich in dieser Serie hinter Gittern wiederfinden.
Bereits in der ersten Folge “Toter Herr im Regen” beschwert sich die Mörderin, eine alte Dame aus "besten Kreisen", über mangelnden Anstand in der heutigen Zeit und kann überhaupt nicht verstehen, warum man soviel Aufhebens darum macht, nur weil sie einen Menschen umgebracht hat, der eben diesen Anstand vermissen lies.
Der Industrielle, der in “Die Pistole im Park” eine Unterschlagung in Millionenhöhe, einen Mord sowie einen Mordversuch begangen hat, wird von Kommissar Keller mit besonderer Freude überführt, zumal dieser ihn die ganze Zeit über nicht
ernst genommen hat.
Dem “feinen Herren”, der sich in “Der Papierblumenmörder” auf ein Verhältnis mit einem Hippiemädchen einlässt und sie später als verkommenes Subjekt denunziert, zeigt der Kommissar ganz offen seine Verachtung.
Die flippigen Rockmusiker in “Als die Blumen Trauer trugen” wirken deutlich sympathischer als die gutbürgerlichen Kreise, die sogar eine illegale Abtreibung und einen Todesfall einkalkulieren, um eine “nicht standesgemäße Verbindung” zu beenden.
Die reiferen Herren der besseren Gesellschaft in “Kellner Windeck” entpuppen sich als Schläger und Tyrannen, während der unkonventionelle junge Mann aus der “Unterschicht” ein Beispiel an Mitgefühl und Menschlichkeit liefert, das sie wiederum zu Eifersucht und Mord treibt.
In “Dommans Mörder” treibt eine Familie (die diese Bezeichnung nicht verdient) mit ihrer Gleichgültigkeit und heuchlerischen Moral ein minderjähriges Mädchen zu einem Mord.
Ausgerechnet ein Richter entrüstet sich in “Tod eines Hippiemädchens” über den Lebenswandel der jungen Frau, die er zu lieben vorgibt und liefert damit seinem jüngeren Bruder den Vorwand zu einer sexuellen Nötigung und einem Totschlag.

Einerseits ist es natürlich schade, dass es vom “Kommissar” nur 97 Folgen gibt, andererseits besteht bei dieser relativ überschaubaren Anzahl von Episoden nicht die Gefahr, dass sich wiederholt wird. Wenn man sich vergegenwärtigt, wer für diese Serie vor der Kamera stand und wer für die Regie verantwortlich war, so kann man mit Fug und Recht sagen, dass hier die Kriminalserie zur Kunstform erhoben wurde.

Ich persönlich habe zahlreiche Lieblingsfolgen, die ich mir immer wieder mit dem allergrößten Vergnügen anschaue: “Toter Herr im Regen”, “Die Pistole im Park” und “Der Tod fährt 1. Klasse” von Wolfgang Becker, “Die Schrecklichen” und “Der Papierblumenmörder” von Zbynek Brynych, “Dr. Meinhardts trauriges Ende” von Michael Verhoeven, “Eine Kugel für den Kommissar” und “Die Nacht mit Lansky” von Erik Ode sowie “Tod eines Klavierspielers” von Michael Kehlmann.

Besonders schön sind für mich immer die Psychoduelle, die sich Kommissar Keller mit den Tätern liefert.
Grandios geschieht das mit Marianne Hoppe in “Parkplatz-Hyänen”, mit Renè Deltgen in “Die Nacht mit Lansky”, mit Käthe Gold in “Schwarzes Dreieck” und in “Ein Anteil am Leben” sowie mit Ingrid Andree und Günther Ungeheuer in “Tod eines Klavierspielers”. Unvergesslich ist auch, wie er sich am Schluß von “Die Pistole im Park” vor Marianne Koch aufbaut und ihr unendlich leise aber überaus wirkungsvoll ins Gewissen redet.

Allen Fans der Serie kann man Gerald Grotes Buch "Der Kommissar - Eine Serie und ihre Folgen" ans Herz legen. Ich hätte dazu nur eine Korrektur anzubringen.
Der Vorname von Fräulein Rehbein ist mitnichten Käthe, sondern Lilo. Walter Grabert spricht sie in der Folge “Die Tote im Dornbusch” so an. Käthe ist vielmehr der Name der Kellnerin in der Kantine des Polizeipräsidiums, und wird von Harry Klein in “Das Messer im Geldschrank” sowie von Robert Heines in “Die Tote im Dornbusch” auch so angeredet.

Noch einige Ergänzungen zur Abteilung Musik, die im Anhang dieses Buches sehr umfangreich beleuchtet wird.
Das in “Die Schrecklichen” sehr wirkungsvoll eingesetzte und von Peter Beil gesungene Lied “Corinna” ist eine Komposition von Peter Thomas, mit Beils deutscher Version des Schlagers von Ray Peterson aus dem Jahr 1961 hat es nichts zu tun.
In “Tod eines Klavierspielers” hört man eine Instrumentalversion von “Hey Jude”, zu der Kommissar Keller im Lokal “Pazifik” seinen Rotwein trinkt. Während Herbert und Franziska Keller in “Dr. Meinhardts trauriges Ende” ihren Hochzeitstag feiern, ist im Hintergrund “A Pearl of Strings” von Glenn Miller zu hören. In “Der Moormörder” spielt man einige Takte von “Song of Joy” von Miguel Rijos, eine moderne Adaption von Beethovens neunter Sinfonie. In “Ein rätselhafter Mord” kann man eine interessante deutsche Version des Harmonika-Motivs aus “Spiel mir das Lied vom Tod” hören - auf unvergleichliche Weise von Wolfgang Lukschy gesprochen, der zwar diesen Film nicht synchronisiert hat, jedoch in einem anderen Klassiker des Genres nämlich “Für eine Handvoll Dollar” mitgespielt hat. In “Schwester Ignatia” erklingt während der zahlreichen Aufenthalte Ingrid Peppers im Schwimmbad immer wieder das “Aranjuez-Concerto” von Joaquim Rodrigo. In “Ein Anteil am Leben” ißt die Putzfrau Anna Bergmann zu dem Chanson “Le Meteque” von Georges Moustaki in einem Restaurant Krebse. In “Ein Funken in der Kälte” wird in einem Lokal “Stranger on the shore” von Mr. Acker Bilk gespielt. In “Ohne Auf Wiedersehen zu sagen” hört man “The Entertainer” von Marvin Hamlish sowie eine moderne Version von “Put Your Head On My Shoulder” von Paul Anka. In “Der Segelboot-Mord” werden “Für Elise” von Ludwig van Beethoven sowie “In The Mood” von Glenn Miller verwendet.

Für mich ist der Kommissar" ein Klassiker und es lohnt sich immer wieder, ihn anzuschauen!

Man sollte sich auch einmal das Vergnügen machen, sich das Kontrastprogramm anzusehen.
In der Folge “Besuch von drüben” der Spionageserie “Die Fünfte Kolonne” kann man erleben, wie Erik Ode und Reinhard Glemnitz als zwei Agenten aus der DDR versuchen, aus Fritz Wepper als Bundeswehrsoldaten geheime Informationen herauszupressen, was schließlich mit dem Tod des Soldaten und der Flucht der Ostagenten endet.
Es ist fast ein Schock, zu sehen, wie dieser dem Zuschauer als väterlicher und sanfter Kommissar vertraute Schauspieler in seiner Rolle einen seinen späteren Mitarbeiter in den Tod treibt und den anderen mit Verbalinjurien belegt.
Auch in der Episode “Die ägyptische Katze” in “Die Fünfte Kolonne” spielt Erik Ode einen Ostagenten, der unter anderem mit diabolischem Vergnügen seinen Mitrbeiter zusehen lässt, wie er dessen Frau zur sexuellen Erpressung eines Offiziers
verwendet. Natürlich spricht es für die enorme Wandlungsfähigkeit von Erik Ode, dass er auch negative Figuren vollkommen glaubwürdig gestalten kann.

Noch eine Anmerkungs zum Schluß: Wem die Stimme von Erik Ode bekannt vorkommt, hat ihn wahrscheinlich als Synchronsprecher gehört. Er lieh regelmäßig Gene Kelly und Fred Astaire seine Stimme. Besondere Aufmerksamkeit dürften bei seinen Synchronarbeiten zwei Hitchcock-Klassiker verdienen. In “Der unsichtbare Dritte” spricht er für Cary Grant und in “Der Fremde im Zug” für Robert Walker.

Petra



Beiträge: 7.155

28.02.2015 13:46
#18 RE: Der Kommissar wieder im TV antworten

Oh, ein richtiger Fan :-) Und eigentlich noch relativ jung für diese Serie, die ja ihre Fans eher in den Mittfünfzigern hat.

Manuela, bitte noch die Quelle für das Bild angeben. Leider kann man die nicht ersehen. Du kannst nicht mehr editieren, weil ich geantwortet habe, aber schreib es bitte in den nächsten Beitrag, ich editiere dann. Danke.

Flammentanz



Beiträge: 27

28.02.2015 13:56
#19 RE: Der Kommissar wieder im TV antworten

Na, ganz so jung bin ich auch nicht mehr ... Aber richtiger Fan stimmt.

Das Foto fand ich im Web unter: radioparadise.com

(Offtopic: Wie ist es eigentlich mit selbst erstellten Screenshots bestimmter Serien, darf man die posten oder nicht?)

Petra



Beiträge: 7.155

28.02.2015 14:08
#20 RE: Der Kommissar wieder im TV antworten

Am besten in die Bildergalerie hochladen, wobei Screenshots (bitte dann auch mit "Screenshot aus der DVD" oder ähnlichem kennzeichnen) relativ unbedenklich sind, auch im Thread. Diese Rechte bekommst du allerdings erst mit ein paar Beiträgen mehr, ich wundere mich schon, wie du das Foto einfügen konntest (ist ein Fehler in den Rechten, nochmal dürfte das nicht klappen).

Ich werde das Foto entfernen, denn es sieht so aus, als ob das jemand selbst erstellt hat. Ich selbst habe es jetzt nicht gefunden. Gerade Leute, die sich Mühe mit irgendwelchen Collagen oder selbst erstellten Fotos machen, ärgern sich, wenn sie auf anderen Seiten erscheinen, ohne dass man sie gefragt hat. Nicht böse sein, wenn es ein Screenshot wäre, würde ich das nicht machen, aber ich will den Ärger lieber vermeiden :-)

Flammentanz



Beiträge: 27

02.03.2015 11:20
#21 RE: Der Kommissar wieder im TV antworten

Und noch ein Nachtrag, damit alles seine Ordnung hat: der oberste Beitrag von mir entstammt dem Edgar-Wallace-Forum, wo ich ihn unter meinem dortigen Mitglieder-Namen Cora Ann Milton bereits am 27.09.2011 gepostet habe.

Lutz Zander



Beiträge: 441

02.03.2015 19:00
#22 RE: Der Kommissar wieder im TV antworten

Zitat von Flammentanz im Beitrag #17

....
Viele Episoden thematisieren die schrecklichen Schattenseiten der bürgerlichen Wohlstandsgesellschaft, in der sich die Menschen nur noch mit Hass, Verachtung, Gleichgültigkeit und Vorurteilen begegnen. In Episoden wie “Das Ungeheuer”, “Der Tod des Herrn Kurrusch”, “Mit den Augen eines Mörders”, “Schwierigkeiten eines Außenseiters” und “Im Jagdhaus” sind scheinbar biedere Bürger allzu schnell dabei, andere zu denunzieren, um von ihren eigenen Vergehen abzulenken.
Häusliche Gewalt wurde bereits damals thematisiert (“Die kleine Schubelik”, “Schwester Ignatia”, “Fluchtwege”, “Fährt der Zug nach Italien?”) sozial Schwächere gelten als Freiwild (“Der Tennisplatz”, “Schwierigkeiten eines Außenseiters”) und ältere Menschen werden nur noch als Erwerbsquelle sowohl für die nächsten Angehörigen (“Schwarzes Dreieck”) als auch für skrupellose Geschäftemacher (“Tod eines Ladenbesitzers”) betrachtet.

Neben diesen sozial engagierten Folgen gibt es die Klassiker, deren Geschichten überaus unkonventionell erzählt sind.
....

Immer wieder wird die heuchlerische Moral der bürgerlichen Klasse geschildert.




In diese Kategorie der Klassiker, und zu meinen persönlichen absoluten Lieblingsfolgen aus der Kommissar-Reihe, zähle ich auch die Episode Nr. 83 die bis heute leider immer noch im Giftschrank des ZDF liegt weil sie aus politischen Gründen nicht gesendet werden darf. "Das goldene Pflaster" wurde deshalb seit der Erstausstrahlung nie wieder öffentlich aufgeführt. Das ZDF gibt diese Folge aber ohne weiteres als "DVD-Mitschnitt für den privaten Gebrauch" (wie das offiziell so schön heißt) an interessierte Zuschauer ab. Auf diesem Wege gelangte diese Folge als offizielle ZDF-Kopie vor ein paar Jahren auch in meine Hände. Ich finde es wirklich Schade das diese Folge (exakt 40 Jahre nach ihrer ersten und einzigen Ausstrahlung) immer noch mit einem Sendeverbot belegt ist. Allerdings waren und sind die Gründe die dazu geführt haben wohl heute leider immer noch so gravierend aktuell wie damals vor 40 Jahren. Und da auch in naher Zukunft nicht mit einer TV-Ausstrahlung zu rechnen sein wird, habe ich hier für alle die es möglicherweise interessiert, aber diese Folge verständlicherweise nicht kennen, noch eine kurze Inhaltsangabe angefügt:


Der Kommissar s/w
97-teilige Krimireihe (1969 - 1976)
von Herbert Reinecker
83. Folge: Das goldene Pflaster
mit: Erik Ode (Kommissar Herbert Keller), Günther Schramm (Walter Grabert),
Reinhard Glemnitz (Robert Heines), Elmar Wepper (Erwin Klein),
Gracia Maria Kaus (Frau Murada), Fritz Muliar (Oberinspektor Gruber),
Traugott Buhre (Herr Kolschak), Wolfgang Gasser (Memed Gaffar),
Hugo Gottschlich (Herr Leitner), Jutta Rieck (Tochter Leitner),
Rose René Roth (Frau Schliemann), Peter Gebhart (Revierleiter),
Jane Tilden (Frau Kronheimer), Walter Sedlmayr (U-Bahnkontrolleur),
Ellen Umlauf (Frau Rosinger), Herbert Prikopa (Taxifahrer), Hugo Panczak (Alfons Pirka),
Alexander Trojan (Schlafwagenschaffner), Gernot Möhner (Geldbote),
Franziska Kalmar (Serviererin im Café Eiles), Ralph Martens (Kripobeamter),
Jutta Heinz (Krankenschwester)
in weiteren Rollen:
Akal Erkin, Ismet Bakir, Mustafa Davran, Hamdan Okur
Titelmusik: Herbert Jarczyk, Kamera: Rolf Kästel, Michael Georg,
Ton: Ludwig Langecker, Schnitt: Ilse Wilken, Regie-Assistenz: Walter Boos,
Aufnahmeleitung: Willi Schuler, Dieter Hunnius, Kostüme: Ellen Schiller,
Maske: Rüdiger von Spoerl, Ago von Spoerl, Bauten: Wolf Englert, Margret Finger,
Produktionsleitung: Harald Vohwinkel, Herstellungsleitung: Gustl Gotzler,
Regie: Wolfgang Becker
Hergestellt durch die NEUE MÜNCHNER FERNSEHPRODUKTION (NMF)
Gesamtleitung: Helmut Ringelmann
Im Auftrag des ZDF
© Zweites Deutsches Fernsehen 1975
ZDF-Erstsendung: 10.01.1975, Laufzeit: 59:48 min.

Inhalt:

Vor einem überwiegend von Menschen mit türkischer Herkunft bewohnten Mietshaus, wird
eines Nachts die Leiche eines illegal in Deutschland lebenden Türken gelegt. Als die Bewohner den erschossenen Landsmann entdecken, haben sie nicht nur Trauer und Bestürzung, sondern vor allem sehr große Angst, welche sie zu absolutem Schweigen auch gegenüber der Polizei veranlasst. Die Spuren führen nach Wien, wo Kommissar Keller zur Kur weilt, weil er sich dort von den Folgen seiner Schussverletzung aus der letzten Folge erholen soll. Eine internationale Schlepperbande schleust Türken gegen viel
Geld über Wien nach Deutschland. Dreh und Angelpunkt ist hierbei vor allem der Münchener Hauptbahnhof. Kommissar Keller trifft sich in Wien mit Oberinspektor Gruber um den Fall aufzuklären.


Quelle des Fotos: www.kommissar-keller.de

Lutz Zander



Beiträge: 441

02.03.2015 19:19
#23 RE: Der Kommissar wieder im TV antworten

Hier noch ein Ausschnitt aus der Programmzeitschrift "HÖRZU" mit der damaligen Ankündigung zu Folge 83 "Das goldene Pflaster" zur Erstsendung vom Freitag dem 10. Januar 1975:

Petra



Beiträge: 7.155

02.03.2015 19:56
#24 RE: Der Kommissar wieder im TV antworten

Auch wenn ich nerve: bitte gebt immer Eure Quellen an, bei Fotos bitte, wenn irgend möglich, nur verlinken. Da das Foto von der Webseite von André Loop ist, lasse ich es mal stehen, der ist großzügig und war (ist - ich bin mir nicht sicher) selbst Mitglied hier im Forum und hat mir schon mal Fotos zur Verfügung gestellt. Wenn Ihr Euch von anderen Webseiten bedient, gebt bitte an, woher das stammt, wenn verlinken nicht möglich ist. Danke.

Flammentanz



Beiträge: 27

03.03.2015 15:11
#25 RE: Der Kommissar wieder im TV antworten

“Tod eines Hippiemädchens”

Bundesrepublik Deutschland 1973

Regie: Theodor Grädler

Darsteller: Kornelia Boje (Karin Junker), Herbert Mensching (Dr. Harald Tucher), Brigitte Horney (Mathilde Dornberger), Werner Pochhath (Andreas Tucher), Dorothea Wieck (Irene Tucher), Stephan Behrens (Konrad), Harald Reeg (Stefan)

Zitat

“Das ist so unbegreiflich, dass da etwas auf so endgültige Weise zu Ende gegangen ist ...”
(Konrad)

“Entschuldigung, das Wort ordnungsgemäß hat mich irritiert. Ich frage mich seit Jahren, was mit so einem Wort gemeint sein könnte ...”
(Konrad)

“Ja, hab’ ich gesagt, du kannst bei uns schlafen, Karin, wenn du nicht weißt, wohin. Ich hoffe, Sie werfen es mir nicht vor, dass ich sie nicht nach ihrem Pass gefragt habe.”
(Konrad)

“Was für’n Doktor sind Sie? Arzt?”
(Karin Junker)
“Nein, Jurist.”
(Dr. Harald Tucher)
“Ach du liebe Zeit!”
(Karin Junker)

“Was, sagte sie, Sie lachen? Sie sind Jurist und haben Humor? Ich wunderte mich selber, denn um ganz ehrlich zu sein, ich habe nicht einen Funken Humor.”
(Dr. Harald Tucher)

“Ich müßte versuchen, Ihnen ihr Gesicht zu beschreiben, damit Sie begreifen. Ihr Gesicht, das war geschlossen, zugeschlossen. Ernst, meistens ernst, sonderbar ernst. Fast traurig. Ich glaube, dass ich das richtig ausdrücke. Es war traurig. Aber wenn sie lachte, dann zerbrach diese Trauer in tausend Stücke. Es war so strahlend dieses Lachen.”
(Dr. Harald Tucher)

“Es gab für mich nichts wichtigeres, als sie näher kennen zu lernen ...”
(Dr. Harald Tucher)

“So hilflos bist du? Weißt du eigentlich, wie hilflos du bist?”
(Karin Junker)

“Wir haben uns zwei Stunden wie die Verzweifelten gestritten.”
(Dr. Harald Tucher)

“Ich war wie vernichtet. Ich saß da wie vernichtet. Ich war es. Ich bin es noch, Herr Kommissar.”
(Dr. Harald Tucher)

“Ich hatte einfach nicht das richtige Bild von ihr. Das muß man mir doch zugute halten. Oder nicht ...”
(Andreas Tucher)



Im Wartehäuschen einer Straßenbahnhaltestelle wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Sie ist erstickt worden.
Die junge Frau wird von Konrad, der sich als Sozialarbeiter um drogenabhängige Jugendliche kümmert und der Hippieszene angehört, identifiziert. Karin Junker war 23 Jahre alt und lebte seit zwei Monaten bei ihm und weiteren Bekannten in einer Wohngemeinschaft.

Die letzten Stunden ihres Lebens verbrachte Karin Junker in der Villa des Landgerichtsrates Dr. Harald Tucher, mit dem sie eine Affäre hatte.

Kommissar Herbert Keller begegnet in diesem Fall einem Mann am Rande des physischen und psychischen Zusammenbruchs.
Korrekt an ihm ist lediglich noch sein dreiteiliger Anzug. Der entrückte Blick ins Leere, die heftige Transpiration, die Verweigerung jeglicher Nahrungsaufnahme, die zwanghafte Beschäftigung seiner Hände mit einer Schachtel, all das läßt ahnen, dass dieser Mann am Ende seiner Kräfte angelangt ist.

Das bisher so beschauliche, beinahe eintönige Leben von Dr. Harald Tucher ist durch Karin Junker vollständig aus den Fugen geraten.
Der Mann, der als Landesgerichtsrat über Recht und Unrecht zu urteilen hat, offenbart gegenüber den gesellschaftlichen Vorgängen seiner Zeit eine erstaunliche Ignoranz. So ist der Vietnamkrieg für ihn nichts weiter als eine Schlagzeile auf einem Flugblatt und die Schicksale der Menschen, mit denen er es zu tun, sind für ihn wohl nicht anderes als Akten, die man fein säuberlich archivieren kann.

Mit Karin Junker bricht das reale Leben in die wohlgeordnete, bürgerliche Welt von Dr. Harald Tucher ein.
Eine starke Frau, die zwar kaum materielle Werte ihr eigen nennt, aber dafür offen auf die Menschen sowohl in ihrer nächsten Umgebung als auch in der Fremde (bei ihren alljährlichen Reisen, die sie unter anderem nach Afghanistan und Marokko geführt haben) zugeht und wirklich an ihnen Anteil nimmt. Sie steht zu ihren tiefen Emotionen und ist unfähig zu jeder Unaufrichtigkeit.
Der Mann, der in einer privilegierten sozialen Stellung lebt, hingegen entlarvt sich als opportunistischer Schwächling, der sich von zwei älteren Frauen (seiner Mutter Irene sowie seiner Haushälterin Mathilde Dornberger) dominieren läßt und sich von tradierten Wertvorstellungen leiten läßt, von denen er vielleicht in seinem tiefsten Inneren nicht einmal selbst überzeugt ist.
Zwei einander diametral entgegen gesetzte Lebensentwürfe sind mit tödlichen Folgen kollidiert.

Die Unmöglichkeit einer Beziehung.
Dr. Harald Tucher ist sich nicht sicher, ob Karin Junker ihn geliebt hat, und dennoch war es so, auch wenn er dieser Liebe nicht wert war. Er behauptet allen Ernstes, die junge Frau geliebt zu haben und dennoch leugnet er zunächst die gemeinsame Beziehung bis ihm die Kriminalbeamten das Gegenteil beweisen.
Über das “Millieu”, aus dem sie und ihre Freunde stammen, urteilt er abfällig und charakterisiert die junge Frau gegenüber seinem jüngeren Bruder Andreas auf eine Weise, die diesem suggeriert, Karin sei für ihn wie für jeden anderen Freiwild, was wiederum entsetzliche Folgen nach sich zieht.
Erst durch den Tod von Karin Junker ist Dr. Harald Tucher wohl klar geworden, was er mit ihr unwiederbringlich verloren hat.

Herbert Mensching, der schon in der Folge “Besuch bei Alberti” sehr überzeugend einen schwachen Menschen verkörpert hat, glänzt auch hier wieder in der Rolle eines Mannes, der mehr oder weniger unfähig ist, sein Leben selbst zu gestalten und sich daher von anderen manipulieren läßt.

Es ist bezeichnend, dass in der Villa Tucher allein seine Haushälterin - auf grandiose Weise mit Eiseskälte und Grandezza von Brigitte Horney verkörpert - darüber zu entscheiden scheint, was ihrem Verständnis von Sitte und Anstand entspricht. Der Hass, den sie auf Karin Junker empfindet, entspringt sicher auch einem unterschwelligen Gefühl der Eifersucht, nunmehr eine Konkurrenz in der Regentschaft über den vermeintlichen Herren des Hauses erhalten zu haben und dass ihre Herrschaft über ihn sogar zu einem Ende gekommen sein könnte.

Dorothea Wieck als Irene Tucher steht ganz in der Tradition ihrer Rolle als Frau Born aus “Toter Herr im Regen”. Rigoros verlangt sie die Einhaltung dessen, was sie unter “Etikette” versteht. Herrisch gebietet sie über ihre Söhne, besonders über Harald, der seiner “Mama” nicht zu widersprechen wagt und ihrem Blick oft ausweicht. Frau Tuchers Gefühlskälte läßt ahnen, warum ihre Söhne zu dem wurden, was sie sind.

Stefan Behrens überzeugt als sozial engagierter Hippie, den die Vorurteile seiner Umgebung zwar nicht immer kalt lassen, der aber im Einklang mit sich selbst lebt. Ganz selbstverständlich nimmt er sich seiner Mitmenschen an, ohne auf irgendwelche Vorschriften oder Paragraphen zu pochen. Er hält sich - im Gegensatz zu manchem der übrigen Beteiligten - auch wohltuend zurück mit Beschuldigungen gegenüber anderen.

Und über allem agiert Kornelia Boje als sanfte und starke Frau, deren Wirkung zwar als nahezu engelhaft beschrieben wird, die aber dennoch ganz und gar im Leben steht. Erst bei ihrem gewaltsamen, frühzeitigen Ende wird durch ihre Darstellung deutlich, dass Karin Junker zerbrechlicher war, als man ahnte.

(Kopie einer Originalrezension von mir - gepostet im "Edgar-Wallace-Forum" am 31.03.2013)

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