Des Christoffel von Grimmelshausen abenteuerlicher Simplizissimus ist von 1975. Hauptdarsteller war wieder mal Matthias Habich. Für mich einer der ganz starken Vierteiler im ZDF, den es jetzt wohl auch endlich auf DVD gibt.
sag' nur, du mochtest den auch? Kurz nach der Ausstrahlung 1983 lag ich mit Mandel-OP im Krankenhaus und las Grimmelshausen. Der Onkel Doktor war verblüfft. Gemeinhin lesen Teenager sowas nicht, meinte er. Eine faszinierende Geschichte
Der Roman war Pflichtlektüre in der Schule und ich kam gar nicht klar damit. Hatte mich einfach nicht interessiert. Der Vierteiler hat mir genausowenig gefallen, obwohl ich etliche Schulkameradinnen hatten, die ganz verrückt drauf waren. Da spielt Matthias Habich am Anfang doch einen ganz jungen Bub, einen tumben Tor, schon das fand ich blöd. Und später die Syphilis, ne, ne ...
So sehr ich manche Vierteiler mochte, dieser hier gehörte bestimmt NICHT dazu ...
Ich habe eine Erinnerung daran, dass irgendeiner der Teile "Das Kalb von Hanau" hieß. Hab den Mehrteiler ja nur einmal als Teenager gesehen, ist seltsam, an was man sich so erinnert...
Ich hatte mir nach der Auisstrahlung das Buch aus der Schulbibliothek geliehen, aber mit der Sprache bin ich damals so überhaupt nicht zurechtgekommen :-)
Ja das stimmt, das Kalb von Hanau war der Untertitel der ersten Folge vom 19. November 1975. Wenn ich Zeit dazu finde werde ich mal eine Kurzbeschreibung der einzelnen Folgen aus der SZ-Fernsehbeilage hier posten, das hilft dem Gedächtnis dann wieder ein wenig auf die Sprünge.
Obwohl ich die Serie NICHT mochte, bin ich mit Material dazu recht gut bestückt. Auch ein dreiseitiger Artikel einer Fernsehzeitschrift ist in meinem "Privat-Archiv" vertreten. Falls jemand Interesse daran haben sollte, sich da durchzukämpfen, könnt Ihr mir ja eine kurze Privatmail mit Angabe Eurer email-Adresse übers Forum schicken.
Eine Gemeinsamkeit habe ich übrigens mit Ex-Freiherr von Trenck Matthias Habich. Er mochte die Schullektüre auch nicht, bis er sich später aus beruflichen Gründen damit befassen musste. Da hatte es ihm gefallen.
Wie schon avisiert, die Beschreibung der einzelnen Folgen, genauso wie es in der Programmbeilage der Saarbrücker Zeitung bei der Erstaustrahlung zu lesen war:
Fernsehfilm in vier Teilen, nacherzählt von Leopold Ahlsen
1. Das Hanauer Kalb Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen (1622 bis 1676) ist der bedeutendste deutsche Autor des Barock: urwüchsig, von derber Anschaulichkeit, humorvoll und mit skeptischer Einsicht in den Weltlauf begabt. Sein Hauptwerk "Der abenteuerliche Simplizissimus" gilt als der erste Charakter- und Entwicklungsroman. Er bildet die Vorlage zum Fernsehfilm.
2. Der Jäger von Soest Nach der Genesung flieht Simplizissimus notgedrungenermaßen in Frauenkleidern aus dem Lager der Kroaten. Diese Tatsache hat für ihn abenteuerliche Folgen. Als er gar für einen Spion gehalten wird, beschließt er, Soldat zu werden und macht reiche Beute.
3. Der Schatz Wieder schwingt die Schaukel des Glücks für Simplizissimus empor. Doch wo Erfolg ist, sind die Neider nicht fern. Eine Falle aber, die ihm gestellt wird, macht ihn erst richtig reich, und er sagt dem Kriegsdienst Ade. Da zappelt er schon einer Pfarrerstochter im Ehenetz.
4. Adieu Welt Im schönen Paris stehen Simplizissimus viele Türen offen und unser Held ziert sich nicht. Die Liebesnächte aber bringen ihm Krankheit und das Siechenlager ein, das ihn in Armut stürzt. Im tiefsten Sumpf erwacht die Einsicht.
Es wirkten noch viele Schauspieler mit, deren Namen mir damals (noch) nicht so unbedingt ein Begriff waren, aber später ein Begriff werden sollten. Christian Quadflieg (der Winter, der kein Sommer war), Friedrich Georg Beckhaus (Orion), Pierre Rousseau (Lockruf des Goldes) sowie Herbert Stass, Günter Mack und Friedrich von Thun. Regie führte Fritz Umgelter.
Laut Hörzu-Artikel sind in dem Namen Simplicius Simplicissiums und dem Autorennamen Christoffel von Grimmelshausen sehr viele nicht offensichtliche Wortspielereien verborgen. Kirchenbuchlich hieß Simplicius Simplicissimus Melchior Sternfels von Fugshaim. Außerdem wurde im nachhinein von einem Literaturforscher festgestellt, dass eine Menge Autorennamen aus der Zeit um 1670 durch Umstellungen auf Christoffel von Grimmelshausen zurückzuleiten sind wie z.B. Samuel Greifnson vom Hirschfelt und Israel Fromschmit von Hugenfels.
Genug der Wortspielereien, für heute reichts ... Einer der aufgeführten Autorennamen wirke sogar inspirierend: bei mir gabs heute Hirsch(felt)gulasch, Späzle und Endiviensalat ... MARIPOSA