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TV-Nostalgie-Forum

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Dieses Thema hat 53 Antworten
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 Sonstiges - Serien ohne Kategorie, allgemeine Serienthemen
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Elaine

Beiträge: 213


23.01.2010 13:34
#46 RE: We're british! Who's been the very best? antworten

O.k., solange sich das Interview mit einem der very british seienende Protagonisten noch etwas schwierig gestaltet, können wir ja einen Rundgang durch Sherlock Holmes' vielsagende Räumlichkeiten machen

http://www.sherlock-holmes.co.uk/video.html



Kaschi

Beiträge: 2.864

03.04.2010 17:10
#47 RE: We're british! Who's been the very best? antworten

Zitat von cessnaritter
Es mag so sein, daß Agatha Christie sich ihre Miss Marple anders vorgestellt hat (Angela Lansbury hat sie ja auch einmal dargestellt), aber ich finde nun mal die wohlbeleibte, resolute Miss Marple von Margaret Rutherford ist nun mal am schrulligsten und damit am witzigsten und irgendwie (nach meiner persönlichen Meinung) glaubwürdiger als furchtlose Amateurdetektivin als die doch eher distinguiert und beinahe zerbrechlich wirkende Joan Hickson.

Nur Margaret Rutherford ist Miss Marple! Alles andere ist doch blanke Phantasie!



leo

04.04.2010 01:30
#48 RE: We're british! Who's been the very best? antworten

So isses. Wen oder was sich Agatha gedacht hat, ist genauso irrelevant wie der kommerzielle (Miss-)Erfolg des Film. Sie hat mit ihrer beschränkten Vorstellung beinahe eine Gigantin der Filmgeschichte verhindert und uns um einen der grössten Filmgenüsse gebracht.
Rutherford sprengt jede Vorstellung!

Agathas Bücher sind langatmig.
Rutherford raubt mir den Atem!
Agatha geht mir am Allerwertesten vorbei und ich ihr auch.
An Rutherford kommt niemand vorbei, auch nicht Libuda und auch nicht Rummenigge!



Elaine

Beiträge: 213


08.04.2010 17:51
#49 RE: We're british! Who's been the very best? antworten

Leo, jetzt legst Du Dich mit einem Fan von Agatha Christie an...
Zweifellos war Margaret Rutherford urkomisch - kringelig habe ich mich damals gelacht! - doch mit Verlaub, meine Herren, für mich ist das schon von Belang, wie die Autorin ihre Werke verfilmt haben möchte und welche Besetzung sie dabei favorisiert!



Petra

Beiträge: 6.394


08.04.2010 19:30
#50 RE: We're british! Who's been the very best? antworten

Da muss ich mich Elaine anschließen. Es ist absolut nicht irrelevant, was sich die Autorin gedacht hat. Es ist sogar sehr relevant. Und ich glaube auch, dass du Margaret Rutherford mit jemandem verwechselst ;-)) Sie war eine gute Schauspielerin (obwohl ich sie nur aus den Marple-Filmen kenne, also eigentlich kann ich das nicht wirklich sagen, um so etwas zu beurteilen, muss man mehr gesehen haben - in ihrer Rolle als Miss Marple war sie sicher gut), aber weder eine Gigantin noch atemberaubend (was vielleicht auch eine Frage des persönlichen Geschmacks und Anspruchs ist, selbst meinen Lieblingsschauspieler finde ich nicht gigantisch oder atemberaubend - aber besser als Margaret Rutherford...)

Wenn Autoren keine genaue Vorstellung von ihrer Hauptperson haben, kann das nix werden. Wenn die Bücher nicht gut sind, werden sie nicht verfilmt. Wenn mal eines meiner unzähligen Werke verfilmt wird ;-), käme nur ein Mitspracherecht bei der Besetzung in Frage.

Agatha Christie habe ich früher ganz gern gelesen, mit Miss Marple und Hercule Poirot konnte ich allerdings nicht viel anfangen.



leo

09.04.2010 05:15
#51 RE: We're british! Who's been the very best? antworten

Elaine:
Da ich bei unterschiedlichen Auffassungen nie die Person angreife, sondern nur (hoffentlich) gut begründet ihre (hoffentlich) auch begründete Sicht der Dinge, kann ich mich eigentlich nicht mit einem Fan von Agatha Christie wirklich anlegen.

Elaine und Petra:
Keine Autorin und kein Autor haben irgendeine privilegierte Position für oder Sicht auf das von ihnen Geschaffene. Das gilt bereits für das Buch (die Skulptur, die Schnitzerei, das Bild etc.). Nehmen wir eine Autorin, beliebig welche, und nennen wir sie zufälligerweise Agatha. Agatha ist noch ein kleines Mädchen, sehr talentiert im Schreiben, und sie verfasst ein erstes Buch. Niemand kennt es. Es ist bislang ihre ureigene Vorstellungskraft. Nun lässt sie es drucken, behält das Urheberrecht für Nachdrucke etc., nicht aber räumt sie sich ein Recht ein (oder könnte solches tun), den Leuten vorzuschreiben, wie sie das Buch zu lesen, zu sehen und zu fühlen haben. Sie hat es in den Verkauf gebracht, und nun gehört das Buch den Leserinnen und Lesern (darunter auch Drehbuchautoren/innen und Regisseure), denn das Geschriebene enftaltet im Akt des Lesens ein Eigenleben. Nehmen wir eine beliebige Leserin, ein Mädchen namens Margareth. Sie kauft sich das Buch. Von dem Augenblick an, wo Margareth sich analysierend und interpretierend ein Buch ANEIGNET, wird das von ihr im Verlaufe der Lektüre und im andauernden Wechselspiel zwischen ihr und dem Text selbst geschaffene Gebilde von emotionalen und geistigen Verbindungen ihr ureigenes Erzeugnis. Sie ist ein kluges Mädchen, denn immer wenn sie mit jemandem über das Buch diskutiert, belegt sie ihre Aussagen. Sie trifft das andere Mädchen Agatha, die talentierte Schreiberin.

Agatha: Nein, nein und nochmals nein, es ist so in meinem Buch, bei mir ist die Person so, die Sache in meinem Buch ist so, weil ich es so sehe und selbst erschaffen habe.
Margareth: Hier ist uns allen erkennbar dieses A gegeben, deshalb glaube ich, dass B geltend gemacht werden kann.
Agatha: Worauf beziehst du dich?
Margareth: Meine Behauptung B stützt sich auf das uns vorliegende A, nenne es Daten, Tatsachen oder Voraussetzungen.
Agatha: Gut, aber wie kommst du dahin?
Margareth: Wo auch immer A, ist der Schluss auf B gerechtfertigt, kurz: B wegen A. Ich will es genauer und zugleich vorsichtiger sagen: Aufgrund von A gilt B notwendigerweise, es sei denn, es gäbe ein C. Ich seh' keins, siehst du eins?
Agatha: Im Moment nicht. (Agatha ist ja auch ein gewieftes Mädchen und daher fragt sie:) Aber dieser regelhafte Übergang "Wo auch immer A, da auch B", das ist doch Willkür, das ist doch deine Definition, dieser Zusammenhang.
Margareth: Dieser regelhafte Zusammenhang lässt sich selbst wiederum stützen aufgrund der anderen Textmerkmale G,H,I im Zusammenhang J. Aber auch aufgrund des Prinzips X, und auch mit der anerkannten Erfahrung Y, nicht zuletzt aber mit den Untersuchungsergebnissen des Ehepaars Z.
Agatha: Aber dein "notwendigerweise" gefällt mir nicht. Ich lass mich nicht von dir und niemandem zu etwas zwingen, schon gar nicht auf dem Gebiete meines Buches.
Margareth: Nicht ich oder sonstwer zwingen dich, es ist nur ein bezwingendes Argument, wenn du ihm kein anderes entgegenhältst! Und "notwendigerweise" lässt sich zugebenermassen nicht immer, sondern eher selten sagen; oft kann man nämlich nur "wahrscheinlich" oder "hochwahrscheinlich" oder so etwas sagen. Guck, Agatha, du bist ja ein Riesentalent, aber erst 14 Jahre alt. Hmmh: Gegeben ist uns: Agatha ist eine sehr talentierte Schreiberin. Das war jetzt die Tatsache, das Vorausgesetzte. Nun weiter der regelhafte Zusammenhang: Wer auch immer eine sehr talentierte Schreiberin ist, hat auch gute Aussichten im späteren Leben damit zu Erfolg zu kommen, es sei denn, ihr Talent entwickelt sich nicht mehr, ihr Eifer lässt nach und ... und. Also, Schlussfolgerung: Agatha wird als Erwachsene höchstwahrscheinlich (nicht: notwendigerweise) eine grosse Schrifttstellerin! Dies ist meine gut begründete Behauptung! Diese deine gut begründeten und guten Aussichten, Agatha, lassen sich, falls du sie angreifen solltest, noch stützen durch die grossen Untersuchungen des Ehepaars ZZ über den Zusammenhang von sehr begabten Schreiberinnen zwischen 13 und 15 Jahren in der mittleren Oberschicht, also genau deine soziale Lage.

Agatha: Es sei, wie es will. Das ist mein Buch, die Figur der Miss Cnorple ist meine Fantasie, meine Erfindung, nur ich, zum Kuckuck, weiss, wie sie zu sein und zu wirken hat, wofür sie zu stehen hat! Mein Verstehen des Buches und der Figuren ist favorisiert, privilegiert, monopolisiert, kanonisiert und auch ...
Margareth: Nein, Agatha! Verstehen geht von den Aussagen des Textes aus. Verstehen heisst nicht nachplappern oder bloss nachvollziehen, was du beim Niederschreiben ausgesagt hast oder jetzt sagst und dir vorstellst, sondern heisst, die Sache selbst verstehen!!! Es wäre völlig ungenügend, nur auf dein Wort zu hören!! Die Sache könnte ja viel mehr Sinn und einen dauerhafteren Sinn haben, als dir gelungen ist, darzutun!!! Es könnte auch noch einen anderen interessanten Nebensinn haben, den du zwar hervorgerufen hast, aber ohne dir dessen bewusst zu sein! Also hast du auch keine Ahnung davon, aber andere erkennen es. Und sie teilen ihre Erkenntnis einander mit und verstehen sich!!

60 Jahre später in einem unbekannt sein wollenden Filmstudio anlässlich einer Literaturverfilmung durch die Regisseuse Margareth:

Margareth: Agatha, wir wollen jetzt dein Buch "Drei Jahre Ferien" verfilmen. Du hast dir hier im Vertrag bekanntlich ein Mitspracherecht für die jugendlichen Hauptdarsteller ausbedungen. Bitte, sieh mal hier die Probeaufnahmen ...
Agatha: Igittigitt, pfui Spinne, was hat dieser Daniphon für gruselige lange Haare, und dieses lackierte, affige und affektierte Gesicht! Kommt nicht in Frage, in meiner Vorstellung sehe ich eine stämmigere Figur mit eher zurückhaltendem Mienenspiel, fast gleichgültig. In meinem Text steht, und so stelle ich mir das auch vor: mittellange Haare und nicht so ein gestriegelter und gelackter Fritze wie der da. Raus, weg mit dem Schauspieler! Wie heisst er? Was, Mario di Nepali!? Der Name sagt doch schon alles! Hinweg mit ihm! Schafft ihn mir aus den Augen, wo immer er auch sein mag!
Margareth: Gut Agatha, beruhige dich! Hier haben wir nun als nächstes Christophe Safran in der Rolle des Serv ...
Agatha: Was, schon wieder ein Franzose, einer reicht doch wohl?
Margareth: Nein, er ist Rumäne.
Agatha: Das ist ja die Höhe! Und der soll meinen englischen Jungen spielen! Ich will keinen schlanken, milde dreinblickenden, dunklen Zigeunerjungen, sondern einen markigen, wackeren, frech dreinglotzenden, rothaarigen oder blonden Engländer, ausnahmsweise Schotten in dieser Rolle, aber nicht solche Balkan-Hottentotten! Weg mit dem Gesindel!
Margareth: Agatha, um dir die Wahrheit zu sagen und eine schöne Überraschung: Während du auf Weltreise warst, wurde der Film fertiggestellt, ist bereits angelaufen und gefällt vielen Menschen! Wir verliessen uns auf das Urteil von uns allen, es war einfach ...
Agatha: Was, ihr habt es gegen mein exklusives, autoritatives Mitspracherecht gewagt! Elende Halunken! Wo ist mein Anwalt! Meine Anwaltskanzlei! Meine Smith & Wesson! Der Film wird beschlagnahmt! Originale und alle Kopien eingestanzt! Makulatur! Was sage ich: Verbrannt! Lochterlieh! Ich meine: Lichterloh! Das Filmteam wird verklagt und jeder Beteiligte mit Prozessen verfolgt! Bis zur letzten Instanz. Bis an sein erstes Lebensende. Bis ans Kaspische Meer! Ich bin Erfolgsautorin, ich bin Milliardärin, es ist mein Buch, es sind meine Figuren. Es sind meine Geschöpfe! Es ist meine Welt! Ich bin die Autorin, ich bin die Erzeugerin, ich bin ich, ich ...

Da kommt ein kleines Mädchen daher und ohrfeigt die keifende Alte: Halt den Rand, du Meckertante! Dieser Film und die, die ihn erschaffen haben, haben meine Fantasie für immer beflügelt und ein nie gekanntes aussergewöhnliches Gefühl bis zu meinem Lebensende in mir erweckt. Sie alle, die tollen Schauspieler, die Drehbuchschreiber, die Kameraleute, die Regie und viele andere haben in geheimnisvollem Zusammenwirken ihrer aller Verstehens- und Spielweisen etwas Wunderschönes in diese Welt gebracht, dass es vorher nicht gegeben hat. Dein Buch war nur ein Anlass, doch was diese Leute daraus gemacht haben, ist ein Gebilde, dessen Sinn zwischen uns und ihnen liegt. Für dich Kolonialistin im Paradies des Sinnes anderer Menschen ist hier kein Platz!

* * *
Etliche Menchen glauben, z. B. ein Buch zu verstehen und bewerten zu können, wenn sie die Vorstellung oder die Absicht der Autors kennen. Nehmen wir an, Agatha sagt, sie wolle alleine mit diesen und jenen Stilmitteln, mit dieser Idee und allein im Genre des Kriminalromans den Eindruck von Mordlust aus übermenschlicher Güte für einen Dritten hervorrufen. Wir alle können nun fragen: Ist ihr das auch gelungen? Hat die Autorin es geschafft, ihren selbst formulierten Anspruch auch zu erfüllen? Um dies zu klären, müssen wir uns dem Buch selbst zuwenden (mit Blick auf die Sache, nicht auf die Klappe der Autorin!). Wir lesen es genau und stellen fest: Der Text ruft nicht den Eindruck von Mordlust aus übermenschlicher Güte für einen Dritten hervor, und wir könnten dies sogar begründen. Nichtsdestotrotz mag das Buch vielleicht toll sein. Es gefällt uns sogar!

Im Lesen analysieren und deuten wir einen Text, und wir bewerten ihn. Unsere Deutung kann jener des Autors unversöhnlich gegenüberstehen. Es ist nicht selten so, dass die beste vorliegende Deutung eines Textes so ziemlich das Gegenteil der Deutung des Autors ist.

Wenn schon beim Buch die Vorstellung von Agatha oder welchem Autor auch immer völlig belanglos ist, so ist die Meinung einer Autorin zur filmischen Besetzung oder gar Umsetzung so irrelevant, wie etwas auf dieser Welt überhaupt nur irrelevant sein kann!

Was euch, Elaine und Petra, unterläuft, passiert sehr vielen Menschen, nämlich der sogenannte 'genetische Fehlschluss'. Wenn jemand für etwas Geltung beansprucht (z. B. ein Urteil für die Besetzung von Miss Marple) zählt die Inspiriertheit der Idee, die uns überzeugt oder auch nicht, oder es zählt die gute Begründung in der Argumentation, nicht aber zählen Eigenschaften, die bei der Herkunft der Aussage, des Geltungsanspruchs bzw. Urteils eine Rolle spielen können: Mann, Frau, Rumäne, Franzose, Deutsche, Jude, Autorin, Nicht-Autorin, Gebildete, Ungebildeter, Akademiker, Bauer, Handwerker. Von solchen Merkmalen dürfen wir nicht auf die Güte dessen schliessen, was da ein Mensch sagt, sonst verwechseln wir die Herkunft mit der Gültigkeit des Gesagten.

Es gibt aber kein gültiges Schliessen von den Herkunftsmerkmalen eines Urteils auf seine Güte! Wer etwas sagt, ist in höchstem Masse schnuppe. Was eine/r sagt, das wollen wir betrachten.

Von dem Augenblick an, wo ein Schreibender seinen Text VERÖFFENTLICHT und wir ihn uns ANEIGNEN ist er UNSER und wir machen damit, WAS UNS GEFÄLLT.



Elaine

Beiträge: 213


09.04.2010 14:45
#52 RE: We're british! Who's been the very best? antworten

Lieber Leo,

Deine Ausführungen über die Verfilmung von "Drei Jahre Ferien" sind bezaubernd!

Gleichwohl bitte ich Dich ganz herzlich, nicht jedes Wörtlein auf die Goldwaage zu legen...
Denn in diesem Forum sind gar viele Formulierungen als neckische, kleine Piekser und als Scherz gedacht!

Nachdem Du nun überzeugend dargelegt hast, dass

Zitat
von dem Augenblick an, wo ein Schreibender seinen Text VERÖFFENTLICHT und wir ihn uns ANEIGNEN er UNSER ist und wir damit machen, WAS UNS GEFÄLLT



deklariere ich hier feierlich:
Sofern mir die Romanvorlage eines Films gefallen und mir etwas gegeben hat, will ich auch gerne wissen, welche Schauspieler der Buchautor favorisiert hat - wie also die lebendige Verkörperung seiner Vision (annähernd) aussieht (denn beim Casting wird der Buchautor auch Kompromisse machen müssen)!

Wie sich das nun mit der Verfilmung von "Zwei Jahre Ferien" (und der fatalen Ulbrich'schen Schatzsuche) verhält, diskutieren wir am besten in dem "Romanvorlagen-Thread" weiter, denn "very british" ist das ja nur sehr am Rande...

Darüber hinaus: Margaret Rutherford ist, wie ich finde, die ganz eigene Kreation einer britischen Hobbydetektivin!



Petra

Beiträge: 6.394


09.04.2010 18:15
#53 RE: We're british! Who's been the very best? antworten

Leo, ich bin nicht deiner Meinung. Das Buch ist nicht der Anlass, sondern die Ursache. Ohne Buch kein Film. Ohne Phantasie der Autorin kein Werk. Und wenn sie sich ein Mitspracherecht ausbedungen hat, ist ihr das zu gewähren. Ob das ein genetischer Fehlschluss ist oder nicht, ist mir egal. An Agatha Christies Stelle wäre ich auch sauer gewesen, wenn man meine Vorstellung meiner Figur so umgedreht hätte. Und mir dann auch noch erzählen würde, es sei absolut irrelevant und meine Romane langatmig.

Jules Verne konnte sich nicht mehr wehren, als man seinen Vierteiler verfilmt hat, wer weiß, wie er das gefunden hätte. (Bitte jetzt keine Ausführungen zu Zwei Jahre Ferien in diesem Thread, wir sind bei britischen Hauptfiguren, ich wollte es nur etwas deutlicher machen). Dies ist ein Umfrage-Thread, wir wollen hier nicht die Welt erklären (nicht böse gemeint).



Jenzi

Beiträge: 1.090


10.04.2010 13:29
#54 RE: We're british! Who's been the very best? antworten

Ich denke auch, dass Du damit falsch liegst. Selbstverständlich haben Autor und Schriftsteller einen Recht, Verfilmungen, Theateradaptierungen zu kritisieren oder vorzuschreiben, wie Sie sich eine Rolle vorstellen. Übrigens urheberechtlich heute bis 7o Jahre nach ihrem Ableben. So hat der berühmte Samuel Beckett zu Lebzeiten verfügt, dass seine beiden berühmten Clochards Wladimir und Estragon aus "Warten auf Godot" niemals von Frauen dargestellt werden dürfen. Diese Idee muss als nun fast noch 60 Jahre progressiven Regisseuren verwehrt bleiben.Ob man das gut findet oder nicht. Wie bitter übrigens Ideen von Regisseuren zum eigenen Stück sein können, habe ich selbst vor nicht all zu langer Zeit erfahren dürfen. dass das Ergebniss im übrigen wie bei Mrs Marple/Rutherford trotzdem ein Erfolg war, hat mit diesem Urheberrecht nichts zu tun.Und mal ehrlich, zwar war auch bei Winnetou die Besetzung ein Riesenerfolg, aber hätte der Regisseur Ralf Wolter für die Titelrolle auserkoren, wäre die ganze Trilogie samt Folgefilmen gleich den Silbersee runter gegangen und in den ewigen Jagdgründen gelandet.
Geistiges Eigentum zu schützen ist ein hohes Gut und wird leider schnell mal mit dem Begriff "ach, ist ja nicht so schlimm" abgetan", aber es ist leider schlimm.
Anders sieht es natürlich bei Adaptionen oder auch mit der Bearbeitung von klassischen Werken aus, aber wie gesagt, da sind die Autoren lange genug tot und Friede ihrer Asche. Das gilt übrigens natürlich sowohl für Winnetou und "Drei Jahre Ferien", nicht aber für Agatha und Mrs Marple.
Und wie wir eine Figur beim Lesen uns vorstellen, ist in der Tat individuell sehr unterschiedlich und kann auf der Bühne und im Film unterschiedlich besetzt werden, aber eine gewisse Richtung gibt der Autor beim Schreiben vor, die NICHT gegen seinen Willen geändert werden DARF!
Aber du hast dawirklich trotzdem ne nette Geschichte geschrieben.
Ein schönes Wochenende von einem selbst schon geplagten..



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