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Dieses Thema hat 436 Antworten
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 Adventsvierteiler und Weihnachtsserien - Vom Seewolf zu Anna
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Elaine



Beiträge: 291

31.10.2017 19:14
#436 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Ach, ja, ich vergaß beinahe:
Wie konnten die Jungs ohne Plan, aber mit Schiff, die Piraten, mit Plan, aber ohne Schiff, das Phantom (offenbar ohne Plan, aber mit Schatz) und ein grosser Salpetersegler, hoffentlich mit Plan, sich alle zur selben Zeit auf (oder zumindest nahe) einer mehr oder weniger großen südchilenischen Insel treffen?

"Dichtung ist verpflichtet, sich nach den Möglichkeiten zu richten.
Die Wahrheit nicht."
Mark Twain

Ulbrich hat da beim Drehbuchschreiben vllt ´was verwechselt...

Also, für die Jungs: Null Problemo, die wurden von den Roaring Forties von Neuseeland aus direkt ´rüber gepustet (das ging auch besser ohne Plan).
Die Piraten mussten da schon mehr Mühen und Plagen auf sich nehmen, denn die Schiffe, die von Australien und Neuseeland nach Osten fuhren, machten alle nicht freiwillig vor Südchile halt, sondern versuchten, so schell und unbeschadet wie möglich Kap Hoorn zu umrunden oder sie steuerten irgend etwas zwischen Valparaíso oder San Francisco an. Es wird wohl auf ewig das Geheimnis der Phantasie Ulbrichs bleiben, auf welchen verschlungenen Routen die Piraten ihr Ziel erreicht haben sollen.
Genauso das Phantom: Zwar ist die Inselwelt Südchiles bestimmt ein todsicheres Versteck für Schätze (Betonung auf tod-), aber von Peru aus doch arg weit ab vom Schuss...
Bleiben die Salpetersegler: O.k., die fuhren von Europa aus in Richtung Nord-Chile regelmäßig dort vorbei, hielten sich aber viel weiter draußen auf offener See, weil die ganze lange Südküste Chiles eine, obendrein recht stürmische Leeküste ist (d.h. der Wind weht darauf zu) und deswegen für ein Segelschiff natürlich mit allergrößter Vorsicht zu genießen...

Wahrscheinlich wären unsere jungen Helden, wenn sie sich ordentlich in die Riemen gelegt hätten, nach ein paar Tagen, stielecht wie Charles Darwin, in Cucao angelandet, statt von einem Salpetersegler aufgefischt zu werden...

Elaine



Beiträge: 291

Heute 17:14
#437 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

So ein schwungvolles Fischkutter-Rennen in den bewegten nordpatagonischen Gewässern, vor Süd-Chiloé oder der Isla Guafo wäre wahrscheinlich etwas, das einen Zweiten Steuermann in spe sein Faible für alles Lateinamerikanische entdecken lassen könnte...
(Die Chilenen sind jedenfalls große Künstler und hingebungsvolle Bewunderer ihres Landes, die es zumindest bei mir, als einer mäßig begabten Freizeitseglerin, auch geschafft haben, die Begeisterung für ihre rauhe Natur zu wecken.)

Bei rechter Betrachtung eignen sich die besagten nordpatagonischen Gewässer aber schlecht für Touren im offenen Ruderboot (man beachte nur die Brandung an den Klippen im Hintergrund)!
Auch ritt Charles Darwin stilecht über die mit Holzbohlen erstellten Pfade nach Cucao - geankert hatte die Beagle in Castro (der heutigen Inselhauptstadt von Chiloé), am östlichen Wattenmeer-Ufer der Insel - bzw. er legte die letzten Meilen zusammen mit einer auf den Rücken gedrehten Kuh im Boot auf dem Lago Cucao bzw. Lago Huillinco zurück...



Außerdem: Als ich das erste Mal, 2004, in der Abenddämmerung eines spätwinterlichen August-Tages in Cucao ankam, da fragte ich meinen Angetrauten, ob die denn hier wohl eine Staustufe in ihrem Fluss hätten, der aus dem See austritt und ins Meer fließt, so donnerte es...

Nachdem wir am nächsten Morgen den breiten Dünengürtel (über 1 km) durchwandert hatten, konnten wir feststellen: Nix mit Staustufe - das ist der Pazifik, der hier ungebremst von Neuseeland aus über 8380 km (4525 sm) angerauscht kommt.
Also ebenfalls kein guter Anlegeplatz für offene Bötchen.

Da hätten unsere jungen Helden sich mit dem von den Piraten erbeuteten Boot doch lieber vom Süden Chiloés oder der Isla Guafo aus nach Osten aufgemacht, um in ruhigere Gewässer (Golfo de Corcovado), an ´s Festland oder an die Ostseite von Chiloé mit den vielen Inselchen im Wattenmeer zu gelangen (wo dann definitiv keine Salpetersegler mehr ´rumpütscherten). Bei den abergläubischen Chiloten (damals bestimmt noch viel mehr als heute!) hätten sie aber in ihrem abgerissenen Schiffbrüchigen-Outfit wohl achtgeben müssen, nicht für eine Truppe "Brujos" oder "Traucos" gehalten zu werden...

Apropos "Corcovado": Ich habe mich vor Ort gefragt, ob man es denn beim in der ganzen Gegend unvermeidlichen Anblick dieses Vulkans (2300 m), überhaupt schaffen könnte, zwei Jahre lang verschütt' zu gehen?
Wahrscheinlich konnte man (damals)... Denn die Vegetation im südlichen Drittel Chiloés ist so unwegsam (wenn nicht grade mit dem Bulldozer eine Straße hinein gefräst ist), dass man so eine markante Landmarke bei klarem Wetter wohl sehen, aber schlecht hinkommen kann.



Zu den Aussichtspunkten kann man durch die Wasserläufe hochwandern, hmm (das erste Foto ist südlich von Cucao mit Blick nach Nordosten, das zweite nördlich davon mit Blick nach Südwesten)...
... doch bei aller Wanderlust muss man sich als armer Schiffbrüchiger ja ´mal um ´s Essen Fassen kümmern (Seelöwe mit Kartoffeln und Kartoffeln mit Seelöwe)...

An geeigneten (Schatz-) Höhlen für Schiffbrüchige hapert es ebenfalls: Zu klein, zu eng, zu feucht.
Da hätten unser Phantom und unsere jungen Helden doch auf traditionelle chilotische Holzkaten zurückgreifen müssen...



(Das letzte Bild ist übrigens das der "Höhle der Pincoya", einer chilotischen Meerjungfrau, die manchmal am Strand tanzt, um - je nach Gusto - die Fische entweder zu vertreiben oder sie für die Fischer anzulocken; am Strand von Chonchi, 3 oder 4 Kilometerchen nördlich von Cucao.)

So, genug des "Wie wäre es gewesen, wenn es wirklich passiert wäre"! Ein paar Rätsel um die Geeignet- oder Ungeeignetheit südchilenischer Inseln für tragische und ausgedehnte Robinsonaden müssen noch bleiben, denn Ihr wisst: Die Suche und nicht das Finden...

Demnächst wenden wir uns dem "Wo war es wirklich?" zu...

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