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 Adventsvierteiler und Weihnachtsserien - Vom Seewolf zu Anna
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Elaine



Beiträge: 332

21.04.2019 16:03
#511 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

„Ja, ja, der Kindheit glückliche und unschuldige Spiele, ja, ja!“, wie schon Astrid Lindgren (um bei den Skandinaviern zu bleiben) in Kalle Blomquist dem späteren Mordopfer in den Mund legt...
Im Orient habe ich immer gesagt: „Die Kinder bringen ihre Eltern nachts um eins ins Bett und feiern dann noch ´ne Party.“ … was meiner Tochter damals außerordentlich konvenierte!

In die vielen Überlegungen zur Verfilmung von „Zwei Jahre Ferien“ (dt. und franz. Version) flechte ich jetzt ´mal bescheiden die letzten kleinen Kapitel über die „Fanreise“ zu den Drehorten ein. Wenn nicht jetzt, wann sonst... Virtuell sage ich „Cut!“ und „Beam me up, Scotty!“...
… und wir finden uns in Bukarest wieder:

So ein Theater...!

Nach viel Großstadthektik beziehen wir endlich Quartier fast direkt neben der Wirkungsstätte von Monsieur Şofron

Unser erster Gang führt uns bei 35°C allerdings ohne viel Federlesens vorbei am Teatrul Nottara („still und starr ruht der See“... in abendlicher Sommerpause) zum nächsten Supermarkt, um uns etwas zu Trinken zu beschaffen und danach – vorbei auch an der Vietnamesischen Botschaft - auf die Suche nach einem Restaurant, das Substanzielleres bietet als MacD..., KFC und ein vietnamesischer Imbiss. Wir landen beim Italiener – wie sollte es anders sein, nachdem ein beträchtlicher Teil der rumänischen Gastronomie im Stile einer zweiten römischen Invasion von Pizza, Pasta und Espresso übernommen worden ist!

Während des Wartens auf das Essen ziehen wir die ersten Erkundigungen ein: „Rumänische Kulturtage München“? - Fehlanzeige! Ich suche mit erprobter Suchmaschine, und müssen feststellen: Jedes Jahr macht unser Hl. Cristian sich aber nicht auf die Socken nach Bayern...

Ermattet von der Flut erster Impressionen aus dem blubbernden Hexenkessel Bukarest (das Wasser aus der Leitung hat so viel Chlor, dass es fast mit Ankara oder Istanbul mithalten kann, die Polizeisirenen lassen an „Einsatz in Manhattan“ denken, der Kellner beim „Italiener um die Ecke“ sieht auch gleich aus wie Telly Savalas, während ein hochgewachsener „jandarm“ mit römischem Profil sehr an Mr. Spock erinnert...) sinken wir nach unserem letztlich doch noch ziemlich ausgedehnten Abendspaziergang ins Bett.

Am nächsten Morgen geht unser erster Gang nicht zum Objekt der Begierde, sondern zur Piaţa Romană, einem mehrspurigen, sprich: besonders kreiselnden Kreisel (der mit denen in Newcastle upon Tyne locker mithalten kann ), um auszugucken, wo der Bus zum Flughafen abfährt. Letztendlich stellt sich heraus: Er fährt direkt vor unserer Haustür ab.

Also auf nach Süden (zumindest ein paar Schritte):
Teatrul Nottara (das „-ul“ ist schon der bestimmte Artikel "das") ist ein eigenartig' Ding – wenn man in der Sommerpause direkt daneben wohnt.

Sommerpause?
Vom Zeitpunkt unserer Anwesenheit aus betrachtet hatten sie dort zuletzt am 21.08.(2017) eine einzige Vorstellung auf der weiten Flur der sonst gähnenden Leere ihres August-Kalenders.
Das Theater hat zwar dicke Reklame für ein Festival im Oktober draußen stehen, aber - außer diesem und ein paar Vorstellungen im September (2017) - ab November 2017 wieder einen leeren Kalender... Ihr Programm im WWW gibt Auskunft.
Können die (wie Humphrey Bogart in „Casablanca“) so lange im Voraus nicht planen??

Die Kasse haben sie besetzt, auch Licht und Personal abends im Foyer, aktuelle Karten verkaufen sie aber nicht. Eine rumänische Interessentin geht nach kurzer Anfrage und (scheinbar abschlägiger) Antwort gleich wieder weg (ich verstehe zwar kein Wort, aber der Ton macht ja bekanntlich die Musik). Ich nehme mir ein paar Flyer von gewesenen oder zukünftigen Aufführungen mit und zeige meinem Mann auf einem gerahmten Poster (gemeinsam mit anderen Darstellern) Monsieur Şofron, den er nur nebelhaft vom letzten gemeinsamen „Zwei-Jahre-Ferien“-Angucken (2002) in Erinnerung hat.
Wir fragen uns, ob es sich etwa um ein „Beleg-Theater“ (ohne eigenes Ensemble, nur mit Gastspielen) handelt, doch das passt auch nicht so recht...

So muss wieder die bewährte Suchmaschine herhalten: Der Hl. Cristian war vor unserem Aufenthalt zuletzt, soweit die Homepage es enthüllt, am 22.05.(2017) bei der Premiere einer Co-Produktion mit dem Teatrul del Artă in Aktion. Wann das fragliche Stück wieder aufgeführt wird, macht jenes Theater (Ende August 2017) allerdings nicht so ganz deutlich. Scheinbar nicht vor September (2017)... wohl aber wird das Stück immer noch derzeit, im April 2019, gegeben!
Es wird also nichts anderes übrig bleiben, als zur Theatersaison über ein langes Wochenende (nochmals) nach Bukarest zu jetten, um Monsieur Şofron "live und in Farbe"... Auch wenn wir vom Stück nicht viel verstehen werden!

Ob der gnädige Herr höchstselbst in der Sommerpause der Bukarester Theater in den Bergen wandert, am Techirghiol mit Schwefelschlamm kurt, in Vama Veche abfeiert (was so mancher Bukarester Intellektuelle tun soll), antike römische und griechische Kunstwerke in Constanţa bestaunt (das Museum dort hat wirklich eine beeindruckende Sammlung), in seiner Bukarester Wohnung Texte für die kommende Saison memoriert, von einer Schauspielergewerkschaftssitzung zur nächsten hastet - das weiß der Fuchs!

Wir wenden uns weiter nach Süden...


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Elaine



Beiträge: 332

21.04.2019 16:33
#512 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Die schrecklichen Geheimnisse des Beinhauses...
... wollte das „Gespenst von Canterville“ dem amerikanischen Botschafter, Mr Otis, ins Ohr zischeln, nachdem dessen Frau es gewagt hatte, selbigem Gespenst eine Tinktur gegen Verdauungsbeschwerden anzubieten und diese in einer Verdachtsdiagnose als mögliche Ursache für sein grässliches Gelächter zu erwähnen...

Wir begeben uns zum Cimitrul Bellu, um dem Verbleib eines gewissen unbotmäßigen Tartarenfürsten auf die Spur zu kommen...
Abenteuer des Schienenstranges erleben wir bei der Anfahrt – underground: Ich verwechsele die (heldenhafte) Metro-Station "Eroilor" mit "Eroii de Revoluţiei" - die zweite ist die Richtige, und zu der hätten wir vom Nottara Theater aus, staţie "Piaţa Romană", einfach nur in Richtung Süden durchfahren brauchen.

"Eine Hausdurchsuchung muss so gründlich sein, ...
... dass eine zweite keine neuen Ergebnisse zutage fördern könnte." - zitiert Rüdiger Nehberg die Empfehlungen des Schweizer Offiziersverbandes.

Für Friedhöfe bedeutet das wohl ein gründliches Durchkämmen aller Planrechtecke von allen Seiten, wenn vllt auch nicht von oben und unten
Rumänische Grabsteine werden nämlich gerne von beiden Seiten beschriftet. Auch haben die Rumänen offenbar keine Berührungsängste mit dem Jenseitigen und lassen ihren Namen vorzugsweise schon ´mal frühzeitig mit Geburtsjahr auf dem Familiengrabstein eingravieren (im Stile von "Elaine ... 1964 - "), so dass bei ihrem seligen Ende der Steinmetz nur noch das Sterbejahr dazu zu meißeln braucht.
Für den geneigten Friedhofsforscher bedeutet das natürlich zusätzliche Arbeit!

Cimitrul Bellu ist fein ordentlich in Planrechtecke eingeteilt, auf bekannte Persönlichkeiten wird evtl. auch schon auf dem blauem Schildchen mit der Nummer des Rechtecks hingewiesen. Interessant wäre auch, ob Monsieur Popescu etwa katholisch statt orthodox war: Die Katholiken haben eine eigene Sektion - die geben wir uns jedoch am Ende nicht mehr.

Der Friedhof ist nämlich sehr groß, Popescu ein ziemlich häufiger Familienname, Valeriu als Vorname auch sichtlich beliebt.
Da uns niemand Genaueres sagt - "Rumänisch für Touristen, light" hilft bei der (nicht übermäßig freundlichen) Security-Dame am Eingang nicht weiter, auch nicht der rumänische Lebenslauf von Valeriu Popescu (siehe unten). Sie weiß nichts oder will nichts wissen oder erwartet Bakschisch, um etwas wissen zu wollen (es soll vorgekommen sein, dass einzelne Security-Leute „Gebühr“ für ´s Fotografieren erheben wollten) – so lassen wir uns einfach treiben und sammeln Eindrücke.

Mit den daheimgebliebenen Freunden diskutieren wir derweil unter glühender Mittagssonne (ich berichtete bereits, dass die es in Rumänien in sich hat!), welche Getränke ein echter Tatar, ob inner- oder außerhalb russischer Dienste, wohl gewohnheitsmäßig zu sich genommen hätte, und kommen zu dem Schluss: Chai müsste er getrunken haben, Schwarztee, aus dem Semaver (türk. für Samovar). Das nächste mir bekannte Anbaugebiet für Schwarztee liegt allerdings an der Schwarzmeerküste der Türkei, und wir kommen schnell überein, dass wir da jetzt nicht auch noch hinjetten, um Saatgut beiseitezuschaffen... die Freunde möchten lächeln und froh sein, falls ich das Grab Seiner Hoheit ausfindig mache!
Von Höcks-chen kommen wir auf Stöcks-chen: Wahrscheinlich sahen die Strommasten im sozialistischen Bruderland Ungarn, wo "Der Kurier des Zaren" gedreht wurde, genauso aus wie die bei Snagov. Überhaupt dürfte der transsylvanische Tartarenfürst (der ja unbotmäßig das Reich des "Zaren", Ceauşescu, verlassen hatte und deswegen höchstens im sozialistischen Bruderland drehen durfte) sich in der Puszta recht heimisch gefühlt haben, nachdem er aus Bukarest stammte: in der Walachei ist es ja ebenso wie dort und in Ostfriesland so flach, dass man montags... na, Ihr wisst schon, was, sehen kann.

Wir finden auf dem Cimitrul Bellu nichts, das uns "schlottern" ließe (im Gegenteil: wir werden bei nahezu 40°C unaufhaltsam geröstet, und fragen uns, ob wir dann zu den "Verblichenen" zählen, wenn uns dortselbst der Sonnenstich oder Hitzschlag ereilt) - nicht ´mal der unbotmäßige Tartarenfürst jagt uns einen Schauder (der Ehrfurcht) über den Rücken... Gewisse "Beinhäuser" geben einfach (vorläufig noch) nicht alle ihrer Geheimnisse preis.
Auch werden wir weder verrückt (wie die Freunde zuhause befürchten), noch sind wir „geröstet verblichen“ - wir haben nur ein bisschen "die Flöhe gekriegt": Die Schnittmenge aus Popescu und Valeriu enzieht sich beharrlich unseren suchenden Blicken.

Anbei ein paar Impressionen, u. a. von der inflationären Existenz gewisser rumänischer Nachnamen (und das waren noch längst nicht alle Popescus und Nedelcus...)!
Leider kann ich den Auslöser beim Fotografieren des Lageplans der numerierten Planrechtecke nicht richtig gedrückt haben... das muss späteren Untersuchungen (evtl. durch die geneigten Valeriu-Popescu-Fans) vorbehalten bleiben.
Für genauere Recherchen wäre wahrscheinlich erst einmal eine Mail an die Friedhofsverwaltung hilfreich - wenn sie ein bisschen Zeit haben (oder man sie erinnert: "doilea încercare" = "zweiter Versuch: ..." im Betreff ), finden sie schon jemanden der englisch kann.
Andernfalls: in ein bis zwei Tagen kann man es schaffen, systematisch alle Planrechtecke zu durchforsten!
Wir empfehlen allerdings einen Spaziergang zu kühlerer Jahreszeit als an einem frühen Augustnachmittag: Zum einen korreliert das besser mit der Theatersaison in Bukarest, zum anderen sind die Brunnen dann auch keine so produktiven Blutsauger-Brutanlagen

Gleichviel: Alle Fans von „Iwan Ogareff“ (in „Michael Strogoff“) alias Valeriu Popescu können sich beruhigt zurücklehnen: Der unbotmäßige Tartarenfürst ruht nicht etwa für ewig tragisch unter einer kalten Schneedecke, sondern höchstwahrscheinlich unter weißem Marmor, wenn nicht gar unter Engelbewachung oder in einem tempelähnlichen Familiengrab mit barocken Schnörkeln.


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Elaine



Beiträge: 332

21.04.2019 17:06
#513 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Nachschlag von bzw. die Untiefen und Abgründe der Speisekarte Bandwurm-Bens

Nach dieser „tour de force“ müssen wir dringend weitere rumänische Spezialitäten prüfen und begeben uns von Norden, dem Colţea-Krankenhaus, aus ins absolute Zentrum Bukarests, das Lipscani-Viertel („Leipziger Viertel“ deshalb, weil hier damals die Händler aus Leipzig ihre Ware feil boten). Die Spezialitäten lauten wie folgt:

1. Papanaşi = Quark-Grieß-Bällchen (gekocht oder gebraten) mit saurer Sahne und Heidelbeermarmelade. Sündhaft süß und lecker!!

2. Mein Mann hat wie üblich die lokalen Biersorten verkostet und meldet: Am besten ist "Silva" (lat. Wald), den zweiten Platz macht "Ursus" (lat. Bär).

3. Da ich (medikationsbedingt) keinen Alkohol konsumieren soll, gehen meine Empfehlungen in Richtung "Ciuc Natur Radler Lemon 0,0 %" und "Ursus Cooler fără alcool", zwei alkoholfreie "Alster-/ Radler"-Plürrwässerchen, die bei 35°C und mehr aber wahre Wunder wirken.

Wir schlendern von Norden hinein bis zum Hanul lui Manuc und später nach Norden wieder hinaus. An Architektur gibt ´s alles von (Neo-) Barock über Pseudo-Osmanisch bis zum Plattenbau, zwischendrin Art-Déco (wie in Napier, Neuseeland... oder wie der endlos lange Appartement-Block, in dem unsere Ferienwohnung liegt). Die Fußgängerzone ist eine einzige (verwinkelte), quirlige, wuselige Fress- und Partymeile, für die das Wort "Hype" einfach die passende Überschrift ist - nachts wird ´s bestimmt richtig laut!
Einen „Hummer“ (teuerstes Auto der Welt, in Vietnam trafen wir ´s in einem Armeleuteviertel von Nha Trang an) sichten wir hier fast direkt neben den Bettlern im Touristenstrom.
In der Station "Universitate", der nächst-südlichen nach „unserer“ (Piaţa Romană), etwas unterirdische Metro-Kunst und gleich oberhalb davon eine Menge Beton: das "Intercontinental" - in den 1970ern das „beste Hotel“ am Platze?? Nebenan, vor dem Nationaltheater, befindet sich moderne Kunst...
… und ein rumänischer Walk of Fame...
... des Hl. Cristians Luchs' oder Fuchs' oder, weiß der Himmel, was für eines Getiers

Wir spazieren weiter zum „Italiener“ ("unseres Vertrauens" mittlerweile) und entdecken noch mehr Art Déco (hinter ´m Intercontinental), süße Osterhasen (von Bandwurm-Bens Speisekarte), (mehr) bröckelndes Fin de Siècle und einen der notorischen fehlenden rumänischen Kanaldeckel. Der vietnamesische Imbiss „in very easy walking distance“ zum Nottara-Theater (Speisekarte für den Hl. Cristian, wenn er abends ausgehungert aus der Vorstellung kommt??) darf in der fotografischen Dokumentation nicht fehlen, und mit noch ein paar abendlichen Bildern des Bulvardul General Gheorghe Magheru sowie unserer kleinen Luxus-Bleibe im Kopf versinken wir im Reich der Träume.

Da der vietnam. Imbiss sich renitent jeglicher Verlinkung wiedersetzt: Toàn's, 140 m südlich des Nottara Theaters, selbe Straßenseite

Elaine



Beiträge: 332

21.04.2019 17:22
#514 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Jack Skysegel am Ende der Reise

Wir möchten früh zum Flughafen fahren, um unliebsamen Überraschungen (Großstadtstau etc.) vorzubeugen, und bekommen dadurch noch einmal unerwartete Einblicke in die Tücken der Dreharbeiten in den frühen 1970er Jahren...
Frühes Frühstück ist die Sache der Rumänen gewiss nicht, das müssen wir immer wieder feststellen, ob nun in Constanţa, Mangalia oder in Bukarest am Abreisemorgen...
Mag sein, dass ein Café schon um 8 Uhr öffnet (das Café Paul tut dies' jedoch erst zu üblichen rumänischen Uhrzeiten, also um 9 Uhr) – dann ist es aber noch nicht unbedingt gut bestückt... oder die "Dienerschaft" (so die Übersetzung von "staff" in einem Hostel in Bergen, Norwegen ) muss erst selbst noch frühstücken.
"Schichtwechsel!", hieß es dann ggf. früher im real existierenden Sozialismus mehr oder weniger barsch, und die Küche blieb erst ´mal kalt (so erlebt 1989 auf einer serbischen oder kroatischen Raststätte in Ex-Jugoslawien).
Auch ist die küstennahe rumänische Küche durchaus türkisch beeinflusst, und auf Feta nebst schwarzen Oliven zum Frühstück kann auch nicht jeder...
Was haben die arbeitswütigen deutschen Filmemacher („der frühe Vogel fängt den Wurm!“ oder "time is money!") also in dieser verzweifelten Lage bloß gemacht???
Evtl. haben sie die Hunger-Jammer-Szenen auch früh morgens gedreht, wenn "Ben" lieber noch im Bett oder mindestens am Frühstückstisch oder am liebsten bei der Schnittmenge aus beidem gewesen wäre!

Wir landen bei MacD..., denn KFC trauen wir kein standesgemäßes Frühstück zu.
Überhaupt bezweifeln wir im höchsten Maße, dass „Jack Skysegel“ (ob das wohl der hobo-nickname von Onkel Jackie höchstselbst war?), wenngleich Amerikaner, KFC sehr goutiert hätte, denn da kann man, ohne harte Münze zu berappen, auch nichts an sich bringen. Die Hühner am Bahndamm sind da schon lukrativer für einen mittellosen Weltenbummler...

Zügig bringt uns der Shuttle-Bus zum Flughafen Otopeni, und mit preußischer Pünktlichkeit hebt die Lufthansa ab, um die Grenzen des Imperium Romanums - mit dem Schwarzen Meer (rumän. "Mare Neagră"), den Bären, die des Nachts aus dem Walde getappst kommen, um in Braşov die Mülleimer am Stadtrand durchzukruscheln (fällt mir grade so ein wegen „Ursus“ und „Silva“), und vieles andere mehr und weniger Sehenswerte - zu verlassen...
... aber es mag sein, dass wir ´mal zur Theatersaison wiederkommen.


CAPĂT – FINIS



... aber noch nicht „fin del mundo“...
P.S.: Zum Schluss noch zwei Beweisfotos --- nicht etwa von einem rumänischen Busbahnhof, sondern ---
... von einer winterlichen Andalusienreise: In Südspanien müssen sich Heerscharen rumänischer „Gastarbeitern“ aufhalten, die von dort aus hin und wieder die lange Fahrt über die stolze Distanz von rd. 3500 km in heimatliche Gefilde antreten (Sevilla, Busbahnhof an der Plaza de Armas).

Mariposa



Beiträge: 854

21.04.2019 18:47
#515 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Das ist ja eine unglaubliche Fleissarbeit, so wie der Thread in den letzten Wochen bestückt wurde. 1.000 Dank den Autoren !!! Dafür verdient Ihr eine Praemie. Was habe ich da entgegenzusetzen?!? Derzeit nicht viel. Wenn ich wieder am heimischen Computer bin, gibt es meinerseits eine Geschichte zum Thema UNGLAUBLICHER ZUFALL. So ganz kann ich aus eigener Erfahrung nicht abtun, was den Helden widerfahren ist. Auch wenn es unglaublich klingt.

Ein schönes Restosterfest wünsche ich ...

Den Busbahnhof Plaza de Armas werde ich von Dir grüssen liebe Elaine

MARIPOSA

loe



Beiträge: 78

22.04.2019 22:50
#516 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Wir anderen sind vielleicht Pappnasen (küchenrumän. papanasi), dass wir bei der "Fanreise" auf den Spuren von ZWEI JAHRE FERIEN nicht dabei waren!
Der Trost, der uns bleibt, ist:
Wenn es denn nur eine einzige Person von uns war, die das unternommen hat, dann ist Elaine die richtige Person!
Wann immer ich die Etappen von Elaines Reisebericht lese, bin ich nicht nur beeindruckt vom Reichtum ihrer Beobachtungen und Anspielungen, sondern sogar bewegt, auch weil es mir so vorkommt, als hätte ich mich auf dieser Reise mitbewegt. Dank der kunstvoll gewebten, dichten und zugleich lebendigen Texte glaube ich manchmal, ich hätte diese Welt wirklich erfahren. Und nun kommt aus Elaines Feder noch dieser Nachschlag: Bukarest!
Ich möchte mich sehr herzlich bei Elaine für die unvergesslichen inneren Erlebnisse und die Freude bedanken, die mir ihr Reisebericht geschenkt hat und fürderhin schenken wird.

Elaine



Beiträge: 332

26.04.2019 17:15
#517 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Danke, danke!! ... für die Blumen!

Wer noch nicht genug von Rumänien hat, für den gibt es noch einen Nachschlag vom Nachschlag von Bandwurm-Bens Speisekarte:
Am 05.05. um 18:25 Uhr bei arte: Zu Tisch: In Ostrumänien (also in der Dobrudscha).

Und über Nordpatagonien gibt ´s am 18.05. um 18:25 Uhr, auch bei arte, noch ´was: 360 Grad - Geo-Reportage: Minga - Umzug auf chilenisch
(Ist eine Wiederholung und beschäftigt sich mit dem Transport ganzer Holzhäuser, von wegen Wohnen in Höhlen und so )

loe



Beiträge: 78

30.04.2019 14:34
#518 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (Film)

Ist das Zusammentreffen von

Phantom
SLOUGHI-Jungen
sowie Forbes, Pike, Walston & Co.

auf derselben Insel allzu unwahrscheinlich, um glaubhaft zu sein?
Im Beiheft zur deutschen DVD steht geschrieben, der Zufall sei "arg strapaziert", weil Forbes & Pike "ausgerechnet" auf die Insel stossen, auf der die Jungen sind.
Wir fragen: Stimmt das denn mit dem "arg strapazierten Zufall"?


Gewiss kann jeder von uns über aussergewöhnliche Zufälle berichten. Anfang der 90er Jahre begegnete ich per Zufall einem nicht nahen Kollegen mitten auf der äolischen Insel Vulcano! Er war von der grossen Insel Sizilien hergekommen. Ich war von der kleinen Insel Lipari hergekommen. Jeder von uns war nur für wenige Stunden auf Vulcano, wo man sich nicht unbedingt über den Weg läuft! Jeder von uns fand den Zufall lustig, aber keiner fand ihn "arg strapaziert".
Anfang der 80er Jahre begegnete ich (auf dem Fahrrad) per Zufall einem meiner (allerbesten) Lehrer an einem der deutsch-holländischen Grenzübergänge, als er mit seiner schweren Norton mit sechs Auspuffen gerade von den Zöllnern festgehalten wurde. Jeder von uns fand den Zufall irre, aber keiner fand ihn "arg strapaziert".
Auch Mariposa hat schon einen Beitrag über unglaubliche Zufälle angekündigt!

Im grossen Forum-Duett von Elaine und Mariposa über eine Zeitspanne von mehr als zehn Jahren kam unter so vielen interessanten Themen eben die reizvolle Frage auf, ob diese Situation auf der Insel denn glaubwürdig ist. Um den Grad der Glaubwürdigkeit zu bestimmen, brauchen wir die Wahrscheinlichkeit.

Stehengeblieben waren wir bei den drei Teil-Wahrscheinlichkeiten:

(1)
Die "Phantom-Wahrscheinlichkeit", also dass ein Schatzsucher in der Zeit um 1890 auf die Insel C gelangt und als Schiffbrüchiger dort so lange überlebt (3-5 Jahre), dass er die Ankunft derer in (2) und (3) noch erleben kann. Nennen wir dies deutsch und abgekürzt: w(P).

(2)
Die "Jungs-von-der-SLOUGHI-Wahrscheinlichkeit", also dass ein Segelschiff, besetzt von Nicht-Seeleuten, in der Zeit um 1890 im Sturm von Neuseeland auf die Insel C geworfen wird und die Besatzung so lange überlebt (2 Jahre), dass sie die Ankunft derer in (3) noch erleben kann: w(J).

(3)
Die "Walston-Wahrscheinlichkeit", also dass nautisch fähige, seefahrende Schatzsucher in der Zeit um 1890 eine ihnen kartografisch bekannte Insel C erreichen: w(W). Wir haben sie bereits geschätzt auf 0,9 (90 Prozent).

Wir beschränken uns jetzt auf (2) und (3), wollen also das Phantom (1) weglassen; erstens aus Gründen der Vereinfachung, und zweitens, um eben die Behauptung im DVD-Beiheft über den "arg strapazierten Zufall" prüfen zu können, denn dort spricht man ja nur von (2) und (3).

Blicken wir auf unsere Schulzeit zurück oder auf unsere nostalgischen TV-Erinnerungen an das Schulfernsehen (SWF, SDR, SR) bzw. Telekolleg (BR),
so liegt der Gedanke nahe, wir müssten unsere zwei Teil-Wahrscheinlichkeiten einfach miteinander multiplizieren. Denn wir suchen ja die Wahrscheinlichkeit w(J & W), also dass beide Ereignisse zugleich auftreten und dabei voneinander unabhängig sind, demnach:

w(J & W) = w(J) * 0,9

Es ist sehr schwer, für w(J) eine Schätzung zugrunde zu legen, der nicht eine gewisse Willkürlichkeit anhaftet.

Eine Idee für die klassische Vorstellung von Wahrscheinlichkeit (relative Häufigkeit) wäre vielleicht Folgendes:
Man könnte vom Schiff der Jungen in Neuseeland aus ein "Westwind-Spektrum" auf die Westküste Südamerikas werfen, sagen wir: von Concepción im Norden bis zur Isla Wellington im Süden: das macht 1'400 km. Und dann dividiert man (direkt) die Schiffslänge (40 m) durch das Westwind-Spektrum in Metern (oder indirekt: die 1 (= günstig) dividiert durch das Resultat (= mögliche) der umgekehrten Division). Aber in dieser Überlegung aus dem knirschenden Schaukelstuhl stecken mehrere Holzwürmer. Einer ist gewiss der, dass die Meeresströmungen bestimmte dieser 35'000 möglichen Strandungsorte vor anderen auszeichnen, begünstigen.

Wie hoch wollen wir nun diese "Jungs-von-der-SLOUGHI-Wahrscheinlichkeit" schätzen? 1:200? Das ist 0,005, also 0,5 Prozent. Das ist sicherlich zu hoch. Nehmen wir viermal weniger: 1:800, das ist 0,00125 (0,125 Prozent). Eine Verringerung dieses Wertes aufgrund der verminderten Lebenserwartung brauchen wir nicht vorzunehmen, da ja von neun Jugendlichen gewiss noch jemand nach ein paar Jahren am Leben ist. Demzufolge wäre die Wahrscheinlichkeit, dass die Jungen sowie Forbes, Pike, Walston & Konsorten sich auf der Insel treffen:

0,00125 * 0,9 = 0,001125

Was können wir uns unter diesem Wert von rund 0,12 Prozent vorstellen? Das entspricht etwa der Chance, im Lotto (6 aus 45) vier Richtige zu haben (0,14 Prozent). Wer wie ich viele Tanten und Onkel hat oder hatte, die oft Lotto spielten, der weiss, dass dies pro Tante oder pro Onkel sogar häufiger vorkam, als ihnen selbst lieb war. Behalten wir als Ergebnis diesen "Lotto-Vierer" im Hinterkopf, so sind wir wohl gar nicht mehr so sicher, dass es stimmt, was da im DVD-Beiheft über den "arg strapazierten Zufall" geschrieben steht.

Aber halt, Wir haben etwas sehr Wichtiges vergessen, was die Wahrscheinlichkeit von 0,12 Prozent sogar deutlich erhöhen dürfte. Wir wissen:
Forbes & Pike besitzen eine alte Karte mit einer Schatzinsel auf dem 42. Breitengrad. Später erfahren sie die genaue Lage dieser bekannten, unbewohnten Insel an der Westküste Südamerikas. Sie reisen nach Chile. Dort lassen sie sich von einem Salpetersegler mitnehmen und in der Nähe der Insel im eigenen Boot aussetzen. Es ist dies jedoch schon der elfte Versuch! Haben wir dies vor Augen, so ist diese Formulierung im DVD-Beiheft doch sehr fragwürdig. Dort wird kritisch angemerkt, Drehbuchautor Claude Desailly habe "den Zufall als Handlung bestimmendes Moment arg strapaziert", weil Forbes & Pike bei ihrer Suche nach dem Schatz "ausgerechnet" auf "diese Insel" "stossen", auf der die Jungen schon sind.[1]
Es ist ja nicht so, dass Forbes & Pike von Neuseeland aus ein Schiff genommen haben und dann rein zufällig auf diese Insel stossen. Nein, sie betreten im Zuge einer Erkundung, die von Chile aus mit Karte schon viele Monate dauert, jetzt bereits die elfte Insel. Je mehr Inseln sie aber im Chonos Archipel erkunden, desto wahrscheinlicher wird die Begegnung! Dass Forbes & Pike jedoch auf diese Insel kommen, ist der gezielte Versuch, eine Insel zu erreichen, deren Lage und Form ihnen bekannt ist. Wir schätzten, die Wahrscheinlichkeit hierfür lag 1890 bei 90 Prozent.
Was wir oben beim Wert von 0,12 Prozent vergessen haben, ist (a) die Erkundungsdauer, also die Hartnäckigkeit von Forbes & Pike, Insel um Insel anzulaufen. Vergessen haben wir auch (b) den beständigen Aufenthalt der Jungen auf just jener Insel, für die Forbes & Pike die Karte haben! Und damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit des Treffens beachtlich, je mehr Inseln Forbes & Pike nun betreten und je länger die Jungen sich auf dieser bestimmten Insel aufhalten. Wir können uns vorstellen, die Jungen machen "Acht Jahre Ferien" und Forbes & Pike steuern die 48. Insel an!
Trotzdem: Bleiben wir beim bescheidenen Lotto-Vierer. Zu diesem Ergebnis möchte ich zu bedenken geben:
Wir haben keine Daten über die (beobachteten) Häufigkeiten von verschieden möglichen Ergebnissen, um mit der Schulmethode (der relativen Häufigkeit) wirklich auf einen grünen Kaktusarm zu kommen. Unsere Schätzung für w(J) ist daher mit grosser Vorsicht zu betrachten. Zugegeben sei auch, dass die von mir benutzten Kenntnisse über Wahrscheinlichkeit denen eines 9- bis 13-jährigen Kindes entsprechen. Darum hätte ich die ganze Sache eigentlich aufgeben müssen, da meine Kompetenz zur Beurteilung der Sachlage nicht ausreicht. Trotzdem sei dieser erste Versuch hier gewagt und bewusst der Kritik ausgesetzt, auch wenn ich mich dabei bis aufs Gerippe blamiere. So haben wir wenigstens eine erste ungefähre Vorstellung gewonnen.

Viele von uns sind geneigt, das Zusammentreffen auf der Insel als einen "arg strapazierten Zufall" zu empfinden. Sie alle, einschliesslich derer, die DVD-Beihefte oder Kritiken schreiben, könnten sich arg täuschen.

Zum Schluss können wir mit Gewissheit die arg schiefe Formulierung im DVD-Beiheft berichtigen:

Anders als dort behauptet, ist es überhaupt kein strapazierter Zufall, dass Forbes, Pike & Walston mit ihrer Karte auf die Insel kommen, wenn schon vorliegt, dass die Jungen dort sind. Ganz im Gegenteil: Denn unter dieser Voraussetzung ist das Kommen geradezu gewiss, nämlich 90 Prozent!
Es ist ein Zufall (wir schätzten: 0,125 Prozent), dass die Jungen auf eine Insel geraten, von der Forbes & Pike schon eine Karte vorliegen hatten (weshalb sie die Insel später mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent erreichen). Hier, in dieser Umkehrung, liegt der Witz. (Und darum müsste man wohl eine dritte Grösse einführen, nämlich über die Häufigkeit und Verteilung von Schatzkarten.)

[1] Heinz F. Schöller: "Zwei Jahre Ferien" als Vierteiler. Eine Analyse der Umsetzung des Romans. Im Beiheft zur DVD "Zwei Jahre Ferien", letzte Seite, die drei letzten Sätze.

loe



Beiträge: 78

30.04.2019 19:11
#519 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Habe gerade nach dem Ausschlafen festgestellt, dass ich Dummkopf in der Mitte des Textes etwas Falsches und Überflüssiges geschrieben habe (30. April 2019: Zusammentreffen von Phantom, SLOUGHI-Jungen sowie Forbes, Pike, Walston & Co.).

Darum muss ich hier unbedingt zugeben (*):

Es ist falsch, dass wir bei der errechneten Wahrscheinlichkeit von 0,12 Prozent für das Zusammentreffen etwas vergessen haben, was diese erhöhen würde. Nichts dergleichen.
Die (a) Erkundungsdauer von Forbes, Pike, Walston & Co. sowie der (b) beständige Aufenthalt der Jungen auf der Insel sind natürlich schon in den abgeschätzten Werten der beiden Teilwahrscheinlichkeiten enthalten.

Zum Glück habe ich danach geschrieben:
"Trotzdem: Bleiben wir beim bescheidenen Lotto-Vierer", also beim Resultat von 0,12 Prozent.

So ist es: Es ändert sich also nichts an dem errechneten Wert.

(*) Zugeben verb. tr.
Gestehen. Die Fehler eines anderen zuzugeben, ist die vornehmste Pflicht, die uns unsere Wahrheitsliebe auferlegt.

(Ambrose Bierce: Aus dem Wörterbuch des Teufels (1911), Frankfurt a.M. 1966.)

Mariposa



Beiträge: 854

01.05.2019 08:45
#520 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Danke für Deine Fernsehtipps liebe Elaine. Wir bleiben noch ein wenig bei frz. Sendern.

Ausgerechnet während POLY Recherchen in Portugal bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass unsere Lieblings-Maud Brewster seinerzeit doch kein Opfer von Wind und Wogen geworden ist. Abgetaucht bleibt sie trotzdem. Ich habe eigentlich nie wieder etwas von ihr gehört und was ich in Erfahrung bringen konnte liegt schon lange zurück in den Siebziger Jahren.

Zwischen der ersten weiblichen Lichtgestalt meiner Kindheit "POLY-Mädchen" Corinne Armand und einer weiteren meiner Jugend, eben Maud Brester (Beatrice Cardon) gibt es nämlich eine Gemeinsamkeit. Sie haben bei in einem frz. Telefilm namens Tête d'horloge mitgewirkt, einer Adaption an einen philosophischen Roman der in unserem Nachbarland durch ORTF am 11. April 1970 erstausgestrahlt wurde.

Ich kenne den Film nicht, aber lt. frz. Programmzeitschrift geht es darum, dass der Menschheit von jetzt auf gleich zeitgleich im Jahre 1969 die Zeit abhanden kommt. Alle Uhren bleiben im gleichen Moment stehen und die Menschen irren zeitlos umher. Alle Uhren bis auf eine, die Taschenuhr der Titelfigur "Tête d'horloge" (Uhrenkopf).

Ein bisschen sind diese Recherchen auch immer ein wenig ein Ausflug in die Anfangszeiten des Fernsehens. Da wir damals kein französisches Fernsehen gucken konnten haben wir uns auch nicht fürs französische Programm interessiert. Rübergeschwappt nach Deutschland ist dieser Film wohl nie.

Die Dreharbeiten fanden nach POLY IN PORTUGAL und vor DER SEEWOLF statt. POLY war anfangs eine rein französische Serie und DER SEEWOLF entstand unter französischer Beteiligung. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass beide Darstellerin auch einmal zusammen gespielt haben. Wer überhaupt früher oder später mit wem zusammengespielt hat ist ein "Never-Ending-Puzzle" und wird uns noch eine Weile beschäftigen.

Bleiben wir also am "Romanvorlagen und Drehorte für Vierteiler-Ball".

Hoffe immer noch auf einen Zufallstreffer i.S. Gordon (Dominique Planchot).

Irgendwie, irgendwo und irgendwann könnte das passieren.

Jedenfalls war Beatrice Cardon eine wirklich bildschöne Frau und sie ist es wohl immer noch. Wünschte zu wissen, was sie heutzutage macht. Corinne Armand hat in "Tête d'horloge"nicht mehr ganz so ritzerote Haare wie bei POLY und sie wirkt ein wenig erwachsener. Auch hier wünschte ich zu wissen, was sie heutzutage macht.

Zu diesen weiblichen Lichtgestalten meiner Kindheit und Jugend gesellte sich später noch eine weitere, als ich DIE DORNENVÖGEL gesehen habe. Meghan-Darstellerin Rachel Ward. Von ihr hört man wenigstens ab und an etwas.

Nein, Loe-Leo, dieses war noch nicht der avisierte Beitrag über einen Riesenzufall in meinem Leben sondern eine Nebenerkenntnis auf den Spuren von POLY. Hatte diesen Beitrag schon "unterwegs" gepostet ohne zu merken, dass ich offline war und nicht gespeichert hatte. So hat es ein wenig länger gedauert.

Ich wünsche allen Forum-Kollegen und Lesern einen schönen 1. Mai.

A la prochaine
MARIPOSA

loe



Beiträge: 78

01.05.2019 18:57
#521 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Mariposa, meintest Du mit "frz. Programmzeitschrift" diese Seite hier:



h ttp://php88.free.fr/bdff/image_film.php?ID=5288



und das dortige schöne Bild von ihr?

Zwei Jahre zuvor hatte sie eine kleine Rolle im Film "Gorri le diable" (1968).

Auf der folgenden Seite gibt es von diesem Film zwei Bilder von ihr, die sich wie zuvor ebenfalls durch Klicken vergrössern lassen:



h ttp://php88.free.fr/bdff/image_film.php?ID=9237



Die Liste an Menschen mit aussergewöhnlichen Gesichtern, die sich wie Beatrice Cardon schon nach wenigen Filmen (mit guten Gründen) vom Filmgeschäft zurückgezogen haben, ist ein Kapitel für sich.

Es lebe und gedeihe die verschwundene, unauffindbare "seligmachende 'Spanische Artischocke'" (Cardon = Cynara cardunculus).

Mariposa



Beiträge: 854

01.05.2019 20:42
#522 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Genau die meinte ich, lieber Loe-Leo. Ich bin darauf gestoßen, weil ich (meistens vergeblich) über den Verbleib der POLY-Darsteller nachgeforscht habe. Einer, der mir vielleicht hätte weiterhelfen können, ist letzten August gestorben. Und siehe da, auf der Suche nach Corinne Armand fiel mir auf einmal ein Bild von Beatrice Cardon ins Auge. "Zwei Fliegen mit einer Klappe".

Danke auch für den anderen Link. Den kannte ich noch nicht. Weiter so ...

Bin für jeden Hinweis und wenn er noch so klein ist und noch solange zurück liegt dankbar. Betrifft auch Corinne Armand.

Mit den POLY Drehorten in Portugal das war recht ergiebig. Die Menschen sind trotz Verständigungsproblemen sehr hilfsbereit und haben ihr bisschen Französisch mirzuliebe zusammen gekratzt. Ausserdem habe ich einen Riecher, was passt und was nicht. Im Fischerei- und Trachtenmuseum sowie im Kulturhaus war ich auf der Suche nach Spuren. Statt romantischer Windmühlen heute halt unromantische Windparks. Ansonsten bin ich mit dem Thema noch lange nicht fertig. Leider sterben die Zeitzeugen weg.

Ober-Phantom "Marc" hat ja gesagt, die Situation für Schauspieler in Frankreich in den Siebzigern sei sehr unbefriedigend gewesen. Und hat sich daraufhin in anderen Künsten versucht. Sein Bruder hingegen lebt und stirbt für die Seefahrt.

LG MARIPOSA

loe



Beiträge: 78

02.05.2019 13:38
#523 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Wohl viele von uns haben diese Schauspielerinnen und Schauspieler, die sich tief in uns eingeprägt oder sogar in unser Herz gespielt haben.

Unter den Schauspielerinnen der letzten hundert Jahre mit Gesichtern, die mich bezauberten und faszinierten, fallen mir nur gerade Katharine Hepburn und Anneliese Uhlig ein, gerade im mittleren bis höheren Alter.
Unter den Schauspielern der letzten hundert Jahre sind es Edward G. Robinson, Lino Ventura, Sydney Greenstreet und Jean Gabin.

Die Gesellschaft der 90-jährigen Hepburn oder der 100-jährigen Uhlig, so sie noch lebten, würde ich jeder anderen Schauspielerin vorziehen.

Katharine Hepburn hat einmal in einem Interview gesagt, man solle bitte die Schauspielkunst nicht zu hoch hängen, denn das könne doch jedes Kind.
Glaube, damit hatte sie mehr recht, als uns lieb sein mag.
Der schlechteste Schauspieler aller Zeiten ist der, der den Phann in ZWEI JAHRE FERIEN gespielt hat.
Wenn es jemanden gibt, der durch seine Unruhe und sein ständiges Hecheln sein Lampenfieber verrät und die Filmillusion ruiniert, dann er.

Werde meine Ohren und Augen offenhalten für Hinweise auf Deine Corinne Armand und Beatrice Cardon, liebe Mariposa.

Vielleicht haben sie sich von der Oberflächlichkeit des Films abgestossen gefühlt und sich einem wahrhaftigen Leben zugewandt oder (wie Marc di Napoli, Ellen Schwiers, Helmut Föhrnbacher u.a.) einer erfüllenderen Kunst gewidmet. Möglicherweise wollen sie heute gar nicht gefunden werden und wollen auch gar nicht mehr mit den früheren Filmen in Verbindung gebracht werden, so sehr wir sie auch suchen und in unseren Herzen tragen.

Aber wahrscheinlich wäre die heutige Corinne Armand tief bewegt, wenn sie erführe, wie sehr Du nach den Drehorten und den Darstellern von POLY nachgeforscht hast.

loe



Beiträge: 78

02.05.2019 13:52
#524 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (Film)

Am 16. April (Teil 2) konnten wir zeigen:

Die Filmidee vom Phantom und dem Gerippe in der Höhle, also von zwei erwachsenen schiffbrüchigen Schatzsuchern, die zuvor in Freundschaft (*) verbunden gewesen waren, fusst nicht auf einem Roman oder einer sonst freien Eingebung. Claude Desailly, der Drehbuchautor von ZWEI JAHRE FERIEN, hatte diese Idee von zwei Schatzsuchern, von denen einer den anderen ermordet hatte, von einer wahren Geschichte. Es war die Geschichte von John Keating und Boag: Keating, der den Schatzplan hatte (von Thompson, dem Kapitän der MARY DEAR), und Boag, der die Expedition zur Schatzinsel finanzierte. Keating und Boag hatten den sagenhaften Lima-Schatz zusammen auf der Kokos-Insel entdeckt und blieben unter dramatischen Umständen zu zweit auf der Insel zurück, und auch ohne Schiff. Keating überlebte und wurde des Mordes an Boag angeklagt, aber aus Mangel an Beweisen freigelassen.

(*) Freundschaft subst. fem.
Ein Schiff, gross genug, um bei gutem Wetter zwei zu tragen, aber nur einen bei schlechtem.
(Ambrose Bierce: Aus dem Wörterbuch des Teufels (1911). Frankfurt a.M. 1966.)


Ralph D. Payne, ein grosser amerikanischer Marinehistoriker anfangs des 20. Jahrhunderts, vertrat die Ansicht, dass der Lima-Schatz in einer Grotte lag. Natürlich nicht so wie in unserem Film, also fürs Auge ausgestellt, sondern getarnt bzw. im Geröll vergraben.[1] Laut Payne hatte Keating seinen Freund und Teilhaber in dieser Grotte ermordet. Er begründete dies mit der Tatsache, dass Keating sich bei einem späteren Besuch auf der Insel geweigert habe, in die grosse Halle der Grotte einzutreten, wo der Schatz lag, da er sich vor dem Geist von Boag gefürchtet habe. Keating sei immer überzeugt gewesen, dass man das Gerippe von Boag an dem Tag, an dem der ganze Lima-Schatz ans Licht komme, neben den grossen kostbaren Truhen finden werde.

Wir haben beim letzten Mal schon erwähnt, dass der belgische Schiffsmechaniker Petrus Bergmans im Oktober 1929 in einer Höhle der Kokos-Insel ein Gerippe gefunden haben will.

Heute geht es bloss um die Frage:

Gibt es Beweise dafür, dass Keating und Boag den Schatz wirklich gefunden haben, also so wie das Phantom und Jim, das Höhlen-Gerippe, ihn im Film gefunden haben?

Belegt ist, dass Keating mit dem Schoner RED GAUNTLET nochmals zur Insel gefahren und mit mehreren tausend Goldpfund zurückgekehrt ist.[2] Belegt ist auch, was der Journalist Julius Weston recherchiert hat, nämlich dass John Keating in St. John's in Neufundland ein bedeutendes und florierendes Fischerei-Unternehmen gegründet und das Geld grosszügig ausgegeben hat.[3] Die zweite Frau von Keating, Louise Brennan, ist nach dessen Tod noch im Alter von 65 Jahren zur Kokos-Insel gefahren. In ihr Erbe fielen auch der alte Schatzplan von Thompson und der neue Schatzplan ihres Mannes; sie wird gute Gründe gehabt haben, von Kanada aus nochmals zur Kokos-Insel gekommen zu sein![4] All dies sind starke Beweise dafür, dass Keating und Boag den Schatz gefunden haben und Keating später solche tragbaren Dinge des Schatzes mitgenommen hat wie eben Goldmünzen.

Das nächste Mal geht es um die Frage:
Welches dramatische Ereignis der 1960er Jahre und welches Buch der 1960er Jahre werden dem Drehbuchautor von ZWEI JAHRE FERIEN, Claude Desailly, diese wahre Geschichte von den zwei allein verbliebenen Schatzsuchern, dem überlebenden Phantom und dem Gerippe, geschenkt haben?

Diese Frage zielt noch genauer auf die Entstehungsgeschichte des Drehbuchs von ZWEI JAHRE FERIEN.

Quellenangabe:

[1] Dieser ganze Absatz nach Robert Vergnes: La dernière île au trésor (1978), Paris 2014, S. 155.
[2] Vergnes 1978, S. 75. Nicolas Serrano: Piratenschätzen auf der Spur. Indizien, Fakten und Legenden. Stuttgart 2000, S. 95.
[3] Vergnes 1978, S. 75.
[4] Vergnes 1978, S.75, S. 124 f.

Mariposa



Beiträge: 854

04.05.2019 14:51
#525 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Dass ist nett, wenn Du wegen den beiden Damen mit aufpasst lieber Loe-Leo. Dann bin ich ja beruhigt. Vier Augen sehen mehr als zwei. Dein Französisch ist garantiert besser als meines, trotz Grenznähe und etlicher Frankreich-Aufenthalte. Übrigens steht demnächst wieder meine französische Lieblings-Jugendherberge an, dass Schloss hoch über Marseille. Ein Traumziel !!!

Edward G. Robinson hatte in einer früheren Seewolf-Verfilmung die Titelfigur gespielt. Kann dem Vierteiler aber nicht das Wasser reichen. Dafür spielte er als unnachgiebiger Rancher in einem meiner Lieblings-Western mit: JEREMY RODACK - MEIN WILLE IST GESETZ. Ich stand aber mehr auf sein Pferd, einen hübschen Goldfuchs, weniger auf den Rancher selbst .

Meinst Du, es war ein einziger Phann oder es gab mehrere Phanns, die durch Unruhe und ständiges Hecheln ihr Lampenfieber verraten habe. Vielleicht war der "Heilige Service" auch nicht der richtige Hundeflüster oder gar Rudelführer, sondern konnte mit den Vierbeinern nix anfangen. Ich meine mal, es kamen mehrere Phanns zum Einsatz oder Phann war dauernd beim Hundefriseur. Für so einen Luxus hatten die Rumänen sicher nix übrig.

Ein besonders liebes Exemplar eines aus Rumänien eingeführten Senfhundes hat mir bei einer 1.-Mai-Wanderung Gesellschaft geleistet. Hatte sogar einen spanischen Namen: Allegra (Freude). Sie war eigentlich immer gut gelaunt und frohgemut, obwohl unsere Sangeseinlagen zu vorgerückter Stunde sie sicher zur Verzweiflung gebracht haben.

Das letzte Lebenszeichen von Corinne Armand gab es, als sie sich ins "Livre d'Or" ihres früheren Schauspielkollegen Stephane di Napoli eingetragen hat. Auch der Darsteller des kleinen Richard ist dort zu finden.

Ich fände es schön Loe-Leo, wenn Du Dich dazu entschließen könntest, einen Avatar für Deine Forum Beiträge zu wählen, damit der immer eingeblendet wird, wenn Du schreibst. Sonst bist Du für uns auch nach wie vor, so eine Art Phantom und derer haben wir ja schon mehrere.

Kannst ja ein Bildchen vom Deux-ans-de-vacances-Phantom nehmen .

Interessant vor allem, was Du wählen wirst.

Genug geplaudert an diesem trüben,kalten Wochenende
MARIPOSA

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