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Dieses Thema hat 574 Antworten
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 Adventsvierteiler und Weihnachtsserien - Vom Seewolf zu Anna
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loe



Beiträge: 78

07.06.2019 19:08
#541 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Der Film war für mich eine Entdeckung. Hat mir ausserordentlich gut gefallen.
Er packt einen durch seine stetig wachsende untergründige Spannung (im Gerippe und noch tiefer), während seltsamerweise das dargebotene Geschehen auf schöne Weise unaufgeregt bleibt und gerade dadurch unsere Aufmerksamkeit zu feinen Entdeckungen einlädt. Dieses verführerische Missverhältnis zeugt von bestialischer Klasse. Darum hatte die "Bestie der Müdigkeit" in mir auch nicht den Anflug einer Spur vom Fingerhut des Hauchs einer Chance. Das Ende des Films ist erwartbar, aber in seiner strengen Notwendigkeit erwünscht und bestechend.

Köstlich ist einer dieser winzigen Piekser, den der Film am Beispiel der Frau des Opfers austeilt:
Zuerst verbreitet die Frau im Salongespräch das auch heute noch überall gepflegte Wiedergekäue hohler Befindlichkeitsphrasen über bejahte, angeblich progressive Kunstmoden, wodurch die Einfalt selbst sich über die Einfalt der Spiesser erheben möchte. Dann aber liest ihr Mann ihre eigenen dichterischen Versuche vor, die nun von einem derart hohlen und ordinären Kitsch zeugen, dass ihn ausgerechnet jene belachen (Ehemann, Schwiegermutter), über welche die Verfasserin sich zu erheben erhoffte. Dazu passt, dass diese "feingeistige" Frau sich ja schon vor vielen Jahren an einen groben und ordinären, ja vulgären Mann weggeworfen hat.

Ein unwichtiges Detail, das mich nicht ganz überzeugt, liegt in Charles Abschiedsbrief. Darin bittet er Helène, sie solle dem Kommissar nun "erklären, dass es so nicht stimmt", wie es jetzt aussieht, nämlich dass Philippe, der Sohn des Ermordeten, als Schuldiger dasteht.
Das ist zu schwach. Hätte Charles sichergehen wollen, dass er Philippe rettet, hätte er ein klares, ausdrückliches Geständnis zu dem Brief an Helène hinzulegen müssen!
Wenn ich den Film richtig verstanden habe, ist es trotz bestimmter Hinweise eigentlich egal, ob Charles oder Philippe den Mord begangen hat. Wichtig ist bloss, dass ihn hier jemand für einen anderen auf sich nimmt und warum er das tut. Anscheinend bevorzugt der Film als Lösung einen von zwei möglichen Fällen:
Philippe glaubt, Charles habe die Tat aus Zuneigung für ihn begangen. Aus Dank und Zuneigung opfert sich nun Philippe für Charles auf dem Kommissariat mit einem falschen Geständnis. In seinem Abschiedsbrief will Charles nun Philippes Opfer wieder zurückgeben und somit aus Zuneigung das Kind jenes Mannes retten, der ihm sein eigenes Kind genommen hat. (Der zweite, weniger offenkundige Fall mit Philippe als Mörder hätte auch seine Reize und Raffinessen, vielleicht sogar mehr!)

Die Beziehung zwischen Charles und Philippe hätte noch etwas mehr Raum einnehmen können. Überhaupt hätte der Film noch mindestens eine halbe Stunde länger dauern sollen. So hätte auch Marc di Napoli mehr von seinem Potential ausspielen können.

Obwohl Marc di Napoli bloss ein Jahr zuvor im Vierteiler "Tom Sawyer und Huckleberry Finn" spielte, habe ich ihn erst gar nicht erkannt.

Auf der Halbinsel Crozon war ich mal eine Woche. Darum kenne ich Camaret-sur-Mer, vor allem aber das Cap de la Chèvre, wo das Wichtigste gedreht wurde, von Wanderungen her sehr gut, gerade auch diese schmalen Wege, die auf gefährlich steil ins Meer abfallenden Hängen liegen.

Gruselig war der Film tatsächlich nicht. Das hatte er, zur Referenzklasse gehörend, auch nicht nötig.
Angesichts dieser Referenz packt mich das unverkleidete Grausen nur beim kurzen Anblick heutiger Filmideen!

"O wortloser Ekel! – O Grauen über alles Mass!"
(E. A. Poe)

loe



Beiträge: 78

10.06.2019 22:51
#542 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

loe



Beiträge: 78

10.06.2019 23:08
#543 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (Film)

Heute nun der Nachtrag zu der prominenten Behauptung, es gebe nicht bloss den Schatzplan von Kapitän Thompson, sondern einen zweiten Plan, nämlich den von Forbes, dem Ersten Offizier! Mehr noch: Forbes sei später ein berühmter Mann in Kalifornien geworden und erst 1881 gestorben!

Zur Auffrischung unseres Gedächtnisses:

Wir hatten gesehen:

02.05.2019: #524
16.04.2019: #510
13.04.2019: #508

Die Filmidee vom Phantom und dem Gerippe in der Höhle auf der Insel, also von zwei schiffbrüchigen Schatzsuchern, fusst nicht auf Fiktion, sondern auf Historie.
Claude Desailly, der Drehbuchautor von ZWEI JAHRE FERIEN, hatte diese Idee von zwei Schatzsuchern, von denen einer den anderen ermordet hatte, von der wahren Geschichte um John Keating und Boag.

Keating hatte den Schatzplan von Thompson, dem Kapitän der MARY DEAR. Forbes, der Erste Offizier (First Mate) dieses Schiffes, war es, der die Meuterei und den Mord an den Spaniern an Deck angezettelt hatte, um den Lima-Schatz zu rauben. Als einzige von der MARY DEAR überlebten Kapitän Thompson und sein Erster Offizier Forbes auf der Kokos-Insel, wo sie den Spaniern entkommen waren. Nach der gemeinsamen Rückkehr von der Kokos-Insel 1822 stirbt Forbes in Puntarenas, der Hauptstadt Costa Ricas, an Gelbfieber.

Rund 25 Jahre später gibt der sterbende Kapitän Thompson seine Schatzkarte John Keating. Keating findet in Boag jenen Mann, der die Expedition zur Schatzinsel finanziert. Und dank Thompsons Karte entdecken dann Keating und Boag auf der Kokos-Insel den sagenhaften Lima-Schatz. Sie bleiben unter dramatischen Umständen zu zweit und ohne Schiff auf der Insel zurück. Keating überlebt und wird des Mordes an seinem Freund Boag angeklagt, aber aus Mangel an Beweisen freigelassen.

Jetzt kommt es aber ganz dicke!

Elaine hatte schon am 29.12.2017 darauf hingewiesen:
In der ZDF-Sendung Terra-X vom 17.12.2017 ist von zwei Forbes die Rede gewesen. Ja, es gibt diese Geschichte und sie ist alt. Terra-X hat sie nur übernommen. Wir wissen nicht genau, was Terra-X ausser der blossen Erwähnung noch mit ihr gemacht hat, da es keinen Zugriff mehr auf das extra Info-Material zur Sendung gibt. Viel wichtiger ist: Was bedeutet diese Geschichte in der Sache?

In ihr wird behauptet:

(1)
Es gebe noch einen zweiten Schatzplan, nämlich den von Forbes, dem Ersten Offizier der MARY DEAR, dem Kopf der Meuterei und des Mordes um den Lima-Schatz.

(2)
Dieser unser Forbes des Lima-Schatzes sei identisch mit James Alexander Forbes, dem ersten britischen Konsul des US-Bundesstaates Kalifornien! Und dieser Forbes hat eine grosse Familie geschaffen. Er war ein bedeutender Grundbesitzer, Grossaktionär und Schatzmeister der New Almaden Minen. Er liess 1854 eine hochmoderne Getreidemühle (Forbes Mill) für 200'000 Dollar bauen (die Kaufkraft von heutigen 6 Millionen und 157'783 Dollar).
Sein Erfolg hatte jedoch einen dunklen Punkt nicht ganz ausgelöscht, der seine Zeitgenossen immer faszinierte: Wo lag die Quelle seines Vermögens?
Die Schatzkarte und die Dokumente, die Forbes († 1881) für seinen ältesten Sohn hinterlassen hat, könnten das erklären. Die Karte war die der Chatham Bucht! Die Dokumente erklären im Detail die Überführung des Lima-Schatzes auf die Kokos-Insel und sein genaues Versteck. Kein Wort über die Herkunft dieser Papiere.
(Das unter (2) ist eine Paraphrasierung nach Robert Vergnes: La dernière Île au trésor (1978), Paris 2014, S. 229 f.)

Das ist die fast unglaubliche Geschichte im Kern. Sie führt über wenige Stationen sogar bis zum heutigen Tag! Die Karte wurde nämlich in der Forbes-Familie weitergereicht von:

James Alexander Forbes I
Charles H. Forbes
James Alexander Forbes III
James Alexander Forbes IV
William B. Forbes

Im Juli 2004 hat William B. Forbes seine Familiengeschichte mit Marc Saulnier geteilt, dem Chef der US-Firma Adventure Quest. Marc Saulnier ist ein Projektmanager, der sich spezialisiert hat auf die Vermarktung von Abenteuern und Abenteuergeschichten. Die Kopie oder das Original von Forbes' Schatzplan ist bei Saulnier und seiner Firma.

ZITAT:
Adventure Quest ist ein Unternehmen, das über 30 Jahre Erfahrung mit historischen Erkundungen, Seefahrt und weltweiter Archäologie, historischen Dokumentationen, Finanzierung und Verwaltung von Projekten im Zusammenhang mit der Schatzsuche verfügt.
Die Expertise des Unternehmens besteht darin, erstklassige Erkundungsmöglichkeiten für archäologische Entdeckungen und finanzielle Gewinne zu bewerten und auszuwählen. Als Teil der wachsenden Glaubwürdigkeit und Chancen innerhalb der Schatzsuchindustrie ist es das Ziel, ein Umfeld zu schaffen, in dem der Anleger mit der grösstmöglichen Chance auf Rendite geschützt werden kann.
ZITAT Ende
(Übersetzt vom Original auf: h t t p://aqvisions.com).

Beim Barte des Phantoms! Reibe sich die Augen, wer kann. Warum hat Elaine diese Idee nicht schon früher gehabt? Ultra-reichen Leuten glaubwürdige Schatzgeschichten erzählen, ihnen Pläne zeigen und sie dann die Expedition bezahlen lassen, an der man selbst teilnimmt! Abenteuerferien auf Segelschiffen und Schatzinseln machen und nebenbei dickes Geld verdienen. Das wäre ein Berufsleben gewesen. Schatztherapie für ultra-reiche Anleger, die für ein exquisites Abenteuer etwas springenlassen und nicht klagen werden, wenn der Schatz nicht gefunden wird (sondern vielleicht bloss das vorbereitete Gerippe von Boag in einer Höhle). "Terrific!" "Amazing!" "Tremendous!" "Marvellous!" "How nice!"

Auf der Webseite der Firma wird die alte fantastische Geschichte wieder neu verkauft und ausdrücklich behauptet, der Forbes des Lima-Schatzes sei identisch mit Forbes, dem reichen Konsul von Kalifornien!
(h t t p ://aqvisions.com/news/loot-of-lima-treasure-story-part-one)
Für viele Amerikaner ist das natürlich eine "super story", vor allem wenn man dazu den Schatzplan aus der kalifornischen Forbes-Familie vorweisen kann.

Ist das Fantastische also wahr, dass die beiden Forbes identisch sind?
Wir können diese Forbes-Frage heute eindeutig beantworten, exklusiv hier in TV-NOSTALGIE.
Und zwar mit einem kleinen Beweis.

Dazu müssen wir nicht ins Staatsarchiv von Puntarenas in Costa Rica reisen, um die Sterbeurkunde von Forbes zu suchen. Wir müssen auch nicht den Friedhof von Puntarenas umbuddeln und Knochen unter das Röntgenmikroskop zerren. Nein, wir wollen gegenüber dem ZDF (Terra-X) und gegenüber dieser amerikanischen Firma (Adventure Quest) Wohlwollen zeigen.

Das heisst:
Wir schieben die gesamten "klassischen" Quellen zum Fall Lima-Schatz beiseite. (Diese sagen ja alle, der Erste Offizier Forbes sei 1822 nach der Rückkehr mit Kapitän Thompson von der Kokos-Insel in Puntarenas an Gelbfieber gestorben).

Wir wollen also grosszügig annehmen, Forbes sei damals (1822) nicht gestorben! Das tun wir gerne. Denn sonst könnten wir nicht annehmen, der Forbes des Lima-Schatzes sei wirklich identisch mit dem berühmten, ultra-reichen James Alexander Forbes (gestorben 1881) in Kalifornien, also diese fantastische Geschichte, die wir oben vorgestellt haben. Wir wollen ja dem ZDF (Terra-X) und Adventure Quest diese Geschichte schenken. Aber nur schenken, um zu schauen, was aus dieser ANNAHME folgt. Wenn wir auf einen Widerspruch stossen, so muss aus unseren Voraussetzungen folgen, dass die Negation der Annahme richtig ist (Beweis durch Widerspruch).

Wir wissen (PRÄMISSEN):
(1) "Forbes the Lima Treasure hunter" war beim Raub des Lima-Schatzes 1821 der Erste Offizier (First Mate) auf der MARY DEAR.
(2) "James Alexander Forbes the Consul of California" lebte von 1805 bis 1881.

(3) ANNAHME (zusätzlich):
"Forbes the Lima Treasure hunter" == "James Alexander Forbes the Consul of California"

(4) KONKLUSION:
Aus (3) und (1) folgt, dass James Alexander Forbes beim Raub des Lima-Schatzes 1821 der Erste Offizier (First Mate) der MARY DEAR war.

(5) KONKLUSION:
Aus (4) und (2) folgt, dass James Alexander Forbes, der Erste Offizier (First Mate) der MARY DEAR, im Jahr, als der Lima-Schatz geraubt wurde (1821), seinen 16. Geburtstag erlebte.

Halten wir uns an dieser Stelle kurz und bildhaft vor Augen:
Marc di Napoli war 15 Jahre alt in TOM SAWYER & HUCKLEBERRY FINN (1968).
Heintje war 16 Jahre alt in DER LÜMMEL VON DER ERSTEN BANK (1971).
Franz Seidenschwan war fast 17 Jahre alt in DER SEEWOLF (1971).

First Mate = Chief Mate = Chief Officer = First Officer = First Lieutenant = The Mate

Der Erste Maat auf einem britischen Handelsschiff ist der Stellvertreter des Kapitäns.

Wenn der Kapitän z.B. wegen Rumkoma ausfällt, übernimmt der Erste Maat das Schiff. Demnach müsste ein knapp 16-jähriger Erster Maat namens James Alexander Forbes notfalls die höchsten und ansonsten die zweithöchsten Aufgaben auf dem Schiff erfüllt und dementsprechende Befehle an alle anderen Offiziere und an die Mannschaft gegeben haben!

Mit dem Bild des 16-jährigen Heintje vor Augen kommen uns vielleicht ein oder zwei Zweifel. Aber für einen Beweis genügt das nicht. Werfen wir besser einen Blick auf die Laufbahnen grosser Seeleute, darunter Giganten der Seefahrtsgeschichte. Und fragen wie dabei jeweils bloss:

In welchem Alter wurden sie zum Ersten Maat befördert:

Alter 35
John Coxon im Jahre 1752. Das ist der Kapitän der GROSVENOR, des reichsten Schiffes, das die Britische Ostindien-Kompanie je verloren hat.

Alter 35
Captain Charles W. Grant im Jahre 1839. Grant fuhr 56 Jahre lang auf Walfangschiffen.

Alter 23
Kapitän James Cook, der grösste Seefahrer und Entdecker der Weltgeschichte, 1752 im Alter von 23 Jahren. Da er aus sehr armen Verhältnissen kam, wurde seine Karriere in der englischen Klassengesellschaft verzögert befördert.

Alter 22
John Biscoe (1794 – 1843), Seefahrer und Entdecker im Südpolarmeer.

Alter 21
William Bligh (1753 – 1817), Bilderbuchkarriere, Navigationsoffizier bei James Cooks dritter Expedition und Augenzeuge seines Todes, wurde Erster Maat im Alter von 21 Jahren. Seine Seekarten waren von derart exzellenter Qualität, dass sie noch im 20. Jahrhundert verwendet wurden! Er war der spätere Kapitän der BOUNTY. Nach der Meuterei navigierte er das ausgesetzte offene Beiboot 6'700 km über das Meer und rettete dadurch die Männer, die bei ihm waren.

Alter 19
John Paul Jones (1747 – 1792), der absolute Rekordhalter, wurde Erster Maat im Alter von 19 Jahren. Er war der berühmte Befehlshaber im Amerikanischen Revolutionskrieg, der "Vater der US-Navy".

Hier enden die Rekorde...
...es sei denn, unser kalifornischer Freund James Alexander Forbes war 1821 wirklich 16 Jahre alt und Erster Maat auf der MARY DEAR.

Das Britische Königreich hat 1854 die schon zuvor gelebte Praxis bei den vorausgesetzten Fähigkeiten auf britischen Handelsschiffen, die ins Ausland fahren, in schriftliche Vorschriften gegossen: Certificates of Competency (MS Act 1854).

An ONLY MATE must be 19 years of age.
A FIRST MATE must be 19 years of age.

(Quelle: h t t p://ww w.mariners-l.co.uk/GenBosunMastersExam. html)

Somit können wir unseren Beweis fortsetzen und abschliessen:

(6) KONKLUSION:
Die Konklusion (5) führt zu einem WIDERSPRUCH:
Niemand konnte mit 16 Jahren Erster Maat auf einem britischen Handelsschiff sein.

(7) KONKLUSION:
Daraus folgt die Negation der zusätzlichen ANNAHME (3), demnach:
NICHT ("Forbes the Lima Treasure hunter" == "James Alexander Forbes the Consul of California")

Kurzum:
Die beiden Forbes sind nicht identisch.
Die behauptete fantastische Geschichte ist nicht wahr.


Wir zweifeln nicht an der rührenden Geschichte der Weitergabe von Plänen und Karten innerhalb der reichen Familie Forbes. Da es in der Geschichte der Schatzsuche aber schon viele Fälle von falschen und betrügerischen Plänen und Karten gegeben hat, lässt sich nicht sagen, ob die Mitglieder der Forbes-Familie ebenfalls leichtgläubige Opfer dieses Schatzwahns geworden sind. Denn mit "Reichen + Dummen" lässt sich viel Geld verdienen.

Es ist nicht unsere Aufgabe, Leute vor der Geldidee dieser US-Firma zu warnen. Jeder muss für sich entscheiden, ob er dabei auf eine kokosleimige Spur kriecht.
Wir suchen hier bloss nach Erkenntnis in der Sache selbst. Wir dienen allein der Wahrheit und arbeiten ihr zu, ehrenhalber, geschenkt, ohne Geld.

Wir haben nicht die schwierige Frage beantwortet, ob der zweite Schatzplan unecht ist. Wir haben bloss in einer sehr viel leichteren Frage gezeigt:
Forbes 1 ≠ Forbes 2.

Und die ZDF-Sendung Terra-X? Hat die Redaktion diese Geschichte um James Alexander Forbes nicht geprüft? Klar ist: Die frühere Sendung Terra-X hat mit der heutigen Sendung nichts mehr zu tun.

Früher:
Archäologinnen zeigen und erklären hochspannende Dinge in oder vor Höhlen auf der Osterinsel. Im Hintergrund keine Musik, ausser die natürlichen Geräusche von der Insel wie Wind usw. Eine ruhige Bildfolge, also so, wie ein Mensch die Welt sieht.

Heute:
Alle zwei Sekunden ein Bild und dazu ein Effekt. Dazu Trompeten, Posaunen und Basstuba, Toneffekte wie Peng, Puff, Zack, Wamm, Rumms usw. Eine belästigende, theatralische Stimme infantilisiert den Zuschauer zusätzlich. Was soll man noch von einer solchen Sendung erwarten? Aus und vorbei!

Elaine



Beiträge: 332

14.06.2019 19:01
#544 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Definition von "gruselig"...
... ist bei jedem Menschen natürlich eine andere.

Ich bin vor ein paar Jahren beim Ansehen von "Das Biest muss sterben" ausgestiegen, als dieser dissoziale Bauunternehmer seinen Sohn (gespielt von Marc DiNapoli) so demütigte, dass der wegrannte (sicher nicht weit - wohin auch?)... Da ich beruflich regelmäßig mit Menschen zu tun habe, in deren Familien so ´was zur Tagesordnung gehörte und die ihr ganzes Leben lang noch ´was von den furiosen Umtrieben ihrer Eltern haben, ... musste ich feststellen, dass ich mir das nicht auch noch "live und in Farbe" in meiner Freizeit geben konnte.
Ich für meinen Teil muss einen Tag mit ausgeglichener Gemütslage abwarten, um mir "Que la bête meure" bis zum Schluss ansehen zu können.
Dabei gucke ich mir anderweitig durchaus solche Filme an wie "Cujo", "Link, der Butler", "Katzenmenschen", "Alien", "Top of the Lake" etc. ...

Aber um auf die Art der unterschiedlichen Forbeses zurückzukommen:
Mit 16 Jahren First Mate zu sein, ist in der Tat ein wenig früh - dem stimmt auch meine Regale füllende historische Maritimliteratur zu.

Aber war er wirklich erst 16??

Ich würde einen soliden Gentest an den verblichenen Gebeinen und den werten Nachfahren vorziehen... Denn wenn ich in den Orient schaue, selbst in die Zeiten und Gefilde von "Onkel Jackie" ("How old are you?" - "Just turned sixteen, sir," - "A lie. You'll never see eighteen again. Big for your age at that, with muscles like a horse.") oder in unsere eigene jüngere Vergangenheit (in welcher im Chaos' des Zweiten Weltkriegs ganze achtbar in Kirchenbüchern eingetragenen Leute verschwanden und zu anderer Zeit an anderem Ort mit anderem Namen wieder auftauchten)... dann gibt es immer gute Gründe, um ein paar Jahre älter oder jünger zu erscheinen, als man ist, und weitere Gründe, um das auch noch zu beurkunden ("Nebeneinkünfte... Köchleins Nebeneinkünfte."/ "Pickings," he concluded; "Cooky's pickings.") Nicht immer und überall geht es so geordnet zu, dass die Hebamme mit der Uhr in der Hand neben dem Entbindungsbett steht ("... 23 Uhr und... 22 Minuten!"), und das in höchst eigener Person auch noch einem unbestechlichen Standesbeamten beim Rathaus mitteilt... Auch bei Todesfällen konnte es damals bestimmt die eine oder andere Verwechslung oder nicht so ganz exakte Beurkundung geben...

Was meine beruflichen Talente und Entwicklungen anbelangt, so habe ich nicht durchgängig die Gene meiner 2.-Weltkriegs-"Wechselbalg"-Verwandtschaft geerbt und eigne mich daher nicht zur Hochstaplerin, sondern muss mich wie Dick Sand weiter brav mit "Mühe und Arbeit" und der Rolle der "Zweiten Steuerfrau" begnügen...

Mariposa



Beiträge: 854

15.06.2019 11:15
#545 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Was seid Ihr wieder so fleißig gewesen, liebe Mit-Autoren !!! Da muss ich ja mächtig draufhalten um auch noch meinen Senf dazu zu geben ;-)

Eine Frage noch zu Loe-Leos Beitrag # 542. Ist das eine Geheimbotschaft? Vielleicht weiße Schrift auf weißem Papier

Ich finde auch, dass es auf die Tagesform und die Gemütslage ankommt, was einem unheimlich bzw. schrecklich erscheint und was nicht. Auch die Umgebung, in der der Film geschaut wird, spielt eine große Rolle. Sind mal meine Erfahrungen.

Übrigens war der Kommentar einer Person, der ich den Film ans Herz gelegt hatte: Erinnert mich mächtig an die Erfahrungen mit meinem Alten !!!

Das Ende von DAS BIEST MUSS STERBEN bietet genug Raum für Spekulationen und schließt sogar eine Fortsetzung nicht aus. Vielleicht sollte sich Kommissar Georges Dupin (Pasquale Aleardi) aus den Bretagne-Krimis der Angelegenheit im Hier und Jetzt wieder annehmen. Die alte Geschichte aufgreifen! Ich sehe das förmlich vor mir.

Wir wissen ja nicht, ob Charles bei seinem Segelausflug wirklich zu Tode gekommen ist. War vielleicht nur vorgetäuscht und er lebt unter anderer Identität irgendwo ganz anders, vielleicht in einem territoire d'outre-mer oder in Französisch-Kanada. "Phantom" Marc di Napoli könnte als Philippe noch mal zur Schauspielerei zurück kehren und bei den Ermittlungen behilflich sein oder sie sogar anregen. Das wär's doch !!!

Helène könnte nach dem Kasatschok schwanger geworden sein. Es blieb natürlich nicht beim Kasatschok. Ihr Sohn macht sich mit Onkel Philippe Jahrzehnte später auf die Suche nach seinem biologischen Vater. Machen wir einen Segelbegeisterten aus ihm. Diese Rolle wäre dann Stéphane di Napoli auf den Leib geschneidert. Die Recherchen beginnen in Antibes und das zur Zeit des Filmfestivals in Cannes.

Ich hätte so viele Ideen !!! Bräuchte halt einen Geldschisser und Filmemacher, der sich ohne unverkleidetes Grausen des Stoffs annimmt.

WUNDER GIBT ES IMMER WIEDER.

Erst kürzlich wieder passiert mit POLY. Ich bin wirklich überglücklich, dass dieses Thema nochmals aufgegriffen wurde und ich in Erinnerungen schwelgen kann. Das ist ein GESCHENK !!!

Es ist auch nicht gänzlich ausgeschlossen, dass ich dadurch über den Verbleib von "Maud" oder vom "POLY-Mädchen" etwas in Erfahrung bringen kann. LA TETE D'HORLOGE steht immer noch auf meiner Wunschliste.

Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen schon Wirklichkeit sein.

In diesem Sinne wünsche ich Euch ein märchenhaftes Wochenende
MARIPOSA

Elaine



Beiträge: 332

16.06.2019 12:20
#546 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Mariposa, in alter Frische als die Königin der "spin-offs"!
Dein Wort in den Ohren aller Drehbuchschreiber, Filmproduzenten und (Ex-)Schauspieler !!
Marc di Napoli war immerhin vor ein paar Jahren noch in einem Theater in der Bretagne auf der Bühne (weiß nicht mehr wo), das echte Problem wäre vllt, Stéphane di Napoli zu motivieren, sein beschauliches Seglerdasein für ein paar Wochen zu unterbrechen...

"It is a great doctor for sore hearts and sore heads, too, your ship's routine, which I have seen soothe - at least for a time - the most turbulent of spirits. There is health in it, and peace, and satisfaction of the accomplished round; for each day of the ship's life seems to close a circle within the wide ring of the sea horizon. It borrows a certain dignity of sameness from the majestic monotony of the sea. He who loves the sea loves also the ship's routine.
Nowhere else than upon the sea do the days, weeks and months fall away quicker into the past. They seem to be left astern as easily as the light air-bubbles in the swirls of the ship's wake, and vanish into a great silence in which your ship moves on with a sort of magical effect. They pass away, the days, the weeks, the months. Nothing but a gale can disturb the orderly life of the ship; and the spell of unshaken monotony that seems to have fallen upon the very voices of her men is broken only by the near prospect of a Landfall."
Joseph Conrad

Wer lässt sich bei so viel meditativer Achtsamkeit schon gerne stören???

loe



Beiträge: 78

16.06.2019 23:23
#547 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (Film): Der Fall Forbes

Elaine, natürlich können wir auf die besten und stärksten Argumente jederzeit irgendwelche extrem unwahrscheinlichen Ausnahmebedingungen anführen (die vom Trivialen bis zum Absurden reichen):

A: Elvis ist tot, das ist dokumentiert.
B: Das will nichts heissen. Es hat schon Fälle von gefälschten Sterbeurkunden gegeben. Ich glaube erst an Elvis's Tod, wenn ich die Knochen persönlich analysiert habe.

A: Goebbels ist 1945 gestorben, dafür gibt es Zeugen.
B: Das besagt gar nichts. Es ist möglich, dass die Russen 1945 auf die teilverkohlte Leiche eines Doppelgängers hereingefallen sind. Solche Fälle hat es schon gegeben. Darum könnte Goebbels noch bis Ende der 1970er Jahre z.B. in Paraguay als geheimer Leiter des Staatsradios gelebt haben.

A: Da bis heute noch niemand einen Yeti gesehen oder Überreste gefunden hat, gibt es sie mit an Gewissheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht.
B: Das hat nicht viel zu bedeuten. Es ist möglich, dass sich die Überreste gestorbener Yetis besonders schnell auflösen oder dass die Yetis ihre Toten besonders tief begraben, sodass bis heute noch niemand ein Yeti-Skelett gefunden hat.

Darüber hinaus:
Dein Hinweis, dass Personaldokumente (hochseltenerweise) gefälscht sein können, ist KEIN Gegenbeispiel zu dem Argument, das wir in unserem Beweis vom 10. Juni vorgestellt haben!
Denn unser Argument lautet ja NICHT:
Wann immer in der Geschichte der Menschheit ein menschliches Lebewesen ein amtliches Ausweispapier mit Angabe des Geburtsdatums auf sich getragen hat, so entsprach das ausgewiesene Geburtsdatum dem wirklichen Geburtsdatum (= falsches, weil übergeneralisiertes Gesetz).

Deine Bemerkung ist also bloss ein selbstverständlicher Hinweis, dass in unserem Argument ein (als selbstverständlich vorausgesetztes) statistisches Gesetz enthalten ist, nämlich dass Ausweispapiere normalerweise richtige Geburtsdaten enthalten (und in Ausnahmefällen nicht).

Die von Dir genannte Möglichkeit ist deshalb höchstunwahrscheinlich, weil sie zwei Bedingungen enthält, die zugleich erfüllt sein müssen, obwohl schon jede für sich unwahrscheinlich ist:

(1) James Alexander Forbes hätte gefälschte Dokumente haben müssen, die ihn nicht als den 16 bis 17-Jährigen auswiesen, der er war, sondern als Anfang 20-Jährigen.
(2) James Alexander Forbes hätte mit seinen 16 bis 17 Jahren auch von seinem Äusseren wie ein Anfang 20-Jähriger aussehen müssen. Denn sonst hätte man seine Papiere als Unmöglichkeit erkannt und ihn nicht für voll genommen. Und ein milchbärtiger Erster Offizier auf einem Britischen Handelsschiff hätte inmitten rauher Seemänner die erste Sekunde seit Betreten des Schiffes nicht überlebt.

Weil der "Fall Forbes" so ungemein spannend ist, wollen wir Deine höchstunwahrscheinliche Möglichkeit trotzdem durchspielen und schauen, wohin wir dann kommen. Das Ergebnis wird sehr überraschend und sehr aufschlussreich sein! In Kürze! Für Spannung ist gesorgt! Dank Dir!



QUE LA BÊTE MEURE

Wie Mariposa schon früher gesagt hat: Der Film kann uns denken lassen, wir hätten ihn nicht richtig verstanden.
Eine belebende Einladung ans Grübeln und an die Vorstellungskraft.
Das fand ich auch früher schon an nicht wenigen französischen Filmen reizvoll. Man konnte noch Tage danach darüber diskutieren und sich im Verstehen vorwärts und manchmal wieder rückwärts tasten.

loe



Beiträge: 78

17.06.2019 11:33
#548 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Liebe Mariposa:

Forumsbeitrag #542 ist:

(a) Ein Test von Watzlawicks Behauptung: "Man kann nicht nicht kommunizieren."

(b) Eine Persiflage auf Heidegger: "Das Nichts nichtet."

(c) Ein stummer Protest gegen so geschwollene Filmkritiken wie diese:
"Den gesamten Film durchdringt eine grosse, ja eine absolute Leere, welche die Leere des Seins spiegelt […]." (Gregor Torinus, filmtipps.at)

(d) Das sprachliche Abbild einer Erinnerungslücke.

(e) Der Forumsbeitrag in der Geschichte des Internets mit der grössten Sparsamkeit (*) der sprachlichen Mittel.

(*) Sparsamkeit subst. fem.
"Ein Fass Whisky, das man nicht braucht, für den Preis einer Kuh kaufen, die man sich nicht leisten kann."

Ambrose Bierce: Aus dem Wörterbuch des Teufels (1911), unveränderter Nachdruck der Ausgabe 1966, Frankfurt a.M. 1980.

loe



Beiträge: 78

17.06.2019 22:07
#549 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (Film): Der Fall Forbes

"Aber w a r James Alexander Forbes [beim Raub des Lima-Schatzes 1821] wirklich 16 Jahre alt?" (Elaine)

Ja, es gibt zahlreiche und voneinander unabhängige Quellen, die dies bestätigen.
Darunter ist eine genealogische Arbeit über 1006 Seiten von Bernard Allan Glienke, mit rund 300 Seiten Quellenmaterial:
James Alexander Forbes: His Descendents for Four Generations. Gespickt voller amtlicher Dokumente.

Demnach war J.A. Forbes, als er 1831 in Yerba Buena (San Francisco) eintraf, 26 Jahre alt. Auch die englische Wikipedia mit allen Quellen, auf die sie sich stützt, nennt das exakte Geburtsjahr: 6. Januar 1805.
Das Datum noch weiter herunter zu manipulieren als auf 1804, hat sich nicht einmal die US-Firma Adventure Quest getraut, die ja das grösste Interesse hierfür hätte.

Elaine, Du meinst: J.A. Forbes sah mit 16-17 Jahren aus wie 20-21, und darum wäre es möglich, dass man ihn dank gefälschter Dokumente auf dem Schiff als Ersten Offizier angestellt hat?

Nun ja, wenn das auf einem britischen Handelsschiff so einfach gewesen wäre, dann wäre ein britisches Handelschiff ja ein schwimmendes Sammelbecken der versammelten Inkompetenz gewesen. Die damals grösste See- und Handelsmacht der Welt, getragen von inkompetenten minderjährigen Gernegrossen.
War das Alter die einzige Voraussetzung (notwendig + ausreichend), um die Anforderungen des Ersten Offiziers auf einem britischen Handelsschiff erfüllen zu können?

Besinnen wir uns (kalt gewässerter Waschlappen ins Gesicht):
Die Sache mit dem Alter (mindestens 19 Jahre) ist bloss eine einzige von vielen NOTWENDIGEN Bedingungen, aber k e i n e AUSREICHENDE Bedingung, um die Aufgaben des Ersten Offiziers auf einem britischen Handelsschiff erfüllen zu können! Wir hatten am 10. Juni um der Kürze Willen gezeigt, dass die Behauptung "Lima-Schatz-Forbes" = "Konsul-Kalifornien-J.A.Forbes" allein schon an EINER EINZIGEN notwendigen Bedingung scheitert (eine einzige von vielen anderen notwendigen Bedingungen).

Elaine, wir wollen nun in Deinem Sinne grosszügig annehmen und durchspielen:

(1) J.A. Forbes wäre nicht 1805 geboren, sondern 1804. (Das Geburtsdatum noch weiter runter zu manipulieren, wagt nicht einmal die besagte US-Firma.)
Demnach wäre J.A. Forbes beim Raub des Lima-Schatzes knapp 17 Jahre alt gewesen.
(2) J.A. Forbes hätte gefälschte Dokumente gehabt, die ihn als 21-Jährigen ausgewiesen hätten.
(3) J.A. Forbes hätte zudem mit 17 Jahren so ausgesehen, dass man ihn auch für 21 Jahre hätte halten können, wie es in den gefälschten Dokumenten gestanden hätte.

Wenn J.A. Forbes im Alter von 17 Jahren aussah wie 21 und ein unerkannt gefälschtes Dokument auf sich trug, das ihn als 4 Jahre älter auswies, so sind diese Umstände nicht ausreichend, um auf einem britischen Handelsschiff die Aufgaben des Ersten Offiziers erfüllen zu können, denn da gibt es einen ganzen Haufen weiterer notwendiger Bedingungen. Und diese vielen anderen notwendigen Bedingungen wirken sich wiederum auf das Alter und die Biografie aus!
Und zwar in der Weise, dass wir zuletzt auf einen Punkt kommen, wo Deine Annahme (frühreife Erscheinung, gefälschte Dokumente) scheitern wird.
Wir werden unten sehen, dass die Annahme ins Absurde führt, weil das Alter mit anderen Dingen zusammenhängt. Auch das dokumentierte (gefälschte) Alter hängt nicht in der Luft, sondern mit anderen Dingen zusammen.

Es kommen jetzt gleich unten die NOTWENDIGEN Bedingungen für den Maat, wie sie um 1850 wieder einmal schriftlich festgehalten wurden.

Keine einzige dieser Bedingungen ist für sich allein ausreichend.
Hingegen:
Wenn ALLE diese notwendigen Bedingungen erfüllt sind, dann sind sie zusammen minimal ausreichend, um Maat sein zu können.

Für Forbes als Ersten Maat gilt es, die Formulierung zu beachten:
"zusätzlich zu der Qualifikation für den einzigen Maat" sowie die Formulierung,
dass ein Erster Maat i m M i n i m u m 1 Jahr als Zweiter Maat oder als einziger Maat gedient haben muss. Das heisst, die notwendigen Bedingungen bauen aufeinander auf, setzen sich kumulativ voraus!

Certificates of Competency (MS Act 1854)
h t t p :// w w w . mariners-l.co.uk/
(Transkribiert von Alan Russell)

Z w e i t e r M a a t
Ein Zweiter Maat muss 17 Jahre alt sein und 4 Jahre auf See gewesen sein.

IN DER NAVIGATION
Er muss eine lesbare Handschrift haben und die ersten fünf Regeln der Arithmetik und die Verwendung von Logarithmen verstehen. Er muss in der Lage sein, ein Tageswerk komplett zu verrichten, einschliesslich der Bestimmung der Lage und Entfernung vom Hafen, an den er gebunden ist, nach der Mercator-Methode; die Sonnendeklination für den Längengrad zu korrigieren und den Breitengrad anhand der Meridianhöhe der Sonne zu bestimmen; und andere einfache Probleme ähnlicher Art zu lösen. Er muss die Verwendung des Sextanten verstehen und mit ihm beobachten und den Bogen ablesen können.

IM SEEFAHRTSHANDWERK
Er muss zufriedenstellende Antworten auf das Auf- und Abrüsten von Schiffen, das Verstauen von Laderäumen usw. geben; er muss die Messung der Fahrwassertiefe und der Fahrtgeschwindigkeit mittels Lot, Log und Logglas verstehen; er muss mit der Fahrordnung sowohl bei Dampfern als auch bei Segelschiffen sowie den von ihnen getragenen Licht- und Nebelsignalen vertraut sein und wird auch geprüft über das "Handelsgesetzbuch der Signale für den Gebrauch aller Nationen".

E i n z i g e r M a a t
Ein einziger Maat muss 19 Jahre alt sein und 5 Jahre auf See gewesen sein.

IN DER NAVIGATION
Zusätzlich zu den für einen Zweiten Maat erforderlichen Qualifikationen muss ein einziger Maat in der Lage sein, die Amplitude der Sonne zu beobachten und zu berechnen und daraus die Variation des Kompasses abzuleiten und den Längengrad mittels Chronometer mit den üblichen Methoden zu bestimmen. Er muss wissen, wie er die Lage des Schiffes auf der Karte ablegen kann, sowohl nach der Lage bekannter Objekte als auch nach Breiten- und Längengrad. Er muss fähig sein, den Fehler eines Sextanten zu bestimmen und anzupassen, auch die Zeit des Hochwassers aus der bekannten Zeit vollständig zu finden und anzupassen.

IM SEEFAHRTSHANDWERK
Zusätzlich zu dem, was für einen Zweiten Maat erforderlich ist, muss er wissen, wie man ankert und wieder entfernt, und einen klaren Anker halten, einen Anker ausführen, einen Laderaum stauen und die erforderlichen Einträge im Schiffstagebuch vornehmen. Er wird auch nach seinen Kenntnissen über die Verwendung und Handhabung von Feuergeschütz und Raketenleinen bei der Strandung eines Schiffes befragt, wie im offiziellen Logbuch erläutert.

E r s t e r M a a t
Ein Erster Maat muss 19 Jahre alt sein und 5 Jahre auf See gedient haben, von denen 1 Jahr entweder als zweiter oder einziger Maat oder als beides gewesen sein muss.

IN DER NAVIGATION
Zusätzlich zu den Qualifikationen, die für einen einzigen Maat erforderlich sind, muss er in der Lage sein, Azimute zu beobachten und die Abweichung zu berechnen; Chronometer zu vergleichen und ihre Werte einzuhalten und nachzuführen sowie den Längengrad bei ihnen aus einer Sonnenbeobachtung zu ermitteln; den Breitengrad der Sonne auf einer einzigen Höhe vor dem Meridian zu berechnen; und in der Lage sein, den Sextanten mit Hilfe der Sonne zu benutzen und einzustellen.

IM SEEFAHRTSHANDWERK
Zusätzlich zu der für den einzigen Maat erforderlichen Qualifikation sind umfassendere Kenntnisse in der Seemannschaft erforderlich, wie das Aufbringen grosser Spieren und Segel, das Führen eines Schiffes bei stürmischem Wetter, das Einholen und Setzen von Segeln, das Aufbringen von Rahen und Masten usw. sowie das Laden und Löschen von schweren Lasten, Ankern usw., das Werfen eines Schiffes auf einen Leestrand und das Sichern der Masten bei einem Unfall mit dem Bugspriet.

Daraus können wir nun folgende Schlüsse ziehen:

Wenn J.A. Forbes mit 17 Jahren aussah wie 21 und Erster Maat war, dann wäre er von den Fähigkeiten her 4 Jahre vor William Bligh und 6 Jahre vor James Cook gewesen, den grossen Könnern der Seefahrtsgeschichte, die schon zu den frühesten Ersten Maaten in der Geschichte überhaupt gehören.
Das können wir ausschliessen.

Wenn J.A. Forbes mit 17 Jahren aussah wie 21 und Erster Maat war, dann muss er mindestens 5 Jahre auf See gedient haben. Demnach hatte sein Dienst auf Schiffen im Alter von 11-12 Jahren begonnen.
Das können wir ausschliessen.
Zudem: J.A. Forbes kam erst mit 12 Jahren nach Argentinien und wurde danach von Jesuiten in Uruguay erzogen.

Wenn J.A. Forbes mit 17 Jahren aussah wie 21 und Erster Maat war, dann muss er zuvor (mit 14-15 Jahren) Zweiter Maat oder einziger Maat gewesen sein und schon mit 9-11 Jahren an Bord eines britischen Handelsschiffes gedient haben.
Das können wir ausschliessen.

Zu guter Letzt:
Es gibt einen Artikel zu James Alexander Forbes in der englischen Wikipedia. J.A. Forbes kam mit rund 12 Jahren im Schlepptau seines Onkels von Schottland nach Argentinien, wurde dann von Jesuiten in Uruguay erzogen. Nehmen wir mal an: im Minimum 3 Jahre lang. Dann war er frühestens mit 15 Jahren bereit, als Schiffsjunge anzuheuern.
Und bloss ein 1-2 Jahre danach soll er schon Erster Offizier und also Stellvertreter des Kapitäns gewesen sein? Unmöglich! Elaine, siehe Dir die verlangten Dienstjahre an Bord an! Von den verlangten Fähigkeiten ganz zu schweigen.

Mit unserer Annahme der Urkundenfälschung von Ausweispapieren des James Alexander Forbes verheddern wir uns in einen Knäuel von Absurditäten, der immer dicker wird!

Wir konnten sehen, dass es das reine, isolierte Alter im Falle von J.A. Forbes nicht gibt. Vielmehr hängt es verwickelt mit anderen Dingen zusammen. Das Alter im Ausweis zu fälschen, hilft nicht. Es stimmt dann trotzdem hinten und vorne nicht mehr.

Dank Deinem Hinweis, Elaine, konnten wir diskussionsweise noch tiefer in die Zusammenhänge der Forbes-Geschichte blicken und dabei sehen, was das schöne deutsche Wort "zusammenhängen" bedeutet!
Und mit dem heutigen Ergebnis ist unser Argument vom 10. Juni sogar noch stärker geworden, als es gedacht war.

Das Argument ist übrigens in seiner Ausführlichkeit, Klarheit und betonten Einfacheit eine Einladung zum Nachvollzug und zu weiteren Einwänden. Es ist so einfach, dass ein 9-jähriges Kind es hätte liefern können. Und genau das ist die frohe Botschaft für heute:

Egal, ob wir bloss 9 Jahre alt sind:
Falls im Radio, im TV, im Internet, in Zeitungen oder in Büchern eine bestimmte Sache behauptet wird, die uns nicht überzeugt:
Dann prüfen wir die Sache in einer unvoreingenommenen Untersuchung, in sachlicher Beurteilung. Und wenn wir zeigen können, dass und warum eine Behauptung nicht möglich bzw. falsch ist, muss es uns egal sein, ob sie von Terra-X (ZDF), von einer US-Firma oder von wem auch immer kommt. Habet den Mut, das Kind beim Namen zu nennen.

Zum richtigen Forbes sowie zu Puntarenas in Costa Rica demnächst ein Nachtrag.
Darin enthalten: Eine letzte Verabschiedung des falschen Forbes (J.A.).

loe



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20.06.2019 00:53
#550 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (Drehbuch Film + Historie)

Der wahre Forbes
und
die Verabschiedung des falschen (James Alexander Forbes, Britischer Konsul von Kalifornien)
oder
das (vorläufige) Ende der Geschichte in der Akte Forbes


Von den Menschen, die den Lima-Schatz auf der Kokos-Insel 1821 versteckt hatten, haben nur zwei überlebt:

Kapitän Thompson und sein erster Maat Forbes.

Und es gab nur zwei Menschen auf der Welt, die über die Schatzsuche auf der Kokos-Insel wirklich Bescheid wussten:

der Deutsche August Gissler und der Franzose Robert Vergnes.

Der deutsche Schatzsucher August Gissler (1857 - 1935) lebte fast 20 Jahre lang auf der sonst unbewohnten Kokos-Insel, war sogar ihr erster und letzter Gouverneur, ernannt vom Präsidenten von Costa Rica! Der fast zwei Meter grosse August Gissler suchte 19 Jahre lang auf der Insel nach dem Lima-Schatz des Kapitäns Thompson und seines Ersten Maats Forbes. Gissler hatte eine sehr mutige Frau an seiner Seite, die viele Jahre mit ihm auf der Insel in einem Holzhaus lebte. Nachdem die kleine Kolonie von Getreuen, die anfangs noch mit ihnen zusammen war, die wilde Tropeninsel verlassen hatte, spitzte sich die Situation für das Ehepaar Gissler langsam dramatisch zu. August Gissler musste mit einem selbstgebauten Boot Richtung Festland aufbrechen, um Nahrungsmittel zu holen, kam in einen Sturm und landete abgetrieben an der Urwaldküste von Panama (statt im costaricanischen Puntarenas). Es dauerte ein Jahr, bis August Gissler seine Frau auf der Isla del Coco wiedersah. Sie, die ein ganzes Jahr allein auf der unbewohnten Insel geblieben war, war schwerkrank, konnte kaum noch Nahrung aufnehmen und hatte sich einen gebrochenen Arm notdürftig selber geschient. Darum verliessen die Gisslers 1908 die Kokos-Insel und wanderten in die USA ein. August Gissler starb 1935 arm in New York. Mit Ausnahme von einem goldenen Handschuh und 33 Goldmünzen hatte Gissler in 19 Jahren nichts gefunden.[1]

Der französische Höhlenforscher und Schatzsucher Robert Vergnes (1927 - 2004) kam zusammen mit zwei weiteren Franzosen 1962 auf die unbewohnte Kokos-Insel. Die Drei hatten sogar ein rätselhaftes Dokument von Kapitän Thompson oder von John Keating dabei (heute im Nautical and Traveller's Club von Sydney unter der Nummer 18755).
Das berühmte belgische Comic-Magazin Spirou unterstützte die Expedition, die auch vom Radio mitfinanziert wurde.
Nach einigen Tagen Aufenthalt auf der Kokos-Insel starben Chaliès und Portelle am 21. Dezember 1962 bei einem Unfall. Robert Vergnes überlebte zwei Monate allein auf der Insel, bis seine Notsignale erkannt wurden und ein Schiff ihn am 22. Februar 1963 von der Insel holte.

Trotz diesem dramatischen Ereignis wurde Robert Vergnes zu einem Besessenen der Kokos-Insel. Er kehrte noch in den 1960er Jahren zur Insel zurück, war noch mindestens dreimal auf der Insel (nach anderen Quellen gesamthaft zehnmal).

Und Robert Vergnes war als Höhlenforscher (Speleologe) die richtige Person! Denn die Kokos-Insel ist eine zerklüftete Insel mit vielen Höhlen und Grotten. Und der berühmte Lima-Schatz war zumindest zu einem Teil in einer Höhle, wie wir aus der Geschichte um John Keating und Boag (Bogue) wissen, die den riesigen Schatz dank Kapitän Thompsons Karte gefunden hatten, aber nicht abtransportieren konnten:
das Phantom und das Gerippe in ZWEI JAHRE FERIEN.

Und niemand hatte ein solch dokumentarisches Wissen über die Kokos-Insel wie Robert Vergnes. Denn er hatte nicht bloss in Bibliotheken in Frankreich alles gelesen, was es zu Schätzen und zur Geschichte der Kokos-Insel gab. Er hatte in Costa Rica eine Freundschaft zum Sohn von Julius Weston geknüpft, dessen Vater sein ganzes Leben lang Abschriften und Originaldokumente zum Thema Kokos-Insel und Schätzen gesammelt hatte. Darunter waren Kopien aus Archiven, Pläne, Karten, Fotos von früheren Expeditionen und das unveröffentlichte Tagebuch des deutschen Schatzsuchers August Gissler! Dieses ganze Archiv von Weston stand Robert Vergnes zur Verfügung.[2] Er hat davon Gebrauch gemacht, auch in seinen beiden Büchern (1967 und 1978).

Und das ist nun der richtige Moment, den falschen Forbes endgültig zu verabschieden (James Alexander Forbes, Britischer Konsul von Kalifornien und reicher Wirtschaftsmagnat).

Durch die Hände von August Gissler gingen zwei Schatzpläne. Den ersten erhielt er von Mary Keating, der Witwe von John Keating (das Phantom). Den zweiten Plan erhielt Gissler 1891 vom costaricanische Präsidenten persönlich. Der Plan stammte von einer Familie Jimenez aus der costaricanischen Hauptstadt San José, und der Schatzplan heisst in der Geschichte der Schatzsuche seither der "Plan Jimenez".[3]

Und jetzt kommt's dicke:

Der Schatzplan der Familie Jimenez aus San José ist, Merkmal für Merkmal, der gleiche wie der Plan, den James Alexander Forbes, "Konsul von Kalifornien", seinen Kindern gegeben hat![4]
Das ist der Plan, den Willam B. Forbes im Jahre 2004 der US-Firma Adventure Quest weitergegeben hat, die seitdem versucht, damit ein Geschäft zu machen (siehe Forumsbeitrag vom 10. Juni).

Es ist also nicht so, dass der berühmte kalifornische Forbes (1805 - 1881) kurz vor seinem Tode einen einzigartigen Schatzplan aus einem Versteck hervorgezogen und seinem Sohn übergeben hat, einen Plan, den nur er selbst kannte, weil er ihn selbst gezeichnet hatte, wie die US-Firma Adventure Quest uns glauben machen will. Die US-Firma will nicht wissen, und Terra-X ist nicht imstande, wissen zu können.

Wir wissen:

(1)
Die gesamte historische Literatur zum Raub des Lima-Schatzes sagt:
Der (wahre) Forbes des Lima-Schatzes starb 1822 in Puntarenas (Costa Rica) an Gelbfieber, nachdem er zusammen mit Kapitän Thompson von der Kokos-Insel zurückgekommen war.
(Dass die US-Firma diese bekannte Sache unterschlägt, ist unredlich, unanständig und verwerflich.)

(2)
James Alexander Forbes (1805-1881) ist NICHT der Forbes des Lima-Schatzes!
Auch wir haben das in unserem Argument vom 10. Juni gezeigt.
Am 17. Juni haben wir in einem weiteren Argument bekräftigt, dass selbst dann, wenn James Alexander Forbes frühreif gewesen wäre und seine Personaldokumente gefälscht hätte:
Er kann nicht der Forbes des Lima-Schatzes sein!

(3)
Der falsche Forbes (J.A.) hat denselben Nachnamen wie der richtige Forbes.

(4)
Es gibt einen Schatzplan, den nicht nur der falsche Forbes (J.A.) besass, sondern auch die Familie Jimenez in Costa Rica!

(5)
Als Kapitän Thompson und sein Erster Maat Forbes den Lima-Schatz geraubt und auf der Kokos-Insel versteckt hatten (1821), war der falsche Forbes (J.A.) genau 16 Jahre alt und lebte bei seinem Onkel in Argentinien bzw. zur Erziehung bei Jesuiten in Uruguay.

Welche Erklärung bringt nun alle diese 5 Punkte in ein stimmiges Miteinander?

Der berühmte deutsche Fallanalytiker und ehemalige Kommissar Alexander Horn schreibt:

"Die einfachste Hypothese ist häufig die zutreffende. Der Mensch neigt dazu, die Dinge zu verkomplizieren anstatt nach einfachen Lösungen zu suchen – diese erscheinen ihm nämlich häufig zu banal. Nachdem ich mich nun 17 Jahr lang mit der Aufklärung von Schwerverbrechen befasst habe, muss ich jedoch sagen:
Die Dinge sind häufig bedeutend banaler, als wir sie uns vorstellen."
(Die Logik der Tat. Erkenntnisse eines Profilers. München 2014, S 68.)

Welche einfache Erklärung verbindet nun alle 5 Punkte unseres Wissens zu einem geordneten, "banalen" Zusammenhang, den wir sofort verstehen, weil alles zusammenpasst?

Wir müssen das teilweise vorliegende Wissen in Gedanken ergänzen, dann tritt die Lösung hervor, nämlich:

Der Onkel, bei dem der 16-jährige James Alexander Forbes in Argentinien lebte, war:

(a) der Vater des Lima-Schatz-Forbes; oder
(b) der (ältere) Bruder des Lima-Schatz-Forbes

Oder aber:
Der Lima-Schatz-Forbes war der ältere Bruder des James Alexander Forbes.

Versetzen wir uns in die Lage des wahren Forbes, der nach der Rückkehr von der Kokos-Insel 1822 in der costaricanischen Hafenstadt Puntarenas an Gelbfieber erkrankt merkt, dass sein Leben in Gefahr ist:


Es ist nicht so, dass er Kapitän Thompson den Lima-Schatz nicht gönnt. Aber ein einziger Mensch auf der Welt allein mit diesem Schatz:

12 grosse, gefüllte Truhen:
goldene Kunstgegenstände, Smaragde, Topase, Rubine, 31 Diamanten, 4000 spanische Golddublonen, 5000 mexikanische Kronen, 8 zedernhölzerne Koffer voll Silberbarren, 22 goldene und silberne Leuchter, 3840 geschliffene und 4265 ungeschliffene Edelsteine;
eine lebensgrosse, edelsteinbesetzte Statue der Jungfrau Maria mit dem Jesukind, gefertigt aus purem Gold und mit einem Gewicht von 400 kg.
Diese Statue enthält 1684 Edelsteine, davon 3 Smaragde von Hühnereigrösse (10 cm) an der Brust, 6 Topase von Hühnereigrösse (15 cm) an der Krone und 7 Kreuze aus Diamanten.

Der sterbenskranke Forbes zeichnet einen Schatzplan, den er seinen Verwandten in Argentinien zukommen lassen will (Vater oder Bruder), also dort, wo James Alexander Forbes lebt. Der sterbende Forbes aber liegt 1822 in einer Holzgalerie, die 1814 in Puntarenas gebaut wurde. Sie dient als Regierungsbüro, Zoll, Krankenhaus und erste Schreibschule. Der sterbende Forbes musste aber jemandem dort den Briefumschlag mit dem Schatzplan übergeben, damit dieser zu seinen Verwandten nach Argentinien kam. Aber schon in Costa Rica selbst machte sich jemand eine Abschrift. Diese Abschrift gelangte in die Familie Jimenez in Costa Rica, oder sie war von Anfang in deren Händen. Der Schatzplan von Forbes kam erst Monate später nach Argentinien in das Haus jenes Onkels, wo James Alexander Forbes lebte. Und neun Jahre später nimmt nun J.A. Forbes den Schatzplan (wohl seines Bruders oder Cousins) bei seiner Einreise in Kalifornien 1831 mit.

60 Jahre später:
Der costaricanische Präsident Rodriguez gibt dem deutschen Schatzsucher August Gissler 1891 den Schatzplan der Familie Jimenez. Es ist ein Deal mit einer bestimmten Verteilungsquote: Wenn Gissler den Lima-Schatz findet, so erhält Costa Rica ein Drittel vom Schatz![5]

Das ist die einfache Erklärung, die das gesamte uns vorliegende Wissen erklärt und dabei auch den richtigen Forbes mit dem falschen Forbes (J.A.) und dessen Plan verbindet!

Es ist erstaunlich, dass niemand auf diese einfache Erklärung gekommen ist, nicht einmal Robert Vergnes. Zu seiner Entschuldigung müssen wir sagen:
Er wusste so viel wie kein Zweiter weiss, sogar über den falschen Forbes (J.A.), aber Vergnes hatte 1978 leider falsche Geburtsdaten von Forbes (J.A.) vor sich liegen. Nach seinen Unterlagen war dieser falsche Forbes zur Zeit der Ereignisse um den Lima-Schatz 27 Jahre alt und hatte eine Ausbildung als Mediziner. Robert Vergnes schloss ihn daher als unmöglich aus. Wir konnten am 10. Juni das Gleiche tun, besser, aber auch leichter, mit sehr viel mehr Wissen, aber eben auch dank Robert Vergnes.

Nach einer bislang unbestätigten Information wurde von deutscher Seite kritisch bemerkt, Claude Desailly habe für die Ausarbeitung des Drehbuchs von ZWEI JAHRE FERIEN ganze vier Jahre benötigt.
Robert Vergnes Buch "Mystère aux Iles Cocos", erschien 1967 in Paris, also just in der Zeit, als Claude Desailly sich in derselben Stadt an das Drehbuch von ZWEI JAHRE FERIEN machte. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Desailly seine schon begonnene Arbeit am Drehbuch zum Film verwarf und überarbeitete, weil er von Robert Vergnes Buch so beeindruckt war. Dies könnte die Erklärung für die Verzögerung sein.

Auf jeden Fall wissen wir nun:
warum der Forbes von ZWEI JAHRE FERIEN nichts mit dem Forbes aus dem Buch von Jules Verne zu tun hat;
und warum es in ZWEI JAHRE FERIEN auf der Schatzinsel ein Phantom und ein Gerippe gibt.


Wir können gewiss gut verstehen, warum Walter Ulbrich die Film-Insel mit seinen Wald- und Tieraufnahmen mysteriöser gemacht hat, tropischer, unwegsamer, immer für Überraschungen gut. So stelle wenigstens ich mir eine Schatzinsel vor, und nicht wie eine Wiesenlandschaft im Allgäu.

Die Kokos-Insel hat noch heute viele unbekannte Regionen im Inselinneren, die so undurchdringlich sind, dass sie noch von keinem Schatzsucher betreten worden sind! 1978 stiess eine Kompanie der costaricanischen Nationalgarde im dichten Urwald auf das Wrack eines abgestürzten US-Air-Force-Bombers, der seit 1947 verschollen war:
In 31 Jahren war der Urwald in das Flugzeugwrack und in die Skelette der beiden Piloten hineingewachsen. Neben ihnen waren vier Säcke mit je 3000 Zwanzigdollarmünzen sowie vier Säcke mit je 3000 Goldpesos.[6]
Jetzt also noch ein Schatz, der vom Himmel auf die Kokos-Insel kam! Eine Insel des Teufels.

Zuletzt noch eine Verbindung zur Vorlage eines anderen berühmten Vierteilers:
Genau in dem Jahr, als James Alexander Forbes starb (1881), erschien das Buch "Die Schatzinsel" von Robert Louis Stevenson. Sein Vorbild war:
die Isla del Coco. Zum Cucuc! Wenn das kein Zeichen ist!

Elaine hatte die an sich gute Idee, nach Puntarenas zu reisen, um eine Untersuchung der Überreste von Forbes vornehmen zu lassen. Ist diese Idee aussichtsreich? Dazu mehr in Kürze.

Unterdessen habe ich in den frühen Morgenstunden des 19. Juni 2019 eine Art von Brieftaube nach Puntarenas in Costa Rica geschickt. Kann nicht versprechen, dass sie mit einer Botschaft zurückkommt.
Falls ja, so wird der Inhalt hier exklusiv in TV-Nostalgie bekanntgegeben.
Falls nein, so können wir die Frage "Forbes in Puntarenas ja oder nein" trotzdem in einer bestimmten Weise beantworten! Nicht aus dem Fernsehsessel. Aber aus dem Lehnstuhl. So, wie es sich für Faulbären gehört.

_______________________________

[1] Ganzer Absatz nach Nicolas Serrano: Piratenschätzen auf der Spur. Indizien, Fakten und Legenden, Stuttgart 2000, S. 114.

[2] Robert Vergnes: La dernière île au trésor (1978), Paris 2014, S. 13.
Für passionierte Interessierte gibt es eine sehr schön gemachte Webseite zu Ehren von Robert Vergnes:
h t t p : // w w w .cocostresors.com/robertvergnes.htm

[3] Ganzer Absatz nach Vergnes (2014), S. 112 und 114.

[4] Vergnes (2014), S. 231.

[5] Ganzer Absatz nach Vergnes (2014), S. 112.

[6] Ganzer Absatz nach Serrano (2000), S. 115.

Mariposa



Beiträge: 854

22.06.2019 11:50
#551 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Danke für die umfangreichen Posts und Dir lieber Loe-Leo genauso ein aufrichtiges Dankeschön für die Aufklärung.

Erklärung (e) gefällt mir am besten:

Der Forumsbeitrag in der Geschichte des Internets mit der grössten Sparsamkeit (*) der sprachlichen Mittel.

Ich sehe schon, Filmbösewichte als auch deren Opfer (oder die Schnittmenge aus beidem) werden hier auch weiterhin eine wichtige Rolle einnehmen.

Ihr werdet es nicht glauben, aber ausgerechnet letzten Sonntag brachte der SWR in der Sendereihe ICH TRAGE EINEN GROSSEN NAMEN eine Folge über Claude Chabrol mit seinem Sohn als Interviewpartner. Wenn ich das bloß gewusst hätte. So hatte ich mich eineinhalb Stunden in der Badewanne "eingeweicht" (mir war so danach) und erwischte gerade noch den "Abspann" der Sendung. Schade, schade !!!

Ich wüsste ja noch mehr Regisseuren-Söhne oder Töchter, die ich mir sehnlichst als Interviewpartner wünsche. Also noch ein Wunsch ans Universum !!!

Aber zuallererst wünsche ich uns allen ein schönes Wochenende
MARIPOSA

Elaine



Beiträge: 332

22.06.2019 13:03
#552 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

... und mein Mann hat gestern verpeilt, beim Programmieren der Aufnahme von "Mahana - eine Maori-Saga" den richtigen Sender einzustellen... Aber es gibt doch heutzutage bei den Sendern eine Mediathek!
Ich lauere jetzt auf die Wiederholung, denn arte hat grade nur den Trailer drin...

loe



Beiträge: 78

29.06.2019 20:38
#553 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (Film und wahre Geschichte)

Die Brieftaube, die wir am 19. Juni nach Puntarenas in Costa Rica geschickt hatten, ist noch nicht mit einer Nachricht zurückgekommen.

Welche Aussichten haben wir Heutigen, das Grab von Forbes dort noch zu finden?

Das wahre Grab von Mozart (+ 1791) hat man bis heute in Wien nicht gefunden.
Können wir das Grab von Forbes (+ 1822) in Puntarenas in Costa Rica finden?
Puntarenas im Jahr 1822 darf man sich natürlich nicht wie Wien, Paris oder London um diese Zeit vorstellen.

1814 wurde in Puntarenas eine Holzgalerie gebaut, die mehrere Nutzungen hatte:
Sie diente als Regierungsgebäude, Zoll, Krankenhaus und erste Schreibschule.
Als die Bevölkerung wuchs, wurde es notwendig, eine Kirche zu bauen. Hierzu wurde zuerst eine halbgedeckte Schiffs-Kombüse mit einem aus England importierten Zinkdach gebaut!

Diese wenigen Sätze setzen uns in das richtige Bild, welche Aussichten wir heute haben, das Grab von Forbes noch in Puntarenas zu finden!

Blicken wir auf die zwei Möglichkeiten, die uns gegeben sind:

A. Wir finden das Grab von Forbes n i c h t (was zu erwarten ist)

(1)
Forbes war ein Seemann. Wenn er wie ein Seemann bestattet wurde, so hat es ein Grab von Forbes in Puntarenas nie gegeben.

(2)
Der heutige Friedhof von Puntarenas wurde erst am 18. April 1894 eingeweiht und ersetzte den alten (heute ein geteerter Platz). Und wir wissen nicht einmal, ob dieser verschwundene alte Friedhof nicht schon einen vor-alten Friedhof ersetzte, auf dem Forbes seit 1822 gelegen hatte.

(2)
Puntarenas und unsere Grabsuche wird von der Geologie nicht begünstigt! Denn:

"Costa Rica liegt in einer Erdbebenzone. Erdbeben und Vulkanausbrüche sind jederzeit möglich und können neben Verwüstungen auch Tsunami auslösen [die Hafenstadt Puntarenas liegt auf Meereshöhe, gebaut auf einem schmalen Sandstreifen!].
Von Mai bis November muss mit Hurrikanen und starken Regenfällen gerechnet werden. Sie können Überschwemmungen, Erdrutsche und Infrastrukturschäden verursachen."
(eda. admin. ch/eda/de/home/laender-reise-information/costa_rica/reisehinweise-costa-rica.html)

Die letzten drei grossen Erdbeben dort waren 2012, 1991, 1990; die letzten grossen Erdrutsche und Überschwemmungen waren 2018.
Puntarenas gilt als eine der weltweit meistgefährdeten Regionen für Tsunami.

Stellen wir uns unter diesen Bedingungen nun vor, was seit Forbes' Tod in den letzten rund 200 Jahren in dieser Hinsicht in Puntarenas passiert ist! Gute Nacht, Forbes.

(3)
Die letzte Meldung des Friedhofs von Puntarenas stammt vom 6. März 2012:

"Im Moment stehen bis auf weiteres keine Grabflächen zur Verfügung, da wir im Begriff sind, straffällige Steuerzahler und verlassene Grundstücke zu finden, um Verwaltungsverfahren zur Sammlung und Freigabe von Flächen durchzuführen."

Offenbar hat Puntarenas Friedhof grosse Platzprobleme und schreckt nicht davor zurück, alte und verlassene Gräber aufzuheben!

Was könnten wir also daraus schliessen, wenn wir Forbes' Grab nicht finden?
Nichts!
Aus der Feststellung "Es gibt keinen Beweis, dass Forbes in Puntarenas begraben wurde", darf man nicht schliessen, dass Forbes nicht in Puntarenas begraben wurde.
Das wäre ein Fehlschluss, der nicht wenigen Historikern schon unterlaufen ist und munter weiter unterläuft.

B. Wir finden das Grab von Forbes

(1)
Es müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein, damit die DNA erhalten bleibt.
(z.B. dürfen die Knochen nicht einer zu hohen Feuchtigkeit ausgesetzt sein, was mit Blick auf die Überschwemmungen, Erdrutsche und Tsunamis in Puntarenas sehr fraglich ist).

(2)
Die DNA-Analyse ist noch kein sicherer Beweis, weil auch zufällige Übereinstimmungen möglich sind (vor allem, wenn nur noch ein Teilprofil möglich ist).

(3)
Ohne Vergleich ist eine DNA-Analyse sinnlos:
Als Vergleich benötigen wir das Erbgut eines erwiesenen Nachfahren von Forbes, also eines möglichst nahen Verwandten.
_________________

w w w.scinexx.de/news/geowissen/skelett-von-richard-iii-entdeckt/
w w w.gen-ethisches-netzwerk.de/nachweisgrenzen-der-dna-analyse

_________________

Neuigkeiten:

Zum Thema "ZWEI JAHRE FERIEN und echte Gerippe auf der Schatzinsel in den 1960er Jahren" gibt es in Kürze eine gruselige Fortsetzung über eine neue Entdeckung, die für die Entstehung des Drehbuchs von grosser Wichtigkeit sein dürfte! Zartbesaitete mögen bitte Abstand nehmen.

loe



Beiträge: 78

30.06.2019 23:17
#554 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (Drehbuch Film + Historie)


Am 20.06.2019 (#550) haben wir von den zwei einzigen Menschen berichtet,
die über die Schatzsuche auf der tropischen, unbewohnten, costaricanischen Kokos-Insel wirklich Bescheid wussten:

vom Deutschen August Gissler (1857 - 1935)

und

vom Franzosen Robert Vergnes (1927 - 2004).

Für Freunde des Vierteilers "Schatzinsel" mit dem grossartigen englischen Schauspieler Ivor Dean gibt es eine spannende Verbindung zwischen

(a)
Stevensons "Schatzinsel" sowie

(b)
dem wirklichen Lima-Schatz von Kapitän Thompson und Maat Forbes auf der Kokos-Insel (Vorbild für Stevensons "Schatzinsel") und

(c)
dem Deutschen Schatzgräber August Gissler.

August Gissler hat in 19 Jahren den Schatz von Kapitän Thompson nicht gefunden.
Wohl deshalb, weil er zu sehr auf das Graben in den Böden konzentriert war und nicht an die vielen Höhlen auf der Kokos-Insel dachte.

Aber:

Gissler hat bei seinen Grabungen die Überreste einer alten Piratensiedlung auf der Insel entdeckt!

Wir erinnern uns an die Ringwallanlage aus Holzpalisaden mit dem Blockhaus in der Mitte: eine Art von Piratendorf auf der "Schatzinsel" in Buch und Film!

So etwas Ähnliches hat es also auf der bedeutendsten Schatzinsel der Historie tatsächlich gegeben!

Die archäologische und die historische Forschung zu Freibeutern und Piraten haben daher August Gissler zu danken.




A c h t u n g !

Nun kommt ein dunkles, sehr gerippiges Kapitel zu Robert Vergnes: lebendiger Grusel. Niemand braucht sich zu schämen, wenn er von der Lektüre absieht.

Einen Mordverdacht, gar einen Doppelmordverdacht, sollte man nicht leichtfertig äussern! Daher berufen wir uns auf den "Papst der deutschen Schatzgräber", Reinhold Ostler, der mit vier weiteren Deutschen 1982 sieben Wochen lang auf der Kokos-Insel nach dem Lima-Schatz von Kapitän Thompson und Forbes gegraben hat.

Wir erinnern uns:

Der Abenteurer, Höhlenforscher und Schatzsucher Robert Vergnes kommt 1962 zusammen mit zwei weiteren Franzosen auf die unbewohnte Kokos-Insel.
Nach fast drei Wochen Aufenthalt auf der Kokos-Insel sterben Claude Chaliès (29 Jahre alt) und Jean Portelle (27 Jahre alt) angeblich am 21. Dezember 1962 bei einem Unfall.
Robert Vergnes überlebt zwei Monate allein auf der Insel, bis ein Schiff ihn am 22. Februar 1963 von der Insel holt.


Am 21. Dezember 1962 wollten die drei Franzosen mit dem aufblasbaren Motorboot zu einer Landspitze der Kokos-Insel gelangen.
Motor, Ersatzbenzin, Material, Ausrüstung: das Boot soll schwer beladen gewesen sein.
Das Meer war grau und wüst. Grosse Wellen schlugen und klatschten in Richtung Insel. Trotzdem gelang die Ausfahrt des Bootes aus der Bucht.

Robert Vergnes hat den (angeblichen) Unfall in seinem Tagebuch wie folgt beschrieben:

[Etwa eine halbe Stunde nach der Ausfahrt des Bootes]

"Das Boot wird mehrfach hochgeworfen und hält die gerade Linie nicht gut. […] An der Colnett Spitze werden wir sehr geschüttelt und gehen nach Norden.
[…] Die Wellen prallen mit einem schrecklichen Lärm gegen die Felsen der Küste. Plötzlich fällt der Motor aus.
Ich schreie: Jetzt müssen wir ran. Die Ruder, schnell! Ein Zug wird am Gurt einer Tasche festgehalten. Die Gischt und die Wassermassen prallen auf uns nieder.

Ein grosses Riff erscheint. Wir werden darüber gehen. Es geht sehr schnell. Das Riff wird durch Zufall vermieden, aber das Boot wird brutal angehoben und auf ein anderes Riff geworfen. Das Boot dreht sich auf dem Felsen um. Ich werde herausgeworfen. Ich falle. Ich schreie oder höre Schreie. Ich weiss es nicht mehr. Eine Welle packt mich und wirft mich auf die Felsen. Mein Kopf, mein Schädel treffen auf den Felsen. Ich weiss nur, dass ich im Wasser blute. Ich habe Angst vor Haien.
[Um die Kokosinsel herum ist das grösste Haifischvorkommen der Erde.]

Eine Welle hebt mich an die Spitze des Riffes. Ich ziehe mich zurück. Ich schwimme nach links, wo ich dachte, ich sehe die Möglichkeit, mich festzuhalten. Ich kralle einen Arm, ein Bein, eine Hand. Ich weiss es nicht mehr. Ich schaffe es, auf den Felsen zu steigen. Ich rutsche, klettere höher. Ich breche erschöpft auf dem nassen Felsen zusammen. Ich keuche, ich bleibe noch eine Weile unten. Ich denke an die Kameraden. Vor allem an Jean, der nicht sehr gut schwimmt. Ich klettere nach links auf den Felsen. Ich sehe das Boot. Es ist auf einer Seite durchstochen und scheint am Riff zu hängen. Ich schreie: 'Jean! Claude!' Ich kann nichts hören, ich kann nichts sehen. Das Geräusch der Wellen, ohne Zweifel. Aber schon jetzt habe ich Zweifel. Ich habe Angst. Ich schreie lauter. Ich will nicht glauben, was ich gerade gedacht habe. Es ist Jean, der mir Sorgen macht. Wie hat er sich in diesen Wellen gehalten? Claude hingegen schwimmt sehr gut. Er ist wahrscheinlich auf der anderen Seite der Landspitze. Ich versuche zu sehen. Es ist schwierig. Es regnet stark. Ich schreie immer noch: 'Claude! Jean!' … Ich schaue auf das Meer. Es schäumt. Ich sehe nichts, keine Haiflossen. Eine stärkere Welle trifft auf den Felsen."[1]

Der angebliche Unfalltod von Chaliès und Portelle, die miteinander befreundet waren, soll sich am 21. Dezember 1962 ereignet haben.

Robert Vergnes ist danach genau zwei Monate allein auf der Insel.

Am 14. Februar 1963 schreibt er in sein Tagebuch:

"Man soll nicht sagen, dass ich nicht das Unmögliche versucht habe, den Schatz zu finden.
Ich rudere zur Bahia Esperanza. Das Meer ist ruhig.In einer kleinen Felsenbucht befindet sich ein Hohlraum, zwei Meter über dem Niveau der Flut.
Er ist etwa 30 Meter tief und variiert in der Breite von fünf bis zehn Metern.
Die Spitze des Gewölbes ist acht Meter entfernt. Weiche Erde bedeckt den Boden.
Im Hintergrund eine Gabel, deren Durchgänge blockiert sind. Künstlich könnte ich schwören.Ist das Thompsons Höhle?Wenn ja, dann muss der Schatz darauf warten, dass ich komme, denn ich bin sicher, dass niemand vor mir hier eingetreten ist.
Keine Spur, weder Mensch noch Tier, nirgendwo.
Ein Schauer überkommt mich.
Ich entdecke eine weitere Höhle, die bei Ebbe zugänglich ist, durch die man eine kleine Plattform erreichen kann, auf der sich ein Eingang zur ersten öffnet.
[...] Am 18. Februar wachte ich nach einer Nacht auf, die mit Visionen von Höhlen, Piraten und Schätzen durchsetzt war.
Der alte Thompson! Wenn es wahr wäre? Was wäre, wenn es SEINE GROTTE wäre?
Als ich mich selbst einen Idioten nannte, dachte ich an eine neue Reise.
Aber ich habe nicht die Ausrüstung, um ein paar Tonnen Erde zu bewegen. Oder die Kräfte."[2]Die Ereignisse fanden 1962 und 1963 statt, veröffentlicht wurde der Text des Tagebuchs 1967.
Aber allein bis Frühling 1978 war Robert Vergnes mittlerweile viermal auf der Kokos-Insel gewesen!
Und das, obwohl er nach dem Tod seiner beiden Kameraden geschworen hatte, die verfluchte Insel niemals wieder zu betreten.

Nach dem Tod der beiden Franzosen 1963 kam aus Paris eine spezielle Untersuchungskommission auf die Kokos-Insel, um die Geschichte aufzuklären, die Robert Vergnes erzählt hatte. Doch es gelang nicht, die Version des Überlebenden zu erschüttern.
Auch die Angehörigen des angeblich ertrunkenen Claude Chaliès versuchten, die Wahrheit hinter der Geschichte zu entdecken, weil es um eine Erbschaft in Millionenhöhe ging.
Die Verlobte von Chaliès liess eine Spezial-Expedition ausrüsten, um den Tod ihres Verlobten zu beweisen.
Man fand zwar mehrere Gerippe, aber darunter nicht die zwei Gesuchten.
Chaliès hatte eine sehr auffällige Zahnbrücke.

Hören wir jetzt, was der deutsche Schatzgräber Reinhold Ostler 1982 im costaricanischen Puntarenas von einem 70 Jahre alten deutschen Kapitän erzählt bekam, "ein Mann wie ein Bär – stahlblaue Augen und hellblondes Haar [...], eine gelungene Mischung aus Hans Albers und 'Seeteufel' Graf Luckner":

"Etwa ein Jahr nach der Geschichte, bei der die zwei Franzosen [Chaliés und Portelle] auf mysteriöse Weise verschwanden,
fuhr ich wieder rüber zur [Kokos-]Insel, um einen guten Fang zu machen.
(Er lebte damals überwiegend vom Hai-Fang, mit dessen Ausbeute er Lokale und Krankenhäuser belieferte.)
Eines Tages ankerte ich wie schon so oft in der Bahia Wafer und ruderte an Land, um ein Wildschwein oder eine Ziege zu schiessen.
Auf dem Rücken der Punta Presidio gelang es mir tatsächlich, einen guten Schuss auf eine Ziege anzubringen.
Allerdings hatte ich das Tier nur angeschossen und es konnte flüchten.
Ich verfolgte das waidwunde Tier durch den dichten Dschungel und sah die Ziege plötzlich hinter einem dichten Gestrüpp am Fusse einer steilen Klippe verschwinden.
Als ich genauer nachsuchte, entdeckte ich hinter einem dichten Lianenvorhang einen Höhleneingang.
Ich schlüpfte hindurch und erkannte zu meinem Erstaunen, dass sie voll war mit Ziegen, also eine Art natürlicher Stall.
Es stank fürchterlich, und alles war übersät mit Exkrementen.
Was mich aber schaudern liess, war die verfaulte und verweste Leiche eines Menschen, die zwischen all den Ziegen im Dreck lag.
Ich scheuchte die Ziegen aus der Höhle und erkannte zu meinem Schreck etwa drei Meter tiefer eine zweite Leiche.
Nachdem ich meinen Abscheu und den Ekel halbwegs überwunden hatte, zerrte ich die sterblichen Überreste aus der Höhle, um sie zu begraben.
Nun im Licht der gleissenden tropischen Sonne, sah ich auch die Todesursache.
Beiden hatte man von hinten durch den Kopf geschossen, die Schädel waren teilweise zerrissen.
Beim Durchsuchen der zerfetzten Kleiderreste fand ich in den Taschen der Beiden alte Gold- und Silbermünzen.
Weitaus interessanter aber war die Tatsache, dass einer der Toten eine goldene Zahnbrücke trug, die wegen ihrer Form und Grösse aussergewöhnlich war.
Die Münzen und die Brücke nahm ich an mich und stieg dann hinunter zu meinem Schiff, um einen Spaten zu holen."

Als der deutsche Schatzsucher Reinhold Ostler die Geschichte des alten Kapitäns nicht glaubt, holt dieser eine Schatulle und stellt sie auf den Tisch.
Ostler selbst klappt den Deckel hoch:

"Das Kästchen war voll mit Gold- und Silbermünzen.
Und dazwischen prangte unübersehbar eine auffällig grosse, goldene Zahnbrücke
."[3]

Die Expedition von Robert Vergnes und seinen zwei Kameraden auf die Kokos-Insel war in den 1960er Jahren in Frankreich ein Medienereignis.
Der Radiosender Europe 1, Radio Monte Carlo, das bekannte Magazin "Paris Match" sowie das belgische Comix-Magazin "Spirou" unterstützten die Expedition.
Das Medienereignis dürfte durch den Tod der zwei Franzosen noch grösser geworden sein.
Der Mordverdacht gegen Robert Vergnes war – wie gesehen – gegeben.
Der Drehbuchautor von ZWEI JAHRE FERIEN, Claude Desailly, hatte übrigens denselben Vornamen wie der verschwundene Chaliès, der Journalist und Schriftsteller war.
1967 erschien Robert Vergnes erstes Buch; darin waren auch die (angeblichen) Tagebuchaufzeichnungen enthalten.
Genau in dieser Zeit begann Claude Desailly mit dem Drehbuch zu ZWEI JAHRE FERIEN.

Von den zwei Gerippen in der Ziegenhöhle konnte Desailly nichts wissen.

Aber:

Steckt in der Geschichte vom Phantom und dem Gerippe in ZWEI JAHRE FERIEN noch eine Anspielung mehr als bloss die auf John Keating (Phantom) und Kapitän Boag (Gerippe) ?

V o r a u s s c h a u :

Seit dem 19. Juni warten wir auf eine Antwort vom Stadtarchiv Puntarenas in Costa Rica über einen Sterberegister- oder Friedhofregistereintrag zu Forbes.

Aber auch wenn die Brieftaube nicht aus Puntarenas zurückkehrt, können wir in Kürze die Forbes-Frage endgültig klären!
Nebenbei schiessen wir eine volle Breitseite gegen Terra-X (ZDF) und gegen die US-Firma Adventure Quest. Freibeutersprachlich gesprochen:
Der Tag der Abrechnung ist nahe.

____________________

[1] Mystère aux Iles Cocos (1967); Ausschnitte des Tagebuchs auch auf:
h t t p : // sophie.klinger.free.fr/vergnes/vergnes/tresors
(Übs. von mir)

[2] La dernière île au trésor (1978), Neuausgabe 2014, S. 257-259. (Übs. von mir)

[3] Dies und die vorigen vier Absätze nach: Reinhold Ostler: Fährte des Goldes. Verborgenen Schätzen auf der Spur (2001), S. 71, 76-77.

loe



Beiträge: 78

06.07.2019 20:49
#555 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (Film)

Wir haben aus dem Stadtarchiv in Puntarenas (Costa Rica) noch keine Nachricht über einen Sterberegistereintrag von Forbes erhalten.
Das macht nichts, denn davon hängt nichts ab!
Wir brauchen keinen Registereintrag und auch kein Grab von Forbes (gest. ca. 1822).
Dies wäre nur ein (höchstunwahrscheinliches) Sahnehäubchen zu dem, was wir heute schon wissen und in Kürze dank neuen Beweisen darlegen können.
Unser Feuer über die Länge einer vollen Breitseite gegen Terra-X (ZDF) und die US-Firma Adventure Quest verzögert sich, da beide sich einer Schlacht durch Flucht entzogen haben.
Bei günstigem Wind werden wir sie in etwa einer Woche zwischen Galapagos-Inseln und Kokos-Insel stellen.


Unterdessen haben wir eine neue Nachricht erhalten:


Wie wir alle wissen, war Walter Ulbrich, der Bearbeiter der deutschen Fassung von ZWEI JAHRE FERIEN, auch Gründer der "Tele-München Fernseh GmbH & Co Produktionsgesellschaft", die den Adventsvierteiler damals von deutscher Seite produziert hat.

Vor einigen Wochen bat ich meinen früheren Kollegen B. in München um einen Gefallen, an dem er selbst interessiert war.
Und zwar ging es um die Originaldokumente zur Entstehung und zur Verfilmung von ZWEI JAHRE FERIEN (einschliesslich der internationalen Korrespondenz).

Die Idee war, dass Herr B. die Dokumente im Archiv der Tele-München GmbH eingesehen und hierzu Notizen gemacht hätte.
Die Tele-München GmbH war so freundlich, die Anfrage von Herrn B. zu beantworten, wofür auch an dieser Stelle herzlich gedankt sei.
Demnach sind die Dokumente jener Zeit nicht aufgehoben worden.

Angenommen, dies ist auch in Frankreich und Rumänien so, hiesse das:

Ein Archiv mit schriftlichen Originalquellen zur Entstehung, Verfilmung und Bearbeitung von ZWEI JAHRE FERIEN gibt es nicht mehr!


Damit fällt ein wichtiger Ort weg, an dem

(1) Unbekannte Dinge über ZWEI JAHRE FERIEN hätten zutage gefördert werden können und

(2) Aussagen über ZWEI JAHRE FERIEN durch Belege gestützt hätten überprüft werden können.

Trotz diesem grossen Verlust heisst das nicht, dass wir dem alten Grundsatz verfallen:

"Was nicht in den Akten ist, ist nicht in der Welt."

An die Stelle des verlorenen Aktenschriftguts treten nun die publizistischen Quellen und die mündliche Überlieferung, beide mit erhöhter Bedeutung.

Zu den publizistischen Quellen gehören auch diese Webseite und ihre Forumsbeiträge.

So bedeutet das zum Beispiel für die Frage nach den Drehorten:

Die wichtigen Entdeckungen hierzu in den Forumsbeiträgen von Elaine und Mariposa sind nun bedeutende Quellen der Filmgeschichte.
Sie überzeugen durch ihre Qualität und können durch (deutsche) Originalakten weder bestätigt noch entkräftet werden.
In einer Diskussion kann jeder Einwände dagegen vorbringen.
Allerdings müssen sich diese Einwände genauso an ihrer Qualität messen wie das, was schon vorliegt.

Wenn es diese Webseite samt Forum eines Tages nicht mehr gibt, so werden Kopien dieser Forumstexte oder die mündliche Überlieferung bzw. Erinnerungen an diese Beiträge zu Quellen der Filmgeschichte zu ZWEI JAHRE FERIEN.

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