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Dieses Thema hat 546 Antworten
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 Adventsvierteiler und Weihnachtsserien - Vom Seewolf zu Anna
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loe



Beiträge: 58

07.06.2019 19:08
#541 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Der Film war für mich eine Entdeckung. Hat mir ausserordentlich gut gefallen.
Er packt einen durch seine stetig wachsende untergründige Spannung (im Gerippe und noch tiefer), während seltsamerweise das dargebotene Geschehen auf schöne Weise unaufgeregt bleibt und gerade dadurch unsere Aufmerksamkeit zu feinen Entdeckungen einlädt. Dieses verführerische Missverhältnis zeugt von bestialischer Klasse. Darum hatte die "Bestie der Müdigkeit" in mir auch nicht den Anflug einer Spur vom Fingerhut des Hauchs einer Chance. Das Ende des Films ist erwartbar, aber in seiner strengen Notwendigkeit erwünscht und bestechend.

Köstlich ist einer dieser winzigen Piekser, den der Film am Beispiel der Frau des Opfers austeilt:
Zuerst verbreitet die Frau im Salongespräch das auch heute noch überall gepflegte Wiedergekäue hohler Befindlichkeitsphrasen über bejahte, angeblich progressive Kunstmoden, wodurch die Einfalt selbst sich über die Einfalt der Spiesser erheben möchte. Dann aber liest ihr Mann ihre eigenen dichterischen Versuche vor, die nun von einem derart hohlen und ordinären Kitsch zeugen, dass ihn ausgerechnet jene belachen (Ehemann, Schwiegermutter), über welche die Verfasserin sich zu erheben erhoffte. Dazu passt, dass diese "feingeistige" Frau sich ja schon vor vielen Jahren an einen groben und ordinären, ja vulgären Mann weggeworfen hat.

Ein unwichtiges Detail, das mich nicht ganz überzeugt, liegt in Charles Abschiedsbrief. Darin bittet er Helène, sie solle dem Kommissar nun "erklären, dass es so nicht stimmt", wie es jetzt aussieht, nämlich dass Philippe, der Sohn des Ermordeten, als Schuldiger dasteht.
Das ist zu schwach. Hätte Charles sichergehen wollen, dass er Philippe rettet, hätte er ein klares, ausdrückliches Geständnis zu dem Brief an Helène hinzulegen müssen!
Wenn ich den Film richtig verstanden habe, ist es trotz bestimmter Hinweise eigentlich egal, ob Charles oder Philippe den Mord begangen hat. Wichtig ist bloss, dass ihn hier jemand für einen anderen auf sich nimmt und warum er das tut. Anscheinend bevorzugt der Film als Lösung einen von zwei möglichen Fällen:
Philippe glaubt, Charles habe die Tat aus Zuneigung für ihn begangen. Aus Dank und Zuneigung opfert sich nun Philippe für Charles auf dem Kommissariat mit einem falschen Geständnis. In seinem Abschiedsbrief will Charles nun Philippes Opfer wieder zurückgeben und somit aus Zuneigung das Kind jenes Mannes retten, der ihm sein eigenes Kind genommen hat. (Der zweite, weniger offenkundige Fall mit Philippe als Mörder hätte auch seine Reize und Raffinessen, vielleicht sogar mehr!)

Die Beziehung zwischen Charles und Philippe hätte noch etwas mehr Raum einnehmen können. Überhaupt hätte der Film noch mindestens eine halbe Stunde länger dauern sollen. So hätte auch Marc di Napoli mehr von seinem Potential ausspielen können.

Obwohl Marc di Napoli bloss ein Jahr zuvor im Vierteiler "Tom Sawyer und Huckleberry Finn" spielte, habe ich ihn erst gar nicht erkannt.

Auf der Halbinsel Crozon war ich mal eine Woche. Darum kenne ich Camaret-sur-Mer, vor allem aber das Cap de la Chèvre, wo das Wichtigste gedreht wurde, von Wanderungen her sehr gut, gerade auch diese schmalen Wege, die auf gefährlich steil ins Meer abfallenden Hängen liegen.

Gruselig war der Film tatsächlich nicht. Das hatte er, zur Referenzklasse gehörend, auch nicht nötig.
Angesichts dieser Referenz packt mich das unverkleidete Grausen nur beim kurzen Anblick heutiger Filmideen!

"O wortloser Ekel! – O Grauen über alles Mass!"
(E. A. Poe)

loe



Beiträge: 58

10.06.2019 22:51
#542 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

loe



Beiträge: 58

10.06.2019 23:08
#543 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (Film)

Heute nun der Nachtrag zu der prominenten Behauptung, es gebe nicht bloss den Schatzplan von Kapitän Thompson, sondern einen zweiten Plan, nämlich den von Forbes, dem Ersten Offizier! Mehr noch: Forbes sei später ein berühmter Mann in Kalifornien geworden und erst 1881 gestorben!

Zur Auffrischung unseres Gedächtnisses:

Wir hatten gesehen:

02.05.2019: #524
16.04.2019: #510
13.04.2019: #508

Die Filmidee vom Phantom und dem Gerippe in der Höhle auf der Insel, also von zwei schiffbrüchigen Schatzsuchern, fusst nicht auf Fiktion, sondern auf Historie.
Claude Desailly, der Drehbuchautor von ZWEI JAHRE FERIEN, hatte diese Idee von zwei Schatzsuchern, von denen einer den anderen ermordet hatte, von der wahren Geschichte um John Keating und Boag.

Keating hatte den Schatzplan von Thompson, dem Kapitän der MARY DEAR. Forbes, der Erste Offizier (First Mate) dieses Schiffes, war es, der die Meuterei und den Mord an den Spaniern an Deck angezettelt hatte, um den Lima-Schatz zu rauben. Als einzige von der MARY DEAR überlebten Kapitän Thompson und sein Erster Offizier Forbes auf der Kokos-Insel, wo sie den Spaniern entkommen waren. Nach der gemeinsamen Rückkehr von der Kokos-Insel 1822 stirbt Forbes in Puntarenas, der Hauptstadt Costa Ricas, an Gelbfieber.

Rund 25 Jahre später gibt der sterbende Kapitän Thompson seine Schatzkarte John Keating. Keating findet in Boag jenen Mann, der die Expedition zur Schatzinsel finanziert. Und dank Thompsons Karte entdecken dann Keating und Boag auf der Kokos-Insel den sagenhaften Lima-Schatz. Sie bleiben unter dramatischen Umständen zu zweit und ohne Schiff auf der Insel zurück. Keating überlebt und wird des Mordes an seinem Freund Boag angeklagt, aber aus Mangel an Beweisen freigelassen.

Jetzt kommt es aber ganz dicke!

Elaine hatte schon am 29.12.2017 darauf hingewiesen:
In der ZDF-Sendung Terra-X vom 17.12.2017 ist von zwei Forbes die Rede gewesen. Ja, es gibt diese Geschichte und sie ist alt. Terra-X hat sie nur übernommen. Wir wissen nicht genau, was Terra-X ausser der blossen Erwähnung noch mit ihr gemacht hat, da es keinen Zugriff mehr auf das extra Info-Material zur Sendung gibt. Viel wichtiger ist: Was bedeutet diese Geschichte in der Sache?

In ihr wird behauptet:

(1)
Es gebe noch einen zweiten Schatzplan, nämlich den von Forbes, dem Ersten Offizier der MARY DEAR, dem Kopf der Meuterei und des Mordes um den Lima-Schatz.

(2)
Dieser unser Forbes des Lima-Schatzes sei identisch mit James Alexander Forbes, dem ersten britischen Konsul des US-Bundesstaates Kalifornien! Und dieser Forbes hat eine grosse Familie geschaffen. Er war ein bedeutender Grundbesitzer, Grossaktionär und Schatzmeister der New Almaden Minen. Er liess 1854 eine hochmoderne Getreidemühle (Forbes Mill) für 200'000 Dollar bauen (die Kaufkraft von heutigen 6 Millionen und 157'783 Dollar).
Sein Erfolg hatte jedoch einen dunklen Punkt nicht ganz ausgelöscht, der seine Zeitgenossen immer faszinierte: Wo lag die Quelle seines Vermögens?
Die Schatzkarte und die Dokumente, die Forbes († 1881) für seinen ältesten Sohn hinterlassen hat, könnten das erklären. Die Karte war die der Chatham Bucht! Die Dokumente erklären im Detail die Überführung des Lima-Schatzes auf die Kokos-Insel und sein genaues Versteck. Kein Wort über die Herkunft dieser Papiere.
(Das unter (2) ist eine Paraphrasierung nach Robert Vergnes: La dernière Île au trésor (1978), Paris 2014, S. 229 f.)

Das ist die fast unglaubliche Geschichte im Kern. Sie führt über wenige Stationen sogar bis zum heutigen Tag! Die Karte wurde nämlich in der Forbes-Familie weitergereicht von:

James Alexander Forbes I
Charles H. Forbes
James Alexander Forbes III
James Alexander Forbes IV
William B. Forbes

Im Juli 2004 hat William B. Forbes seine Familiengeschichte mit Marc Saulnier geteilt, dem Chef der US-Firma Adventure Quest. Marc Saulnier ist ein Projektmanager, der sich spezialisiert hat auf die Vermarktung von Abenteuern und Abenteuergeschichten. Die Kopie oder das Original von Forbes' Schatzplan ist bei Saulnier und seiner Firma.

ZITAT:
Adventure Quest ist ein Unternehmen, das über 30 Jahre Erfahrung mit historischen Erkundungen, Seefahrt und weltweiter Archäologie, historischen Dokumentationen, Finanzierung und Verwaltung von Projekten im Zusammenhang mit der Schatzsuche verfügt.
Die Expertise des Unternehmens besteht darin, erstklassige Erkundungsmöglichkeiten für archäologische Entdeckungen und finanzielle Gewinne zu bewerten und auszuwählen. Als Teil der wachsenden Glaubwürdigkeit und Chancen innerhalb der Schatzsuchindustrie ist es das Ziel, ein Umfeld zu schaffen, in dem der Anleger mit der grösstmöglichen Chance auf Rendite geschützt werden kann.
ZITAT Ende
(Übersetzt vom Original auf: h t t p://aqvisions.com).

Beim Barte des Phantoms! Reibe sich die Augen, wer kann. Warum hat Elaine diese Idee nicht schon früher gehabt? Ultra-reichen Leuten glaubwürdige Schatzgeschichten erzählen, ihnen Pläne zeigen und sie dann die Expedition bezahlen lassen, an der man selbst teilnimmt! Abenteuerferien auf Segelschiffen und Schatzinseln machen und nebenbei dickes Geld verdienen. Das wäre ein Berufsleben gewesen. Schatztherapie für ultra-reiche Anleger, die für ein exquisites Abenteuer etwas springenlassen und nicht klagen werden, wenn der Schatz nicht gefunden wird (sondern vielleicht bloss das vorbereitete Gerippe von Boag in einer Höhle). "Terrific!" "Amazing!" "Tremendous!" "Marvellous!" "How nice!"

Auf der Webseite der Firma wird die alte fantastische Geschichte wieder neu verkauft und ausdrücklich behauptet, der Forbes des Lima-Schatzes sei identisch mit Forbes, dem reichen Konsul von Kalifornien!
(h t t p ://aqvisions.com/news/loot-of-lima-treasure-story-part-one)
Für viele Amerikaner ist das natürlich eine "super story", vor allem wenn man dazu den Schatzplan aus der kalifornischen Forbes-Familie vorweisen kann.

Ist das Fantastische also wahr, dass die beiden Forbes identisch sind?
Wir können diese Forbes-Frage heute eindeutig beantworten, exklusiv hier in TV-NOSTALGIE.
Und zwar mit einem kleinen Beweis.

Dazu müssen wir nicht ins Staatsarchiv von Puntarenas in Costa Rica reisen, um die Sterbeurkunde von Forbes zu suchen. Wir müssen auch nicht den Friedhof von Puntarenas umbuddeln und Knochen unter das Röntgenmikroskop zerren. Nein, wir wollen gegenüber dem ZDF (Terra-X) und gegenüber dieser amerikanischen Firma (Adventure Quest) Wohlwollen zeigen.

Das heisst:
Wir schieben die gesamten "klassischen" Quellen zum Fall Lima-Schatz beiseite. (Diese sagen ja alle, der Erste Offizier Forbes sei 1822 nach der Rückkehr mit Kapitän Thompson von der Kokos-Insel in Puntarenas an Gelbfieber gestorben).

Wir wollen also grosszügig annehmen, Forbes sei damals (1822) nicht gestorben! Das tun wir gerne. Denn sonst könnten wir nicht annehmen, der Forbes des Lima-Schatzes sei wirklich identisch mit dem berühmten, ultra-reichen James Alexander Forbes (gestorben 1881) in Kalifornien, also diese fantastische Geschichte, die wir oben vorgestellt haben. Wir wollen ja dem ZDF (Terra-X) und Adventure Quest diese Geschichte schenken. Aber nur schenken, um zu schauen, was aus dieser ANNAHME folgt. Wenn wir auf einen Widerspruch stossen, so muss aus unseren Voraussetzungen folgen, dass die Negation der Annahme richtig ist (Beweis durch Widerspruch).

Wir wissen (PRÄMISSEN):
(1) "Forbes the Lima Treasure hunter" war beim Raub des Lima-Schatzes 1821 der Erste Offizier (First Mate) auf der MARY DEAR.
(2) "James Alexander Forbes the Consul of California" lebte von 1805 bis 1881.

(3) ANNAHME (zusätzlich):
"Forbes the Lima Treasure hunter" == "James Alexander Forbes the Consul of California"

(4) KONKLUSION:
Aus (3) und (1) folgt, dass James Alexander Forbes beim Raub des Lima-Schatzes 1821 der Erste Offizier (First Mate) der MARY DEAR war.

(5) KONKLUSION:
Aus (4) und (2) folgt, dass James Alexander Forbes, der Erste Offizier (First Mate) der MARY DEAR, im Jahr, als der Lima-Schatz geraubt wurde (1821), seinen 16. Geburtstag erlebte.

Halten wir uns an dieser Stelle kurz und bildhaft vor Augen:
Marc di Napoli war 15 Jahre alt in TOM SAWYER & HUCKLEBERRY FINN (1968).
Heintje war 16 Jahre alt in DER LÜMMEL VON DER ERSTEN BANK (1971).
Franz Seidenschwan war fast 17 Jahre alt in DER SEEWOLF (1971).

First Mate = Chief Mate = Chief Officer = First Officer = First Lieutenant = The Mate

Der Erste Maat auf einem britischen Handelsschiff ist der Stellvertreter des Kapitäns.

Wenn der Kapitän z.B. wegen Rumkoma ausfällt, übernimmt der Erste Maat das Schiff. Demnach müsste ein knapp 16-jähriger Erster Maat namens James Alexander Forbes notfalls die höchsten und ansonsten die zweithöchsten Aufgaben auf dem Schiff erfüllt und dementsprechende Befehle an alle anderen Offiziere und an die Mannschaft gegeben haben!

Mit dem Bild des 16-jährigen Heintje vor Augen kommen uns vielleicht ein oder zwei Zweifel. Aber für einen Beweis genügt das nicht. Werfen wir besser einen Blick auf die Laufbahnen grosser Seeleute, darunter Giganten der Seefahrtsgeschichte. Und fragen wie dabei jeweils bloss:

In welchem Alter wurden sie zum Ersten Maat befördert:

Alter 35
John Coxon im Jahre 1752. Das ist der Kapitän der GROSVENOR, des reichsten Schiffes, das die Britische Ostindien-Kompanie je verloren hat.

Alter 35
Captain Charles W. Grant im Jahre 1839. Grant fuhr 56 Jahre lang auf Walfangschiffen.

Alter 23
Kapitän James Cook, der grösste Seefahrer und Entdecker der Weltgeschichte, 1752 im Alter von 23 Jahren. Da er aus sehr armen Verhältnissen kam, wurde seine Karriere in der englischen Klassengesellschaft verzögert befördert.

Alter 22
John Biscoe (1794 – 1843), Seefahrer und Entdecker im Südpolarmeer.

Alter 21
William Bligh (1753 – 1817), Bilderbuchkarriere, Navigationsoffizier bei James Cooks dritter Expedition und Augenzeuge seines Todes, wurde Erster Maat im Alter von 21 Jahren. Seine Seekarten waren von derart exzellenter Qualität, dass sie noch im 20. Jahrhundert verwendet wurden! Er war der spätere Kapitän der BOUNTY. Nach der Meuterei navigierte er das ausgesetzte offene Beiboot 6'700 km über das Meer und rettete dadurch die Männer, die bei ihm waren.

Alter 19
John Paul Jones (1747 – 1792), der absolute Rekordhalter, wurde Erster Maat im Alter von 19 Jahren. Er war der berühmte Befehlshaber im Amerikanischen Revolutionskrieg, der "Vater der US-Navy".

Hier enden die Rekorde...
...es sei denn, unser kalifornischer Freund James Alexander Forbes war 1821 wirklich 16 Jahre alt und Erster Maat auf der MARY DEAR.

Das Britische Königreich hat 1854 die schon zuvor gelebte Praxis bei den vorausgesetzten Fähigkeiten auf britischen Handelsschiffen, die ins Ausland fahren, in schriftliche Vorschriften gegossen: Certificates of Competency (MS Act 1854).

An ONLY MATE must be 19 years of age.
A FIRST MATE must be 19 years of age.

(Quelle: h t t p://ww w.mariners-l.co.uk/GenBosunMastersExam. html)

Somit können wir unseren Beweis fortsetzen und abschliessen:

(6) KONKLUSION:
Die Konklusion (5) führt zu einem WIDERSPRUCH:
Niemand konnte mit 16 Jahren Erster Maat auf einem britischen Handelsschiff sein.

(7) KONKLUSION:
Daraus folgt die Negation der zusätzlichen ANNAHME (3), demnach:
NICHT ("Forbes the Lima Treasure hunter" == "James Alexander Forbes the Consul of California")

Kurzum:
Die beiden Forbes sind nicht identisch.
Die behauptete fantastische Geschichte ist nicht wahr.


Wir zweifeln nicht an der rührenden Geschichte der Weitergabe von Plänen und Karten innerhalb der reichen Familie Forbes. Da es in der Geschichte der Schatzsuche aber schon viele Fälle von falschen und betrügerischen Plänen und Karten gegeben hat, lässt sich nicht sagen, ob die Mitglieder der Forbes-Familie ebenfalls leichtgläubige Opfer dieses Schatzwahns geworden sind. Denn mit "Reichen + Dummen" lässt sich viel Geld verdienen.

Es ist nicht unsere Aufgabe, Leute vor der Geldidee dieser US-Firma zu warnen. Jeder muss für sich entscheiden, ob er dabei auf eine kokosleimige Spur kriecht.
Wir suchen hier bloss nach Erkenntnis in der Sache selbst. Wir dienen allein der Wahrheit und arbeiten ihr zu, ehrenhalber, geschenkt, ohne Geld.

Wir haben nicht die schwierige Frage beantwortet, ob der zweite Schatzplan unecht ist. Wir haben bloss in einer sehr viel leichteren Frage gezeigt:
Forbes 1 ≠ Forbes 2.

Und die ZDF-Sendung Terra-X? Hat die Redaktion diese Geschichte um James Alexander Forbes nicht geprüft? Klar ist: Die frühere Sendung Terra-X hat mit der heutigen Sendung nichts mehr zu tun.

Früher:
Archäologinnen zeigen und erklären hochspannende Dinge in oder vor Höhlen auf der Osterinsel. Im Hintergrund keine Musik, ausser die natürlichen Geräusche von der Insel wie Wind usw. Eine ruhige Bildfolge, also so, wie ein Mensch die Welt sieht.

Heute:
Alle zwei Sekunden ein Bild und dazu ein Effekt. Dazu Trompeten, Posaunen und Basstuba, Toneffekte wie Peng, Puff, Zack, Wamm, Rumms usw. Eine belästigende, theatralische Stimme infantilisiert den Zuschauer zusätzlich. Was soll man noch von einer solchen Sendung erwarten? Aus und vorbei!

Elaine



Beiträge: 329

14.06.2019 19:01
#544 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Definition von "gruselig"...
... ist bei jedem Menschen natürlich eine andere.

Ich bin vor ein paar Jahren beim Ansehen von "Das Biest muss sterben" ausgestiegen, als dieser dissoziale Bauunternehmer seinen Sohn (gespielt von Marc DiNapoli) so demütigte, dass der wegrannte (sicher nicht weit - wohin auch?)... Da ich beruflich regelmäßig mit Menschen zu tun habe, in deren Familien so ´was zur Tagesordnung gehörte und die ihr ganzes Leben lang noch ´was von den furiosen Umtrieben ihrer Eltern haben, ... musste ich feststellen, dass ich mir das nicht auch noch "live und in Farbe" in meiner Freizeit geben konnte.
Ich für meinen Teil muss einen Tag mit ausgeglichener Gemütslage abwarten, um mir "Que la bête meure" bis zum Schluss ansehen zu können.
Dabei gucke ich mir anderweitig durchaus solche Filme an wie "Cujo", "Link, der Butler", "Katzenmenschen", "Alien", "Top of the Lake" etc. ...

Aber um auf die Art der unterschiedlichen Forbeses zurückzukommen:
Mit 16 Jahren First Mate zu sein, ist in der Tat ein wenig früh - dem stimmt auch meine Regale füllende historische Maritimliteratur zu.

Aber war er wirklich erst 16??

Ich würde einen soliden Gentest an den verblichenen Gebeinen und den werten Nachfahren vorziehen... Denn wenn ich in den Orient schaue, selbst in die Zeiten und Gefilde von "Onkel Jackie" ("How old are you?" - "Just turned sixteen, sir," - "A lie. You'll never see eighteen again. Big for your age at that, with muscles like a horse.") oder in unsere eigene jüngere Vergangenheit (in welcher im Chaos' des Zweiten Weltkriegs ganze achtbar in Kirchenbüchern eingetragenen Leute verschwanden und zu anderer Zeit an anderem Ort mit anderem Namen wieder auftauchten)... dann gibt es immer gute Gründe, um ein paar Jahre älter oder jünger zu erscheinen, als man ist, und weitere Gründe, um das auch noch zu beurkunden ("Nebeneinkünfte... Köchleins Nebeneinkünfte."/ "Pickings," he concluded; "Cooky's pickings.") Nicht immer und überall geht es so geordnet zu, dass die Hebamme mit der Uhr in der Hand neben dem Entbindungsbett steht ("... 23 Uhr und... 22 Minuten!"), und das in höchst eigener Person auch noch einem unbestechlichen Standesbeamten beim Rathaus mitteilt... Auch bei Todesfällen konnte es damals bestimmt die eine oder andere Verwechslung oder nicht so ganz exakte Beurkundung geben...

Was meine beruflichen Talente und Entwicklungen anbelangt, so habe ich nicht durchgängig die Gene meiner 2.-Weltkriegs-"Wechselbalg"-Verwandtschaft geerbt und eigne mich daher nicht zur Hochstaplerin, sondern muss mich wie Dick Sand weiter brav mit "Mühe und Arbeit" und der Rolle der "Zweiten Steuerfrau" begnügen...

Mariposa



Beiträge: 840

15.06.2019 11:15
#545 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Was seid Ihr wieder so fleißig gewesen, liebe Mit-Autoren !!! Da muss ich ja mächtig draufhalten um auch noch meinen Senf dazu zu geben ;-)

Eine Frage noch zu Loe-Leos Beitrag # 542. Ist das eine Geheimbotschaft? Vielleicht weiße Schrift auf weißem Papier

Ich finde auch, dass es auf die Tagesform und die Gemütslage ankommt, was einem unheimlich bzw. schrecklich erscheint und was nicht. Auch die Umgebung, in der der Film geschaut wird, spielt eine große Rolle. Sind mal meine Erfahrungen.

Übrigens war der Kommentar einer Person, der ich den Film ans Herz gelegt hatte: Erinnert mich mächtig an die Erfahrungen mit meinem Alten !!!

Das Ende von DAS BIEST MUSS STERBEN bietet genug Raum für Spekulationen und schließt sogar eine Fortsetzung nicht aus. Vielleicht sollte sich Kommissar Georges Dupin (Pasquale Aleardi) aus den Bretagne-Krimis der Angelegenheit im Hier und Jetzt wieder annehmen. Die alte Geschichte aufgreifen! Ich sehe das förmlich vor mir.

Wir wissen ja nicht, ob Charles bei seinem Segelausflug wirklich zu Tode gekommen ist. War vielleicht nur vorgetäuscht und er lebt unter anderer Identität irgendwo ganz anders, vielleicht in einem territoire d'outre-mer oder in Französisch-Kanada. "Phantom" Marc di Napoli könnte als Philippe noch mal zur Schauspielerei zurück kehren und bei den Ermittlungen behilflich sein oder sie sogar anregen. Das wär's doch !!!

Helène könnte nach dem Kasatschok schwanger geworden sein. Es blieb natürlich nicht beim Kasatschok. Ihr Sohn macht sich mit Onkel Philippe Jahrzehnte später auf die Suche nach seinem biologischen Vater. Machen wir einen Segelbegeisterten aus ihm. Diese Rolle wäre dann Stéphane di Napoli auf den Leib geschneidert. Die Recherchen beginnen in Antibes und das zur Zeit des Filmfestivals in Cannes.

Ich hätte so viele Ideen !!! Bräuchte halt einen Geldschisser und Filmemacher, der sich ohne unverkleidetes Grausen des Stoffs annimmt.

WUNDER GIBT ES IMMER WIEDER.

Erst kürzlich wieder passiert mit POLY. Ich bin wirklich überglücklich, dass dieses Thema nochmals aufgegriffen wurde und ich in Erinnerungen schwelgen kann. Das ist ein GESCHENK !!!

Es ist auch nicht gänzlich ausgeschlossen, dass ich dadurch über den Verbleib von "Maud" oder vom "POLY-Mädchen" etwas in Erfahrung bringen kann. LA TETE D'HORLOGE steht immer noch auf meiner Wunschliste.

Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen schon Wirklichkeit sein.

In diesem Sinne wünsche ich Euch ein märchenhaftes Wochenende
MARIPOSA

Elaine



Beiträge: 329

Gestern 12:20
#546 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Mariposa, in alter Frische als die Königin der "spin-offs"!
Dein Wort in den Ohren aller Drehbuchschreiber, Filmproduzenten und (Ex-)Schauspieler !!
Marc di Napoli war immerhin vor ein paar Jahren noch in einem Theater in der Bretagne auf der Bühne (weiß nicht mehr wo), das echte Problem wäre vllt, Stéphane di Napoli zu motivieren, sein beschauliches Seglerdasein für ein paar Wochen zu unterbrechen...

"It is a great doctor for sore hearts and sore heads, too, your ship's routine, which I have seen soothe - at least for a time - the most turbulent of spirits. There is health in it, and peace, and satisfaction of the accomplished round; for each day of the ship's life seems to close a circle within the wide ring of the sea horizon. It borrows a certain dignity of sameness from the majestic monotony of the sea. He who loves the sea loves also the ship's routine.
Nowhere else than upon the sea do the days, weeks and months fall away quicker into the past. They seem to be left astern as easily as the light air-bubbles in the swirls of the ship's wake, and vanish into a great silence in which your ship moves on with a sort of magical effect. They pass away, the days, the weeks, the months. Nothing but a gale can disturb the orderly life of the ship; and the spell of unshaken monotony that seems to have fallen upon the very voices of her men is broken only by the near prospect of a Landfall."
Joseph Conrad

Wer lässt sich bei so viel meditativer Achtsamkeit schon gerne stören???

loe



Beiträge: 58

Gestern 23:23
#547 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

ZWEI JAHRE FERIEN (Film): Der Fall Forbes

Elaine, natürlich können wir auf die besten und stärksten Argumente jederzeit irgendwelche extrem unwahrscheinlichen Ausnahmebedingungen anführen (die vom Trivialen bis zum Absurden reichen):

A: Elvis ist tot, das ist dokumentiert.
B: Das will nichts heissen. Es hat schon Fälle von gefälschten Sterbeurkunden gegeben. Ich glaube erst an Elvis's Tod, wenn ich die Knochen persönlich analysiert habe.

A: Goebbels ist 1945 gestorben, dafür gibt es Zeugen.
B: Das besagt gar nichts. Es ist möglich, dass die Russen 1945 auf die teilverkohlte Leiche eines Doppelgängers hereingefallen sind. Solche Fälle hat es schon gegeben. Darum könnte Goebbels noch bis Ende der 1970er Jahre z.B. in Paraguay als geheimer Leiter des Staatsradios gelebt haben.

A: Da bis heute noch niemand einen Yeti gesehen oder Überreste gefunden hat, gibt es sie mit an Gewissheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht.
B: Das hat nicht viel zu bedeuten. Es ist möglich, dass sich die Überreste gestorbener Yetis besonders schnell auflösen oder dass die Yetis ihre Toten besonders tief begraben, sodass bis heute noch niemand ein Yeti-Skelett gefunden hat.

Darüber hinaus:
Dein Hinweis, dass Personaldokumente (hochseltenerweise) gefälscht sein können, ist KEIN Gegenbeispiel zu dem Argument, das wir in unserem Beweis vom 10. Juni vorgestellt haben!
Denn unser Argument lautet ja NICHT:
Wann immer in der Geschichte der Menschheit ein menschliches Lebewesen ein amtliches Ausweispapier mit Angabe des Geburtsdatums auf sich getragen hat, so entsprach das ausgewiesene Geburtsdatum dem wirklichen Geburtsdatum (= falsches, weil übergeneralisiertes Gesetz).

Deine Bemerkung ist also bloss ein selbstverständlicher Hinweis, dass in unserem Argument ein (als selbstverständlich vorausgesetztes) statistisches Gesetz enthalten ist, nämlich dass Ausweispapiere normalerweise richtige Geburtsdaten enthalten (und in Ausnahmefällen nicht).

Die von Dir genannte Möglichkeit ist deshalb höchstunwahrscheinlich, weil sie zwei Bedingungen enthält, die zugleich erfüllt sein müssen, obwohl schon jede für sich unwahrscheinlich ist:

(1) James Alexander Forbes hätte gefälschte Dokumente haben müssen, die ihn nicht als den 16 bis 17-Jährigen auswiesen, der er war, sondern als Anfang 20-Jährigen.
(2) James Alexander Forbes hätte mit seinen 16 bis 17 Jahren auch von seinem Äusseren wie ein Anfang 20-Jähriger aussehen müssen. Denn sonst hätte man seine Papiere als Unmöglichkeit erkannt und ihn nicht für voll genommen. Und ein milchbärtiger Erster Offizier auf einem Britischen Handelsschiff hätte inmitten rauher Seemänner die erste Sekunde seit Betreten des Schiffes nicht überlebt.

Weil der "Fall Forbes" so ungemein spannend ist, wollen wir Deine höchstunwahrscheinliche Möglichkeit trotzdem durchspielen und schauen, wohin wir dann kommen. Das Ergebnis wird sehr überraschend und sehr aufschlussreich sein! In Kürze! Für Spannung ist gesorgt! Dank Dir!



QUE LA BÊTE MEURE

Wie Mariposa schon früher gesagt hat: Der Film kann uns denken lassen, wir hätten ihn nicht richtig verstanden.
Eine belebende Einladung ans Grübeln und an die Vorstellungskraft.
Das fand ich auch früher schon an nicht wenigen französischen Filmen reizvoll. Man konnte noch Tage danach darüber diskutieren und sich im Verstehen vorwärts und manchmal wieder rückwärts tasten.

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