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 Adventsvierteiler und Weihnachtsserien - Vom Seewolf zu Anna
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loe



Beiträge: 90

23.03.2019 22:20
#481 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

Liebe Elaine

Du hast da gestern Abend einige sehr aufschlussreiche sowie reizvolle und reizende Kommentare geschrieben, danke!
Ich antworte darauf später noch gesondert, denn ich bin gerade mit der Sache der Glaubwürdigkeit eines zufälligen Zusammentreffens auf der Insel beschäftigt.

loe



Beiträge: 90

24.03.2019 02:21
#482 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (Film):

F o r t s e t z u n g ( T e i l 2 ) v o n :

Ist das Zusammentreffen der Jungen, des Phantoms und der Piraten um Forbes auf derselben Insel allzu unwahrscheinlich, um glaubhaft zu sein?

In dem grossen Duett von Elaine und Mariposa über mehr als zehn Jahre kam unter so vielen interessanten Themen die reizvolle Frage auf, ob diese Situation auf der Insel glaubwürdig ist. Um den Grad der Glaubwürdigkeit zu bestimmen, brauchen wir die Wahrscheinlichkeit.
Das Schwierige an der Aufgabe ist nicht die Berechnung der Wahrscheinlichkeit (das ist das Leichteste), sondern das Auffinden und die angemessene Einschätzung der Grössen, die in diese Berechnung einfliessen sollen. Darum ist jeder Hinweis, jede Kritik und jede Verbesserung sehr willkommen! Als der sowjetische Kommandant des amerikanisch-sowjetischen Sojus-Projekts in den 1970er Jahren gefragt wurde, was er von der Zusammenarbeit zwischen Amerikanern und Sowjets halte, sagte er im frisch erlernten Englisch: "Tugetta we are betta."

Elaine zum Salpetersegler:
"Bleiben die Salpetersegler: O.k., die fuhren von Europa aus in Richtung Nord-Chile regelmäßig dort vorbei, hielten sich aber viel weiter draußen auf offener See, weil die ganze lange Südküste Chiles eine, obendrein recht stürmische Leeküste ist (d.h. der Wind weht darauf zu) und deswegen für ein Segelschiff natürlich mit allergrößter Vorsicht zu genießen... Wahrscheinlich wären unsere jungen Helden, wenn sie sich ordentlich in die Riemen gelegt hätten, nach ein paar Tagen, stilecht wie Charles Darwin, in Cucao angelandet, statt von einem Salpetersegler aufgefischt zu werden..."
(31.10.2017, #436)

Der Salpetersegler könnte leicht vom Kurs abgekommen sein; aus mehreren, auch kombinierten Gründen wie etwa: starker Nebel, Missverständnisse, Unerfahrenheit oder Unfähigkeit unter den Seeleuten, ungenau arbeitende nautische Geräte u.a.m.
Aber wir brauchen das gar nicht zu bemühen, denn etwas anderes wiegt viel schwerer:
Das Schiff segelt ja nicht wirklich in der Nähe der Insel, Elaine! Es wird sich um eine Distanz von zwei Tagen handeln!
Nach der frz. Version lassen die Jungen ihr Boot von der Strömung abtreiben. Das Phantom sagte ihnen auch, sie müssten mit zwei Tagen rechnen
um den Schiffsweg nach Estimar zu kreuzen! Nun eben, dort werden sich Schiff und Boot begegnet sein!
Wenn Ulrich das Ganze rausschneidet und deutsche Zuschauer deshalb bemängeln, an dieser Insel fahre doch in Wirklichkeit kein nüchterner Steuermann vorbei, ist das nicht mein Brandy! Mir ist klar, dass viele deutschsprachige Zuschauer geglaubt haben, die Jungen seien bloss fünf Minuten im Boot gesessen, da sei auch schon der Segler aufgekreuzt.
Wer aber das Beste aus beiden Versionen anschaut, für den gibt es hier keine Unglaubwürdigkeit, da all diese Dinge erhellt werden.
Aus diesem Grund können wir, so glaube ich, den Salpetersegler sowieso aus der ganzen Frage weglassen, denn er hat ja nichts zu tun mit dem "wirklichen Treffen" der drei Parteien auf der Insel (Phantom, "Sloughi"-Jungs, Piraten).

Elaine zum Phantom:
"Genauso das Phantom: Zwar ist die Inselwelt Südchiles bestimmt ein todsicheres Versteck für Schätze (Betonung auf tod-), aber von Peru aus doch arg weit ab vom Schuss..."
(31.10.2017, #436)

Was diesem Argument zugrundeliegt, ist ein (unausgesprochener) regelhafter Zusammenhang mit vergleichenden Begriffen ('weiter als', 'seltener als'), nämlich:

Je weiter eine Insel von Peru entfernt liegt, desto seltener findet sich auf dieser Insel ein peruanischer Schatz.
Das ist logisch gleichbedeutend mit einem Wenn-dann-Schluss:
Wenn eine Insel x weiter von Peru entfernt ist als eine Insel y,
dann findet sich auf x seltener ein Schatz.
U n d :
Wenn eine Insel x gleich weit von Peru entfernt ist wie eine Insel y (x≠y),
dann finden sich auf x gleich oft Schätze wie auf y.


Mit dieser Regel kommen wir eben zu dem Argument:
Das Chonos-Archipel ist relativ sehr weit weg von Peru. Daher ist der Film mit einem Peru-Schatz auf einer Insel des Chonos-Archipels (eher) sehr unglaubhaft.

Aber dieses Argument ist nicht schlüssig. Das hat zum einen damit zu tun, dass die uns vertrauten Argumente (Wenn-dann-Schlüsse) über einen bloss wahrscheinlichen Zusammenhang – wie den zwischen der Häufigkeit von peruanischen Schätzen und ihrer Entfernung von Peru – auf viele Dinge nicht anwendbar sind.
Zum anderen ist unser regelhafter Zusammenhang bloss vermutet, aber nicht nachgewiesen oder nicht gut bestätigt (was er aber sein muss).
Und drittens sind unsere vergleichenden Begriffe ('weiter als', 'seltener als') nicht präzise genug gebaut.
Denn Dinge wie Entfernungen und Häufigkeiten lassen sich zusammen nicht in logisch durchgängige Ordnungen einfügen.
Wie wichtig das ist und was dann passiert, lässt sich leicht zeigen! Denn aus den Verhältnissen der wirklichen Geografie wie:



Die Kokos-Insel (2'000 km) ist weiter entfernt von Lima als die Isla San Felix (1'600 km)

u n d

Die Isla San Felix (1'600 km) ist weiter entfernt von Lima als die Isla San Lorenzo (20 km)

m u s s
f o l g e n :

Die Kokos-Insel ist weiter entfernt von Lima als Isla San Lorenzo (Aussage = wahr)

u n d
d a r a u s
m u s s (aufgrund unserer Regel):
f o l g e n :

Deshalb gibt es auf der Kokos-Insel weniger peruanisches Schatzgold als auf Isla San Lorenzo (Aussage = falsch).



Obwohl das Argument rein logisch gültig ist, ist es nicht schlüssig, da die Schlussfolgerung falsch ist. Daraus folgt, dass mindestens eine der Voraussetzungen falsch sein muss. Da aber unsere vorausgesetzten geografischen Verhältnisse wahr sind, ist es die vorausgesetzte Regel, die falsch sein muss!

Die Schlussfolgerung dieses Arguments ist deshalb falsch, weil die Kokos-Insel – nach allem, was wir wissen – einer der Orte auf der Welt ist, wo das meiste peruanische Schatzgold liegt; und nach allem, was wir wissen, ist die Insel Isla San Lorenzo einer der Orte auf der Welt, wo das wenigste peruanische Schatzgold liegt.

Es gibt auch Gegenbeispiele, die das Argument widerlegen, sowohl denkbare wie auch historisch realisierte, z.B. diese:

(a)
Englische Schiffe gehen auf Beutezüge, ohne nach Peru zu kommen, und plündern relativ fern von Peru ein spanisches Schiff, beladen mit Gold und Edelsteinen, das die Spanier aus Peru zusammengeraubt haben. Die Engländer verstecken die Beute in einem "Zwischenlager" auf einer Insel, aber es gelingt ihnen aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr, dorthin zurückzukommen.

(b)
Eine Gruppe Spanier führt das in Peru zusammengeraubte Gold in einem Coup gesetzwidrig nicht nach Spanien ab, sondern auf eine Insel, wo sie es verstecken. Zusatz: Engländer finden den Schatz und vergraben ihn an einem neuen Ort auf derselben Insel.

Gibt es nun aber ein wirkliches, ein historisches Gegenbeispiel,
also eine Situation,
in der eine Insel immerhin noch relativ weit weg von Peru liegt,
während zugleich
der Grad der Glaubwürdigkeit, dass ein peruanischer Schatz auf der Insel ruht, äusserst hoch ist?

Ja, es gibt eine solche Situation, und zwar entstanden aus Typ (b):
Die Insel heisst Juan-Fernandez (auch: Isla Mas-a-Tierra; heute: Isla Robinson Crusoe) und ist natürlich bekannt wegen des wahren Robinsons, Alexander Selkirk. Sie liegt rund 2'450 km von Lima entfernt.

Zum Vergleich: (südamerikan.) Pazifik-Inseln und ihre Entfernungen von Lima:

Isla San Felix: 1'600 km
Isla San Ambrosio: 1'600 km
Galapagos-Inseln: 1'800 km
Kokos-Insel: 2'100 km
Isla Juan-Fernandez: 2'450 km
(nördl.) Chonos-Archipel-Inseln: 3'400 km


Der auf Juan-Fernandez vermutete Schatz gilt als der "grösste von allen Piratenschätzen"(*) überhaupt. Die Glaubwürdigkeit (das Gewicht der Gründe), dass er dort ist, ist sehr hoch:
1760 hatte der englische Admiral George Anson den Auftrag, den Pazifik zu erforschen und dort auf Beutezüge zu gehen. Die Insel Juan-Fernandez sollte britische Kolonie und Marinestützpunkt werden (umfassend dokumentiert als "Hufeisen-Expedition"). Das Schiff "Einhorn"unter Cornelius Webb war eines der englischen Schiffe, das herzhaft die Spanier im Pazifik plünderte.
In einem Dokument im Nationalen Schifffahrtsmuseum in London heisst es, die "Einhorn" habe die von den Spaniern erbeuteten Schätze auf der Insel Juan Fernandez abgeladen:


– 864 Säcke Gold
– 200 Goldbarren
– 21 Fässer Edelsteine
– 1 goldene Truhe, enthaltend die berühmte, mit Gold und Smaragden
versehene "La Rosa de los Vientos" (Windrose),
2 ft. hoch (etwas mehr als 60 cm, also so gross, wie die Statue,
die Pike in der Höhle so hochhebt wie einen Blechpokal von der Kirmes)
– 160 Kisten Gold- und Silbermünzen


Das Dokument beginnt wie folgt:

"I, Cornelius Patrick Webb, Captain to His Majesty's Navy,
Master of the 'Unicorn', only Survivor of the Horse Shoe Expedition."

(*)Quelle: Film von David Cohen. Deutsche Bearbeitung für die Reihe "Schatzinseln", NDR 1995; auf DVD aufgezeichnet von meiner Mutter in meinem Auftrag, da in meinem Haushalt damals kein Fernsehgerät war.

Dieser Schatz wird wegen seiner genauen Beschreibung auf einen Wert von 10 Milliarden US-Dollar sowie auf ein Gewicht von 800 Tonnen geschätzt.
Dagegen sieht der Schatz des Oberst de la Cerna aus wie die Blechmünzsammlung von Trante Trude.
Der amerikanische Multimillionär Bernard Keiser hat schon 2 Millionen US-Dollar in die Grabungen und Sprengungen von gewaltigen Tunneln auf Juan Fernandez investiert. Er arbeitet seit vielen Jahren mit einem Team aus Fachleuten (darunter Geologen) sowie mit vielen Arbeitern aus der Inselbevölkerung. (Darüber gab es auch Filme auf 3sat. Ansonsten für Interessierte:
h t t p s : / / c i r c a 7 1 . wordpress.com/tag/bernard-keiser/.

Fassen wir zusammen:
Die auf dem Spiel stehende Glaubwürdigkeit des Films sieht so aus:

Thompson, der Vertraute des Oberst de la Cerna, besitzt die Schatzkarte einer Insel, die etwa auf dem 42. Breitengrad liegt. Diese Karte gerät in die Hände von Forbes & Pike. Diese Zwei erfahren später, noch immer in Neuseeland, von einem Unbekannten die genaue Lage dieser bekannten, aber unbewohnten Insel. Sie machen sich gezielt auf den Weg und finden die Insel im zehnten Versuch. Auf der Insel sind schon zwei Parteien:
Denn knapp zwei Jahre vor den Piraten gerieten die Jungs in der Westwinddrift zwischen Neuseeland und Westküste Südamerikas durch einen Sturm auf diese Insel.
Und wiederum zwei oder mehr Jahre vor den Jungs gelangte schon das Phantom mit Schiffbruch, doch auch als Schatzsucher, auf die Insel und fand den Schatz.

Nachdem nun einige Grundlagen für unsere Wahrscheinlichkeitsabwägungen klarer werden, haben wir drei verschiedene Wahrscheinlichkeiten vor uns, die wir für die Frage des zufälligen Zusammentreffens in Beziehung setzen müssen:

(1) Die Wahrscheinlichkeit, dass ein schiffbrüchiger Schatzsucher im Alter von 55 Jahren auf die unbewohnte Insel gelangt
und dort so viele Jahre (vier bis sechs) überlebt, dass er die Ankunft weiterer Parteien noch erleben kann.
Nennen wir dies deutsch und abgekürzt: w(P).

(2) Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Segelschiff, besetzt von Nicht-Seeleuten, im Sturm auf die unbewohnte Insel geworfen wird
und die Besatzung aus Kindern und Jugendlichen so viele Jahre (zwei) überlebt,
dass sie die Ankunft weiterer Parteien noch erleben kann: w(J).

(3) Die Wahrscheinlichkeit, dass Seeleute eine bekannte Insel erreichen: w(F).

Zuerst müssen wir für jede von diesen Wahrscheinlichkeiten gewisse Schätzungen zugrundelegen. Sie dürfen nicht willkürlich sein, was in unserem Fall sehr schwer einzuhalten ist.

Beginnen wir mit dem Leichtesten, nämlich einer Schätzung für (3) oder eben w(F):
Die Wahrscheinlichkeit, dass im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts eine Gruppe von Seeleuten mit mindestens(**) einer Person an Bord, die der Nautik kundig ist (wie Walston),
eine bekannte Insel erreicht, könnten wir so veranschlagen:

Gruppen erreichen die Insel
–––––––––––––––––––––––––––––
Gruppen fahren zur Insel


90
w(F)= ------
100


Wenn Marinehistoriker/-innen diesen Wert von 0,9 für zu grosszügig halten, so mögen sie gerne einen nennen, der angemessener ist.

Von den drei verschiedenen Wahrscheinlichkeiten ist diese dritte nicht die geringste, sondern wohl die grösste.
Doch um die Glaubwürdigkeit des Films wirklich einschätzen zu können, sind wir trotz unserer Vorarbeit erst am Anfang! Denn bevor wir aus (1), (2) und (3) die gesuchte Wahrscheinlichkeit für das zufällige Zusammentreffen dieser drei Parteien auf der Insel angeben können, brauchen wir weitere Schätzungen, nämlich für die "Sloughi"-Jungs und für das Phantom.
Und das ist beileibe nicht so leicht wie bei Leuten wie Forbes & Pike!

(**)
Streng nach Film müssten wir statt "mindestens" sagen: "höchstens"!
Dies würde w(F) wohl deutlich herabsetzen. Denn Walston, der einzige Alte an Bord, ist ein sehr viel älterer Mann als der Rest der Mannschaft. Zudem sass er längere Zeit in Fort Pily, was seiner gesundheitlichen Verfassung nicht gedeihlich gewesen sein wird mit Blick auf die lange Überfahrt.

Elaine



Beiträge: 335

24.03.2019 11:01
#483 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

Estimado Señor – geschätzter Señor Leo!
Ich kann mich nicht enthalten, Dich kurz zu unterbrechen...
...merkst Du ´was?? Du weißt aber schon, was „estimar“ auf Spanisch heißt? Wenn nicht, dann frag' Deine Frau, die ahnt es jedenfalls...
Ich bin ja noch nicht aus dem Kichern ´raus... Das ist jetzt echt der Witz zum Sonntag!
Ich merke, selbst in der französischen Version war das Phantom an seinem seligen Ende noch nicht gezähmt, sondern (frei nach Pontius Pilatus) ganz schön „pöse“. Wenn es den Jungen sagt, sie müssten mit zwei Tagen rechnen, um den Schiffsweg nach Estimar (= Schätzen) zu kreuzen... also wenn sie von der Strömung nach Westen auf dem offenen Ozean hinaus getrieben worden wären, was bei 4 – 6 m Welle (= ruhige Ozeandünung auf dem Pazifik) und der Brandung an den Westküsten des Chonos-Archipels auch ziemlich "pöse" hätte enden können!
Aber dort läuft der berühmte Humboldt-Strom (der die Atacama-Wüste herstellt, so wie der Benguela-Strom die Namib, und auch auf 42 Grad südlicher Breite für ganz schön kühles Wetter sorgt) aus der Antarktis nach Norden.
Hätte unser „fantasma estimada“ es wirklich gut mit den Jungen gemeint, hätte es ihnen den Weg „hinten ´rum“ (im Osten) durch das geschützte Wattenmeer nach Quellón oder Castro gewiesen.
Auch in der Deutschen Version wird übrigens vermerkt, dass die Jungs erst am dritten Tage im offenen Boot von einem Salpetersegler aufgefischt wurden (1 h 21').

Ich muss(te) ja (schon) gestehen, dass ich die französische Version (immer) noch nicht wirklich vertieft habe: Zum einen, weil es mir wegen „Mühe und Arbeit“ an kostbarer Lebenszeit gebricht, zum zweiten, weil ich längst nicht genug Französisch kann, um sie richtig zu verstehen, und zum dritten bin ich irgendwann ausgestiegen, weil sie mir zu kindlich (und un-seemännisch: Sahnetorte mitten auf dem Ozean!!) wurde.
Erläuterungen zu dieser Version sind also stets willkommen!!

Ich merke auch, wir reden von zwei unterschiedlichen Salpeterseglern: Ich meinte den, der Forbes und Pike zur Insel gebracht haben soll (1 h 02')...
… wobei mir einfällt, dass Forbes und Pike samt ihrem illegalen Haufen ja noch das Lösegeld für die Jungen hatten (sofern die kaufmännisch bewanderten Eltern derselben ihnen nicht lauter "falsche Fuffziger" in die Satteltasche des wackeren Käpt'n Hulls gesteckt hatten)! Da hatten sie mit ihren 20.000 Pfund schon ein ganz schönes Vermögen für damalige Zeiten und konnten (eigentlich gleich) standesgemäß mit dem Dampfer nach Valparaíso, Puerto Montt und Castro fahren, um sich dort ein Bötchen von einem armen Mapuche-Fischer zu kaufen (der nicht „nein!“ geschrien hätte) und auf Insel-Hopping zu gehen (sofern sie sich entschlossen, das Geld für die Schatzsuche zu investieren, und nicht jeder sich mit seinem Anteil aus dem Staube machte: "besser der Spatz in der Hand...").

Ich empfehle einen ausgedehnten Urlaub auf Chiloé - harte Anreise: 18 Stunden im Flugzeug, aber wunderschöne Landschaften, nette Unterkünfte, exotisches Essen! - da kann man das alles mit eigenen Augen betrachten!

loe



Beiträge: 90

24.03.2019 17:20
#484 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

Liebe Elaine

E wie Ehre
Der von mir ins Spiel gebrachte Ehrenkodex bei Forbes ist natürlich nicht als Naturgesetz zu verstehen. Da hättest Du mich falsch verstanden. Ich meinte nicht, dass diese Vorstellung von Ehrgefühl es jedem anderen Verbrecher in der Kriminalgeschichte verunmöglicht habe, das Opfer zuerst umzubringen und das Lösegeld gleichwohl zu fordern. Das wäre grotesk! Mich interessierte nicht das statistische Gesetz und seine Ausnahmen!
Die Bedeutung des Ehrenkodex habe ich ganz individuell auf Forbes bezogen, und zwar verbunden mit allen wichtigen Hinweisen, die hier in der Sache zusammenspielen. Darum erwähnte ich in meinem Beitrag auch den wichtigen Begriff der Selbstachtung! Forbes hat damit ein Problem! Ist Dir das nicht aufgefallen? Er spricht mehrmals von der Achtung, die ihm vorenthalten worden sei und die er sich nun zu verschaffen erhoffe.

Der Höhepunkt des Ganzen ist die Szene in der Höhle (frz. Version):
Pike hebt Gold in die Höhe, sagt, was er sich davon alles kaufen will und fragt dann Forbes, was er sich von dem Gold kaufen will.
Forbes antwortet Pike, er (Forbes) glaube nicht, dass er (Pike) das verstehen kann, ja er glaube nicht einmal, dass der Berg von Gold ihm (Forbes) das geben wird, was er im Leben suche.
Darauf Pike: "Ja, was ist denn dieses so Seltene und Kostbare, das du suchst?"
Forbes denkt nach und sagt mit abwesendem Blick:
"Die Rückkehr in die Vergangenheit. [...] Mit dem ganzen Goldhaufen hier haben wir alles, aber eines haben wir nicht: den Respekt und die Selbstachtung!"

Jetzt können wir den gebratenen Wrackbarsch riechen! Jemand der schon aus der Tiefe der Vergangenheit unter der fehlenden sozialen Achtung und unter der fehlenden Selbstachtung leidet wie Forbes, bringt keine Kinder um! Nicht in Gegenwart von Mitganoven, aber auch nicht einmal allein!

Darum kam ich eben mit der Bedeutung des Ehrenkodex. Ich deute ihn konkret und zupackend im Lichte aller Teile im Film, die dazu gehören, so dass er sich hieraus auf belegbare Weise stützen lässt!
Aber ich suche die Antwort nicht in Kriminalstatistiken oder in der Lektüre von heutigen Krimis. Auch dürfen wir nicht unbedingt persönliche (berufsbedingte) Erfahrungen oder mentale Einstellungen aus unserer heutigen Zeit einfach 150 Jahre oder mehr in die Psychen der Menschen einer anderen Zeit zurückprojizieren. Das ist manchmal ein Fehler, der nicht nur Geschichtsstudierenden unterläuft, sondern auch Professoren, am Schlimmsten aber jenen, die historische Romane schreiben! Gefühle sind nicht unbedingt durch und durch universal gleichbleibend. Vielmehr können sie sich im Verlauf der Geschichte ändern. So hatten Menschen früher ein anderes und in der Regel ein viel höheres Ehrgefühl, das teilweise übersteigerte, gar extreme Formen annahm. Lassen wir die Geschichte beiseite. Denk auch an manche Bücher von Arthur Schnitzler oder an ein Buch wie "Der Fall Maurizius" von Jakob Wassermann, das ja auch toll verfilmt wurde, damals in der guten, alten Fernsehzeit! Mit Judy Winter, Heinz Bennent, Matthias Fuchs und weiteren sehr guten Schauspielern bis zur kleinsten Rolle. Hier finden wir literarisches Anschauungsmaterial für das Ehrgefühl jener Zeit.

Ich werde diese interessante frz. Szene mit Forbes & Pike einmal im Detail aufschreiben, zweisprachig.

Zu den anderen Buchstaben (C, G, J, R, S) demnächst.

Lieben Dank auch an Mariposa für Ihre guten Worte!

loe



Beiträge: 90

25.03.2019 22:25
#485 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (Film + Buch)
Liebe Elaine
Mariposa, Du und ich, wir kommen immer wieder auf diesen Vergleich "dt. versus frz. Version" zurück, so wie Du zuletzt am 24. März. Ich stimme Dir und auch Mariposa gerne zu, denn: Hätte ich in der Kindheit nur die frz. Version gesehen, so wäre der Film für mich nicht das gewesen, was er für mich war und in mir wurde. Darum bin ich glücklich, dass ich damals die deutsche Version verinnerlichen konnte. Wir können sehr gut verstehen, dass Ulbrich versucht hat, das französische Material durch seine Bearbeitung besser zu machen. Ja, wir können vielleicht sogar beinahe sagen, er habe versucht, den Film zu retten. Es ist ihm gelungen. Ich bin Ulbrich zu Dank verpflichtet!
Dass Ulbrich durch seine Änderungen hie und da in Nebendingen Ungutes angerichtet, zuweilen auch die Übersicht verloren hat, ist für mich nicht so wichtig. Interessante Unstimmigkeiten zu entdecken, die bislang niemand bemerkt hat, so wie das Mariposa geschafft hat (Arica Küste, Cholera-Epidemie, historische Daten vs. Daten der Handlung etc.) ist etwas, was ich sehr spannend finde. Diese Entdeckungen zeigen vielleicht auch, unter welchen schwierigen Bedingungen, unter welchem Zeitdruck der Film von Ulrich fertiggestellt wurde.
Bin sicher, dass ich die dt. Version aus ziemlich den gleichen Gründen wie Du und Mariposa liebe und sie darum der frz. Version unendlich vorziehe. Das Prädikat "unendlich" gilt vor allem für den Schluss, die Pfeif-Melodie und die eingestreuten langsamen, ruhigen Szenen mit oder ohne Sprecher.

Aber: Wenn nun, im vorgerückten Alter, die beiden Versionen vor uns liegen, dann braucht man sie ja nicht mehr gegeneinander auszuspielen. Wir können die Erstarrung in uns (entweder-oder, ganz oder gar nicht...) ablegen. So befreit, können wir auf elastische, aufgeschlossene Weise auch Dinge in der frz. Version entdecken, die besser sind als in der deutschen.

Dazu gehört z.B. der Schluss-Dialog von Forbes & Pike in der Höhle!
Dt. Version: etwas abgeschmackt.
Frz. Version: Die letzten Sätze von Forbes sind überraschend und tiefgründig (wenigstens im Vergleich der Versionen) und erinnern auch optisch fast an einen Othello-Monolog von Orson Welles.

Werde demnächst mal diese Höhlen-Szene im Vergleich darstellen, Originalsprache und Übersetzung.

Dank der frz. Version erweitern und erhellen sich Dinge. Beide Versionen verschmelzen in meinem Kopf. Sogar die beiden Schluss-Szenen lassen sich miteinander vereinbaren!
Auch ein oder zwei Missverständnisse zwischen Dir und mir beruhen auf Ulrichs Schnipseleien! (Dazu demnächst.)
Aber nicht alle unsere Unstimmigkeiten beruhen auf ihnen! Manche sind grundsätzlicher Natur!
Dein allgemeiner Grundsatz nennt wichtige Merkmale (persönlich, live, selber vor Ort), die auch ich sehr schätze. Aber: Als Bedingungen sind sie nicht in jedem Fall notwendig! Und schon gar nicht sind sie in jedem Fall ausreichend!
So sehr ich Dir am 23. März auch ein grosses Kompliment gemacht habe: Wir dürfen diesen Grundsatz nicht überhöhen oder in uns erstarren lassen! Er gilt nicht vorbehaltlos. Es wäre gut, wenn wir ihn elastisch anwenden. Denn gerade in der Berufung auf das "Persönliche", auf die persönliche oder berufliche Erfahrung, lauern auch gewaltige Trugschlüsse! für alle von uns.
Hier ein kleines Beispiel aus dem persönlichem Erleben (wie Du es schätzt), weil es für unsere Diskussionen in diesem sehr speziellen Thread von Bedeutung sein kann. Wir können so fortan auch manche Missverständnisse und Ausuferungen vermeiden, sei es auch um den Preis der nun folgenden.

Vor über 30 Jahren kam an meiner damaligen Arbeitsstelle ein Neuer. Noch in seiner Probezeit konnte er eine wichtige Formel elegant verkürzen, was uns viel Arbeit ersparte. Wir erfahrenen Autoritäten in Person hatten dies zuvor live nicht erkannt.
Noch immer in der Probezeit, sollte der Neue aus einer juristischen Verfügung bloss nebenbei etwas entnehmen, das wir für eine technische Einordnung und Verarbeitung brauchten. Er entdeckte als nebenbei einen gewaltigen fachlichen Fehler in dieser juristischen Verfügung: eine falsche juristische Zuordnung und eine falsche Begründung. Diese Verfügung war in einer 8 cm dicken Mappe von einer ganzen juristischen Abteilung in personas live erarbeitet worden und von zwei Autoritäten (Dr. iur.) persönlich und live unterschrieben. Diese falsche Neuverfügung wäre noch am gleichen Tag mit der Post verschickt worden. Da der Fall schon mediale Aufmerksamkeit erregt hatte, wäre eine falsche Neuverfügung (nach dem von uns verlorenem Prozess vor dem höchsten schweizerischen Gericht) ein absoluter Skandal gewesen, der den Ruf der Firma gewaltig geschädigt hätte!
Noch immer in der Probezeit des Neuen hatten wir eine Sitzung. Darin geschah Folgendes:
Uns wurde allen ein neues, kurzes und sehr unklares Schreiben von einem Kanton vorgelegt, das uns persönlich etwas ratlos machte. Darauf sagte der Neue mit Blick auf das dürftige Blatt, dass ja nur ein Teil des Gesetzes in diesem Kanton geändert werde, während ein bestimmter älterer Teil weiterhin in Kraft bleibe. Darauf erhob sich eine Autorität (Dr. iur.) persönlich und sagte persönlich empört, wie könne man so einen Unsinn sagen. Wenn ein neues Gesetz in Kraft trete, so würde das alte Gesetz immer ausser Kraft gesetzt. Er sei promovierter Jurist und wisse, wovon er live rede. Noch am gleichen Nachmittag schickte der Dr. iur. seinen persönlichen Assistenten zu unserem neuen Kollegen, liess sich persönlich entschuldigen und bestätigte ihm, er habe Recht gehabt, wie sich nun nach einem Live-Telefonat beim Kanton ergeben hatte.
Noch immer in der Probezeit fand der Neue in einem pompös aufgeblähten Absatz eines kantonalen Rekursentscheids einen Zirkelschluss, und zwar nebenbei.
Dieser Neue war persönlich kein Jurist, kein Mathematiker und kein Informatiker. Er kam bloss von der Schule und hatte die Matura. Aber du kannst mir glauben, dass er die Probezeit bestanden hat und wir ihn gerne behalten haben.

Für unsere Diskussionen hier über so miteinander verwickelte Themen wie Filme, Geografie, Literatur, Seefahrt u.v.a.m. gibt es aber noch etwas Wichtigeres und Besseres. Darum widme ich die folgenden Worte von Michail Bakunin, der selber spricht, diesem sehr speziellen Thread, den Mariposa damals eröffnet hat.

"Folgt daraus, dass ich jede Autorität zurückweise? So ein Gedanke ist mir fern. In Sachen wie Schuhen berufe ich mich auf die Autorität des Schuhmachers. In Sachen Gebäuden, Kanälen oder Strassen konsultiere ich die des Ingenieurs oder des Achitekten. Für dieses oder jenes Spezialwissen wende ich mich an diese oder jene Fachperson.
Aber ich gestatte weder dem Schuhmacher noch dem Ingenieur noch dem Architekten noch dem Gelehrten, seine Autorität mir aufzuerlegen. Ich höre Ihnen frei und gerne zu, mit allem Respekt, den sie durch ihre Einsicht, ihren Charakter, ihr Wissen verdienen, aber ich behalte mir mein unbestreitbares Recht auf Kritik und Tadel. Ich gebe mich nicht damit zufrieden, eine einzige Autorität zu konsultieren, auf welchem Spezialgebiet das auch immer sei; ich konsultiere mehrere; ich vergleich ihre Meinungen und wähle die, die mir am vernünftigsten erscheint. Aber ich anerkenne keine unfehlbare Autorität, nicht einmal in speziellen Fragen; darum, welchen Respekt ich auch immer empfinden mag für die Aufrichtigkeit und Gewissenhaftigkeit dieses oder jenes Menschen, ich habe keinen absoluten Glauben in welche Person auch immer. Ein solcher Glaube wäre fatal für meinen Verstand, für meine Freiheit und sogar für den Erfolg in allem, was ich unternehme; er würde mich sofort in einen Dummkopf verwandeln [...]."

Michail Bakunin: God and the state (1871). Translated 1916; reprinted: New York 1970, Seite 32; ich zitiere nach meinem Buch von James D. McCawley: Everything that Linguists have Always Wanted to Know about Logic but were ashamed to ask, 2. Auflage, Seite xvi (aus dem Wiederabdruck des Vorwortes zur ersten Auflage), Zitat von mir übs.

Darum achte ich immer auf die Güte dessen, was ein Mensch sagt. Dies ist für mich die Autorität. Nicht aber sind es Merkmale wie die persönliche Berufszugehörigkeit oder die Hobbies oder die Erfahrung und dergleichen.
Zehntausende deutsche junge Menschen, die gegen Ende des 2. Weltkriegs gegen drauf und dran waren, sich gegen das Hitler-Regime zu wenden, setzten ihren Glauben und ihre Hoffnung auf die Person und Autorität von Grossadmiral Dönitz. Doch der kam seitdem aus jeder Lagebesprechung mit Live-Worten zurück, die er öffentlich verkündete: "Immer wenn ich vom Führer komme, komme ich mir vor wie ein Würstchen!"
Auch in Sachen Seefahrt & Co. gilt:
Jeder soll auch gegen einen Admiral(*) persönlich oder gegen einen Grossadmiral persönlich Einspruch erheben sowie Kritik und Verbesserungen anbringen. Auch in Sachen Seefahrt! Auch in Sachen U-Boot-Krieg!

(*) Admiral subst. masc.
Jener Teil des Kriegsschiffes, der redet, während die Galionsfigur das Denken besorgt.
(Ambrose Bierce: Aus dem Wörterbuch des Teufels (1911), Frankfurt a.M. 1966)


G wie Geschwindigkeit (ZWEI JAHRE FERIEN: das Buch)
Meine Berechnung gilt natürlich nur für die aussergewöhnlichen Bedingungen in Jules Verne's Roman.In meiner Lese-Erinnerung von Jules Vernes Buch gab es nur Sturm. Es beginnt mit Sturm, es endet mit "Sturm und Stranden" auf der Insel. Tatsächlich schreibt Verne aber weiter hinten:

"Einige Tage, nachdem der Schoner aus den Fahrrinnen des Golfs Hauraki hinausgetrieben war, kam ein Unwetter auf und wütete zwei Wochen lang mit ungewöhnlicher Heftigkeit. Nachdem die SLOUGHI hundertmal hätte umschlagen und in den haushohen Wellen kentern können, strandete sie endlich an einer unbekannten Küste des Pazifischen Ozeans."
(Diogenes Ausgabe, S. 47)

Von den 23 Tagen Überfahrt war also nicht jeder Tag ein Sturm. Das sei hier offen zugegeben! Aber wenn man den Text liest, gibt es kein Abflauen und kein laues Lüftlein. Nichts als Sturms. Darum interessierte mich die Frage:
"Geschenkt, Jules!" Was wäre, wenn es ausnahmslos jeden Tag Sturm mit Wind in idealer Richtung auf (sagen wir:) Chiloé gegeben hätte? Rein hypothetisch, egal, ob solche Bedingungen nur einmal in 1'000 Jahren auftreten!
Und wenn nun ein äusserst langsames und saftig beladenes Schiff wie die RESOLUTION bei starkem Wind in 24 Std. 300 km tatsächlich schaffen konnte, dann hätte die Buch-SLOUGHI als ein schnelleres Schiff bei einem solchen Buch-Dauersturm von 24 Std./Tag die Überfahrt in der Anzahl der Tage schaffen können, die ich angegeben habe. Das ist Arithmetik, die wenigstens bis hierhin nicht nach den persönlichen Lebenserfahrungen heutiger Segler zu fragen braucht. Das gewöhnlich Erwartbare und Deine Gewährsleute mit ihren Normalbedingungen können mir bei meiner Frage ja nicht helfen, denn meine Frage war weitgehend theoretischer Natur! Es handelt sich um ein Extrapolieren auf Grundschulniveau. Allein in den Voraussetzungen lagen gewisse wirklichkeitsgetränkte Daten, die ich Georg Forster über die RESOLUTION und für unsere Westwinddrift entnommen hatte. Deine Hinweise auf andere Leute unter anderen Bedingungen dort ("kaum Stürme, selten steife Brise, eher laue Lüftlein") sind eine grosse Bereicherung. Bloss bezog ich mich ausdrücklich auf die Bedingungen, wie sie im Buche stehen, plus noch was dazu. Darum ist es jetzt, danach, erhellend, bei Dir zu lesen, dass es dort nicht immer – oder normalerweise sogar gar nicht – pausenlos stürmt. Das gibt mir und uns allen ein wertvolles Bild über die wirklichen Zustände, die man dort für gewöhnlich antrifft! Die Frage, die mich reizte war indes:
A n g e n o m m e n , es hätte die ganze Zeit aussergewöhnlich, pausenlos gestürmt, wie länge hätte dann die SLOUGHI gebraucht, wenn wir das heranziehen, was wir dank Georg Forster von der RESOLUTION auf derselben Strecke unserer Westwinddrift wissen?


Wenn Du für einen Durchschnittsommer auf 38 Tage kommst, ist das für mich sehr aufschlussreich, weil ich erfahre, was man erwarten darf! Meine Frage zielte nicht auf das Durchschnittliche, sondern auf das Irreguläre! Ich fragte nicht: Wie ist es dort normalerweise? Ich fragte: Was wäre möglich unter den äussersten und seltensten Bedingungen? Was kommt dann heraus, wenn wir die Werte zugrunde legen, die Georg Forster uns gibt? Der Rest ist Arithmetik. So kam ich auf mögliche 28 Tage unter dauerhaft ausserordentlich günstigen Bedingungen (für jede Stunde eines Tages). Würde man gar dauerhaft extreme Bedingungen nehmen, so käme man vielleicht auf die 23 Tage, die Jules Verne angibt, selbst wenn solche Bedingungen nur alle 1'000 Jahre einmal eintreten. Mich interessierten die absoluten Ausnahmebedingungen in idealer Form und hieraus die Frage: Kippt bei Jules Verne das noch Mögliche in das schon Unmögliche?

Wenn Du sagen würdest, ein Jules-Verne-Pausenlos-Dauer-Weststurm leonischer Ausprägung ereignet sich dort nur einmal in 1'000 Jahren, so sage ich:
Ja, Du hast wohl recht, es mag sehr unwahrscheinlich sein, und darum auch eher unglaubwürdig, aber es wäre zumindest nicht unmöglich! Also ein Rest von Glaubwürdigkeit!

Wo endet das Mögliche, und wo beginnt das Unmögliche?
38...28...23...19...9 ?


Das ist der Punkt, auf den meine Frage hinauswollte. Ich versuchte, Jules Vernes Buch mit grösstmöglichem Wohlwollen zu betrachten! Kann man Jules Vernes 23 Tage retten? Meine Rechnung zeigte mir: Seine Reise ist rasant, wohl am kippenden Rand des Umschlagens in das kaum noch Mögliche. Du kommst zum Ergebnis, dass es unmöglich sei, nach all dem, was man dort in der Regel erwarten darf. Du sagst aber auch:
"Unerhört, wo kämen wir hin, wenn jeder Nicht-Admiral eigene Gedanken über die Dauer von Schiffsfahrten anstellt!"

Meine Frage war bescheidener, nämlich:

Wo kämen wir hin
Wenn alle sagten
Wo kämen wir hin
Und niemand ginge
um mal zu sehen
Wohin man käme
Wenn man ginge.

Das Original von Kurt Marti in Berndeutsch ist übrigens noch besser:

Wo chiemte mer hi

Wo chiemte mer hi
wenn alli seite
wo chiemte mer hi
und niemer giengti
für einisch z'luege
wohi dass me chiem
we me gieng.

Elaine, Deine Ergänzungen lese ich gerne. Ihre Güte liegt in dem, was Du da oder dort, gestern oder heute schreibst. Aber sie liegt nicht ausschliesslich oder notwendigerweise in dem Grundsatz der "persönlichen Erfahrung" (siehe oben), den Du stets davor- oder daruntersetzt. Deine Beiträge bedürfen dieser wiederholten Unterstreichungen ja gar nicht! Sie gewinnen nicht, sie verlieren eher. Deine Beiträge wollen ja durch sich selbst überzeugen, durch das eigentlich Gesagte.

Wir müssen nicht persönliche Erfahrungen haben, um über eine Sache nachzudenken!
Wir müssen nicht selber in Vietnam gewesen sein, um etwas über den Vietnamkrieg sagen zu können.
Du musst nicht selber ein Mann sein, um über das Ehrgefühl von Forbes mitdiskutieren zu können.
Wir müssen nicht selber in Treblinka gewesen sein, um etwas über den Massenmord an Juden in Vernichtungslagern sagen zu können.
Leo muss nicht selber in Chiloé gewesen sein, um ...
Niemand muss selber Eier legen, um zu wissen, ob eines faul ist.

Toll, dass du die unglaubliche Leistung von Kapitän Bligh erwähnst. Ich habe vor rund fünf Jahren das Buch von John Toohey gelesen: Käpt'n Blighs Alptraum; das aussergewöhnliche Leben des Kapitäns der Bounty. Auf den "alten Trick" gegen die vom Regen durchnässte Kleidung wäre ich nie gekommen! Da bin ich fast aus dem Bett gefallen.

loe



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26.03.2019 12:55
#486 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

C wie Cerna ... oder Tsch wie in Cherna

Wenn ich Dich, Elaine, richtig verstanden habe, so stehen "Cerna" und "Serna" aufgrund Deiner phonetischen Befunde im Sprachgebiet phonologisch nicht in Opposition zueinander.
Wenn ich Deine Ausführung über das c in der Position vor e oder i richtig verstanden habe, so müsste man in der berühmten Parole auf den Che Guevara-Postern "Hasta la victoria siempre, venceremos" das letzte Wort so lesen: "vensseremos".
O je, das habe ich gewiss zwanzig Jahre lang "venckeremos" ausgesprochen! (Also wie ck in "Petrosilius Wackelzahn" im "Räuber Hotzenplotz")
Da habe ich mich ja bis auf's Gerippe blamiert.
Warum bin ich Dir nicht schon früher begegnet?

Leider hatte good old Ulbrich nicht Deine Sprachkenntnisse. Im Umschlag und im Büchlein der DVD sowie in Dokumenten zum Film steht immer "Cerna" und doch sagt der Off-Sprecher stets "Tscherna".

Sehe im Augenblick mindestens zwei Möglichkeiten:

Wir gehen von der dokumentarisch belegten Schreibweise "Cerna" aus
und korrigieren den Off-Sprecher, der "Tscherna" sagt,
indem wir fortan leise "Serna" flüstern, wenn wir uns hier im Forum schreiben oder den Film sehen.

Oder aber:

Wir gehen von der Aussprache des Off-Sprechers aus, der "Tscherna" sagt,
und korrigieren Ulbrich, der "Cerna" schreibt,
indem wir forthin hier im Forum "Cherna" schreiben...
(Freiwilliger Zusatz: ...und unsere Dokumente sowie DVD-Hülle und Booklet korrigieren.)

Wenn ich Dich richtig verstanden habe, befürwortest Du das Zweite.
Wir können das gerne diskutieren. Ich bin aufgeschlossen. Wir brauchen aber auch die Meinung von Mariposa! Wir können auch zu dritt schweizerdemokratisch abstimmen!

Spanisch empfinden meine Lauscher als eine sehr schöne Sprache. Aber das noch zu lernen bei dieser Gedächtnislastigkeit? In meinem Alter?

Alter subst. neutr.
Die Lebensperiode, in der wir die Sünden, die wir noch begehen,
dadurch wettmachen, dass wir jene verabscheuen,
die zu begehen wir nicht mehr in der Lage sind.
(Ambrose Bierce: Aus dem Wörterbuch des Teufels (1911), Frankfurt a.M. 1966)

loe



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26.03.2019 21:54
#487 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (Film)

Schluss-Dialog zwischen Forbes & Pike in der Höhle:
Vergleich: deutsche Version vs. französische Version


In der dt. Wikipedia habe ich heute etwas über die frz. Version gelesen. Es heisst dort, Forbes empfinde "kurz vor seinem plötzlichen Tod Gewissensbisse wegen der vielen Toten auf seinem Gewissen, ein Berührungspunkt mit der literarischen Vorlage von Verne."

Wer aber gerne selber überprüft hätte, ob das überhaupt stimmt, der kann sich nun seine eigene Meinung bilden. Denn wie versprochen, habe ich den frz. Schluss-Dialog jetzt ganz übersetzt, zuvor nur eine bestimmte Äusserung über Respekt und Selbstachtung.

Halte meine Meinung bewusst zurück, um diese wohl spannende Frage offen zu halten. Es wäre sehr schön, wieder etwas von Mariposa zu hören.

Auch zu der Frage, welcher der beiden Dialoge der bessere ist, sage ich nichts. Ich Döskopp habe zwar neulich schon etwas Kleines durchblicken lassen, was ich besser nicht getan hätte. Trotzdem gibt es gewiss gute Gründe, jede der beiden Versionen der anderen vorzuziehen. Auch hier brauchen wir die Meinung von Mariposa.

Den französischen Text mit der Übersetzung werde ich später in die Abteilung "Die französische Version" tun. Hier unten findet sich nun endlich der Vergleich der beiden sehr unterschiedlichen Dialoge.

Im Netz habe ich keine einzige andere Webseite zum Film gefunden (deutsch, französisch, englisch, rumänisch), die etwas über Forbes & Pike in der Höhle sagt, auch keine Bewertung der Haltung von Forbes, und schon gar keine Dialogtexte. Falls nun jemand so etwas finden sollte, bitte unbedingt melden, denn das wäre wichtig und interessant. Ansonsten ist die Transkription ins Französische und die deutsche Übersetzung eine Exklusivität, die es nur hier im TV-Nostalgie-Forum gibt!

Forbes' Stimme schlägt manchmal im Ton aus oder beginnt mit explosiver Geschwindigkeit am Anfang einer Äusserung. Die Tonqualität ist nicht gut, es rauscht, und manchmal knackt es gar wie auf den guten alten Langspielplatten. Trotzdem kann man nach mehrmaligem Hören jeden Laut noch erfassen.


DEUTSCHE VERSION:

PIKE:
Mit der geklauten peruanischen Kriegskasse hat das nichts zu tun.

FORBES:
Nein, damit hat es bestimmt nichts zu tun. Aber ich habe gewusst, dass ich nur lange genug zu suchen brauch'.

PIKE: Ist mir auch scheissegal, wer das hier her geschafft hat.

FORBES:
Ich hab' dir ja gesagt, jetzt ist's vorbei. Jetzt ist ... meine ... meine Pechsträhne ist vorbei.
Am Arsch könnt ihr mir alle. Ich brauch euch nicht mehr. Von mir aus könnt ihr jetzt alle abhauen. Ich zahl euch aus und dann ab mit euch. Ich brauch' keinen mehr...

(Bricht ab durch Einsturz in der Höhle).



FRANZÖSISCHE VERSION (Übersetzung)

(Pike hebt hintereinander mehrere Gegenstände aus Gold in die Höhe und sagt bei jedem Stück, was er sich davon kaufen werde. Dann wendet er sich an Forbes und fragt ihn, was er sich zu kaufen gedenke.)

FORBES: (Zögert, dreht sich um)
Ich...?

FORBES: (Zögert immer noch, dreht sich wieder um, geht auf Pike zu.)
Ich glaube nicht, dass du das verstehen kannst.
Übrigens... weiss ich nicht, ob dieser Berg von Gold mir das geben wird, was ich suche.

PIKE:
Aber was suchst du denn so Seltenes?

FORBES:
Die Rückkehr in die Vergangenheit.
Alles kann man hier billig kaufen.
Wir haben alles...
...Nur eines nicht. Den Respekt und die Selbstachtung.
Der ganze Rest zählt nicht. Der ganze Rest ist leeres Gerede.
Und ich will nicht der Mensch sein, der ich gewesen bin.
Ach ... im Grunde genommen ist es mir egal.
Denn eine Sache ist sicher. Ja, ich habe Gold, viel Gold, alles Gold, das ich will...
(Wirft einen Gegenstand an die Wand.)
...Und wenn das nicht genug ist, um mein eigenes Gewissen zu beruhigen...
...dann werde ich das meiner Mitmenschen kaufen...

(Bricht ab durch Einsturz in der Höhle).

loe



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27.03.2019 12:25
#488 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (Film)

Schluss-Dialog zwischen Forbes & Pike in der Höhle:
Vergleich: deutsche Version vs. französische Version


Forbes' Antwort auf Pikes Frage, was er sich mit dem Gold kaufen will.

K o r r e k t u r

zum 26. März 2019:

Zeile 5: statt "sein" muss es heissen "werden", demnach:

FORBES:
Die Rückkehr in die Vergangenheit.
Alles kann man hier billig kaufen. Wir haben alles...
Nur eines nicht. Den Respekt und die Selbstachtung.
Der ganze Rest zählt nicht. Der ganze Rest ist leeres Gerede.
Und ich will nicht der Mensch werden, der ich gewesen bin.
Ach ... im Grunde genommen ist es mir egal.
Denn eine Sache ist sicher. Ja, ich habe Gold, viel Gold, alles Gold, das ich will...
(Wirft einen Gegenstand an die Wand.)
...Und wenn das nicht genug ist, um mein eigenes Gewissen zu beruhigen...
...dann werde ich das meiner Mitmenschen kaufen...

(Bricht ab durch Einsturz in der Höhle).

loe



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27.03.2019 17:39
#489 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (G wie Geschwindigkeit)

Der Weg der SLOUGHI von Neuseeland zur Schatzinsel an der Westküste Südamerikas
Sind Jules Vernes 23 Tage möglich?


Hab' ich Wirrkopf doch neulich den "Petrosilius Zwackelmann" irrtümlich zum "Petrosilius Wackelzahn" gemacht, also genauso verkehrt, wie es der Seppel im "Hotzenplotz" falsch macht. Nicht einmal auf Kindheitserinnerungen kann man sich noch verlassen.
Liebe Elaine, Deine Angaben sind in der Seefahrer-Sprache geschrieben. Um Verwirrungen zu vermeiden, vereinfache ich Deine Angaben jetzt so, dass neben mir auch andere Laien sie für unsere Reise der SLOUGHI nachvollziehen können.
Kindsköpfe wie ich haben in den 60er und 70er Jahren mit Autoquartetts gespielt und im Auto der Eltern ein Gefühl für Geschwindigkeit und Distanz entwickelt. Bei "Knoten" und "Seemeilen" verliere ich jede Vorstellung. Darum schreibe ich jetzt bei Geschwindigkeit "km/h" und bei Distanzen "km". So bekommen wir Laien ein Gefühl.

Die Distanz zwischen Neuseeland und unserer Schatzinsel im Chonos-Archipel beträgt 8'380 km.

Du schreibst, laut einem Brief des früheren Kapitäns der SØREN LARSEN, Jim Cottier, an Dich, habe dieses Schiff im Pazifik eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 Knoten gehabt.
Das ist eine Geschwindigkeit von 9,3 km/h.
Die zurückgelegte Distanz in 24 Std. ist 223 km.
Dies macht bei unserer Distanz von 8'380 km eine Reise von 37- 38 Tagen, wie Du sie angegeben hast.

Zugegeben sei: Die 23 Tage von Jules Verne sehen im Vergleich dazu sehr unglaubhaft aus.

Die RESOLUTION von James Cook brauchte für die Fahrt von Neuseeland bis nach Isla Desolacion, damals Cap Deseado (10. Nov. 1774 bis 18. Dez. 1774) ebenfalls:
38 Tage, also auf den Tag genau gleich viel wie Du sagst!

Daher gebe ich Dir gerne zu: Unter normalen Bedingungen ist eine Reise wie die bei Verne von 23 Tagen unmöglich.

Nun schreiben Georg Forster und sein Vater über die RESOLUTION, dass dieselbe aufgrund ihres Baus, ihrer Ladung und ihrer übrigen Beschaffenheit "sehr langsam segelte". Trotz dieser Nachteile erreichte sie "laut Schiffsrechnung" einmal einen absoluten Tagesrekord bei sehr heftigem Wind, und zwar:
in 24 Std. eine zurückgelegte Distanz von 300 km.
Das ist eine Geschwindigkeit von 12,5 km/h.

Ein längerer starker und günstiger Wind mag selten sein. Auch dies sei zugegeben. Bei Irving Johnson (siehe unten zu Bernard Moitessier) habe ich gehört, dass er 1929 auf der PEKING einmal von einem starken Wind von 17 Tagen spricht, also sogar drei Tage länger als die 14 Tage bei Jules Verne (obwohl Johnson da wohl nicht im Pazifik ist und ich nicht weiss, ob der Wind günstig war).
A n g e n o m m e n , die SLOUGHI hätte nicht nur 14 oder 17 Tage, sondern für jeden Tag ihrer Reise einen solchen starken und günstigen Wind gehabt, um eine solche Geschwindigkeit zu erreichen. Ich gebe zu, dass dies wohl eine sehr unwahrscheinliche, sehr seltene Situation sein mag.
Und a n g e n o m m e n , die SLOUGHI wäre etwas schneller gewesen als die "sehr langsame" RESOLUTION, d.h. sie hätte unter den Bedingungen von deren Tagesrekord eine Geschwindigkeit von 14,0 km/h erreicht (statt 12,5 km/h).
Dann hätte die SLOUGHI eine Distanz zurückgelegt von 336 km in 24 Std.
Dann hätte die ganze Reise 25 Tage gedauert. Das klingt auf die erste Ohrmuschel nahe dran an Vernes 23 Tagen.

Berücksichtigen wir aber noch das, was Du über die "Fähigkeiten des Rudergängers" schreibst, so gebe ich zu, dass die Jungen auf dem Schiff keinen besten Kurs gefahren sein können, auch nicht zufällig. Daher sind schon diese 25 Tage nicht möglich.

Nun die spannende Frage:
Ich hatte in meinem Forumsbeitrag geglaubt, man könne die Differenz zu den 23 Tagen retten (zugegeben: aus dem Lehnstuhl), indem man den starken und günstigen Wind zu einem Sturm erhöht. Doch ich kann ich ja gar nicht beurteilen, ob das Schiff hierdurch schneller wird! In meiner Kindheit gab es die Piratenfilme. Wenn Sturm aufkam, holte man die Segel ein. Wenn ich jetzt daran zurückdenke, hiesse das ja (aus dem Lehnstuhl): Der Sturm hätte die SLOUGHI gar nicht notwendigerweise schneller gemacht.

Daher gebe ich gerne zu, dass die 23 Tage von Jules Verne auch durch extrem günstige Ausnahmebedingungen nicht zu retten sind.

Zu Deiner Bemerkung über Bernard Moitessier:
Am 27.4.2018 hatte die NDR in der Sendung "Nordstory" über die PEKING berichtet, die 1911 in Hamburg gebaut wurde. Es gibt einen Dokumentarfilm von Irving Johnson, der 1929 auf diesem Schiff mitfuhr, welches auch Kap Hoorn umrundete. Dieser Film "The Peking battles Cape Horn" findet sich auch in youtube und dauert 37 Minuten, ein bewegendes Dokument.
Wie Moitessier, so sagt auch Johnson, dass es bei Kap Hoorn zuerst längere Zeit gar nicht stürmisch war, ja sogar Windstille herrschte, was sich später änderte. (Mir ist also bewusst, dass es so etwas wie ein Band des Dauersturms weder hier noch sonstwo gibt.) Irgendwo zwischen den gewaltigsten Bildern vom Sturm (24:40 bis 33:40) sagt er, er habe diesen Film in England einem Publikum gezeigt, darunter viele erfahrene Kapitäne, die oftmals Kap Hoorn umrundet hatten. Und als diese Seebären nun die Bilder von der PEKING sahen, konnten sie es nicht glauben. So etwas hatten sie in ihrem Leben noch nicht gesehen!

loe



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27.03.2019 21:31
#490 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

J wie "Papa Jules'" Werke
Elaine, ich danke Dir für Deine Ergänzung, dass "Les Frères Kip" auch ein Einfluss auf den Film sei. Ich habe aber nicht begriffen, welche Anleihen aus diesem Buch in den Film "Zwei Jahre Ferien" eingeflossen sind. Deine Angaben sind sehr knapp:
Ein Gaunerduo ermordet einen Kapitän im Hafen: Meinst du damit Palaviers Mord an Thompson in Ulbrichs Cerna-Intro?
Mordverdrehung: Meinst du damit das Anhängen an O'Brian?
Wertvolle Fracht: ?
Wohl versteht jeder, der dieses Buch gelesen hat, was Du meinst. Habe als 10-Jähriger die gesamten Werke von Jules Verne erhalten, aber nur wenige davon gelesen (Verlag Bärmeier & Nikel, Frankfurt 1968; neu übersetzt von Wolf Wondratschek; mit Illustrationen der Holzstiche der ersten frz. Gesamtausgabe; Lizenzausgabe R. Löwit, Wiesbaden; Gesamtherstellung: Mladinska Knjiga, Ljubljana, Jugoslawien). Habe einige der Bücher heute noch. Verne hat grossartige Einfälle und es treibt alles (allzu) vorwärts, aber was er nicht hat, das sind wirkliche Menschen. Seine Figuren sind am Reissbrett angefertigt. Auch die Beziehungen der Menschen sind holzschnittartig. Das wirkt auf die Dauer ermüdend.

S wie Schauspielerei (B wie Basedow)
Tucholsky halte ich für einen ehrenwerten Menschen. Leider ist die zitierte Äusserung von Tucholsky eine enttäuschend schlechte. Seine untiefe Äusserung zeigt, dass er den Aberwitz der Wirklichkeit an diesem Tag, wie auch an manch anderen Tagen, nicht durchdrungen hat. Dies ist nicht schlimm, jeder kennt das von sich selbst.

Ich weiss nicht, welche Erfahrungen Du im Leben (Ausbildung, Beruf, privat, Politik) gemacht hast.
Ich beziehe mich auf das Leben, wie es sich mir, meinen Freunden, Arbeitskollegen und Bekannten zeigt. Wir sehen in jedem Lebensbereich Menschen, die andauernd hervorkehren, wie fähig und klug sie seien. Und genau diese Menschen stellen sich mit diesen Eigenschaften in einer Sicherheit und Wichtigkeit dar, dass die meisten ihrer Mitmenschen das dann auch glauben! Im Laufe des Lebens lernte ich (wie auch meine Bekannten) einige Menschen kennen, die dermassen klug waren, dass es unmöglich ist, es zu begreifen und zu beschreiben. Seltsamerweise sagten aber diese allerklügsten Menschen überhaupt nichts über ihre Fähigkeiten. Im Gegenteil: Sie waren sehr still und sagten andauernd: "Das übersteigt meine Fähigkeiten, darum kann ich dazu nichts sagen." Oder: "Ich bin nicht klug genug dafür." Ja, sie zweifelten sogar an ihren Fähigkeiten!
Einer der klügsten Menschen, der je auf diesem Planeten gelebt hat, war Bertrand Russell, ein Titan des Geistes, aber nicht nur das. Er war auch unglaublich mutig und engagiert, ging sogar ins Gefängnis für seine Überzeugung. Bertrand Russell hat dieses komische Phänomen, das ich und meine Bekannten im Leben erfahren haben, in einer eleganten Kürze ausgedrückt:
"Wer sich für besonders fähig hält, ist zu dumm, seine eigene Unfähigkeit zu erkennen."
Modern gesprochen sagte Russell also, dass die Fähigkeiten, die Kompetenz ausmachen, dieselben sind, die auch die Grenzen der eigenen Kompetenz erkennen lassen.
Darum klagte der Mathematiker und Philosoph auch:
"Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher, und die Gescheiten so voller Zweifel."
Vielleicht sagst Du: "Leo, das ist wieder so eine Feststellung aus dem Lehnstuhl."
Nun, rund 50-60 Jahre nach Russells Äusserung (oder 30 Jahre nach seinem Tod) haben die Tests von Dunning und Kruger folgendes zum "Schauspiel des Lebens" gezeigt:

Die Testpersonen, die das grösste Selbstvertrauen in ihre eigenen Geistesfähigkeiten zeigten, erzielten die niedrigsten Ergebnisse in Tests über geistige Fähigkeiten.
Dagegen zeigten jene Testpersonen, die ihre Geistesfähigkeiten am geringsten einschätzten, die höchsten Ergebnisse!

Sind das gute Nachrichten für Deutschland, Europa, die Welt, das Klima, das Leben?
Und was heisst das für das "Schauspiel des Lebens"?

Darum meine "Lobrede auf Rainer Basedow".
Schade, dass Du ihn damals verpasst hast!

Übrigens: Die Erklärung von Dunning & Kruger ist genau das, was Russell schon vor 50-60 Jahren aus dem Lehnstuhl gesagt hat:
Die Dümmeren können die Einsicht in die Wahrheit über ihre Fähigkeiten nicht gewinnen, weil eben "die Fähigkeiten, die Kompetenz ausmachen, dieselben sind, die den Menschen auch die Grenzen der eigenen Fähigkeiten erkennen lassen."

Vgl.
h ttp://ww w.sgipt.org/kritik/kuriosa/halbwis.htm
h ttps://ww w.politplatschquatsch.com/2007/06/dummheit-gut-frs-ego.html

loe



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28.03.2019 22:04
#491 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (dt. Film und frz. Film)

R wie Reiseroute
oder
S wie Salpetersegler
oder
Wie kamen Forbes & Pike auf die Insel?


Elaine hat schon darauf hingewiesen: Es gab ein Missverständnis mit Blick auf den Salpetersegler.
Die wichtigste Qualle des Meerfischstandes ...äh... die wichtigste Quelle des Missverständnisses in der Diskussion liegt in den Unterschieden zwischen der dt. und der frz. Version. Die dt. Version hat 2 Salpetersegler. Elaine trägt die dt. Version in ihrer Erinnerung. Die frz. Version hat dagegen nur 1 Salpetersegler: den am Schluss. Anders als bei Elaine überlagert in mir die frz. Version die dt. Version.
Die frz. Version bietet schätzungsweise 10-15 Minuten mehr originales Drehmaterial. Wie wir alle wissen, hat Ulbrich für die dt. Version manches weggeschnitten und anderes hinzugetan. Die frz. Version ist selbsterklärend und bedarf keines Sprechers. In der dt. Version werden Vorgänge manchmal noch durch einen Sprecher kommentiert. Dies ist kein Nachteil. Vielmehr liegt gerade hierin der Reiz der melancholischen, tiefsinnigeren dt. Version.

Und genau diese Dinge spielen nun eine Rolle für die Frage, wie die Piraten um Forbes & Pike zur Insel gekommen sind.

Frz. Version (Ausgangsmaterial)
Einer der Jungen sammelt Holzlatten auf dem Wrack der SLOUGHI am Strand der "Küste ohne Namen". Plötzlich erblickt er ein weisses oder helles Schiff (näher als der Horizont). Er rennt ins Lager zurück und macht Meldung.
Forbes, Pike und Walston stehen an Deck dieses Schiffes. Forbes blickt durch das Fernrohr, um Form, Grösse und Beschaffenheit der Insel zu prüfen. Pike steht mit der Schatzkarte daneben.
Die Jungen rennen an die Küste und erblicken freudig das Schiff. Da nimmt Gordon das Fernrohr und sieht auch schon das Beiboot der Piraten, das sich der Insel nähert.
Gordon ruft alle auf, sich sofort auf den Boden zu werfen, um nicht gesehen zu werden, und erklärt, er habe Forbes & Pike im Boot gesehen. Geduckt ziehen sie sich die Jungen zurück und rennen ins Lager.
Die Piraten kommen an Land und sehen oben den Mast mit der Notsignalflagge der Jungen. Forbes & Pike diskutieren deshalb über die Möglichkeit von Schiffbrüchigen auf der Insel.

Dt. Version
Vorausgeschickt sei: Der Sprecher (Dick Sand) sagt ein Stück weit vor der Landungsszene: "Wir konnten uns kaum noch darüber hinwegtäuschen, dass die Insel wohl ausserhalb der üblichen Schiffsrouten lag." (Teil 4, 53:04)
Demnach sieht es so aus, als habe Ulbrich wenigstens an dieser Stelle an das gedacht, was Elaine über vierzig Jahre später kritisch bemerkte. Die Jungen setzten deshalb ihre Hoffnung auf einen "verirrten Robbenfänger" (nicht auf einen Salpetersegler).

(GLEICH WIE ZUVOR:)
Einer der Jungen sammelt Holzlatten auf dem Wrack der SLOUGHI. Plötzlich erblickt er ein weisses Schiff (näher als der Horizont). Er rennt ins Lager zurück und macht Meldung. (Der Weg des Jungen ist länger, führt auch durch Wald, ist realistischer, besser als in der frz. Version. Hier haben also mal die Franzosen was weggeschnitten.)
Die Jungen kommen an den Strand: kein Schiff zu sehen.
Da nimmt Gordon das Fernrohr und sieht das Beiboot der Piraten auf die Insel zukommen. Auf die Frage der anderen, ob er etwas erkennen könne, hebt er ungläubig abermals das Fernrohr und sieht Forbes, Pike, Walston und fünf andere schon auf dem Strand. Pike bemerkt, dies sei nun schon die elfte Insel.
GLEICH WIE ZUVOR:
Gordon ruft alle auf, sich sofort auf den Boden zu werfen, um nicht gesehen zu werden, und erklärt, dass er Forbes & Pike im Boot gesehen habe. Geduckt ziehen sie sich zurück und rennen ins Lager.

Sprecher (Dick Sand):
"Erst viel später erfuhr ich, dass es der Geschicklichkeit von Forbes gelungen war, den Kapitän eines chilenischen Salpeterseglers, dessen Kurs ohnehin sehr nahe bei der Insel lag, zu beschwatzen, ihn und seine Leute vor der Insel auszubooten. Sie hatten sich als vom Jagdglück vernachlässigte Robbenjäger ausgegeben, die weiter nichts besassen als ihr Fangboot."

Merkwürdigkeiten:

Frz. Version:
Die Piraten kommen an Land, sehen den Flaggenmast mit dem Notsignal oberhalb der "Küste ohne Namen". Sie sehen aber nirgends das Wrack der SLOUGHI, auf dem der Junge doch wenige Minuten zuvor noch das Holzbrett hielt, als er das Piratenschiff erblickte! Das ist ein ganz böser Schnitzer auf französischer Seite!
Offenbar hatten Forbes & Pike aus dem Lösegeld der Eltern ein neues Schiff gekauft.
Der Weg von Neuseeland zum Chonos-Archipel ist hier offensichtlich.

Dt. Version:
Ulbrich musste sich etwas einfallen lassen. Denn er wollte vom frz. Material die ganze Handlung mit dem Phantom nicht haben.
(In der frz. Version sorgt bekanntlich das Phantom dafür, dass das vor der Insel ankernde Schiff den Piraten verlorengeht und nur noch das Beiboot übrigbleibt.)
Also musste Ulbrich eine Erklärung finden, warum die Jungen später nur mit einem Beiboot von der Insel wegkommen können. So kam er auf den Salpetersegler, mit dem die Piraten ZUR Insel kommen. Kurz davor lassen sich mit ihrem EIGENEN Fangboot aussetzen.

Zuerst sagt der zurückblickende Dick Sand, sie hätten schon damals begriffen, dass die Insel ausserhalb der üblichen Schiffsrouten (s. oben) liege. Jetzt gibt es auf einmal ein Salpeterschiff, dessen Route nahe bei der Insel lag. Laut Wikipedia (Salpeterfahrt) segelten die Salpeterschiffe die südamerikanische Küste entlang. Ich sehe keine Ungereimtheit. Der genaue Weg der Piraten DAVOR, also von Neuseeland bis nach Südamerika, der mag noch unklar sein. Ist er überhaupt relevant? Sie hatten genug Lösegeld, um dorthin zu kommen. Dort angelangt, haben sie vor Ort weitergeschaut. In der chilenischen Hafenstadt Iquique sollen laut Wikipedia um 1890 bis zu hundert Salpeterschiffe gelegen sein. Dort werden die Piraten den Kapitän eines solchen Schiffes beschwatzt haben, ein bisschen näher an die Küste heranzufahren als üblich und sie mit ihrem Fangboot auszubooten, wie Dick Sand sagt. Das hiesse auch: Forbes, Pike, Walston und 5-8 andere Piraten haben als Mitreisende die Nerven der Besatzung auf dem Salpeterschiff nicht allzulange blossgelegt.

Als Laie und Sonntags-Modellbau-Segelschiffer auf dem Tümpel von Trampelfelden sehe ich mit Blick auf meinen Schulatlas von 1975 für Forbes & Pike darum einen Weg zur Insel, der wie selbstverständlich(*) erscheint.

Eine Sache verstehe ich jedoch nicht. Dick Sand spricht am Ende des dt. Films von einer Distanz von Neuseeland zur Insel von bloss 1'800 Meilen. Ich dachte, es seien 4'500.

(*)Selbstverständlich adj.
Was man selbst versteht und niemand sonst.
Ambrose Bierce: Aus dem Wörterbuch des Teufels. Frankfurt a.M. 1966.

loe



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29.03.2019 15:00
#492 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (Film)

Schlussdialog von Forbes & Pike: Vergleich dt. vs. frz. Version (frz. Originaltext im Unterfaden "Die französische Version")

Endgültige Fassung des Vergleichs (Korrektur der Korrektur)

Szene auf der Insel: Forbes & Pike in der Höhle mit dem Goldschatz

Deutsche Version

PIKE:
Mit der geklauten peruanischen Kriegskasse hat das nichts zu tun.

FORBES:
Nein, damit hat es bestimmt nichts zu tun. Aber ich habe gewusst, dass ich nur lange genug zu suchen brauch'.

PIKE: Ist mir auch scheissegal, wer das hier her geschafft hat.

FORBES:
Ich hab' dir ja gesagt, jetzt ist's vorbei. Jetzt ist ... meine ... meine Pechsträhne ist vorbei.
Am Arsch könnt ihr mir alle. Ich brauch euch nicht mehr. Von mir aus könnt ihr jetzt alle abhauen. Ich zahl euch aus und dann ab mit euch. Ich brauch' keinen mehr...

(Bricht ab durch Einsturz in der Höhle).



Französische Version

PIKE hebt goldene Statuen empor (oder zeigt darauf) und sagt jeweils dabei, was er sich davon kaufen werde (z.B. eine Farm in Australien mit Abertausenden von Schafen, einen Wald und endlose Hektaren von Weizen usw.);
PIKE wendet sich an FORBES und fragt ihn, was er sich denn nun kaufen werde.


FORBES:
...Ich?
(Zögert zehn Sekunden, wobei er sich abwendet, einen kleinen Gegenstand in die Hand nimmt, sich dann wieder umdreht und auf Pike zugeht.)
Ich glaube nicht, dass du mich verstehen kannst. Übrigens ...
... ich weiss nicht einmal, ob dieser Berg von Gold mir das geben wird, was ich suche.

PIKE:
Aber was also suchst du, das so selten ist?

FORBES:
Die Rückkehr in die Vergangenheit.
Alles kann man hier billig kaufen. Wir haben alles. Nur eines nicht. Den Respekt und die Selbstachtung.
Der ganze Rest zählt nicht. Der ganze Rest ist Gesäusel [leere Worte].
Und ich will nicht wieder der Mensch werden, der ich gewesen bin.
Ach, im Grunde genommen ist es mir egal.
Denn eine Sache ist sicher. Ja, ich habe Gold, viel Gold, alles Gold, das ich will.
(Wirft einen Gegenstand an die Wand.)
Und wenn das nicht genug ist, um mein eigenes Gewissen zu beruhigen...
... dann werde ich das meiner Mitmenschen kaufen.

(Bricht ab durch Einsturz in der Höhle).

loe



Beiträge: 90

31.03.2019 21:08
#493 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

Interesse an Drehorten

Eine Frage, deren Antwort gleich einer Flaschenpost kommt

Wie ich soeben gesehen habe: Mariposa hat mir vor neun Jahren eine Frage gestellt, die zu beantworten ich aufgrund eines schlimmen Vorfalls nicht mehr gekommen bin. Jetzt, wo ich in dieses Forum zurückgefunden habe, kann ich mich wenigstens ein bisschen von der Last befreien, Mariposa eine Antwort schuldig geblieben zu sein.

Mariposa schrieb am 9. April 2010 (#129):

Von O'Brians Ableben habe ich erst erfahren, als ich für LOCKRUF DES GOLDES recherchierte. Und das ist mal knapp 16 Monate her.
Wo rührt bei Dir das Interesse an und die Kenntnisse von den Drehorten her?
Kam das von jetzt auf gleich oder besteht das schon länger?

Mit neugierigen(*) Grüßen
MARIPOSA


Das Interesse an den Drehorten war von Anfang an da. Damals, als der Vierteiler ausgestrahlt wurde, glaubte ich in meiner Einfalt noch, das sei alles an den Orten gedreht worden, die im Film genannt werden. Aber ich wollte es genau wissen. Das war nicht möglich. In meines Vaters Atlas, der besser war als der Schulatlas, fand ich zwar das Chonos-Archipel, doch da gab es sehr viele Inseln. Aber auf welcher Insel fand das alles statt?
Wie Du, Mariposa, war auch ich immer schon vom Recherche-Fieber gepackt.
Als ich mit neun Jahren in den Comics-Bänden "Der rote Korsar" von Henry Morgan las, wünschte ich mir Sachbücher über Piraten und Piraterie. Erfahren wir aber dort, es gebe Unterschiede zwischen Piraten, Korsaren, Freibeutern und Bukanieren, so wird unser Fieber nicht kleiner, sondern grösser. Wirkliche Schauplätze, wirkliche Landschaften sowie wirkliche Küsten und Meere, gerade auch Inseln, haben mich unglaublich gefesselt. Konnte mich in Atlanten und Karten vertiefen und dabei die Zeit vergessen.
Überhaupt: Raum und Wagnis, Raum und Abenteuer!
Als ich später erfuhr, dass ZWEI JAHRE FERIEN in Rumänien gedreht worden war, war ich überhaupt nicht enttäuscht! Brauchte also nicht die Ferne und die Exotik so klangvoller Namen wie "Osterinsel" oder "Kokos-Insel" oder "Chonos-Archipel". Nun also Rumänien: Gut, aber wie kann ich den Raum verstehen, die räumlichen Zusammenhänge?
Bei den meisten Erwachsenen nimmt mit der zunehmenden Erfahrung der Welt leider auch das Entdeckungsfieber, die Rätselfreude und der Forschergeist stetig ab.
Für mich aber gehört es zum Wertvollsten im Leben, dass diese fiebernde Freude, der Recherche-Geist, die Lust am Verstehen, nicht kleiner geworden sind. Denn genau darin liegt ein grosser Teil des Cerna-Schatzes unserer Kindheit! Und es ist schön, auf Menschen wie Du und Elaine zu stossen, die das auch so empfinden.

(*)Neugier subst. fem.
Eine anstössige Eigenschaft des weiblichen Geistes.
Der Wunsch, herauszufinden, ob eine Frau mit Neugier geschlagen ist oder nicht,
ist eine der stärksten und unersättlichsten Leidenschaften der männlichen Seele.
Ambrose Bierce: Aus dem Wörterbuch des Teufels (1911). Frankfurt a.M. 1966.

Mariposa



Beiträge: 891

01.04.2019 00:38
#494 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

Ich sehe Neugier weder als ausgesprochen weibliche noch ausgesprochen unangenehme Eigenschaft an. Zumindest nicht alle Arten von Neugier. Manche natürlich schon.

Ohne Neugier, Wissbegier und die Suche nach dem Wunderbaren (frei nach Hump van Weyden) wären wir mit unseren Recherchen nicht dort, wo wir heute sind. Und das wäre schade.

Ich finde die Erkenntnisse, Spitzfindigkeiten und Überraschungen, die sich aus unseren Lieblingsserien ergeben mittlerweile übrigens spannender, als die Serien selbst. Das gilt auch für sich daraus ergebende Kontakte sowie damit verbundene Kontakte. Die spannendsten Geschichten schreibt oftmals das Leben selbst.

Nächtliche Grüsse von einer Nachbarinsel einer geheimnisvollen Insel
MARIPOSA

loe



Beiträge: 90

04.04.2019 20:21
#495 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (Film)

Neuer Goldfund in Sachen Spitzfindigkeiten

Mariposa, nimm das "Wörterbuch des Teufels" nicht zu ernst. Es ist nur hie und da hellsichtig.

Was die Neugier betrifft:
Zuerst schien es mir, als stellte der olle Düwel die Frauen mit den Männern gleich. Aber: Der Deibel hat sich dabei selbst ein Bein gestellt! Genau betrachtet, ist die Definition im Wörterbuch nämlich ein Kompliment an die Frauen und kein solches an die Männer! Denn die Neugier der Frauen wird ja beschrieben als eine echte, direkte Neugier auf alle möglichen Dinge in der Welt. Dagegen wird die Neugier der Männer als eine äusserst beschränkte beschrieben; ja nicht einmal als eine echte, sondern bloss als eine indirekte Neugier, und zwar eine, die sich bloss an die Neugier der Frauen anschmiegt, also von der Neugier der Frauen abhängt: eine Neugier zweiten Grades. Pfui Deibel!

Du hast also vollkommen recht: "Vive la curiosité féminine pour toujours!"

Auch das mit den Erkenntnissen und Spitzfindigkeiten hast du sehr schön gesagt, Mariposa.

Welche Hosen haben wir in den 60er und 70er Jahren getragen?
Bis 1969 trug ich nur Cordhosen. Ab 1969 nur noch Jeans. Wem ging es nicht so?
Darum sei der neueste Spitzenfund auf dem Gebiet der Spitzfindigkeiten in ZWEI JAHRE FERIEN dem Thema "Jeans" gewidmet! Im Geiste der Pionierin und Grossmeisterin in der Entdeckung von Spitzfindigkeiten in TV-Vierteilern: Mariposa elle-même!

Dabei gehe ich nach dem Schema vor, das mein hochverehrter Grundschullehrer uns gelehrt hat:

Wir wissen:
Die bayrische Jude Löb (Levi) Strauss und der lettische Jude Jakobs Jufess erfinden in USA die Blue Jeans und melden das Ding im Frühling 1873 für 69 Dollar beim amerikanischen Patentamt an (Patent-Nr.139'121).
Erst 1880 sieht diese Blue Jeans ("Levi's"; es gab noch keine andere) so aus, wie wir sie kennen:
Eine orange Naht verläuft über die Gesässtaschen, einschliesslich der markenrechtlich geschützten, doppeltgenähten zwei Bogen (Arcuate) auf der rechten Gesässtasche.

Wir sehen:
In ZWEI JAHRE FERIEN, Teil 1, 18:53 bis 19:03, rollt ein Hafenarbeiter im Jahr 1887 in Auckland ein Holzfass von Bord. Er trägt eine waschechte Blue Jeans (lat. linteae lividinae bracae), die – historisch betrachtet – nur eine "Levi's" sein kann.

Wir stellen fest:
Schalten wir den Film auf Standbild und legen den Topflappen...äh...den Laptop unter das Mikroskop (Weihnachtsgeschenk 1971), stellen auf 40-fache Vergrösserung. Wir erkennen: Da sind keine doppelgenähten zwei Bogen. Also ist das keine "Levi's".

Wir suchen:
...eine gute Erklärung.

Möglichkeiten:

(a)
Der rumänische Statist trägt eine typische Ost-Jeans. Demnach: ZWEI JAHRE FERIEN wurde gedreht ohne die Beratung einer Historikerin vom Schlage Mariposas.

(b)
Der rumänische Statist trägt eine jener Nachbildungen der Levi's-Jeans, die von den Vietnamesen in der DDR angefertigt wurden. (Manche Vietnamesen hatten früher schon die echten Levi's genäht!) Diese Nachbildungen waren für Fachleute nicht von den echten zu unterscheiden. Demnach ist unsere Feststellung unter dem Mikroskop falsch oder ein verspäteter Aprilscherz.

Grüsse an geheimnisvolle Insel und geheimnisumwittertes Festland

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