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TV-Nostalgie-Forum

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Dieses Thema hat 430 Antworten
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 Adventsvierteiler und Weihnachtsserien - Vom Seewolf zu Anna
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Mariposa



Beiträge: 784

17.08.2017 14:50
#421 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Es wäre prima, wenn Du uns Daheimgebliebenen an Deinem Erfahrungs- und Bilderschatz teilhaben lässt liebe Elaine.

Wenn ich eine Vorstellung vom Grab Valeriu Popescus haette, koennte ich ihm daheim im Garten eine Gedaechtnisecke anlegen, wie bei den Beteiligten meiner Lieblingsserie. So habe ich rote Gedaechtnisgladiolen fuer den Regisseur J.A. Bardem, weil mir dass von wenigen Trauerfeier-Bildern damals in Erinnerung geblieben ist. Sie bluehen und blühen und blühen! Wunderschön! Fuer seinen noch lebenden Neffen Javier hatte ich Rizinussamen aus seinem Geburtsort auf den Kanaren mitgebracht. Vielleicht nicht ganz würdevoll fuer einen Lieblingsschauspieler ... Rizinus ... aber bestimmt originell. Auch der Import-Rizinus gedieh prächtig und hat mir viel Freude gemacht. Und fuer Omar Sharif habe ich eine Osterglocken- und Narzissensammlung zur Erinnerung an Doktor Schiwago. Als Kapitän NEMO haette ich vielleicht besser Algen nehmen sollen. Aber die wachsen daheim nicht.

Allerdings bedarf es gar keiner Bluehpflanzen um sich zu erinnern

Was nimmt man fuer einen tatarischen Stammesfuersten, der in Sibirien sein Unwesen trieb? Prilblumen?
Autovervollstaendigung!
Sollte Eisblumen heissen.

Die Autovervollstaendigung ist ein genausogrosser Scherzkeks, wie das Forumorakel!!!

Blumige Gruesse aus dem Saarland
MARIPOSA

Mariposa



Beiträge: 784

03.09.2017 00:58
#422 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Liebe TV-Nostalgie-Fans,

beim Thema "Gedächtnisecke" fällt mir ein, dass wir in der Stadt - in größerem Rahmen - einen kleinen Gedächtnispark für den Saarbrücker Regisseur Wolfgang Staudte haben, dem wir ja die beiden Vierteiler

DER SEEWOLF und LOCKRUF DES GOLDES
sowie die Familienserien MS FRANZISKA und DER EISERNE GUSTAV

zu verdanken haben.

Bei MS FRANZISKA bedarf es noch nicht einmal einer weiten Reise, um die Drehorte aufzusuchen.

Wolfgang Staudtes Geburtshaus und die daran befindliche Gedenktafel sind auf der Collage zu sehen.

[[File:Wolfgang Staudte Gedächtnis.JPG|none|auto]]

Wolfgang Staudte wurde am 9. Oktober 1906 in Saarbrücken als Sohn des Schauspielerehepaares Fitz Staudte und Mathilde Firmans geboren. Er wuchs in Berlin auf und verstarb am 19. Januar 1984 in Zigarski (Slowenien) während der Dreharbeiten zu DER EISERNE WEG. Seine Asche wurde in die Nordsee gestreut.

Auch bei Einzelfolgen der Krimiserien TATORT und DER KOMMISSAR hat er zuweilen Regie geführt. Außer den Vierteilern und MS FRANZISKA blieb mir besonders die Verfilmung von DER EISERNE GUSTAV mit Gustav Knuth in Erinnerung. Weniger wegen Gustav Knuth in der Titelrolle sondern wegen Manfred Lehmann als Drecksack Eugen Bast, der "Evchen", dem auf die schiefe Bahn geratenen Töchterchen des Eisernen Gustavs das Leben zur Hölle machte.

Mit nostalgischen Grüßen
MARIPOSA

Mariposa



Beiträge: 784

03.09.2017 01:02
#423 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Mariposa



Beiträge: 784

04.09.2017 18:19
#424 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

UNTERLASSUNGSSÜNDEN

So "Multitasking", dass ich gleichzeitig etwas posten, Bilder hochladen und Fernseh gucken kann bin ich leider nicht. Schon gar nicht zu so vorgerückter Stunde.

Parallel zum Posten lief in unserem Dritten der Western "Mackenna's Gold" mit Omar Sharif. Insofern hatte der gute "Wolfgang" leider nicht meine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Das Foto stammt aus einem 1976 aufgezeichneten Interviews mit dem Regisseur. Die Gedenktafel wurde am 9. Oktober 2006 an seinem Geburtshaus in der Mainzer Straße 11 angebracht. Dann hat es wieder ein paar Jahre gedauert, bis am 11. April 2016 der Wolfgang-Staudte-Platz in der Nähe des Saarbrücker Hauptbahnhofs der Öffentlichkeit übergeben wurde.

Interessierte können die beiden Gedenkstätten gerne in ihr Stadtbesichtigungs-Programm von Saarbrücken mit aufnehmen.

Wie die Blumenauswahl zustande kam entzieht sich meiner Kenntnis .

Es geht noch weiter und zwar mit Wolfgang Staudtes genialem Mitstreiter Walter Ulbrich ...

LG MARIPOSA

Mariposa



Beiträge: 784

04.09.2017 19:39
#425 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

FORTSETZUNG

Der Fernseh- und Filmproduzent Walter Ulbrich wurde am 15. Juni 1910 unweit des Saarlandes im französischen Metz geboren.

Von ihm stammte die Idee unsere geliebten Vierteiler in internationaler Co-Produktion herstellen zu lassen, um Kosten zu reduzieren. Dadurch wurde die Produktion solch aufwendiger Fernseh-Serien erst möglich. Durch seine vielfältigen, internationalen Kontakte konnte er französische Produzenten für seine Idee begeistern.

Produziert wurde abwechselnd unter deutscher und französischer Federführung. Ulbrich überwachte als Herstellungsleiter den gesamten Produktionsablauf. Außerdem war das Multitalent mehrfach als Drehbuchautor an der Gestaltung beteiligt.

Ich meine mich zu erinnern seinen Namen auch bei der deutschen Version der Serie FOLLYFOOT entdeckt zu haben. Unser deutscher Vor- und Abspann war vom englischen Original abweichend. Es wurden Pferde auf einer Weide eingeblendet und dabei die gleiche Schrift benutzt wie zuvor bei DER SEEWOLF oder später bei LOCKRUF DES GOLDES.

Es heißt, Ulbrich hätte bei der Herstellung des Films auf jedes Detail geachtet. Das zeigt sich. Auch der Erzählstil im allgemeinen und der Trick mit der allwissenden Erzählstimme im besonderen sind meiner Meinung nach genauso clever wie passend. Von Mängeln im Schnitt konnte auf diese Weise abgelenkt werden. Handlungslücken wurden überbrückt und wichtige Informationen übermittelt. Vor allem diese Infos sind mir in Erinnerung geblieben.

Bei manchen Textpassagen im Film weiß ich bis heute nicht, ob die Romanvorlage sie bereits beinhaltete, oder ob Ulbrich sie einfach dazu gedichtet hat. Jedenfalls machten sie unsere Lieblingsvierteiler so besonders. Ulbrich hat seine Sache hervorragend gemacht.

In Kürze geht es noch um Staudtes rumänischen Co-Regisseur Sergiu Nicolaescu, der sich auch hierzulande bei den Karl-May-Festspielen einen Namen gemacht hat.

Bevor TV-Nostalgie beim Texten noch öfters blockiert und mich aus dem Konzept bringt komme ich hier und jetzt mal zum Schluss ...

LG MARIPOSA
(derzeit unter richtigem Namen als "Sommer-Hoch" im Altweiber Sommer unterwegs )

Merkt man es andernorts ?!?

Elaine



Beiträge: 285

04.09.2017 21:13
#426 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Vielen Dank für die informativen Worte über Regisseur und Produzent, liebe Mariposa!

Wo war ich stehen geblieben...? Ach, ja, bei der Flucht von der einsamen Farm! Ich bin ein bisschen durcheinander, weil meine vielfältigen Eindrücke aus Rumänien so gar nicht zu der "Mühe und Arbeit" meines Alltags passen wollen

Dem Übersetzungswunsch von Steffi bzgl. der (sicher sehr geistreichen) Kommentare unseres bretonischen Seebär-Künstlers schließe ich mich ausdrücklich an! "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es" - soll schon Erich Kästner gedichtet haben.

Ich gehe ´mal mit gutem Beispiel voran und habe noch ein paar Fotos aus meiner digitalen Schatzkiste hervorgekramt:

Das Budget selbst eines Walter Ulbrich mit seinen vielen europäischen connections hat es leider überstiegen, an Originalschauplätzen drehen zu lassen - deswegen habe ich mich im Laufe der Jahre auf den Weg gemacht, um nachzusehen, wo es denn hätte stattfinden müssen, wenn es wirklich stattgefunden hätte.

Wenn also unsere jungen Helden am Ende nach beharrlichem nach Osten Segeln, immer vom Westwind, den Roaring Forties, getrieben, in Chile so ungefähr auf dem 42. Grad S stranden wollten, hätten sie sich von der Südinsel Neuseelands aufmachen müssen.

Heutzutage gibt es dort keine so ganz einsamen Farmen mehr, aber ein bisschen abgelegen sind sie schon. Drei davon haben sich zusammengetan, um einen Wanderweg zu kreieren und sich ein kleines Zubrot zur Wolle hinzu zu verdienen (die heutzutage offenbar nicht mehr sonderlich reich macht, so dass die Neuseeländer vielleicht beim Beten eher nach Alternativen dazu suchen): Den Kaikoura Coast Track.

(Dies ist durchaus etwas Schleichwerbung für die Schnittmenge aus geneigtem Neuseeland-Tourist und Zwei-Jahre-Ferien-Fan! )

Zunächst ´mal brachten die jungen Abenteurer also den Planwagen an sich... Ein solcher steht, zusammen mit anderen Kutschen aus Queen Victorias Zeiten, auf der Farm "The Staging Post"



Ob sie damit im neuseeländischen Busch aber so richtig gut unterwegs gewesen wären, erscheint ein wenig fraglich...



Die Bilder stammen vom Wegabschnitt zwischen den beiden anderen Farmen, "Ngaroma" und "Medina"; der Geländeeinschnitt mit dem dunkleren "Grünzeug" ist ein Wasserlauf und führt zum Strand - alle anderen Wege führen straight zur Steilküste, die, hoch und bröckelig wie sie ist, zum Herunterklettern definitiv ungeeignet wäre (hier also keine Gelegenheit zu Heldentaten für den jungen Lord in spe: es wäre seine letzte).

Ein paar andere Bilder vom Innenleben des "Grünzeugs" sind wiederspenstig: sie bekommen mit "Wasserzeichen" leider zu viele bits und bytes, daran muss ich noch feilen...

Es brauchte also noch nicht einmal kriegerische Maori um steckenzubleiben; die "Landkriege" gelten auch als seit 1872 weitgehend beendet.

Mariposa



Beiträge: 784

06.09.2017 22:59
#427 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Auch Dir ein herzliches Dankeschön fürs Posten, liebe Elaine.

Ich schließe mich der "Schnittmenge" aus geneigtem Neuseeland-Tourist und Zwei-Jahre-Ferien-Fan gerne an.

Dabei muss ich mir den seebärigen bretonischen Künstler wirklich noch einmal zu Gemüte führen. Das fällt mir sicher ganz leicht, wenn ich nach unserem Klassentreffen wieder in Bretagne-Erinnerungen schwelge. Oder Pasquale Aleardi als Kommissar Dupin wieder auf Verbrecherjagd geht.

Doch erst zu Neuseeland-Erinnerungen. Ich war nicht auf des Schusters Rappen unterwegs und habe aber auch keinen Planwagen geklaut. Ich fragte einen Farmer, ob ich eines seiner Pferde reiten dürfe, um die Gegend zu erkunden. Ich durfte. Seine Wahl für mich fiel dabei auf die ausrangierte Traberstute Trixie. Sie sei sehr schnell hat er gemeint. Ich war etwas skeptisch, denn das war nicht so unbedingt eine Eigenschaft, auf die ich größeren Wert legte. Ich war ja vor keinen kriegerischen Maoris auf der Flucht, sondern wollte die schöne Landschaft vom Pferderücken aus genießen.

Das war mit Trixie gar nicht so einfach. Schnell müde wurde sie jedenfalls nicht. Immerhin konnte sie geschmeidig galoppieren.

Es hat ungefähr einen halben Tag gedauert, bis ich Trixie ausgetrickst hatte und wir uns einig wurden, wer über die Richtung entscheiden durfte. So ist das halt mit charakterstarken Pferden: Sie bleiben bei einer einmal gefassten Meinung und die muss nicht zwangsläufig identisch mit der des Reiters sein.

Nachdem mit viel Müh' und Arbeit und Pferdeflüsterei die Fronten geklärt waren, wurde es ein wirklich guter Ritt. Ich denke dabei an die vielen Lupinen, die die verregnete Landschaft verzauberten. Bei Heimkehr hat der Farmer lächelnd gemeint, Trixie sei schon ein ganz besonderes Pferd, zum Glück bräuchte er sie nicht zu Reiten.

Mit nostalgischen Grüßen
MARIPOSA

Mariposa



Beiträge: 784

09.09.2017 00:55
#428 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Nun wütet ... binnen kurzem ... schon wieder ein Hurrikan über Amerika und Karibik. Die Natur zeigt ihre Macht. Wohl um den twitternden Präsidenten zu zwingen, dass er von seiner geplanten Mauer ablassen soll.

Ein solch' schlimmer Hurrikan und die Zustände in Amerika während des Bürgerkrieges hatte schon die "Schiffbrüchigen der Lüfte" in DIE GEHEIMNISVOLLE INSEL auf eben diese Insel gewirbelt.

Die jetzt am stärksten betroffene Karibik-Insel (halb französisch, halb holländisch) wurde aufgrund ihrer Besonderheit schon in dem Verne-Roman "Reisestipendien" (Bourses de voyage [1903]) besonders erwähnt.

Ich finde in dem Vierteiler ZWEI JAHRE FERIEN sind mehr "Reisestipendien"-Motive enthalten, als Romaninhalte aus "Zwei Jahre Ferien" selbst.

Schildert er doch die Ferien-Abenteuer von 9 Schuljungen, die durch einen Wettbewerb eine Schiffsreise zu den Antillen und somit zu ihren "Wurzeln" gewinnen. Die Namen der Jungs: Luis, Roger, Axel, Albertus, John, Magnus, Niels, Hubert und Tony.

Ein Bande von Spitzbuben bemächtigt sich des Schiffes namens "Alert" (Alarm). Die Reise wird fortgesetzt, ohne dass die Schüler Verdacht schöpfen. Auf Barbados will man erst die Reisekosten von der Veranstalterin kassieren und danach die lästigen Passagiere ermorden. Da bedarf es erst eines weiteren Seemanns, der die Machenschaften der Entführer auffliegen lässt und alles zu einem guten Ende bringt.

Die Verschiedenheit der Namen weist auf verschiedene Nationalitäten hin. Der Autor hat großen Wert darauf gelegt, uns in diesem Roman (wie auch in anderen) eine Annäherung der verschiedenen Charaktere und Temperamente, die sich in einer internationalen Gesellschaft zusammenfindet, als gutes Beispiel vorzuführen.

Bei den Verfilmungen, wo auch mehrere Nationen beteiligt waren, war es mit dem "Gemeinschaftsgeist" oder "Wir"-Gefühl dann schon nicht mehr allzuweit her. Alle redeten vom gemeinsamen Spiel und jeder wollte "die erste Geige" spielen. Teilweise wurde in mehreren Sprachen gedreht und es wurde synchronisiert. Das schmälerte die Gage der Schauspieler. Trotzdem war es für die Darsteller schon in jungen Jahren eine außergewöhnliche Erfahrung, die wir im "Multi-Kulti-Durcheinander" des "Hier und Jetzt" nicht mehr richtig nachempfinden können.

Mit nächtlichen Grüßen
MARIPOSA

Elaine



Beiträge: 285

10.09.2017 17:11
#429 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Wozu braucht ein Schmetterling auch ein Pferd, liebe Mariposa – das ist ja fast so wie die Sache mit dem Fisch und dem Fahrrad!
„Nomen est omen“, meinten hingegen schon die alten Römer, so dass Trixie sich vllt irgendwann gedacht hat: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich ´s völlig ungeniert!“
Wie überaus vorteilhaft, dass Du mit der Pferdeflüsterei Erfolg hattest, und nicht im Graben bei „bush lawyer“, „stinkwood“, „hook grass“, stechenden Diesteln, brennenden Nesseln und Hände oder Beine aufschneidendem Halmen gelandet bist (wie es unseren jungen Helden bei einer Hals-über-Kopf-Flucht von der einsamen Farm durch den neuseeländischen bush zur Sloughi auch leicht hätte geschehen können)!
Ich hatte ´mal ein stutenbissiges Islandpferdchen auf einem Ausritt auf Spiekeroog, das sich ständig mit seinem Nachbarpferd zoffen wollte. Da habe ich aber die Zügel angezogen...

Jemand bezeichnete den gegenwärtigen US-Präsidenten im Internet kurz nach seiner Wahl als „amerikanisches Meerschweinchen“ (und ich finde, die Ähnlichkeit ist nicht zu leugnen )... so dass ich fürchte, dass hier weder straff angezogene Zügel, noch Pferdeflüsterei weiterhelfen. Als Verbesserungsvorschlag hätte ich, dass er als „starker Mann“, als der er sich so gerne darstellt, doch im Stile von "Independance Day" in Florida bei der Nationalgarde aushelfen sollte – bestenfalls würde er dann „vom Winde verweht“.

Die Tücken multi-kultureller Kooperationen sind nicht zu unterschätzen, da hierbei ja jeder meint, er habe recht, und die anderen seien verrückt. Geht schon in bi-kulturellen Partnerschaften los - Anekdote einer deutsch verheirateten französischen Professorin, Reisebekanntschaft im ICE: Die Professorin habe sich so oft und so heftig mit ihrem Mann (ebenfalls Professor) gestritten – was mit dem Bildungsgrad eigentlich nicht erklärlich war, da ja beide kluge und kultivierte Leute -, bis sie irgendwann herausgefunden hätten, dass „ins Wort Fallen“ in Frankreich als „Interesse Zeigen“ und in Deutschland als „unhöflich“ gilt... Da müsste man eine ganze Dolmetscher-Zunft für das Übermitteln von Sitten und Gebräuche installieren.
Und wenn es dann noch um viel Geld geht, wie bei Filmproduktionen...!
Insofern fürchte ich, „Papa Jules“ war in dieser Hinsicht zu optimistisch.

Claude Desailly hat zweifellos „Zwei Jahre Ferien“, „Reisestipendien“, „Die Kinder des Käpt'n Grant“ und andere Verne-Romane einmal in einen Topf geworfen, kräftig durchgeschüttelt, und das daraus serviert, was am besten mundet.
Ich glaube, in einem weiteren Roman (dessen Titel mir entfallen ist), kommen auch zwei Gauner vor, die ein Schiff zwischen Australien und Neuseeland kapern...

Beim Aufräumen auf dem PC habe ich übrigens heute den oben erwähnten „Unfallbericht eines Kapitäns an seinen Reeder“

Unfallbericht eines Kapitäns an seine Reederei

Sehr geehrte Herren, mit Bedauern und in Eile schreibe ich Ihnen diesen Brief.
Mit Bedauern deswegen, weil ein kleines Mißverständnis zu den im Folgenden aufgeführten Umständen führte, und in Eile, um sicherzustellen, daß Sie diesen Bericht noch vor dem Zeitpunkt erhalten, an dem Sie sich Ihre eigene vorgefaßte Meinung über die Angelegenheit aus den Berichten der Weltpresse, von der ich sicher bin, daß sie dazu neigt, die Affäre zu überdramatisieren, bilden werden.

Wir hatten gerade eben den Lotsen aufgenommen, und der nautische Assistent war gerade vom Austauschen der Flagge G durch die Flagge H zurückgekehrt. Es war seine erste Reise, und er hatte daher Schwierigkeiten, die Flagge G aufzurollen. Ich entschloß mich daher, ihm zu zeigen, wie man das macht. Und als ich zum letzten Teil gekommen war, sagte ich ihm: "Laß fallen". Der Bursche war, obwohl willig, nicht allzu intelligent, und es wurde daher nötig, daß ich meine Anweisung in einem schärferen Ton wiederholte.

In diesem Moment erschien der Erste Offizier aus dem Kartenraum, in dem er den Kurs des Schiffes in der Karte eingetragen hatte und dachte, daß sich diese Anweisung auf den Anker bezog, und wiederholte dem Dritten Offizier auf der Back gegenüber "laß fallen". Der Backbordanker, der klar gemacht worden war, aber noch nicht aus der Klüse gefiert war, wurde prompt fallengelassen. Die Wirkung des fallenden Ankers aus der Klüse, während sich das Schiff noch mit voller Manövergeschwindigkeit bewegte, war zu groß für die Ankerspillbremse, und die gesamte Länge der Backbordankerkette wurde komplett herausgerissen. Ich befürchte, daß der Schaden am Kettenkasten nicht unbeträchtlich sein könnte.

Der Bremseffekt des Backbordankers ließ das Schiff in diese Richtung ausscheren, geradewegs in Richtung der Klappbrücke, die als Seitenbegrenzung des Flusses, auf dem wir uns vorwärts bewegten, anzusehen ist. Der Brückenwärter zeigte eine große Geistesgegenwart, indem er augenblicklich die Brücke für mein Schiff öffnete. Unglücklicherweise dachte er allerdings nicht daran, den Straßenverkehr vorher anzuhalten. Das Resultat war, daß die Brücke teilweise geöffnet war und ein PKW, zwei Fahrradfahrer und ein Viehtransporter auf dem Vorschiff landeten. Meine Schiffsbesatzung sammelt im Augenblick den Inhalt des letztgenannten zusammen, von dem ich, nach dem Geräusch zu schließen, sagen würde, daß es Schweine sind.

In seinem Bemühen, die Vorwärtsbewegung des Schiffes aufzuhalten, ließ der 3. Offizier den Steuerbordanker fallen. Viel zu spät, um noch wirksam zu werden, da dieser direkt auf den Kontrollraum des Brückenwärters fiel. Nachdem der Backbordanker gefallen war und das Schiff andrehte, legte ich den Maschinentelegraphen zweimal auf volle Kraft zurück. Persönlich rief ich den Maschinenraum an und gab Anweisung auf volle Rückwärtsfahrt. Ich wurde von dort informiert, daß die Wassertemperatur 11,5 Grad betrüge, und gleichzeitig gefragt, ob abends ein Film gezeigt werden würde. Meine Antwort hierauf würde kein konstruktiver Beitrag zu diesem Bericht sein.

Bis jetzt habe ich meinen Bericht auf die Aktivitäten auf dem Vorschiff meines Schiffes beschränkt. Achtern hatte man seine eigenen Probleme. In dem Augenblick, als der Backbordanker fallengelassen wurde, beaufsichtigte der 2. Offizier das Festmachen des Achterschleppers, auf dem gerade die Festmacherleine gefiert wurde. Der plötzliche Bremseffekt des Backbordankers ließ den Schlepper unter das Heck meines Schiffes laufen, gerade in dem Augenblick, als die Schraube auf meine Anweisung "volle Kraft zurück" reagierte. Das blitzartige Belegen der Schleppleine durch den 2. Offizier verzögerte den Untergang des Schleppers für einige Minuten, die eine sichere Abbergung der Mannschaft des Schleppers ermöglichten.

Es ist eigenartig, aber im selben Augenblick, als der Backbordanker fallengelassen wurde, gab es an Land einen Kurzschluß. Die Tatsache, daß wir gerade über ein Kabelgebiet fuhren, läßt mich vermuten, daß wir irgendetwas auf dem Flußbett berührt haben könnten. Glücklicherweise waren die Hochspannungskabel, die durch den Vormast heruntergeholt wurden, nicht aktiv. Möglicherweise sind sie gerade durch das Unterwasserkabel ersetzt worden.
Da es an Land stockdunkel war, ist es mir unmöglich zu sagen, wohin der Hochspannungsmast gefallen ist.

Die Reaktionen und das Betragen von Fremden in den Augenblicken von kleinen Krisen erstaunen mich doch immer wieder. Der Lotse hat sich z.B. in die Ecke meiner Tageskabine verkrochen, summt gelegentlich vor sich hin und heult, nachdem er eine Flasche Gin geleert hat in einer Zeit, die es wert wäre, in das Guiness-Buch der Rekorde eingetragen zu werden. Der Schlepperkapitän reagierte auf der anderen Seite gewalttätig und mußte vom Steward mit Macht zurückgehalten werden, indem er ihm Handschellen anlegte und in das Schiffshospital beförderte, wo er mir und meinem Schiff die unmöglichsten Dinge androhte.

Ich füge diesem Schreiben die Namen und Adressen der Fahrer und der Versicherungsgesellschaften der Fahrzeuge auf meinem Vorschiff bei, welche der 3. Offizier eingesammelt hat, nachdem er sich schnellstens von der Back entfernt hatte. Diese Unterlagen werden es Ihnen ermöglichen, den Schaden, den sie an den Relingsstützen und der Luke 1 anrichteten, zu reklamieren. Ich beende nun diesen Bericht, da es mir schwerfällt, mich beim Heulen der Sirenen und den Blaulichtern der Polizeiwagen zu konzentrieren.

Es ist wirklich traurig, wenn man bedenkt, daß, hätte der nautische Assistent bemerkt, dass man nach Anbruch der Dunkelheit keine Lotsenflagge mehr zu setzen braucht, nichts von allem passiert wäre.

Mit freundlichen Grüßen, Kapitän ...
wieder gefunden, der – wenngleich sehr nautisch – doch nicht so ganz thread-fremd ist, weil es in unseren Vierteilern schließlich auch oft um große oder kleine Havarien geht und ein bisschen für Unterhaltung sorgen kann, solange ich unter meinen vielen Fotos "klar Schiff mache"...

Mariposa



Beiträge: 784

10.09.2017 19:04
#430 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Danke schön, liebe Elaine!

Zu meiner Überraschung und Freude muss ich feststellen, dass sich der WDR im Dritten unserer Thread-Ergüsse und Reise-Überlegungen "angenommen" hat.

Heute Abend um 20:15 Uhr kommt ein Reisebericht über Rumänien. Klingt vielversprechend.

Da bleibt nur zu sagen: WUNDERSCHÖN !!!

Weiter so.

Mit gespannten Grüßen

MARIPOSA

Elaine



Beiträge: 285

11.09.2017 18:42
#431 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

"Wunderschön" ist, abgesehen von Braşov, etwas weiter westlich gereist als ich auf den Spuren der Vierteiler, so dass ich auch noch Neues zu entdecken hatte!

Und wenn man nicht so recht mit den Vierteilern weiterweiß: Nicht verzagen, "Seewolf & Co." fragen! Beim Drehbuch von "Zwei Jahre Ferien" haben außerdem noch "Les Frères Kip" (1902 von Papa Jules) Pate gestanden, also die beiden Schlawiner, die "in neuseeländischen und tasmanischen Gewässern" eine englische Brigg "nebst ihrer wertvollen Ladung in ihre Gewalt bekommen wollen, um mit dem Schiff ihre eigenen Pläne zu verwirklichen".

Aber zurück zur virtuellen (Foto-) Schatzkiste. Die Bilder aus Rumänien kommen später - es geht hier alles seinen geregelten (sozialistischen) Gang: Erst das eine zu Ende bringen, dann ´was Neues anfangen.

Werfen wir noch einen Blick in die Abgründe "neuseeländischen Grünzeugs" zwischen Ngaroma und Medina:



Auf Schusters Rappen wäre man darin wohl doch schneller unterwegs als mit einem - ich möchte nicht sagen "geklauten", aber doch "etwas unkonventionell in den eigenen Besitz überführten" - Planwagen...

Tatsächlich gibt es einen planwagen-kompatiblen Weg zum Strand, aber der ist schon gut geeignet, um vorzeitige Seekrankheit auszulösen:



(Die letzten beiden Fotos vom Ende meiner kleinen Nachtwanderung zwischen 4:00 und 6:00 Uhr morgens, um den Dingen mit deutscher Gründlichkeit auf den Grund zu gehen )

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