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TV-Nostalgie-Forum

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Dieses Thema hat 461 Antworten
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 Adventsvierteiler und Weihnachtsserien - Vom Seewolf zu Anna
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Elaine



Beiträge: 311

31.10.2017 19:14
#436 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Ach, ja, ich vergaß beinahe:
Wie konnten die Jungs ohne Plan, aber mit Schiff, die Piraten, mit Plan, aber ohne Schiff, das Phantom (offenbar ohne Plan, aber mit Schatz) und ein grosser Salpetersegler, hoffentlich mit Plan, sich alle zur selben Zeit auf (oder zumindest nahe) einer mehr oder weniger großen südchilenischen Insel treffen?

"Dichtung ist verpflichtet, sich nach den Möglichkeiten zu richten.
Die Wahrheit nicht."
Mark Twain

Ulbrich hat da beim Drehbuchschreiben vllt ´was verwechselt...

Also, für die Jungs: Null Problemo, die wurden von den Roaring Forties von Neuseeland aus direkt ´rüber gepustet (das ging auch besser ohne Plan).
Die Piraten mussten da schon mehr Mühen und Plagen auf sich nehmen, denn die Schiffe, die von Australien und Neuseeland nach Osten fuhren, machten alle nicht freiwillig vor Südchile halt, sondern versuchten, so schell und unbeschadet wie möglich Kap Hoorn zu umrunden oder sie steuerten irgend etwas zwischen Valparaíso oder San Francisco an. Es wird wohl auf ewig das Geheimnis der Phantasie Ulbrichs bleiben, auf welchen verschlungenen Routen die Piraten ihr Ziel erreicht haben sollen.
Genauso das Phantom: Zwar ist die Inselwelt Südchiles bestimmt ein todsicheres Versteck für Schätze (Betonung auf tod-), aber von Peru aus doch arg weit ab vom Schuss...
Bleiben die Salpetersegler: O.k., die fuhren von Europa aus in Richtung Nord-Chile regelmäßig dort vorbei, hielten sich aber viel weiter draußen auf offener See, weil die ganze lange Südküste Chiles eine, obendrein recht stürmische Leeküste ist (d.h. der Wind weht darauf zu) und deswegen für ein Segelschiff natürlich mit allergrößter Vorsicht zu genießen...

Wahrscheinlich wären unsere jungen Helden, wenn sie sich ordentlich in die Riemen gelegt hätten, nach ein paar Tagen, stielecht wie Charles Darwin, in Cucao angelandet, statt von einem Salpetersegler aufgefischt zu werden...

Elaine



Beiträge: 311

17.11.2017 17:14
#437 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

So ein schwungvolles Fischkutter-Rennen in den bewegten nordpatagonischen Gewässern, vor Süd-Chiloé oder der Isla Guafo wäre wahrscheinlich etwas, das einen Zweiten Steuermann in spe sein Faible für alles Lateinamerikanische entdecken lassen könnte...
(Die Chilenen sind jedenfalls große Künstler und hingebungsvolle Bewunderer ihres Landes, die es zumindest bei mir, als einer mäßig begabten Freizeitseglerin, auch geschafft haben, die Begeisterung für ihre rauhe Natur zu wecken.)

Bei rechter Betrachtung eignen sich die besagten nordpatagonischen Gewässer aber schlecht für Touren im offenen Ruderboot (man beachte nur die Brandung an den Klippen im Hintergrund)!
Auch ritt Charles Darwin stilecht über die mit Holzbohlen erstellten Pfade nach Cucao - geankert hatte die Beagle in Castro (der heutigen Inselhauptstadt von Chiloé), am östlichen Wattenmeer-Ufer der Insel - bzw. er legte die letzten Meilen zusammen mit einer auf den Rücken gedrehten Kuh im Boot auf dem Lago Cucao bzw. Lago Huillinco zurück...



Außerdem: Als ich das erste Mal, 2004, in der Abenddämmerung eines spätwinterlichen August-Tages in Cucao ankam, da fragte ich meinen Angetrauten, ob die denn hier wohl eine Staustufe in ihrem Fluss hätten, der aus dem See austritt und ins Meer fließt, so donnerte es...

Nachdem wir am nächsten Morgen den breiten Dünengürtel (über 1 km) durchwandert hatten, konnten wir feststellen: Nix mit Staustufe - das ist der Pazifik, der hier ungebremst von Neuseeland aus über 8380 km (4525 sm) angerauscht kommt.
Also ebenfalls kein guter Anlegeplatz für offene Bötchen.

Da hätten unsere jungen Helden sich mit dem von den Piraten erbeuteten Boot doch lieber vom Süden Chiloés oder der Isla Guafo aus nach Osten aufgemacht, um in ruhigere Gewässer (Golfo de Corcovado), an ´s Festland oder an die Ostseite von Chiloé mit den vielen Inselchen im Wattenmeer zu gelangen (wo dann definitiv keine Salpetersegler mehr ´rumpütscherten). Bei den abergläubischen Chiloten (damals bestimmt noch viel mehr als heute!) hätten sie aber in ihrem abgerissenen Schiffbrüchigen-Outfit wohl achtgeben müssen, nicht für eine Truppe "Brujos" oder "Traucos" gehalten zu werden...

Apropos "Corcovado": Ich habe mich vor Ort gefragt, ob man es denn beim in der ganzen Gegend unvermeidlichen Anblick dieses Vulkans (2300 m), überhaupt schaffen könnte, zwei Jahre lang verschütt' zu gehen?
Wahrscheinlich konnte man (damals)... Denn die Vegetation im südlichen Drittel Chiloés ist so unwegsam (wenn nicht grade mit dem Bulldozer eine Straße hinein gefräst ist), dass man so eine markante Landmarke bei klarem Wetter wohl sehen, aber schlecht hinkommen kann.



Zu den Aussichtspunkten kann man durch die Wasserläufe hochwandern, hmm (das erste Foto ist südlich von Cucao mit Blick nach Nordosten, das zweite nördlich davon mit Blick nach Südwesten)...
... doch bei aller Wanderlust muss man sich als armer Schiffbrüchiger ja ´mal um ´s Essen Fassen kümmern (Seelöwe mit Kartoffeln und Kartoffeln mit Seelöwe)...

An geeigneten (Schatz-) Höhlen für Schiffbrüchige hapert es ebenfalls: Zu klein, zu eng, zu feucht.
Da hätten unser Phantom und unsere jungen Helden doch auf traditionelle chilotische Holzkaten zurückgreifen müssen...



(Das letzte Bild ist übrigens das der "Höhle der Pincoya", einer chilotischen Meerjungfrau, die manchmal am Strand tanzt, um - je nach Gusto - die Fische entweder zu vertreiben oder sie für die Fischer anzulocken; am Strand von Chonchi, 3 oder 4 Kilometerchen nördlich von Cucao.)

So, genug des "Wie wäre es gewesen, wenn es wirklich passiert wäre"! Ein paar Rätsel um die Geeignet- oder Ungeeignetheit südchilenischer Inseln für tragische und ausgedehnte Robinsonaden müssen noch bleiben, denn Ihr wisst: Die Suche und nicht das Finden...

Demnächst wenden wir uns dem "Wo war es wirklich?" zu...

Mariposa



Beiträge: 812

19.11.2017 16:26
#438 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Vielen, vielen Dank liebe Elaine, dass Du uns an Deinen Reiseerlebnissen auf den Spuren von ZWEI JAHRE FERIEN teilhaben lässt.

So hätte es also an den Original-Schauplätzen ausgesehen, wenn die drehtauglich gewesen wären und nicht das Budget gesprengt hätten. Money talks ...

Natürlich warten wir schon voller Spannung auf "Wo war es wirklich", denn nicht das Finden sondern die Suche ...

Für mich ist z.B. Neuseeland oder Chile weniger "exotisch" als Rumänien, wo ich noch nie war.
Ich kenne das Schwarze Meer nur vom Drüberfliegen und da ist es wirklich sehr schwarz.

Also, leg' bitte los

Immerhin haben Papa Jules, sowie kundige und weniger kundige Drehbuchautoren und Regisseure uns zu einem erfüllenden und kostspieligen Hobby verholfen, denn nicht das Finden sondern die Suche ...

Ich vergaß die weniger kundigen Kapitäne. Während eines Flugs nach Madrid mit einer lateinamerikanischen Airline hatte ich tatsächlich den Eindruck, dass es die auch im richtigen Leben gibt. Eine Flugroute in die spanische Hauptstadt via Italien, Korsika, Sardinien, die Balearen und dann noch über Valencia hätte meiner Meinung doch glatt in einen Verne-Roman oder ein Drehbuch für Verne-Verfilmungen gepasst. Wir bekamen sehr viel zu sehen und dabei - ohne Extrakosten - lecker zu essen. Alleine schon deswegen hat sich diese Flugroute gelohnt. Und dann bekam ich auch noch meinen Lieblingsschauspieler Javier B. zu sehen. Leider nicht live im Flieger sondern nur auf dem Bildschirm. Und da war ich an Bord eigentlich eher an der abenteuerlichen Flugroute interessiert.

Für geistige "Höhenflüge" sowie außergewöhnliche und malerische Fluganreisen kann ich lateinamerikanische Airlines also wirklich wärmstens empfehlen. Von den aufmerksamen Stewards, die in jeden Piratenschinken gepasst hätten, mal ganz abgesehen. Leider ging die malerische Anreise und die nette Betreuung ein wenig auf Kosten des Aufenthaltes in Madrid, so dass das Madrid-Erlebnis an sich oder eventuelle Umsteigeerlebnisse in Madrid Barajas aufgrund der Größe des Flughafens knapp bemessen sind.

Ich schließe ganz einfach mit den Worten: DER WEG IST DAS ZIEL ... oder ... WENN EINER EINE REISE TUT, DANN KANN ER WAS ERZÄHLEN ...

LG MARIPOSA

Elaine



Beiträge: 311

20.11.2017 21:28
#439 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Mille merci, liebe Mariposa, für die günstige Aufnahme meiner kleinen Bildersammlung, die inzwischen auch schon ziemlich nostalgisch ist (2007, AUS & NZ, ist inzwischen auch schon wieder 10 Jahre her...)!

Verweilen wir noch etwas beim Praktischen, Bandwurm-Bens Speisekarte, um von der fiktiv-realistischen Version derselben zu ihrer realen überzugehen:

In Nordpatagonien wären Seelöwe mit Kartoffeln (und umgekehrt) bestimmt der grundlegende Bestandteil der Verpflegung gewesen.
Die Schiffbrüchigen der Grafton 1864 auf den Auckland Inseln hatten bereits das "Vergnügen" damit (allerdings mit den Wurzeln des Maquarie Island Cabbages anstelle von Kartoffeln, nachdem ihnen eine ausschließliche Seelöwen-Diät suboptimal bekommen war).

Nahe der windschiefen Holzkate, so unsere Landlady in Cucao, sollte sich eine Seelöwen-Kolonie befinden. Wir haben uns aber irgendwie verlaufen und dann nicht ausprobiert, ob wir die (auch dort ordentlich bröckelige) Steilküste ´runterkraxeln könnten - so hart wollte ich dann doch nicht auf Doniphans Spuren wandeln, dass das vllt meine letzte Heldentat hätte werden können...
Und die Kartoffeln, der ur-südamerikanischste aller Sattmacher, hat schon Darwin im Chonos-Archipel am Strand ausgebuddelt.

Sicher hätte früher oder später auch noch cochayuyo, auf jedem südchilenischen (Fisch-) Markt in dicken Bündeln feilgeboten, als Gemüsebeilage die Teller geziert.
Unser findige Landlady hatte, nach langen Wässern, sogar Konfitüre daraus gekocht, die wir wegen der etwas körnigen Konstistenz erst ´mal für Feigenkonfitüre hielten...
Man stelle sich bloß Service mit langer Kombüsenschürze am qualmenden Schiffsherd vor (weil eins der südpazifischen Tiefdruckgebiete in Endlosschleife ´mal wieder dafür sorgt, dass der Schornstein nicht richtig zieht), wie er die letzten Zuckervorräte der Sloughi andächtig mit cochayuyo-Stückchen verrührt

Auch dürfte mit der Zeit allerlei maritimes Kleingetier, das sich durch Luftlöcher im Sand verriet, in den Pott gewandert sein - Seeigel auf Guafo (irgendwo gibt es im www Bilder vom fröhlichen Seeigel-Sammeln auf den Klippen der Insel durch eine Truppe Wissenschaftler, die ich gerade nicht wiederfinde)...
... und wenn sie es mit Hilfe von Abdrift*, Deviation** und Missweisung*** (also ohne Plan ) geschafft haben sollten, auf das Südende von Chiloé zu scheppern, obwohl sie meinten, wochenlang gen Osten gesteuert zu haben, hätten sie mit ganz viel Glück vllt sogar Ziegen erwischen können, die aus Cucao oder Quellon ausgebüxt waren...
Ach, ja, und nicht zu vergessen die Walderdbeeren am Strand (gewusst, wo!)...



Wenn sie ganz doll vorausschauend gewesen wären (was Freund Gordon glatt zuzutrauen war), hätten sie auch nicht alle Bohnen, Linsen und Erbsen aus der Proviantlast der Matrosen im ersten Winter aufgefuttert, sondern sie im Frühjahr ausgesät...

Nun aber zur realen Speisekarte von "Bandwurm-Ben"!
Da die Rumänen scheinbar große Liebhaber deftigen Essens sind, tauchte vor Ort natürlich die drängende Frage auf:
Wie haben sie bloß authentisches Hungergejammere eines pausbäckigen Bogdan Untaru für den Film eingefangen???

Fortsetzung folgt...

---
* unbemerkte Abweichung vom Kompasskurs durch Wind, Seegang und Strömung
** Ablenkung der Kompassnadel durch andere Metallteile des Schiffes
*** die Differenz zwischen magnetischem und echtem Nordpol, die an jeden Punkt der Erde anders ausfällt


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Mariposa



Beiträge: 812

05.12.2017 23:10
#440 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Sankt Niklas ist ein guter Mann, bringt den Kindern was er kann ...

Und weil St. Nikolaus nicht bloß "Wasserkannen" für brave Kinder im Gepäck hat, gibt es heute für die erwachsenen Vierteilerfreunde den Tipp sich einmal oder nochmals den Fernsehfilm

DAS VERSCHOLLENE INKA GOLD

zu Gemüte zu führen.

Die Novelle stammt aus der Feder von Jack London. Regie führte Wolfgang Staudte, fürs Drehbuch war Walter Ulbrich und für die Kamera Alexandru David zuständig. Die Musik stammt unverkennbar von Hans Posegga. Beste Voraussetzungen, viele bekannte Namen und Vor- sowie Abspann sind so wie im Seewolf gehalten.

Trotzdem erreicht der Einzelfilm aus dem Jahre 1977 bei weitem nicht die Qualität und die Spannung bestimmter Adventsvierteiler. Ich möchte aber nicht, dass er in Vergessenheit gerät. Er wird auf You Tube sogar als Teil V zu Lockruf des Goldes beschrieben. Das würde ich allerdings nicht unterschreiben. Vielleicht war die Geschichte mal für den Vierteiler eingeplant und konnte nicht mehr untergebracht werden. So wurde die Produktion später als Einzelfilm ausgestrahlt.

Na ja, verschollene Gold-Schätze spielten ja auch auf einer vergessenen Insel in einer Jules-Verne-Verfilmung eine gewisse Rolle.

Ich wünsche allen Forum-Kollegen und Lesern eine schöne, spannende aber auch genauso beschauliche Adventszeit. So wie früher halt!

MARIPOSA

Elaine



Beiträge: 311

29.12.2017 17:45
#441 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Sankt Niklas ist dieses Jahr zweifellos an Güte nicht zu überbieten, wenn auch punktuell etwas verspätet: Zum verschollenen Inka-Gold gibt es nicht nur den vorerwähnten Film (Wolfgang Staudte - mehr oder weniger frei - nach Jack London in bewährter Manier), sondern auch ganz neue Erkenntnisse:
Wer am 17.12.2017 "terra X" (über Costa Rica) mit offenen Ohren zugehört hat, der weiß jetzt, woher das peruanische, in Süd-Chile versteckte Gold kam, das Papa Jules nicht im Programm hatte und auch das geneigte französische TV-Publikum niemals zu Gesicht bekam, in der deutschen Version von "Zwei Jahre Ferien" jedoch verbissen von Eddie Forbes und Josh Pike gesucht wurde:
Der legendäre und mysteriöse Kirchenschatz von Lima, geklaut 1820 in den peruanischen Revolutionskämpfen usw. ..., hat Onkel Walter Ulbrich seine Drehbuchinspirationen eingehaucht!
Einfach immer mit dem Link am unteren Rand der Seite weiterklicken, dann erfährt man alles über Manoel/ Thompson, nicht weniger als zwei Forbeses und einen gewissen Señor de la Serna...

Vor ewigen Zeiten bin ich in diesem Forum ´mal aufgefordert worden, Einen auszugeben, weil ich zufällig post so-und-soviel-tausend fabriziert hatte. Ich erinnere mich geantwortet zu haben, dass ich das dann im Donau-Delta machen würde, wenn ich jemals dorthin käme... Die Mitgliederreise ist ja nicht zustande gekommen, so habe ich die Sache endlich selbst in die Hand genommen und...
... voilà, jetzt war ich da und will mich auch nicht lumpen lassen!
Während Du, liebe Mariposa, an Bord einer lateinamerikanischen Airline dementsprechende Spezialitäten verkostetest und Dich an einer Flugroute labtest, die eines ziemlich derangierten "Käpt'n Hulls", eines "Kapitäns von 15 Jahren" oder einer Bruchpiloten-Ballonfahrt zu einer "Geheimnisvollen Insel" würdig gewesen wäre, bin ich ganz bieder mit der Lufthansa von Frankfurt nach Bukarest gejettet.
Was gab es eigentlich bei LAN (-Chile)? Asado mit puré picante und Tomatensalat mit viiiel Koriander (Grillfleisch und Kartoffelbrei mit Tomatenmark sowie Chili) oder cazuela (ein Hähnchen-Gemüse-Eintopf), etwa curanto (im Flugzeug, zugegebenermaßen, ein bißchen schwierig herzustellen) oder gar cujen (streng spanisch auszusprechen: Kuchen = eine Art von Sahne-Schoko-Nusscreme-Torten-Bomben aus den Zeiten der deutschen Migrantenwelle um 1850 in Süd-Chile, die Bandwurm-Ben für drei Tage satt gemacht hätten) mit café con leche (heiße Milch mit löslichem Kaffee)?
Wir bekamen ganz schnöde deutsche Graubrotstulle mit Remoulade und Salami/ Käse, auch die Flugroute war in keiner Weise originell. In etwas mehr als zwei Stunden waren wir da.

Angekommen in Bukarest sind wir - nach einem kurzen, aber vielsagenden Blick auf den Vorwegweiser "Buftea 8 km" - sogleich weiter gereist nach Snagov, wo, wie die geneigten Fans des "Seewolfs" wissen, die "Abenteuer des Schienenstranges" für Teil 2 gedreht wurden.

Eigentlich wollte ich ja diesen fragwürdigen Vergleich nicht ziehen, aber im Dunstkreis des fraglichen Grabes von Draculas Namenspaten, Graf Draculea, dem Türkenpfähler, bietet er sich einfach an:
Wir landeten in einem fast leeren Schloss, Vila Maria, am Snagov-See und wurden umschmärmt von höchst realen kleinen Blutsaugern, die auch ganz unempfindlich gegen Kreuze, Knoblauch und Silberpflöcke sind.
Unsere jungen Helden werden am Set ihren "Spaß" gehabt haben, als sie hier im Sommer die jungen, unternehmungslustigen Hobos spielten: Der See ist ein schneller Brüter für Mücken.
Die Landschaft hatte ich schon vom Flugzeug aus erkannt, und gleich an der Gangway stand ein junger Flughafenmitarbeiter bereit, der frappierend an den unbotmäßigen Tatarenfürsten erinnerte!
Klappe - anderer Film... Auf den Tatarenfürsten kommen wir später zurück.



Selbst für Szenen im Schilf (Zwei Jahre Ferien) hätte die Filmcrew sich nicht bis ins Delta bemühen müssen: Am Snagov-See steht genug davon.
Die Filmstadt Buftea haben wir uns aber nicht "gegeben", die alten Kulissen von vor 48 bzw. 44 Jahren haben sie dort eh nicht mehr.

Elaine



Beiträge: 311

08.01.2018 19:21
#442 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Wir residieren noch in Snagov, einem Naherholungsgebiet der Bukarester, u. a. bekannt für seine Eichenwälder und seine Klosterinsel mit dem (leeren) Grab des berühmten Grafen (mit bürgerlichem Namen Vlad Ţepeş) – berühmt sowohl in Deutschland, als auch in Rumänien, wenngleich unter verschiedenen Vorzeichen (viktorianischer Horror vs. historische Verdienste, die auch ziemlich blutig waren).
Die Reiseleiter sollen sich damit aus der Affäre ziehen, dass sie behaupten, es wisse halt keiner so genau, wo der berüchtigte Blutsauger sich gerade aufhalte...

Der Blick aus unserem "Schloss" (das in vorherigen post liegt auf der anderen Seite des Sees, gegenüber)




Es gibt hier aber auch noch unseren eigentlichen Reisezweck, die Schauplätze der "Abenteuer des Schienenstranges", zu entdecken...

Snagov hat zwei Bahnlinien: Eine kleine, die in Südwest-Nordost-Richtung immer am östlichen Ortsrand entlang läuft (Rumänien ist das Land der laaaangen Straßendörfer) und nicht weit vom nördlichen See-Ende ebenfalls endet. Sie scheint stillgelegt zu sein.



Überdies gackert es hier (für Hobo-Ohren gar lieblich!) hinter dem Tante-Polly-Holzzaun neben dem handbetriebenen Weichenstellwerk.



Obwohl mein Sternzeichen laut FBI die höchste Massenmörderrate aufweist, konnte ich davon Abstand nehmen, ein paar Hühnern den Hals umzudrehen und sie illegal im Eichenwald hinter der Bahnlinie zu grillen.
Ich sah förmlich die Schlagzeile vor mir:
"Deutsche in Rumänien wegen Hühnerdiebstahls verhaftet - deutsche Botschaft lehnt jede Verantwortung ab! Mark Twain sprach zuerst mit dem Grillhähnchen"...

... und kam zu dem Schluss, dass am Bahndamm geklaute Hühner kein unverzichtbarer Bestandteil der Fan-Reise seien!
Wir haben uns daher artig mit gegrillter Hähnchenbrust ("piept der piu la gratar") in unserer Unterkunft begnügt, die unsere (diesmal sehr hübsche, rothaarige) landlady hoffentlich legal erworben hat und sehr schmackhaft zuzubereiten wusste.

Elaine



Beiträge: 311

08.01.2018 19:45
#443 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Die andere Bahnlinie verläuft etwa zehn Kilometer südlich von Snagov und zieht sich schnurgerade durch die Landschaft. Sie ist offensichtlich in Betrieb! ... und hat viel Ähnlichkeit mit der, welche im "Seewolf" zu sehen ist.
Der Versuchung, die zahllosen Holzstrommasten, die neben ihr stehen, nach der Schnitzerei von "Jack Skysegel" abzusuchen, konnten wir nach dem heldenmütigen Verzicht auf die Hühnerjagd gerade noch widerstehen





Ob die für die Dreharbeiten gesperrt wurde??
Wird für einen wie Ceauşescu nicht schwer gewesen sein (wenn man bedenkt, wie ganze Straßenzüge Bukarests für den "Auszug der Goldsucher aus San Francisco" in "Lockruf des Goldes" gesperrt wurden)...

Elaine



Beiträge: 311

08.01.2018 20:01
#444 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Überhaupt findet sich "in der Walachei" (und nicht nur als Redensart, das ist sie!) der Mittlere Westen pur:



Das Gegend ist so flach wie Ostfriesland (wo man montags schon sehen kann, wer am Sonntag zu Besuch kommen wird), mit quadratkilometerweise Maisfeldern (woraus ein Grundnahrungsmittel hergestellt wird: "Mămăligă" - aber dazu später).

Es fehlt auch nicht an reichlich, pittoreskem 19.-Jh.-Equipment für Wildwest-Romantik:



Und an Tante-Polly-Häuschen mit Holzzäunen, an denen Tom Sawyer dutzende von Kumpels zum kilometerweiten Anstreichen hätte animieren können, besteht ebenfalls kein Mangel...

Wir reisen weiter...

... wohin, wird im nächsten post verraten

Mariposa



Beiträge: 812

12.01.2018 23:12
#445 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Vielen Dank für diese Fleißarbeit liebe Elaine.

Das ist ja ein ganzes Kaleidoskop an Eindrücken und Fotos .

Riesig nett von Dir, dass Du uns daran teilhaben lässt .

Muss doch ein supertolles Gefühl sein, morgens aufzuwachen in dem Bewußtsein, dort zu sein, wo Du schon immer hin wolltest.

Da steht man doch auf mit dem Gedanken: "Yes we can" oder in unserer Muttersprache "Die Welt ist schön".

Die Urlaubsglückseligkeit wäre bestimmt noch zu toppen gewesen, wenn am Horizont die Segel der Ghost-Sloughy-Esperanza aufgetaucht wären. Ich frage mich oft was aus dem Schiff geworden ist. Schiffsfriedhof ... Museum ?!? Einen Ehrenplatz in einem Museum hätte sie auf jeden Fall verdient. Ist ja auch so etwas wie ein stummer Zeitzeuge.

Während unserer Schulzeit stand zu lesen, dass sie für Touristenausflüge im Schwarzen Meer zur Verfügung steht. Damals habe ich wie verrückt Reiseprospekte gesammelt. Für meine Freundin und mich stand fest: wenn wir volljährig sind, fliegen wir nach Rumänien. Wir haben es dann mal gerade übers Wochenende nach Holland geschafft.

Ich habe mich 1983 dann mit einem sogenannten "Piratentörn" auf einem primitiven Motorsegler durch die Gewässer der Adria getröstet. Vom Schiff her passte das aber besser zu Mathias Sandorf.

Ich meine ja die Ghost-Sloughy als Esperanza in "Bis ans Ende der Welt" wiederzuerkennen. Auszuschließen ist das nicht, war ja eine rumänische Serie. Aber danach ?!?

Na ja, wie sagte schon unser Lieblingsschiffsjunge: "Nicht das Finden, sondern die Suche". Suchen wir halt weiter.

Eine Donaukreuzfahrt ist auch noch geplant. Nicht heute oder morgen aber spätestens in der Rente. Dann sind wir im besten Kreuzfahrtalter .

LG MARIPOSA

Elaine



Beiträge: 311

13.01.2018 08:40
#446 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Vielen Dank für die Blumen!!

Es geht auch noch eine weiter, und es gibt noch viiiele Fotos - gut Ding will halt Weile haben...

Ich meine auch sehr, die Sloughi-Ghost in der Speranza wiederzuerkennen! Die Rumpfform, die Länge und der Abstand der Masten, die Achterfront der Kombüse mit dem Eingang zur selbigen... Also, das ist sie.
Am Heck ist der Rumpf der Speranza etwas eckiger gestaltet, aber das kann man hinzu bauen.

Merke: Ein Segelschiff ist eine Lady, ein Dampfer ist ein Haufen Blech.

Im real existierenden Sozialismus wurde außerdem nichts weggeworfen, sondern auf höchst findige Art und Weise repariert und nochmals repariert, bis es auseinander fiel.
Wir kommen später auf das Thema "Schiffchen" zurück...

Von der DDR aus kam man damals bestimmt leichter nach Rumänien als unsereins (brandenburgische Verwandte meines Angetrauten waren schon in den 1970ern und 80ern dort), aber der Adria-Segeltörn war auch nicht übel. Ist auf jeden Fall mehr mit Mathias Sandorf assoziiert als mit den Vierteilern aus Rumänien...

Petra



Beiträge: 7.247

13.01.2018 15:06
#447 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Ihr Lieben, ich möchte Euch bitten, Eure Fotos auf eine andere Quelle hochzuladen und nur dorthin zu verlinken. Das Forum ist kostenlos, wie Ihr wisst, und der Speicherplatz wurde vor einiger Zeit begrenzt. Über 450 MB an Speicherplatz sind aus Kulanz nicht mitgerechnet worden, als man diese Begrenzung einführte. Jetzt sind aber bereits 76 MB von 100 MB freiem Speicherplatz belegt, davon 18 MB in den letzten Tagen - ich fühlte mich noch relativ sicher, als ich das letzte Mal schaute, da waren es "nur" 58 MB.

Also bitte in Zukunft keine Fotos mehr ins Forum laden. Es gibt eine Menge kostenlose Bilderdienste, auf denen man seine eigenen Fotos hochladen und darauf verlinken kann, das kostet dann hier keinen Speicherplatz.

Danke!

P.S.: Habe gerade mal geschaut, die Begrenzung auf 100 MB gibt es wohl schon lange (3 Jahre oder so). Angezeigt wird ein Warnhinweis erst, wenn weniger als 50 MB übrig sind, deshalb ist mir das vorher nie aufgefallen. Seit einigen Wochen wird es mir im Admin-Bereich angezeigt.

Elaine



Beiträge: 311

12.02.2018 21:54
#448 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

... wir reisen weiter, und zwar nach Braşov.

Wie schon vor Jahren erwähnt gibt es eine "Quelle", die jemanden fragen konnte, der sich wirklich, wirklich damit auskennt, wo die Insel-Szenen von "Zwei Jahre Ferien" gedreht wurden, und der meinte, es sei irgendwo bei Braşov gewesen (falls ihn sein Gedächtnis ob zu vieler Dreharbeiten im Laufe der Jahrzehnte nicht täusche).
Leider habe ich damals verpeilt, meinen Informanten zu fragen, ob ich ihn nennen darf, und nun muss er inkognito bleiben.

Vor Predeal sind wir von der DN1 und der Trasse des legendären Orient-Express der Richtung Râşnov abgebogen, um so richtig durch die Karpaten zu fahren und die Lage zu sondieren.
Ein würdiges Bergbächlein haben wir an der DN73A gefunden, doch Fotos zu machen, war gar nicht so einfach...

Serpentinen von Predeal hoch und ´runter nach Râşnov, wieder hoch und ´runter über Poiana Braşov nach Braşov, mit einem blechlawinenhaften (Rückreise-) Verkehr nach Mariä Himmelfahrt an der Stoßstange klebend, dass ans Anhalten kaum zu denken war... Immerhin fand sich ein Parkplatz mit Ausblick auf Poiana Braşov (an dem in letzter Zeit auch Elfen gesichtet worden sein sollen). Die Fotos stammen von dort.

Wo die "südchilenische Insel" war, bleibt also weiterhin rätselhaft. Immerhin habe ich die nalca-ähnlichen Blätter am Wegesrand entdeckt, die auch im Film auftauchen.
Ich glaube nicht, dass ganz nah bei Braşov gedreht wurde: Die Berge sind zwar nicht so sehr hoch, aber ihre Hänge sind irre steil!
Mein Bauchgefühl tippt eher auf die Umgebung von Râşnov, wo die Berge nicht ganz so schroff, sondern etwas flacher sind...
Wenn es mich trügt, möge der Informant sich melden und mich korrigieren!

Elaine



Beiträge: 311

16.02.2018 19:51
#449 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Da die Suche nach dem exakten Drehort in den Bergen selbst mit fließenden Rumänisch-Kenntnissen zur Fahndung nach der Stecknadel im Heuhaufen geworden wäre, und wir wochenlang im Unterholz hätten herumstochern müssen, um zu eruieren, wo die Berg-, Wald- und Höhlenszenen für "Zwei Jahre Ferien" gedreht worden sind, haben wir uns auf das Nächstliegende konzentriert.

Immerhin: Wenn man die Fotos genau anschaut, kann man im Hintergrund die weißen Karstfelsen erkennen, die da und dort aus dem Wald hervorschauen. Im Film gibt es zwei oder drei Szenen, in denen derart steile Hänge mit Felsen im Hintergrund vorkommen.

Eine der beiden Höhlen bei Râşnov war wohl eher nicht diejenige, welche...
… und wer weiß schon, ob die "Höhle" nicht überhaupt eine Kulisse in Buftea oder Paris war...
"Nichts ist unmöglich!" heißt es schließlich nicht nur bei Toyota, sondern auch bei den Filmtricks.
Die Suche danach, die bekanntlich den wahren Reiz verborgener Schätze ausmacht, vllt auch das Finden, bleiben weiteren Exkursionen vorbehalten.

Braşov (deutscher Name: "Kronstadt") ist nicht von ganz bezwingendem Interesse für unsere Wallfahrt, aber nehmen wir einmal an, unsere jungen Helden haben dort logiert, während sie "auf einer Insel ohne Namen in einer Höhle hausten", so können ein paar Impressionen von der Stadt - für alle, die nicht wissen, wie es heute dort aussieht - auch nicht schaden.

Der Parkplatzsuchverkehr steht dem in Paris, London oder Rom wohl nur unwesentlich nach, in der Fußgängerzone quirlt und wuselt es touristisch wie in Carcassonne oder auf dem Mont-Saint-Michel... Die Küche ist sehr italienisch inspiriert - wie will man auch anders die vielen Touries satt kriegen als mit Pizza und Pasta?

Die Innenstadt ist ein Muster an shabby chic, vieles ist restauriert, aber nicht alles... oder nicht ganz... oder es verfällt schon wieder.
Nicht jede Konstruktion ist die hellste Kerze auf der Torte rumänischer Handwerkskunst.

Das Rathaus, das Katharinentor, der Schwarze und der Weiße Turm, die "Schwarze Kirche" sowie Etliches mehr sind die ausgewiesenen Sehenswürdigkeiten.
Die Fußgängerzone ist sehr touristisch ausgeschlachtet, aber es gibt auch ein paar ruhige Ecken.
Das Schei-Viertel (spricht sich "Skey"), wo in früheren Jahrhunderten die armen Rumänen hausten, weil sie nicht innerhalb der (deutschen) Stadtmauern Kronstadts wohnen durften, hat sich ebenfalls herausgemacht - teilweise mit bröckelnder Pracht... Wer jetzt etwas Französisch/ Spanisch/ Latein kann und bedenkt, dass das Ţ wie das deutsche Z ausgesprochen wird, kann sich denken, wovor er sich hier hüten soll...
Wir flanieren zwischen mittelalterlichen Kirchen und Wehranlagen, Renaissance, Jugendstil, Neugotik und Neobarock, werfen von einem Café aus einen Blick zum Hausberg hinauf und entdecken einen weiteren Nachweis, dass der Name „Lavinia“ kein seltener ist.

Der Betonklotz am nördlichen Rand der Fußgängerzone sieht verdächtig nach "dem bestem Hotel" im Jahre 1973 aus... oder war es etwa die "Krone von Braşov" im Schei-Viertel, wo unsere jungen Helden damals abgestiegen sind??

Am Ende eines langen Tages können wir, abseits des Touristen-Hypes, in einem bodenständigen rumänischen Restaurant, feststellen, dass die Rumänen gerne üppig tafeln: Neben der rumänischen Polenta-Variante (mămăligă, serviert mit Schmand und geraspelten jungen Käse) gehört u. a. Entenbrust (piept de raţă) zu den rumänischen Spezialitäten - und letztere erst als Vorspeise.
Es dürfte also voll und ganz genügt haben, "Bandwurm-Ben" am Ende eines langen Drehtages in der Wildnis der Karpaten (und bevor es zurück ins "beste Hotel" ging) vor die Kamera zu zitieren, um die lebhaftesten Äußerungen ausgestandener Hungerqualen zu erhalten.

Es geht doch nichts über Recherchen vor Ort!

Elaine



Beiträge: 311

20.02.2018 14:43
#450 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

… der dritte und vierte Teil von „Zwei Jahre Ferien“ heißen scheinbar nicht umsonst „Eine Küste ohne Namen“ und „Die vergessene Insel“...
Einen Namen werden wir der Küste aber schon geben können! ... am Ende der Reise.

Einstweilen sagen wir wie in den langen türkischen Märchen mit den multiplen Handlungssträngen (die manchmal länger sind als rumänische Straßendörfer):
"Lassen wir nun diese hier und wenden uns jenen wieder zu..."
Lassen wir also diese Köstlichkeiten (gestrandete Zöglinge nebst schönem Schiffsjungen) vorerst in den Karpaten und wenden uns nach Osten, anderen Delikatessen (jugendliche Ausreißer, abenteuerlustige Schlingel und „eiserne Männer auf hölzernen Schiffen“) zu.

Wir haben einen langen Weg vor uns, von Braşov an die schöne blaue Donau. Zwei Abstecher zu bekannten rumänischen Sehenswürdigkeiten sind obendrein geplant.

Den ersten Zwischenstop legen wir in Prejmer (ehedem: Tartlau) ein, wo eine bekannte Kirchenburg steht – und ich kann als Zufallstreffer feststellen, dass so eine Kirchenburg wohl für das neuseeländische Gefängnis, aus dem Forbes und Pike sich abseilten, Modell gestanden hat: Zwar keine so große, aufgerüstete wie in Prejmer, wo man sich sichtlich auf jahrhundertelangen Zank mit den Osmanen eingerichtet hatte - aber zu ähnlich ist das Innenleben mit Türchen neben Türchen an Balkongängen! Es waren halt damals nur Metallstäbe, statt Holzbalustraden...

Weiter geht es, wieder hinein ins Gebirge... „wo der Wildbach rauscht“ usw.
Die Karpatenhänge sind selbst noch in ihren Ausläufern erstaunlich steil, so dass man am Set von „Zwei Jahre Ferien“ bestimmt ordentlich zu kraxeln hatte, egal wo im Einzelnen nun gedreht wurde.
… einen ganzen „Schatz im Silbersee“ hätten sie hier übrigens versenken können, dann hätte Pike (als toller "Hecht", der schon anderweitig seine Schwimmkünste unter Beweis gestellt hatte ) danach tauchen können...

Der zweite Abstecher vom Wege geht zu den Schlammvulkanen bei Buzău, ein Naturschauspiel, das es in Europa sonst nur noch in Island geben soll, und das sich mein stets naturkundlich beflissener Göttergatte (inmitten all der Vierteiler-Seligkeit, mit der er nur mäßig mitschwingen kann) nicht entgehen lassen will.

Indes - die kleinen Schlammvulkane wollen erobert sein... Durch eine mindere Unachtsamkeit beim Sichten der Vorwegweiser in Berca und eine kleine Ungenauigkeit des Autoatlasses landen wir auf einem ca. 10 km langen Schottersträßchen durch ´s Erdölfördergebiet (noch bevor wir je von dem in Rumänien „Verschollenen Inka-Gold“ gehört hatten), das ich für eine leidlich ausgebaute Straße zu einer neuseeländischen Farm oder einem türkischen Dorf halte, während es meiner Besseren Hälfte Flüche wie die eines Bierkutschers entlockt.
Umkehren will er mehrere Male, und ich brauche meine gesamten Überredungskünste und Psycho-Tricks für Duchhalteparolen („Ich gehe nur ´mal eben auf die nächste Kuppe da... Von hier aus sieht man sie ja schon! Das wäre jetzt aber schade umzukehren! Soll ich weiterfahren? Mir macht das nichts...“), damit er weiterfährt.

An der Stelle, an der das Foto entstand (kurz nach Passieren eines gelangweilten Sicherheitsdienstes mitten im hügeligen Nirgendwo, den wir mangels fließender Rumänisch-Kenntnisse aber auch nicht zielführend befragen konnten), sieht das Sträßchen tatsächlich ganz zivil aus – ein, zwei Kilometer weiter es kann dann aber auch anders: So eng, dass die Büsche am Auto kratzen, und/ oder so schlaglöcherig und/ oder schief vom Regen ausgewaschen, dass der kleine kornblumenblaue Bukarester Miet-Polo beinahe mit dem Auspuff aufsetzt und/oder mit so vielen rollenden Steinchen, dass der Wagen bei 10 km/h bergab ins Schlingern gerät wie auf Glatteis – und/ oder die Gesamtmenge aus alledem.
Bei den gemütlich blubbernden Schlammhaufen angekommen, ist mein Göttergatte es dann ganz zufrieden, und macht Foto um Foto.

Auf dem Rückweg entdecken wir: wären wir westlich um Berca herum gefahren (statt östlich), wären wir ganz bequem auf asphaltierter Piste hingekommen (jetzt entdecken wir auch das Schild, am Nordende der Brücke: „Vulcanii noroioși“)...

Wir fahren weiter, durch die teetablettflache Walachei in die sinkende Sonne hinein gen Brăila...


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