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 Adventsvierteiler und Weihnachtsserien - Vom Seewolf zu Anna
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Mariposa



Beiträge: 809

20.02.2018 16:11
#451 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Klappt Elaine! Besten Dank !!!

Wir reisen weiter ... stimmt ... und dabei gibt es viele Einblendungen von einem Reiseportal

Nein ... nicht Brasov... nicht in die Walachei ... auch keine geheimnisvollen Inseln sondern bloß in die Nähe davon.

Und da geht es jetzt auch im richtigen Leben hin

Allen Mitgliedern und Lesern wünsche ich einen schönen Valentinstag gehabt zu haben.

Eigentlich war dieser Beitrag für Valentinstag gedacht und die Nachbarinsel der geheimnisvollen Insel ist inzwischen wieder "Geschichte".

Mir kommt es ganz so vor, als hätte sich ein flixer Busreiseveranstalter an Eurer Reiseroute und unseren Postings schon was abgeguckt .

LG MARIPOSA

Elaine



Beiträge: 310

23.02.2018 16:35
#452 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Nach langer Fahrt (ohne "flixen" Bus, aber mit einem unbeugsamen kleinen Miet-Polo) kommen wir unter den letzten goldenen Strahlen der Abendsonne „in den Straßen von San Francisco“ an... Jedenfalls war Brăila das San Francisco des „Seewolfs“.

Da kann ich "Zwei Jahre Ferien" noch so sehr mögen, filmisch war der "Seewolf" doch um Längen besser - das muss der Neid ihm lassen.
"Onkel Wolfgang (Staudte)" sei Dank!

Das Interieur unseres Hotels, "Grand Orient"****, sieht schon ´mal aus wie direkt „Onkel Jackie (London)s“ Zeiten entsprungen.
Der Blick (aus dem 3. Stock) geht auf die schöne blaue Donau - grün ist sie hier allerdings manchmal, je nach Sonnenstand und Lichteinfall.

Zum Glück ist Manches in der Unterkunft etwas moderner als um anno 1900: Die Klimaanlage surrt beruhigend und lässt sich auf moderate 25 Grad einstellen, das Fliegengitter am Fenster ist rundum intakt und hat alle kleinen, in Nebenarmen der Donau und Seen ausgebrüteten Blutsauger sorgsam ferngehalten. (Überhaupt achtet man in Rumänien offenbar sehr auf die Qualität der Fliegengitter – selbst in der aller schlichtesten Herberge, in Murighiol, war es makellos! Nur an der Schwarzmeerküste, in einer recht chicen Unterkunft, hatte eines ein Loch – da gab ´s aber auch keine Blutsauger.)
Wir speisen (üppig ) im Hotelrestaurant, wo der Kellner sich freut, ein bißchen Deutsch sprechen zu können.

Am nächsten Morgen geht ´s auf die Suche nach einer klassizistischen weißen Villa mit Säulen vor dem Eingang...

Brăila ist nach 1829 komplett neu aufgebaut worden (bis dahin gab ´s dort eine osmanische Festung, die in dem Jahr besiegt und geschleift wurde, jetzt ein Stadtpark), entsprechend klassizistisch ist der Baustil. Brăila hätte vllt sogar ein prachtvolleres "San Francisco" abgegeben, als San Francicso selbst es vor 1906 war... Brăila war nämlich der Seehafen der reichen Kaufleute aus Braşov: bis dorthin können Seeschiffe die Donau befahren.
Es gibt wieder massenweise kunstvoll verschnörkelte Häuser aus dem 19. Jh., und ein solcher Uhrturm wie auf dem Piaţa Traian (spricht sich wie ital. "Piazza") hätte auch San Francisco gut angestanden! … doch auch in Brăila hätte eine rumänische Stiftung Denkmalschutz auf Generationen hinaus alle Hände voll zu tun.
Das Hotel "Traian" vis à vis des Uhrturms mit seiner rhombenförmigen Fassadengestaltung strahlt hingegen unangefochten die Aura eines besten Hotels um anno 1970 aus.

Die Uferpromenade liegt am Freitagvormittag im Dornröschenschlaf, so dass sie fast wie ein „lost place“ wirkt.
Und es ist heiß an der schönen blauen (oder grünen) Donau - gründlich heiß!
34 Grad hat es am Vormittag, so dass wir es uns angelegen sein lassen, uns beim Fotoshooting möglichst von einer schattigen Straßenseite zur nächsten zu hangeln.
Die geneigten Fans erinnern sich sicher an das Bild, auf dem zwei gründlich haselnussbraun-geröstete Schlingel und Ausreißer unter einem Holzstapel hervorschauen...
Wir sehen nach wenigen Tagen regelmäßiger erbaulicher Spaziergänge genauso aus, ohne uns jemals absichtlich gesonnt zu haben - rumänische Sommersonne mit den Lichtreflektionen vom Wasser machen ´s möglich.
Im August sollten sie hier nicht gedreht haben... andernfalls hätten/ haben die Darsteller aller 5 Minuten in die Maske gemusst, um die Nase zu pudern!

Auf jeden Fall stand in Brăila viel Wasser zur Verfügung, um Hafen und Bucht von San Francisco in Szene zu setzen! Es gibt nicht nur einen sehr beliebten Badesee (am südlichen Stadtrand) und die Donau mit Hauptarm und Altarmen, sondern auch noch Seen auf den großen Donauinseln (heutzutage Naturpark „Balţa Mică Brăilei“), also Platz genug für die Razzle Dazzle nebst Umtrieben wie das „Dynamitfischen“...
Die Kulissen für ein Hafenviertel mit Holzhäusern konnten sie sicher ein wenig abseits des Zentrums aufbauen, da gibt es reichlich Hafen- und Industrieanlagen, wo so etwas bestimmt dazwischen passt(e).
Die Stadt liegt am Hauptarm des Flusses, von dort also die Fotos.

Ausgesucht eine weiße Villa mit klassizistischen Säulen und großem Garten ("Joes Zuhause") ist aber nirgends zu entdecken... wenn die ´mal keine potemkin'sche Filmkulisse war... und nach dem, was wir gesehen haben, hätte ein so nobles Domizil auch eine hohe, höchst unfotogene Gartenmauer!

Zur Weiterreise ins Delta setzen wir mit der Fähre nach Smârdan über, wo einer der Altarme sich wieder mit dem Hauptarm der Donau vereinigt...


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Mariposa



Beiträge: 809

25.02.2018 21:53
#453 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Wo Du Recht hast, hast Du Recht liebe Elaine. Filmisch war DER SEEWOLF um Längen besser. Da haben Regisseur und Produzent in verschiedenen Teilen der Welt exzellente Arbeit geleistet. Ungereimtheiten beim Ablauf, in der Geographie, bei Flora und Fauna entfallen. Allerdings hatte der Autor der Romanvorlagen die Gegenden ja selbst bereist, während wir bei Verfilmungen nach Jules Verne die Phantasien von “Onkel Jules” berücksichtigen müssen. Wenn dann noch der Produzent dazu phantasiert multiplizieren sich Ungereimtheiten.

Verallgemeinern kann man das trotzdem nicht. Staudtes spanischer “Regie-Kollege” J. A. Bardem hat die Jules-Verne-Romanvorlage zur geheimnisvollen Insel ebenfalls gekonnt und realistisch in Szene gesetzt. Unter Zuhilfenahme der Romane ZWANZIGTAUSEND MEILEN UNTER DEM MEER, DIE KINDER DES KAPITÄN GRANT und DAS KARPATHENSCHLOSS war das. Er hat bestimmt, dass Lanzarote zur geheimnisvollen Insel wird und dafür gesorgt, dass der Orientale Omar Sharif den Part des Kapitän Nemo übernimmt. Eine TREFFLICHE Entscheidung.

Ich fände es wunderschön und beglückend, wenn sich die WDR-Reihe WUNDERSCHÖN unserer Vorlagen und Drehorte annehmen würde. Vorarbeit wurde geleistet, alles müsste nur noch filmisch umgesetzt werden. Da würden wir doch gerne beratend oder - noch besser - aktiv mitwirken wollen. Zwei Jahre Ferien auf geheimnisvollen Inseln oder auf der Suche nach einer verlorenen Insel entlang einer Küste ohne Namen. Im verbotenen Territorium am unheimlichen Berg unterwegs. Wir würden schon dafür sorgen, dass die vergessene Insel unvergessen bleibt. Auf dem Speiseplan “Loup de mer” … ich sehe uns schon mit dem roten Rucksack im Land der kleinen Zweige unterwegs.


Schwärmerische und träumerische Grüße
MARIPOSA

Elaine



Beiträge: 310

26.02.2018 13:13
#454 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

In der Tat fühle ich mich derzeit "reif für die Insel" und für "zwei Jahre Ferien" noch dazu, liebe Mariposa!
Da legt der traurige Nachruf für ein Forumsmitglied (das ich gar nicht kannte, also auch wenig dazu sagen kann, obwohl mir der Nachruf nahe geht!), nur noch einen drauf.

Um aber vor lauter Abenteuerfilmen, Drehorten und Reisezielen nicht auch noch die Vier- mit den Sechsteilern durcheinander zu würfeln, habe ich "Die Geheimnisvolle Insel" kurzerhand in ihren eigenen Thread outgesourct.

"Wunderschön!" war ja schon in Rumänien (wenn auch nicht ganz an den zentralen Orten unseres Vierteiler-Forschungsinteresses) - schicken wir sie also nach Chiloé, Neuseeland, Nord-Schweden und in die Karibik (Kuba hatten sie allerdings letzthin bereits)!
Und wenn sie uns mitnähmen (aber ich glaube, sie nehmen nur die Zuschauer-Tipps mit), würden wir auch nicht "Nein!" schreien...

Ganz ehrlich, ich weiß aber auch, warum ich solche Forschungsreisen auf eigene Faust mache: Die großen Sehenswürdigkeiten dieser Länder, wo alle Gruppenreisen, Reisereportagenteams etc. hinpilgern, sind selten das, was ich dort sehen will. Wer fährt schon nach Cucao, wenn er die Torres del Paine sehen kann... oder wandert auf dem Kaikoura-Coast-Track oder kruschelt im stadtgeschichtlichen Archiv der Stadtbibliothek Aucklands ´rum, solange es die Great Walks oder das Lord-of-the-Ring-Country gibt? Wer lässt sich in den Straßen von Brăila von der alles durchdringenden rumänischen Sommersonne rösten, wenn er auf Schloss Bran, das als "Draculas Schloss" gilt, die schattigen Gemächer nach den Spuren des berühmten Grafen Langzahns durchsuchen kann??

Und was würden wir in einem roten Rucksack aus dem Land der kleinen Zweige wohl mitbringen - ein paar Flechten und Wolfshaare, ein kleines Fischchen, eisigen Nordwind und ein paar Strahlen Polarlichts?
Nord-Schweden im Februar/ März steht tatsächlich noch auf meiner to-see-Liste, und zwar, weil mein Angetrauter noch ´mal Polarlichter sehen will! Das hat (im November) auf den Hurtigruten nur suboptimal geklappt - ich war von Anfang an skeptisch. Denn westlich der norwegischen Gebirge stauen sich die ganzen Wolkenknäuele aus atlantischen Wassermassen, da ist es meistens bedeckt. Auf der Ostseite der Berge (Nord-Schweden) kommt wenig bis gar nichts von dem Geschmadder an, da kann man in Ruhe gucken.

Den eisigen Wind hatten wir am Nordkap - ich sage Dir, in 10 Minuten (vom Besucherzentrum zur Weltkugel, Fotoshooting und zurück) waren wir durch - durchgefroren, nahe am "Schockgefrostet" trotz dicken Daunenmantels u. a. wintertauglichen Equipments, Windstärke 10 machte es möglich.
Wir dachten ehrfürchtig daran, was die Polarforscher seinerzeit mitgemacht haben... von unseren zerlumpten Helden im "Seewolf" ganz zu schweigen!

Elaine



Beiträge: 310

27.02.2018 18:30
#455 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Da es heute auch hierzulande so kalt wie am Nordkap ist, begeben wir uns (virtuell) lieber wieder in wärmere Gefilde und machen uns warme Gedanken...

Mit der Fähre wechseln wir nicht nur das Flussufer, sondern auch die Landschaft, nämlich von der „Walachei“ (Muntenia) in die „Dobrudscha“.
Die ist längst nicht so flach, wie ich glaubte!

Ich bin überrascht, wie hügelig die südliche Zufahrt zum Delta ist: Gleich hinter Măcin geht es los mit den Munții Măcin. Auch ganz schön steil, obwohl die höchste Erhebung, Țuțuiatu (was irgendwie polynesisch klingt, wie ich finde), nur 467 m über dem Meeresspiegel misst. Viele der Hügel haben Terrassen, da wurde früher aber wohl eher Wein als Taro-Wurzeln angebaut...
Hügelauf, hügelab kurven wir rechts der Donau Richtung Schwarzes Meer. Knapp nördlich von uns schlängelt sie sich ihrem Delta entgegen.
Wahrscheinlich braucht es diese Hügel, um die Donau in ihr Delta zu praktizieren (genau da, wo es jetzt ist), und auch, um die Straße fein säuberlich oberhalb der Hochwasserlinie verlegt zu haben.
Drumherum: Schilffelder, Sonnenblumenfelder, Maisfelder, Weingärten.

Wir legen in Tulcea einen Zwischenstopp ein, um an der Uferpromenade zum Mittag zu essen.
Wer es bei den Fotos von der Fährpassage noch nicht erahnt hat, kann jetzt einen Eindruck davon gewinnen, wie viel Wasser hier unterwegs ist. Und das ist nur der südlichste der drei Hauptarme des Donaudeltas, Braţul Sfântu Gheorghe (der Arm des Hl. Georgs)...

Nach einer Fahrt durch flirrende Hitze kommen wir schließlich in Murighiol (türkisch: lila See) an.
Diesmal haben wir, nach bislang ziemlich luxuriösen Unterkünften, ein besseres Mobile Home erwischt mit wackeligem Waschbecken, angerosteten Armaturen u. ä.. Die Dame des Hauses kann auch kein Englisch, weiß aber immer wieder andere Gäste als Dolmetscher heranzuziehen, und ist sehr kommunikativ.
„Urlaub muss ein bisschen abenteuerlich sein!“, wie mich eine kluge Dame schon vor über 30 Jahren belehrte... aber: Die Fenster sind wieder gewissenhaft mit Fliegengitter verklebt - sehr wichtig in dieser Gegend!

Die Temperaturen liegen zwischen 30 und 35 Grad, so dass wir erst einmal die heftigste Nachmittagshitze auf der Terrasse vertrödeln. Über ein ordentliches Gewitter wären wir nicht böse!
Zu meinen Füßen liegt ein entfernter Nachfahre von „Phann“ (im Miniformat, 30 cm lang), aber wenn er ausgewachsen ist, wird er original so aussehen wie Service' Hund! Er gehört einer fröhlichen rumänischen Großfamilie (von der Großtante bis zum Urenkel alles dabei), deren Papa sogar ein wenig Deutsch kann, und die Miturlauber auf diesem Anwesen sind.

Gegen Abend rücken wir aus, um Fotos zu machen und etwas zum Essen zu beschaffen; en passant buchen wir eine Bootstour, bei einem jungen Mann, der sein „outdoor office“ vis á vis dem Supermarkt aufgebaut hat, und uns auch ein sehr nettes Restaurant (mit Swimmingpool und Oberst-Cherna-tauglichem Pferdchen im Garten) empfehlen kann – wir hätten es für eine bloße Pension gehalten.

Das im Delta allgegenwärtige Grünzeug ist, unschwer festzustellen, Schilf.
Wo man geht und steht: Schilf!
Um im Schilf geheimnisvolle Pfade und versteckte Bootsstege anzulegen, Schilf in großen Mengen zu schneiden (wofür eigentlich?), zündelnde und feuerteuflische Phantome im Schilf ihr Unwesen treiben zu lassen oder um desorientiert auf Planwagen an schilfbestandenen Kanälen entlang zu zuckeln, einfach ideal.
Zweifellos ist Schilf eine Wunderwaffe - reetgedeckte Häuschen gibt es schließlich von Friesland bis ins Donau-Delta (und in vielen anderen Gegenden der Welt) - aber was sollten unsere jugendlichen Helden bloß damit, derweil sie in einer Höhle hausten?? … was ja in Nord-Patagonien sowieso nicht gegangen wäre, wie wir wissen, weder Höhle, noch Schilf.

Ein Blick im Sonnenuntergang zu den Beştepe (türk.: 5 Hügel), westlich von Murighiol, als Beispiel für den ganz und gar nicht flachen Südrand des Donau-Deltas.

Ich musste im Donau-Delta ja unbedingt in einer Herberge namens „Pike Inn“ (schilfumstanden, versteht sich!) absteigen – die hatte aber nur noch von Sonntag auf Montag ein Zimmer frei, so dass wir mitten am Sonntag umziehen müssen. Wir machen also unsere Bootstour auf dem St.-Georgs-Arm, dem Isăccel- und Isac-See, sehen ein Nutria, Pelikane, Kormorane, Möwen usw. (die verwegene Neigung des Horizonts auf den Fotos ist den schwungvollen Kurven geschuldet, die unser junger Bootsführer fährt - Liviu, der im Winter gemeinsam mit anderen Osteuropäern in einer Fabrik in Irland jobbt), machen unseren kleinen Umzug... und damit ist unsere to-do-Liste auch schon so gut wie erschöpft.
Viel kann man hier nicht machen, wenn man kein passionierter Angler oder Vogelbeobachter ist... Wir verlegen uns gegen Abend noch auf das Besichtigen antiker Ruinen (die in Mahmudia allerdings zu gut versteckt sind: von dort gibt ´s fotografisch nur weitere Donau-Wassermassen als Anschauungsobjekt).

Eines wird klar: Das war Arbeit, hier zu drehen, und kein Vergnügen!
Entweder sind sie jeden Tag die 90 km von Tulcea hierher gefahren (was ich mir kaum vorstellen kann, denn noch unser Reiseführer, in der Ausgabe von 2008, beschreibt die Straße als wahre Schlaglochpiste, obwohl sie derzeit sehr gut ist) - oder sie haben irgendwo hier logiert...

... aber was haben sie anno 1967 und ´73 abends hier bloß gemacht?
Ein Kartenspiel nach dem anderen zerfleddert - die Mücken an der Wand gezählt??
Denn diese ganze bezaubernde Infrastruktur um festländische Pensionen und schwimmende Hotels (hotel plutitor), Bootstouren, Restaurants, Campingplätze usw. gibt's hier ja wohl erst seit Ceauşescus (un-)seligem Ende...
Vorher gab ´s hier wahrscheinlich außer Wasser und Schilf massenweise Geflügel (davon die Mücken in Kampfgeschwaderstärke) und ein paar "altgläubige" Fischer (deren Vorfahren in früheren Jahrhunderten aus Russland hierher geflüchtet sind).

Zum Abschied vom Delta noch gute 1000 m Holzzäune, an denen Toms Kumpels tagelang ihre Freude gehabt und ihr letztes Hemd zum Anstreichendürfen vertickt hätten, allein in der „Straße des Monuments“ (Strada Monumentului, Dunavaţul de Sus) – wahrscheinlich ein ausgedehntes Land-Art-Projekt zum Gedenken an Tom Sawyer, denn ein anderes Denkmal können wir nicht entdecken - und neben unserem inzwischen in allen Lebenslagen (auch für ´s Frühstück) bewährten Restaurant an einem reetgedecktem Häuschen ein geschnitzes Krokodil, um selbst die letzten Zweifler zu überzeugen, dass der Mississippi auch durch ´s Donau-Delta fließen kann!

Unser Weg wendet sich im Folgenden nach Süden...


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Mariposa



Beiträge: 809

04.03.2018 11:31
#456 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Fleißig, fleißig liebe Elaine! Danke schön, dass Du uns an Deinen Erfahrungen teilhaben lässt.

Ist ja später so eine Art Gedächtnisstütze, was man selbst so alles erlebt hat.

Es wäre natürlich auch eine Möglichkeit, dass ein netter öffentlich-rechtlicher Fernsehsender die fiktiven Nachkommen der fabelhaften Sloughy-Boys auf eine Erinnerungsreise auf Spuren ihrer Vorväter schickt. Eine Story wäre schnell gefunden. Falls der Nachwuchs der Ex-Darsteller Interesse und schauspielerisches Geschick zeigt, könnten die dann die Rollen der Nachkommen der berühmten Vorfahren verkörpern. Na ja, von irgend etwas muss ich schließlich auch nachts träumen. Seufz ...

Ich fand Reiseserien wie

WILDER WESTEN INKLUSIVE
DAS KALIFORNISCHE QUARTETT
oder die Pilgerreise
WENN ENGEL REISEN

immer sehr nett und informativ. Warum schlummern solche Schätze in den Archiven der Sendeanstalten und wir müssen uns mit anderem Mist rumärgern?

Wenn ich Vierteiler mit Schneepotential wie LOCKRUF DES GOLDES oder MICHAEL STROGOFF oder gar den Einteiler DOKTOR SCHIWAGO gucke, dann hat das meistens einen Wintereinbruch mit plötzlichem Schneefall zu Folge. Ich bin mir keiner Schuld bewusst, aber Petrus hat Schnee- und Eismäßig trotzdem arg zugeschlagen. So einen schönen Anblick wie das veträumte Winterschloss aus Doktor Schiwago bietet unser Gartenhaus trotz Eiszapfen allerdings. Anstatt dass Wölfe heulen, streicht die Katze drumherum. Sieht dabei aus wie eine Wildkatze.

Okay genug Gedanken, "straight back down to earth" ...

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Sonntag ...

MARIPOSA

Elaine



Beiträge: 310

04.03.2018 17:13
#457 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Ja, ja, besonders samstagabends ist „saure-Gurken-Zeit“ für Freunde von Reise- und Naturdokus, liebe Mariposa... wir haben daher gestern Folge 7 und 8 von „Bis ans Ende der Welt“ (ein 12-Teiler) geguckt – ein 1-A-Kabinett rumänischer Skurrilitäten!
Was die Filmemacher sich damals bloß gedacht haben, welche Art von Seemannsgarn ihnen die Zuschauer noch alles abkaufen?!?! (Die Vierteiler-Autoren waren „in der Hinrichtung“ ja um keinen Deut besser.)

Also: Straight back down to earth, und zwar zur rumänischen Landwirtschaft...
Nach gewissen Begehrlichkeiten von daheim gebliebenen Freunden, wir könnten als Souvenier doch „Mini-Phann“ mitbringen (per smartphone ist man ja heutzutage überall erreichbar; die ADAC-Karten-App leistet neben dem Autoatlas aber auch unverzichtbare Dienste)... erreicht uns nun die bescheidene Bitte, ein paar Sonnenblumenkerne und Maiskörner zu beschaffen, um damit im sonnigen Südwesten der Heimat einen Vierteiler-Gedächtnis-Garten anzulegen.

Well, we ´ll do our very best! Nachdem wir die Hühner am Bahndamm gelassen haben und auch die lustigen Miturlauber einen Hund-Raub bestimmt nicht goutiert hätten, verlege ich meine kriminelle Energie nun auf den „Mundraub“...
Die Maisfelder sind allerdings vielfach hermetisch eingezäunt – es muss Heerscharen an Maisdieben in Rumänien geben – selbst die Kirche gegenüber dem „Pike Inn“ kennt da keine Mildtätigkeit!
Auch das zum „Green Delta“ gehörige Pferdchen musste herbe Rückschläge in Kauf nehmen... streunte es doch unauffällig zum Nachbargrundstück hinüber, ...
... um kurze Zeit später in gestrecktem Galopp und mit recht bedröppeltem Aussehen zurück zu kommen!
Ob dort wohl der Eigentümer der Liegenschaft schon im Maisfeld (oder Weingarten) mit dem Peitschchen lauerte? Motto: „Verhaften Sie die üblichen Verdächtigen“??

Immerhin scheinen mir die Sonnenblumenfelder längs der Landstraßen unbewacht und unbewehrt zu sein – indes, kaum dass wir anhalten, kommt ein aufmerksamer Nachbar um die Ecke geschwirrt, der Zimmer vermietet und ob unseres haltenden Autos ein Geschäft wittert...
... da muss ich rasch so tun, als müsse ich mitten ins Sonnenblumenfeld "dorthin, wo selbst der Kaiser zu Fuß hingeht", während mein Göttergatte einen ablenkenden Snack mit ihm hält!
Am Ende unserer Kaperfahrt hoffe ich inständig, keine Sonnenblumenkerne oder Maiskörner von Syngenta oder Pioneer (an einigen Feldern fortschrittsgläubig ausgeschildert – und evtl. noch genmanipuliert) erwischt zu haben!
Ich habe es mir jedenfalls angelegen sein lassen, nur unbeschilderte Felder als Ausgangspunkte für den EU-internen Saatgut-Export auszuwählen.

An diesem Reisetag bekommen wir es (neben dem Mundraub) fernerhin mit Gänsen, Pferden, Hügeln, Kreiseln und Gewittern zu tun.
Die Gänse und Pferde finden sich auf, alles andere Dorfgetier mehr oder weniger knapp neben den Straßen. Die Hügel, Kreisel und Einbahnstraßen sorgen für zusätzliche Dynamik auf dem Reiseweg.
Allerdings entziehen die Gänse und Kreisel sich meinem fotografischen Eifer - unter anderem deswegen, weil sie eher das Atem Anhalten als das Fotoapparat Scharfschalten bedingen.
Um 1970 herum in Rumänien zu drehen, war bestimmt ein kleines Abenteuer!
Vieles, was dort damals nach echt 19. Jahrhundert aussah, war wahrscheinlich auch noch echt 19. Jahrhundert. Derzeit ist dort immer noch einiges echt 19. Jahrhundert, obwohl das 21. schon mit Macht einbricht (die Räder der Pferdewagen sind alle schon mit Autoreifen bespannt! ).

Ein weiterer Ausblick auf das geographische Wesen der Dobrudscha: Nix mit flach. Partiell vielleicht...
Durch das Dorf Enisala (yeni salı = neue Siedlung) schrauben wir uns hinauf zu einer Festungsruine – mittelalterlich, 12. Jh., genuesisch – und ich muss mich wieder einmal sehr über das „location management“ von „Zwei Jahre Ferien“ wundern:
Wenn sie schon am (und auf dem) Schwarzen Meer drehten und dortselbst eine alte Burg („die Ruine von St. James Castle“) brauchten, wo die Kinderchen gegen Bares („20.000 Pfund“) dem zahlungs(un)willigen Lord und seinem Kapitän (nicht das schärfste Messer in der Schublade seemännischen Scharfblicks) vorgeführt werden sollten --- warum nahmen sie nicht diese anstelle der waschechten rumänischen Betonbau-Ruine (mit einem der in Rumänien sehr beliebten Türmchen über dem Eingang), die, dem üppigen Grün drumherum nach zu urteilen, eher in den Karpaten stand (gar eine Luxus-Sommervilla in den kühlen Bergen für Ceauşescu, für die zwischenzeitlich die Mittel ausgegangen waren)??

In Neuseeland ist so eine Schlossruine natürlich (´mal wieder) Unsinn - da gibt es so etwas nicht.
Höchstens ein halbvermodertes Maori-Fort (Pā) hätte als sinisterer Ort der Lösegeldübergabe dienen können.

Das Dach einer „einsamen Farm“ blitzt über das ausgedehnte Schilffeld hinaus, Sumpfland, Drainage-Kanäle und Seen mit Froschgequake wären hier ebenfalls reichlich verfügbar gewesen (der hübsche grüne Abhang im Hintergrund der „Flucht-mit-dem-Planwagen“-Szene spricht jedoch eher für einen Donau-Deich)...
Die weite Wasserfläche im Hintergrund ist übrigens noch nicht das Schwarze Meer, sondern der Lacul Razim, eine Lagune (oder ein „Haff“), der durch Bildung einer Nehrung vom offenen Meer abgetrennt wurde, den ich für eine ideale Kulisse zum Ankern nahe der „einsamen Farm“ halte.

Ein Teil "Fort Pilys" könnte ebenfalls hier an der Küste gestanden haben, wenn ich auf manche landschaftlichen Formationen im Hintergrund des Gemäuers und auch auf den Anfang der Gefängnisszene schaue: So dicke Quader mit Meerblick haben die alten Griechen und Römer verbaut, die ja dort architektonisch auch sehr aktiv waren, z.B. in Histria oder Argamum.
Das „Gefängnisinnere“ sieht, wie gesagt, ganz wie eine Kirchenburg aus, wobei diese Bauwerke viel weiter westlich beheimatet sind, in Siebenbürgen, als Bollwerke gegen die Osmanen (die sich über mehrere Jahrhunderte in der Dobrudscha eingenistet hatten, wie man an den Ortsnamen unschwer bemerkt).
Die Außenmauer von "Fort Pily" erscheint mir auch ein wenig zu grün für die sommerliche Dobrudscha zu sein, so dass die Szene mit „Abseilen“ von der Gefängnismauer evtl. ebenfalls weiter westlich an einem grünen Hang der Karpaten gedreht wurden...
Aber was nicht passend ist, wird ja bekanntlich (nicht nur im Handwerk, sondern auch beim Film) passend gemacht: „Schnitt!“

Wir kurven weiter nach Süden, es geht ganz schön Hügel-rauf-Hügel-runter: Steile Hügel, langgestreckte Hügel, bewaldete Hügel, Agrarsteppe-Hügel...

Als wir abends aus unserem Hotelfenster über das Schwarze Meer blicken (das im Licht der zuckenden Blitze besonders schwarz ist), würde ich jede Wette eingehen:
Oberst Cherna raubt den Goldtransport nicht in Peru, sondern in der Dobrudscha aus!
Die Ruine im Hintergrund (als von "Arica" die Rede ist) erinnert glatt ein wenig an die von Enisala, ist aber vllt doch zu verfallen, um dieselbige zu sein.

Elaine



Beiträge: 310

14.03.2018 18:05
#458 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Wir nähern uns, die aufmerksamen Leser ahnen es bereits, Constanța.

Der Dichter Ovid wurde von Kaiser Augustus hierher verbannt, und hat sich in späteren Jahren mit viel Wärme über die Stadt, die damals für einen gebildeten Römer wahrhaftig am Ende der Welt lag, geäußert:
„Ihr fleißigen Bauern, die ihr mit euren knarrenden Wagen und den sarmatischen Rindern die Felder bestellt, … ihr lieben Leute von Tomis, wie ihr freundlich euch meines harten Schicksals angenommen, ich werde euch nie vergessen.“
Und die Rumänen sind sehr stolz auf ihren wohl berühmtesten Asylanten! Seine Statue steht, mit nachdenklicher Miene, auf dem wichtigsten Platz der Innenstadt.

Und je mehr wir uns dem Zentrum nähern, desto mehr müssen wir feststellen:
Kreisel haben sie hier, dass es einem nur so kreiselt!
Sie erinnern tatsächlich ein wenig an die in Newcastle upon Tyne, wo man anno 2002 drei (fünfspurige) Kreisel vorher angezeigt bekam, in welche Spur man sich einordnen musste, damit man drei Kreisel weiter exakt in die Zufahrt zu dem Fähranleger hineingespült wurde, an dem das gebuchte Schiffchen lag (es gab dort noch reichlich andere Kais).
Zwar sind die rumänischen Großstadt-Kreisel nicht ganz so vielspurig...
… doch sind die Rumänen so tiefenentspannt, dass sie sich die Beschilderung, welche Einfahrtsspur zu welcher Ausfahrt führt, 'mal eben gespart haben. Das darf der unternehmungslustige Tourist selbst herausfinden (und die ADAC-App ist ´mal wieder unersetzlich).

Auch der Verlauf der Einbahnstraßen ist echt tricky!
Selbst die neue Landlady, die extra zu unserem Behelfsparkplatz mit hinaus kommt, um uns zu zeigen, wie wir fahren müssen, irrt sich in ihrer Beschreibung, und die ADAC-App hat hier ihre Meister gefunden (an der Stelle ist sie nicht ganz aktuell).
Zuletzt müssen wir ganz frech eine Einbahnstraße falsch herum durchfahren, um endlich ans Ziel zu gelangen.

Nach kurzer Rast im Hotelzimmer gehen wir auf erste Entdeckungstour durch ´s Zentrum und denken recht bald:
Also, wenn unsere Filmleute schon in Constanța (sowohl für Szenen aus dem „Seewolf“, als auch für „Zwei Jahre Ferien“) waren, hätten sie eigentlich auch gleich noch ein paar Szenen "Valparaíso" mitdrehen können - es wäre glatt als das durchgegangen!
Ebenfalls auf Hügeln rund um die Bucht und den Hafen erbaut, mit einem Einbahnstraßensystem, das jeder spanisch inspirierten Stadt zur Ehre gereichen würde, und genau so viel (mehr oder weniger) bröselndem Fin de Siécle!
Die Hügel von Valparaíso (auf den Fotos vornehmlich der Cerro Allegre und der Cerro Conceptión, die Quartiere der reichen Briten und Deutschen im 19. Jahrhundert) sind viel steiler, zahlreicher und höher als die von Constanța… der Badestrand liegt in Valparaíso nicht vor der Haustür, sondern ein gutes Stück entfernt in Viña del Mar... Ovid steht vor dem „Muzeul de Istorie Națională și Arheologie“, das „Monumento a Los Heroes de Iquique“ hingegen vor der „Comandancia en Jefe de la Armada de Chile“ - so what?
Die andächtigen Fernsehzuschauer der 1970er hätten diese Details wahrscheinlich großzügig übersehen.

Am besonders bröselnden Casino vorbei kommen wir über die Strandpromenade schließlich in den Portul Turistic Tomis, wo wir bis zum Äußersten gehen:
Durch den Fischereihafen - ungeachtet, ob wir das dürfen oder nicht - um das einzige Holzsegelschiffchen (am Ende des Yachthafens) abzulichten...
Es geht ja die Kunde, dass die Sloughi-Ghost-Speranza noch ein paar Jahre von Constanța aus mit Touristen hinausgefahren sei – dieses ist sie jedenfalls nicht. Es ist zu kurz, ich schätze, knapp unter 20 m. Das Filmschiff müsste um die 30 m Länge ü. A. gehabt haben.

Die Empfänger des Saatguts in spe zeigen sich noch am selben Abend erkenntlich, und schicken das von uns gegen die drückende Hitze angeforderte Gewitter die Donau hinab. Abends blitzt und kracht es eine ganze Weile beachtlich draußen über dem Schwarzen Meer. Wir klettern in unserer Suite auf den Absatz vor der Heizung und gucken aus dem Fenster "Über den Dächern von...“ (nein, nicht Nizza ) hinaus auf die See. Kräftige Böen gibt es und – vllt noch kein „Auf und Nieder der schaumgekönten Wogen“, aber - durchaus schon Schaumkronen auf dem Wasser. Keine gute Nacht für Segelboote da draußen! Und keine gute Nacht für E-Mails per Smartphone. Zwei lange Mails schickt das Gewitter ins IT-Nirwana, statt in die Entwürfe!

Sehen wir, was der nächste Tag bringen wird...

Elaine



Beiträge: 310

02.04.2018 15:47
#459 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Am nächsten Morgen hat es sich richtig abgekühlt, und es weht (ungemütlich die nur leichte Sommergarderobe zausend) eine steife Brise aus Nordwest... wie gemacht für Sturmszenen im „Seewolf“ oder „Zwei Jahre Ferien“??

Wir suchen erst einmal fröstelnd Unterschlupf in einem der vielen Cafés am Yachthafen, wo man uns nach einiger Zeit auch Frühstück servieren kann...
Mehr zu den Untiefen und Abgründen von Bandwurm-Bens "Speisekarte" an anderer Stelle!

Gegen halb elf Uhr zeigt sich die Sonne, so dass wir unseren (windgeschützten!) Frühstückstisch und die so niedlich im Hafenbecken tauchenden Kormorane verlassen, um uns heute mehr stadtgeschichtlich als filmgeschichtlich zu orientieren: Das größte erhaltene römische Mosaik (damals der Fußboden einer angesagten shopping mall), zwei altehrwürdige Moscheen (bei der Jüngeren darf man das Minarett besteigen, wo sich die Touries gegenseitig schier auf die Füße treten) und erlesene antike Kleinodien im "Museum der Nationalgeschichte und -archäologie", immer ´mal so nebenbei vor Ort, z.B. bei Bauarbeiten, ausgebuddelt.

Sagte ich „weniger filmgeschichtlich“?
Nachmittags strebt uns in der Fußgängerzone ein rumänischer "Edward Meeks" entgegen, eifrig mit seinem Smartphone (21. Jh.! ) telefonierend und wahrscheinlich nichts ahnend, welcher Film-Ikone der frühen '70er er so verblüffend ähnlich sieht...
Die daheim gebliebenen Freunde entwerfen sogleich eifrig die Arbeitshypothese, dass Edward Meeks höchstselbst noch 'mal die südosteuropäischen Orte seines Wirkens aufgesucht hätte, um seine Erinnerungen daran zu beleben - aber wir müssen sie enttäuschen:
Nope! Dieser rumänische Beau mag um die 40 Lenze zählen und war „noch ein Käse im Schaufenster“, als Edward Meeks hier schauspielerische Höchstleistungen vollbrachte.
Der hingegen dürfte als inzwischen wirklich betagter Gentleman, Jahrgang 1934 und kürzlich verwitwet, gemächlich durch Paris flanieren, vllt mit einem perlmuttverzierten Spazierstock (als Erinnerung an die „Südseeabenteuer“) an der Seine entlang...
Vermutlich würde ich ihn nicht wiedererkennen, wenn ich ihm auf der Straße begegnete.

Rumänien ist übrigens nach wie vor begehrtes Filmland und in der cineastischen Welt bekannt für „günstiges Drehen unter hochprofessionellen Bedingungen“: „Cold Mountain“ mit Nicole Kidman, andere Filme mit Gerard Depardieu, Rutger Hauer, Christopher Lambert, Charles Aznavour, Andy Garcia, Jean Claude van Damme usw. ...


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Elaine



Beiträge: 310

25.04.2018 11:05
#460 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Ach, ja, das mit der antiken „shopping mall“ hat im letzten Posting nicht geklappt, also zweiter Versuch...

Am Tag darauf machen wir einen bloßen Hoppser von rund 45 km nach Süden – et voilà:
Hier gibt es endlich etwas Eindeutiges!

Für die Fahndung nach Drehorten ist es sehr nützlich, vorher ´mal ein Filmstudio besucht zu haben: dort bekommt man den Blick dafür (und auch für so manchen anderen Filmtrick)!
Geiselgasteig bei München, Babelsberg bei Potsdam oder der Movie Park Bottrop stehen dafür jederzeit gerne zu Diensten
Eine Kamera braucht z.B. nicht viel Platz, um "endlose Weite" darzustellen. Abhänge, Steilküsten, Kulissenhäuser (die sowieso oft nur von hinten abgestützte Fassaden sind) etc. müssen längst nicht so hoch sein wie sie im Film wirken - die Kamera lässt sie schon so groß aussehen... usw. usf.

Als wir durch den Yachthafen Mangalias gehen, ist mir schnell klar: Hier war ´s!
Ich spaziere gerade mitten durch die Kulisse des Hafens von "Auckland"… oder „Le Havre“... oder „Hobart“:

- Die Flaniermeile auf der Landenge zwischen Strand und Yachthafen und der noch schmalere Weg über die Mole zum alten Leuchtturm, Farul Genovez, hinaus, die sich beide trefflich eignen, um (potemkin'sche) Hafengebäude darauf zu stellen.

- Die hohe Uferbefestigung, die schräg zum Wasser hin abfällt (nicht senkrecht, wie Kaimauern andernorts!) und inzwischen teilweise mit Betonstufen ausgelegt ist.
Die gelben Felsbrocken, die auch schon in Constanța die älteren Hafenbefestigungen bezeichnen und in „Zwei Jahre Ferien“ vielfach gut im Bild zu sehen sind. Sie müssen damals in Rumänen ein typisches Material gewesen sein, um Molen u. a. Hafenbefestigungen aufzuschütten, während die neuen als glatte „Betonknochen“ daher kommen.

- Die in reichlichem Maße vorhandenen Betonpontons als Schiffsanleger – damals hat man sie wohl mit Holzplanken verkleidet, damit sie nach 1886 (oder 1896) aussehen.

- "Der Genuesische Leuchtturm", der nahe im Hintergrund ausgezeichnet zu sehen ist, als Forbes mit Lord Buchanan an Deck der "Sloughi/ Bird Eye" kokettiert.
Eine weitere Mole links ragt von einer kleinen Insel aus nach Osten in den Hafen hinein: Hier konnte man bestimmt prima eine Kamera aufstellen, um die Sloughi von Nordwesten her zu filmen (und den Industriehafen im Süden nicht in ganz so epischer Breite im Bild zu haben).

Eine Fotokamera fängt ja, genau wie eine Filmkamera, nicht den Gesamteindruck ein, sondern immer nur einen kleinen Ausschnitt...

Leos Tipp mit Mangalia war jedenfalls Gold wert! Große Fleißarbeit, sich Fotos der ganzen rumänischen Südküste im Internet anzuschauen – und wer nimmt sich heutzutage neben der Arbeit schon noch die Zeit dazu?!?
Da ich als Dame traditionellerweise nicht „den Hut vor Leo ziehen“ kann, muss ich wohl, passend zu Papa Jules' Zeiten, in einem tiefen (virtuellen) Hofknicks vor ihm nieder sinken.

Fotografisch ein Rundschwenk vom Genuesischen Leuchtturm nach Westen, Süden, Osten und noch einmal nach Westen:
Im Süden der Daewoo-Mangalia-Heavy-Industries-Hafen, den man im Film auch im Hintergrund sieht, der damals aber längst nicht so "heavy" ausgebaut gewesen sein kann: Unsere Landlady, wie der Schöne in Constanța auch gerade erst um die 40 Lenze jung, ist höchlich interessiert daran, dass hier vor 44 Jahren ´mal ein Film gedreht wurde, und versichert uns, dass der Industriehafen schon damals existierte, weil ihr Opa und ihr Papa darin gearbeitet hätten! Er kann dann nicht so viele hohe Kräne, Silos u. a. Gedöns gehabt haben, sonst wären die unvermeidlich beim Auslaufen der Sloughi mit im Bild gelandet.
Nach Südosten ins Meer ragend eine neue Mole mit neuem Leuchtturm, die von der Mole mit dem Farul Genovez abzweigt. Ich denke, die hat es anno 1973 auch noch nicht gegeben, denn der neue Leuchtturm wäre auch schwer aus dem Bild herauszuhalten gewesen...
Auf dem Rückweg zur Hafenmitte eine kleine Hommage an das Piratenpack in "Zwei Jahre Ferien", ohne das, wie schurkisch auch immer, uns der Film nicht so gefesselt hätte: Der "Schwarze Korsar" (an der Flaniermeile, Faleza Mangalia).
Ein moldawisches Segelschiff am westlichen Kai des Yachthafens, schwarz-weiß, Zweimaster... ein Toppsegelschoner – richtige Länge, richtige Anzahl der Masten... aus Stahl. „Seewolf & Co.“ lassen wissen, dass der Rumpf der Sloughi-Ghost-Speranța „von den Filmleuten preiswert erstanden und von rumänischen Handwerkern in die Ghost verwandelt wurde“, und dass das Segelschiff „übrigens bis vor wenigen Jahren noch vor Rumäniens Schwarzmeerküste zu einer Rundfahrt von Touristen genutzt werden konnte“. Nun kann man Schiffe ja fast bis zur Unkenntlichkeit umbauen (die Roald Amundsen hat einen Fischkutterrumpf und die Greif hat ihre achterlichen Aufbauten auch erst sehr nachträglich bekommen), und nach ein paar Jahren Betrieb mit Werftzeit um Werftzeit ist sowieso jedes einzelne Teil ausgetauscht und das Schiff im Grunde nicht mehr dasselbe wie anfangs...
Ein Kapitän (Hull??), der (immer noch ein bißchen verpeilt in die falsche Richtung?) Ausschau hält, ein Abstecher auf die Mole, die von Westen her in den Hafen hineinragt (zu ihren Füßen eine Barackensiedlung, bei der mich kein bißchen wundern würde, wenn plötzlich "Frisco Kid" oder "Rotkohl Simpson" pfeifend daraus hervor kämen...), und ein Abendspaziergang zum Leuchtturm. Ein Blick von der schwimmenden Bühne aus nach oben (Richtung Norden/ Nordosten), wo gut erkennbar ist, wie die Sloughi etwas tiefer lag als die Flaniermeile und man vom Schiff aus zu dieser hinauf blickte. Die Poller müssen 1973 schon da gewesen sein, wurden aber gründlich mit Fässern, Kisten und Säcken zugestellt

Und wo wir gerade in „Auckland“ sind: das „Internat Chairman“ hat übrigens einen typisch rumänischen Architektur-Stil!

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