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In der TV Hören und Sehen ist heute ein Artikel über die Babyboomer-Jahrgänge. Der Artikel macht auch Werbung für ein gerade herausgekommenes Buch "Wir Babyboomer: die wahre Geschichte unseres Lebens".
Ich werde den Artikel jetzt mal abtippen, werde ihn aber in ein paar Tagen wieder löschen, immerhin ist das ein aktueller Artikel (wie bereits geschrieben, erschienen in der TV Hören und Sehen, Ausgabe 30/2008, Autorin Ulrike Fach, Copyright by THus)
Wir Babyboomer
Nie wieder wurden so viele Kinder geboren - 1959 bis 1964 waren die geburtenstärksten Jahrgänge, die Deutschland nach dem Krieg je erlebt hatte. Heute ist die Generation Mitte vierzig und blickt zurück. Wie sind sie geworden, was sind sie - und was wird aus ihnen werden?
""Beim Geburtstag spielten wir "Reise nach Jerusalem". Wir standen in einer Ecke des Raumes, in der Mitte unsere Stühle - einer zu wenig. Wenn die Musik verstummte, ging das Geschrei los - es ging um viel. Schon nach dem ersten Durchgang konnte alles vorbei sein. Wir liefen auf die Stühle zu und setzten uns - wer keinen erwischte, schied aus. Dieses Gefühl steht für das Lebensgefühl einer ganzen Generation, der Babyboomer. Wir waren überall zu viele. Wir sind es bis heute. Ein Stuhl fehlt immer, häufig fehlen mehr."
Mit diesen Zeilen beginnt Martin Rupps sein Buch über die Babyboomer, eine Generation, die bislang unbeachtet blieb: Geboren von 1959 bis 1964, sind sie zahlenmäßig die größte. Ganze 7,8 Millionen Babys werden in diesen sechs Jahren in Deutschland Ost und West geboren. "Solche folgenreiche Fruchtbarkeit wird nie mehr zu toppen sein", sagt Rupps, der als erster Sachbuchautor den Jahrgängen nachspürt, die mit "Daktari", Abba und Tri-Top aufwuchsen und denen zwei andere Generationen bislang die Schau stahlen: die Achtundsechziger und die Generation Golf. Zur Unzeit geboren, bemerken Kritiker - zu spät zum Demonstrieren, zu früh zum Funktionieren. Einfach dazwischen. "Wir die Sandwichgeneration?" fragt die Schriftstellerin Ulrike Draesner. "Nein, wir sind die Brücke: von einer Bundesrepublik, in der die Nachkriegsgeneration noch zu fühlen war, in die Medien- und Konsumgesellschaft von heute. Wir sind euer Gedächtnis. Wir sind beweglich. Und wir sind vor allem: eure starken Jahre."
Überlebenstraining in der Masse - Keine Zeit für Personenkult
Die Babyboomer lernten schon früh, unter vielen zu überleben. Termitenartig fallen sie in Kinderzimmer und Institutionen einn. Im Kindergarten sind die Buntstifte knapp, in der Schule die Klassenzimmer voll, in der Unibibliothek die Bücher ausgeliehen. Die Grunderfahrung eines Babyboomers ist die Massenhaltung. Die Jahrgänge, die geboren wurden, als die Arbeitslosenquote 0,7 Prozent betruf und mehr als 500.000 Arbeitsplätze nicht besetzt sind, werden plötzlich mit einer Ärzte-, Lehrer- und Tischlerschwemme konfrontiert - viel zu viele entscheiden sich gegen ihren Traumberuf. Auch in der Politik fehlen Stühle: von den über 100 Babyboomern, die derzeit im Parlament sitzen, sind nur Sigmar Gabriel und Ursula von der Leyen Mitglieder des Kabinetts. In der Masse geboren, ist für viele Babyboomer nur Platz in der zweiten Reihe. Sie ist deshalb die letzte Generation, die noch Bescheidenheit und Pragmatismus lernt. "Unsere Eltern haben uns Werte und Tugenden gelehrt, damit wir in der Masse überleben. Ein Babyboomer setzte in der Ausbildung auf Sicherheit und handelt allenfalls mit 'sicheren Aktien, die im Depot liegen", schreibt Rupps. "Dank der Achtundsechziger sind die Babyboomer noch politisch interessiert, halten aber nichts von Personenkult. Sie hatten bei ihrem Großwerden und Weiterkommen, so viele sie waren und noch immer sind, keine Zeit dafür."
Zwischen den Zeiten - Ein halbes Leben voller Abschiede
Die Babyboomer, die ihre Kindheit vor Legosteinen, Matchbox-Autos und selbst gebauten Babypuppenhäusern zubrachten und ihre Pubertät auf dem Flokati mit Blick auf den Sonnenuntergang ihrer Fototapete verlebten, haben in den vergangenen 40 Jahren vor allem Neubeginn und Abschied kennen gelernt: Sie sind die erste Generation, die ihre Examensarbeit auf dem Computer schreibt und die letzte, die nicht in Ikea-Kinderzimmern groß wird. Der Reißer ihrer Zeit ist die Kombination, viel Pressspan, viel Füllstoff, darauf eine dünne Folie Birke-Dekor. Die Babyboomer sind die erste Generation, die mit dem Fernseher aufwächst - und die letzte, die sich nicht ums Programm streitet. Bei drei Sendern zur Auswahl gibt es dazu keinen Anlass. Der Mangel stiftete Gemeinschaft, schreibt Martin Rupps: "Schwer vorstellbar, dass wir bei der soundsovielten Ausgabe von 'Spiel ohne Grenzen' oder Ilja Richters 'Disco' allein vor unserem Grundig gesessen hätten." Die letzte Generation, die mit wenig Technik groß wird, muss oft die Erfahrung machen, dass eine neue Technik eine neue Kultur schafft. Sie ist die letzte Generation, die in ihrer Jugend mit analogen Apparaten fotografiert und die erste, die ihren Kindern Digitalkameras schenkt. Rupp: "Ich hörte eine Taxifahrerin erzählen, dass ihr Mann an einem Tag vom Baby 576 Fotos geknipst hat. Die Babyboomer sind die letzte Generation, die sich auf die Entwicklung von 36 Fotos aus zwei Wochen Urlaub gefreut hat."
Babyboomers Halbzeitpause - was die Generation derzeit bewegt
"Noch vor ein paar Jahren galt die Regel, dass man mit Mitte 40 seine Schäflein im Trockenen hat", erklärt Soziologe Prof. Martin Diewald. "Diese Aussicht ist von gestern. Wer heute Mitte 40 ist, für den ist oft schon die Bestandssicherung ein Drahtseilakt." Die Babyboomer sind Mitte 40 und blicken auf beängstigende Zahlen: 1,3 Millionen Arbeitslose; die Zahl der Zwangsversteigerungen von Immobilien hat mit 92577 Terminen in einem Jahr einen neuen Rekord erreicht, die der Insolvenzen auch; wenn die Babyboomer um das Jahr 2030 in den Ruhestand gehen, nachdem sie vermutlich länger gearbeitet haben als die meisten Generationen vor ihnen, wird es nur noch 1,4 Erwerbstätige pro Rentner geben. Und die Zahl der an Alzheimer erkrankten Menschen wird von 1,6 auf 2,5 Millionen angestiegen sein. Die Babyboomer sind die erste Generation, die viel länger alt sein wird, als sie jung war, und über der Arbeitsplatzverlust, biografischer Neuanfang und materielle Not im Alter wie ein Damoklesschwert schweben. Denn: keine Generation zahlt soviel in die Rentenkasse ein und wird daraus so wenig erhalten. Rupps gute Nachricht: "Die Babyboomer sind auch die Generation, die dank ihrer pragmatischen Haltung auf die Unordnung der Welt besser vorbereitet sein wird als jede Generation nach ihnen. Denn als Kinder der ersten westdeutschen Wohlstandsgeneration kennen sie zwar keine materielle Not, werden aber durch die Genügsamkeit ihrer Eltern an die Knappheit der Nachkriegszeit erinnert." Auch wenn die Babyboomer die erste Generation sind, die zur Konfirmation eine Hi-Fi-Analge bekommen haben, viele ihrer Eltern haben sich noch die Butter zum Brot vom Mund abgespart, enge Wohnungen angemietet und die jüngeren Geschwister die Hosen und Pullover der älteren auftragen lassen. Diese Erfahrung wappnet Babyboomer für alle Widrigkeiten, die ihnen noch bevorstehen. Mit der ihrer Generation eigenen Gelassenheit können sie deshalb jetzt schon von sich behaupten: Masse ist auch Klasse.
Und jetzt habe ich einen Krampf in den Fingern... Nein, es geht noch, zumindest noch die Beschreibungen der Bilder:
1. ein Flugzeug (Kommentar: Erstmals sind Fernflüge für alle erschwinglich) 2. Rudi Carrell am laufenden Band 3. Daktari! 4. Der Opel Admiral 5. Abba 6. Das Geschenk an Weihnachten: Rollschuhe 7. In jedem Kinderzimmer vorhanden: Kork-Pinnwand 8. Ein Muss: das selbst getunte Mofa 9. Bonanza 10. Licht aus, Spot an - Disco 11. Ein Klassenfoto: bis zu 40 Kinder pro Klasse sind normal 12. Bonanzaräder werden zum Kult 13. Puppen sind out - Barbie ist in
Hm, vieles war ja nicht so angenehm, was man da lesen konnte. Wir sind aber viele, das tröstet irgendwie.
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