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TV-Nostalgie-Forum

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 Adventsvierteiler und Weihnachtsserien - Vom Seewolf zu Anna
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Mariposa



Beiträge: 856

18.08.2019 23:54
#571 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

Schön gedichtet, lieber Loe-Leo! In der Anfangszeit der Staudtchen Gedächtnisecke hier in Saarbrücken wurden Herbstanemonen gepflanzt. Seitdem sind das für mich Staudtche Stauden. Das idyllische Fleckchen in Nähe des Bahnhofs haben die saarländischen "Hobos" für sich entdeckt. Bei Konzerten kann man dort als Zaungast kostenlos der Musik lauschen. Vielleicht schaut der Wolfgang ja von ganz da oben runter und freut sich, weil in seiner Seewolf-Verfilmung die Hobos ja auch eine gewisse Rolle spielten. Bei der Verfilmung von DER EISERNE WEG, wobei er gestorben ist, gings ja auch um die Eisenbahn. Ist irgendwie stimmig ... finde ich.

Ich habe in meinem Garten eine Doktor-Schiwago-Gedächtnisecke mit Osterglocken bzw. Narzissen sowie eine J.-A.-Bardem-Gedächtnisecke mit blutroten Gladiolen. Die blühen derzeit. Für seinen schönen Neffen Javier gibt es eine Ecke mit Rizinus-Pflanzen. Nicht weil sie daran erinnern sollen, dass er einen eiskalten Killer mimte, sondern weil sie viel "daher" machen. Den Ursprungs-Samen habe ich in der Nähe seines Geburtsortes mitgehen lassen. Konnte nicht anders. Die Samen sehen aus wie kleine Zecken, machen aber große schöne Pflanzen. Obwohl sie auf den Kanaren ja an Trockenheit gewöhnt sein dürfen, mickern sie die beiden letzten Jahre ein wenig.

Ade nun zur guten Nacht !!!
MARIPOSA

Mariposa



Beiträge: 856

19.08.2019 09:45
#572 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

Liebe Forum-Freunde,

vom hier und jetzt ganz schnell zurück ins 19. Jahrhundert und von der Staudtchen Gedächtnisecke nach Down Under (Australien). Unser Lieblingsschiffsjunge hatte gegen Ende ja erwähnt, dass die Schiffspassage von Chile nach Neuseeland "gekabelt" wurde und dass das eine ganze schöne Stange Geld gekostet hat. Ich wusste als Schulkind gar nicht was kabeln ist und musste nachschlagen. Auch in Michael Strogoff wurden Telegraphenmasten "gekappt", die Verbindung unterbrochen. Es geht jetzt aber nicht um Chile, Neuseeland oder Sibirien. Hat jemand eine Ahnung ab wann die Ostküste von Queensland von Nord bis Süd, von Cooktown bis Brisbane, komplett telegraphenverkabelt war. Ist jetzt in anderem Zusammenhang passt aber irgendwie zum Thema.

Kapitän Nemo, den Ingenieur Cyrus Smith oder den Journalisten Gedeon Spilett aus der geheimnisvollen Insel kann ich ja leider nicht mehr fragen

Ich bedanke mich im voraus.
MARIPOSA

Elaine



Beiträge: 332

19.08.2019 20:41
#573 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

Hab ´s gefunden:

http://www.telemuseum.org/milestones.php:
"1887 - Coastal Telegraph Line completed in August between Thursday Island and Brisbane."

Manchmal sieht man doch den Wald vor Bäumen nicht... Aber danke für ´s Posten, das hat auf jeden Fall dazu angeregt, noch ´mal das Internet zu durchforsten, nachdem ich gestern schon Wikipedia, "History of telegraphy in Australia", "Cape York Telegraph Line", http://atlantic-cable.com//CableCos/Australia/ u. ä. m. am Wickel hatte und nicht definitiv fündig geworden war! Zu allem Überfluss scheint auch die altehrwürdige Tageszeitung von Cairns aus dem 19. Jh. auch noch "Telegraph" zu heißen...

Die Ehre, das Thread-Jubiläums-Rätsel zu lösen, muss ich aber anderen überlassen: overflow error (Arbeit, Bürokratie, Haushalt - kurz: "Mühe und Arbeit", Ihr wisst schon...)!

Ja, der Telegraf war zu Zeiten unserer jungen (fiktiven) Seehelden ein populäres Kommunikationsmittel - die Sherlock-Holmes-Geschichten aus demselben Zeitraum sind voll davon. Da konnte Lord B. bei entsprechendem Kleingeld nach Herzenslust round the world "kabeln" (und von Neuseeland nach Chile musste er tatsächlich 2/3 um die Welt herum, aber in die falsche Richtung, nach Westen: das Trans-Pazifikkabel wurde erst 1902 verlegt; preiswerter kam es ihn, falls er schon wieder in Schottland hockte ).

Genug für heute, nach 9,5 Stunden beruflicher Arbeit lauert die Bürokratie noch/ schon wieder auf der Schreibtischecke...

Mariposa



Beiträge: 856

20.08.2019 12:02
#574 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

Na ja, für mich war es auch ein Anlass mich nochmals ein wenig mit meinen australischen Reiseerinnerungen und Fotoalben zu befassen.

Ich könnte mir selbst in den Hintern beißen, denn die Old Telegraph Station wenige Kilometer von Alice Springs war Pflichtprogramm während unserer Abenteuer-Reise OUTBACK AND TERRITORY im Jahre 1998. Damals hatte ich wohl mehr die fliegenden Ärzte im Kopf und dass eine meiner Mitreisenden den Cousin meines Fernseh-Lieblingsarztes persönlich kannte.

Wir haben den Trip dann auch umgetauft in ALICE IN AYERS SPRINGS

Besagte gilt als Keimzelle der Stadt und wurde an einer Stelle errichtet, an der meistens ein wenig Grundwasser des Todd River an die Oberfläche tritt. Sie war eine Relaisstation und wurde für den Bau der Overland Telegraph Line im Jahre 1871 eingerichtet. Die Leitung ermöglichte (erstmals) eine telegrafische Verbindung zwischen den australischen Kolonien und Großbritannien. Relaisstationen waren nötig, weil die elektrische Spannung, mit der die Leitung betrieben wurde, nicht ausreichte, um sie durchgehend zu betreiben. In der Station wurden die gemorsten Nachrichten empfangen, abgeschrieben und von Hand in den nächsten Abschnitt der Leitung eingegeben. Sie dienste gleichzeitig als meteorologische Messstation. Sowas kennen wir ja aus der Folge DAS LAND DER KLEINEN ZWEIGE im Seewolf.

Später wurde die Gebäude in ein Kinderheim/ Schule umgewandelt, heute ist sie ein Freilicht-Museum. Nach meiner Zeit wurde ein modernes Besucherzentrum geschaffen. Dort werden historische technische Anlagen des Telegrafenbetriebs und die Lebensumstände der damaligen Bewohner gezeigt.

Eine Telegrafenstation fand ja auch in einer Folge von MICHAEL STROGOFF Verwendung, als der englische und französische Journalist den Betrieb blockierten, um dem jeweils anderen keine Möglichkeit zu geben, die Nachrichten zu verschicken. Was haben wir es da heutzutage doch so gut!

Cape York bringe ich am ehesten mit dem Black Mountain in Verbindung, einem unheilvollen Berg, wo ähnlich -wie am Hanging Rock - Menschen verschwinden.

LG MARIPOSA

loe



Beiträge: 87

20.08.2019 21:03
#575 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

"Staudtche Stauden", das ist ein Ding!
Danke dir noch für deine Nachsicht und dein mildes Urteil, Mariposa.
Das ungelenke, spätkindliche Gedichtchen für Wolfgang Staudte hat zwar einen Rhythmus, aber einen schleppenden.
Wollte unbedingt aus dem Stehgreif ein paar ernsthafte, feierliche Worte über Staudte zusammenbringen, der wichtig war und ohne den unser Leben ärmer gewesen wäre.
Zugleich wollten die Worte sich aber über das Verse-Reimen lustig machen (z.B. indem sie stur auf "aute" hinauswollten, aber nicht darüber hinaus).
Diese schwierige Gratwanderung musste scheitern.

"Kabel"? Gut, wir wussten als TV-Kinder der 60er und 70er vielleicht nicht was "kabeln" war, Mariposa, aber dafür wussten wir, wer Heidi Kabel war. Wenn ich mich nicht bös täusche, hat die sogar mal einen Hit gelandet mit "An de Eck steiht’n Jung mit’n Kabelband".
Und das Jahrzehnte vor der Verkabelung. Geradezu visionär.
Wer sagt da noch, Fernsehen bilde nicht?

Elaine, du hast das Jubiläumsquiz wohl falsch verstanden.
Es geht dort nicht um Dinge wie (aufwendiges) Suchen oder blosses Auswendigwissen.
In dem Quiz geht es fast immer um gewitztes Raten und Bewerten.
Dazu benötigt man pro Frage nicht mehr als 10 bis 20 Sekunden,
also für das ganze Quiz zusammengenommen nicht mehr als 5 bis 10 Minuten.
Was man mitbringen muss, ist also weniger Zeit als ein Minimum an Witz, damit er sich fruchtbar mit jenem verbindet, den das Rätsel mitzubringen hofft.

Möglichst vermieden werden sollten Fragen eines bestimmten Typs wie etwa:

"Wer erreichte 1938 im Hunderennen von Walthamstow den 7. Platz?"

Oder:

"Wann wurde die erste Skistation in Andorra eröffnet?"

Aber aus Gründen der Nostalgie gibt es im Quiz trotzdem vier oder fünf Fragen von diesem "Typus Thoelke".

Das seiner Natur nach zwanglose Quiz steht frei zur Verfügung in einer grösstenteils (noch) freien Welt. Die Überwachung mag ja gewaltig sein. Aber dem sei doch ferne hier unter uns. Seien wir zwanglos und locker.
Es muss wirklich niemand seine beruflichen und privaten Zeitprobleme darlegen, um damit öffentlich zu erklären, dass er keine Zeit für ein Quizchen habe, das irgendwo frei für den Privatgebrauch rumsteht und nach dem keiner fragt.
Einfach beiseitelassen, das genügt. Wie kämen wir sonst durchs Leben?
Niemand braucht sich für Auslassungen dieser Art zu rechtfertigen. :)

Es ist übrigens kein Rätsel, wo man wirklich was lösen muss, sondern bloss ein Quiz zum Selbstgebrauch.

loe



Beiträge: 87

21.08.2019 12:45
#576 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

Heute Morgen, als mir im Frühtau zu Berge die Haare stehen, ruft mich meine Patentante aus Hamburg an. "Jungchen, da hast du dir einen bösen Schnitzer geleistet."
Dann erklärt sie mir, dass in dem Lied von der Heidi Kabel richtigerweise ein Junge an der Ecke "mit'n Trudelband" steht und nicht mit 'nem Kabelband (wie ich gestern schrieb).
Meine Patentante Ilse ist 93 Jahre alt, filmbegeistert (besonders Western) und lebt seit zwei Wochen im Pflegeheim P. in Hamburg. Sie liest seit ein paar Tagen hin und wieder hier im Forum mit. Ich danke dir, Ilse, dass du mir dein Gedächtnis als Prothese geliehen hast!

Zur Frage des Telegrafenkabels in Australien könne sie nichts beisteuern, sagte Tante Ilse, denn sie habe bloss vier Jahre Schulbildung genossen. Aber eine heisse Empfehlung abgeben, das könne sie:

Einer der besten Western aller Drehzeiten hat zum Thema den Bau der ersten Telegrafenleitung zwischen dem Westen und dem Osten Amerikas. Ein hinreissender Western von gutem altem Schrot und Korn:

WESTERN UNION (1941)

(Typisch belallter deutscher Titel: ÜBERFALL DER OGALALLA)

Mit Randolph Scott und Robert Young, der wohl vielen von uns noch bekannt ist als Cuffy im Film DAS GESPENST VON CANTERVILLE (1944) oder den Serienfans als DR. MARCUS WELBY.
Mit spielt auch Virginia Gilmore (spätere Ehefrau von Yul Brynner).
Köstlich ist, dass der grosse deutsche Filmregisseur Fritz Lang diesen unsterblichen Western gemacht hat.

Ich versichere meiner Tante, dass man diesen prächtigen Film heute noch als DVD kaufen könne. Da singt sie mir durchs Telefonkabel:

"Dieser Western ist ein Hit.
Wann kriegt ihr das endlich mit.
Diesen Western müsst ihr koofen.
Es ist kein Western für die Doofen."

Als wir schon beim Auflegen sind, fällt Tante Ilse noch ein, dass schon 1933, als Deutschland den Hitler anzuhimmeln begann,
ein Western über das gleiche Thema gedreht worden ist: den Bau des ersten transatlantischen Telegrafenkabels in Amerika.
Der Film sei bloss "ein Stündchen lang" und die Hauptrolle spiele das Pferd von John Wayne (offenbar eine Sprechrolle).
Wichtig sei die weibliche Hauptrolle, sagt sie, die spiele nämlich die wunderbare Marceline Day, und die müsse ich ja kennen als Buster-Keaton-Fan.
Und ob ich die tiefgründig-süsse Marceline Day kenne! Demnach muss der Film mit John Wayne 1933 schon einer ihrer letzten Filme gewesen sein.

Im Vergleich mit meiner Tante bin ich kein Western-Kenner, sondern bloss eine westliche Pumpe. Tatsache ist, dass einige der besten Filme der Geschichte Western sind. Mal sehen, ob es hier im Forum eine Ecke gibt, wo ich die Stimme meiner Tante einbringen kann.

Ein Kapitel für sich wären die deutschen Übersetzungen ausländischer Filme. Was haben meine Schwester, mein Bruder und ich in der Kindheit bis zum Bauchweh gelacht, wenn wir in der TV-Zeitung den Originaltitel und danach den deutschen Titel gelesen haben.

Hatte einen Cousin, der wollte als Kind zu seinem Opa immer sagen: "Opa, sag was!"
Konnte aber nur sagen: "Oga lalla!"

loe



Beiträge: 87

21.08.2019 14:12
#577 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

Schon wieder so'n Schnitzer.

Korrigiert von meiner Patentante Ilse, 93 Jahre alt, wohnhaft im Pflegeheim P. in Hamburg:

"Ne, Jungchen, das Kabel im Western ist doch nicht 'transatlantisch', sondern 'transkontinental'.
Hab nur vier Jahre Schule gehabt, bin aber noch auf Zack."

Ilse, hab Dank!

Mariposa



Beiträge: 856

21.08.2019 22:04
#578 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

Schon seit längerem avisiert und versprochen, jetzt mit Anlass JUBILÄUM endlich in die Tat umgesetzt: Meine Erfahrungen mit dem "großen Gott Zufall".

So unheilvoll wie unser Lieblingsschiffsjunge zu erzählen, das bekomme ich nicht hin. Die Schauplätze sind auch nicht so bunt gemischt wie anfangs von ZWEI JAHRE FERIEN, dafür ist die zeitliche Abfolge plausibler.

Liebe Grüße MARIPOSA *************************************************************************************

Das Leben selbst schreibt oft die seltsamsten Geschichten. Diese in unserem Falle sehr positive und überraschende Erfahrung machten mein früherer Kollege Andreas und ich in der Vorweihnachtszeit 2001.

Die Geschichte beginnt eigentlich schon viel früher, genau genommen im Januar des Vorjahres, als Andreas sich kurzfristig entschlossen hatte, Saarland und Bank den Rücken zu kehren, um auf dem 5. Kontinent ein völlig andere Art des Lebens zu praktizieren. Statt eines erlernten, sicheren Berufs auszuüben nur noch gelegentliche Jobs anzunehmen, teilweise wochenlang im Freien zu campen und das ganze Tausende von Kilometern entfernt in einem Englisch sprechenden Land ist auch in der heutigen Zeit noch ein großes Abenteuer.Die Art der Beschäftigung im australischen Busch ist gewöhnungsbedürftig: die Erde zerwühlen um nach Opalen zu schürfen, Wildschweine jagen, Viehherden zusammen treiben, an Rodeos teilnehmen und skurrilen Outback-Typen zur Hand zu gehen unterscheidet sich doch grundlegend von der Bearbeitung von Immobilien-Finanzierungen in hiesigen Breiten. Außer dem Jagen und Zusammentreiben gehören auch das Erlegen,Schlachten und Häuten der Tiere zum Job eines Stockman. Alleine schon der Gedanke an das blutige Werk lässt uns Mitteleuropäer, die ihr Fleisch im Allgemeinen abgepackt und gebrauchsfertig im Supermarkt vorfinden, leicht erschaudern.

Vom Werdegang meines Ex-Kollegen hatte ich keine Ahnung,als mich nach vielen fehlgeschlagenen Versuchen im November 2001 ein Anruf des Reisebüros erreichte, es gäbe noch einen freien Flug zu einem akzeptablen Preis Richtung Sydney. Fast hatte ich die Hoffnung schon aufgegeben, nach „DOWN UNDER“ zu kommen, weil die Ereignisse des 11. September Flugpreise und Steuern für den Südpazifik innerhalb kürzester Zeit gewaltig in die Höhe schnellen ließen.

Sydney und Umgebung bringt man um diese Jahreszeit wohl am ehesten mit Buschfeuern in Zusammenhang. Umso größer war die Überraschung, als mich nach der Landung sintflutartige Regenfälle erwarteten. Das Wetter war so schlecht, dass ich sämtlich Sightseeing-Pläne stornieren musste, dafür aber ausgiebig Gelegenheit hatte mich mit meiner persönlichen Reiseplanung auseinander zu setzen und in Reiseprospekten zu blättern. Da fand sich – bei einem australischen Anbieter – sogar eine Möglichkeit nach Tasmanien zu fliegen – für mich von jeher Traumziel Nr. 1. Das das Wetter auch auf einer fast vergessenen Insel „am Ende der Welt“ kaum noch schlechter werden konnte, entschloss ich mich kurzerhand, meine Wunschvorstellungen zu realisieren und die Tour zu buchen. So verbrachte ich unvergessliche Tage in fast unberührter Natur. Tasmanien ist einzigartig, auch wenn die Witterungsverhältnisse teilweise etwas zu wünschen übrig lassen. Man hat dort Gelegenheit Tiere zu beobachten, die auf dem 5. Kontinent bereits als ausgestorben gelten. Die lila blühenden Felder, auf denen Schlafmohn zur Arzneimittelherstellung angebaut wird und die sich bis an den Horizont erstrecken bieten einen wunderschönen Anblick. In der tasmanischen Hauptstadt Hobart ist die weltweit bedeutendste Herstellung von „Cats“ (Schnellkatamaranen) angesiedelt, ein Industriezweig, der hierzulande recht unüblichist, obwohl der eine oder andere bestimmt schon einmal auf einem solchen Schiff unterwegs war.

Eine besondere Freude wartete am Ende meines Tasmanien-Trips auf mich: ein befreundeter australischer Schriftsteller und Journalist, der gerade „in der Nähe war“, hat eine 3-stündige Anreise nicht gescheut um sich mit mir in Melbourne zu treffen. Da solche Treffen äußerst rar für mich sich sind, hatte ich von meinen ursprünglichen Reiseplänen Abstand genommen und beschlossen, eine bereits gebuchte Rundreise anstatt in Melbourne dann erst mit entsprechender Verspätung in Adelaide zu beginnen. In die südaustralische Hauptstadt fuhr ich mit dem Linienbus, eine an sich sich ereignislose und langweilige Anreise. Da wir mehrere Klimazonen und eine Zeitzone durchfuhren und unterwegs mit Gewitterfronten und entsprechender Schwüle zu kämpfen hatten, war ich bei Ankunft ganz schön geschafft und übermüdet. Als ich mich am frühen Abend auf den Weg zu einem Backpacker machte (Backpacker sind Herbergen, die speziell auf die Belange von Rucksackreisenden – ebenfalls Backpacker genannt – ausgerichtet sind) konnte ich nicht wissen, dass mich dort die größte Überraschung meines Urlaubs erwarten sollte.

In Australien hat man nicht selten das Gefühl, mehr Rucksackreisenden als Einheimischen zu begegnen. Deswegen hat es mich auch nicht weiter beunruhigt, als der Herr vom Empfang meinte, die Herberge sei fast ausgebucht, es gäbe nur noch ein einziges Bett in einem gemischt belegten Zimmer. Ja, es sei auch ein Mann drin, aber ich solle mir keine Sorgen machen, es sei ein ganz lieber! Ich sehnte mich nur nah einer Dusche, einem Abendessen und einem Bett. An die Frage, ob meine Mitbewohner männlichen oder weiblichen Geschlechts seien, verschwendet ich keinen Gedanken. Ich sperrte auf, mein Zimmergefährte kam mich auch gleich begrüßen und dieser Mann war … mein Ex-Kollege Andreas. Offen gestanden muss ich sagen, dass ich ihn im ersten Moment zwar als Bekannten wahrgenommen, aber nicht mit der Bank oder überhaupt mit Deutschland in Zusammenhang gebracht habe. Dafür war die Überraschung einfach zu groß; dieses ungeplante Zusammentreffen zu unwahrscheinlich. Gleicher Termin, gleiche Unterkunft, gleiches Zimmer und das ganze noch in einer Stadt außerhalb der üblichen Tourismusrouten. Jeder Gedanke an Essen, Trinken oder Schlaf war plötzlich Nebensache, meine Müdigkeit wie weggeblasen. Wir hatte uns einfach zuviel zu erzählen.

Hätte Andreas aufgrund der großen Entfernungen nicht zwangsläufig eine Zwischenübernachtung in Adelaide einlegen müssen und hätte ich an meinen ursprünglichen Plänen festgehalten – wir wären NIE zusammengetroffen. So aber waren wir exakt zum gleichen Zeitpunkt am selben Ort. Die Welt ist ein Dorf! Am nächsten Morgen begann jeder von uns eine Rundreise. In etwas hatten wir sogar die gleiche Route, waren dabei aber mit verschiedenen Reiseveranstaltern unterwegs.

loe



Beiträge: 87

24.08.2019 15:20
#579 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

Liebe Mariposa, das ist eine verrückte und schöne Geschichte über eine zufällige Wiederbegegnung, wie ich sie noch nie gehört habe (geschweige denn erlebt).
Im Vergleich dazu ist die Wiederbegegnung von Forbes & Co. mit den "Sloughi-Jungen" nahe der Westküste Südamerikas geradezu ein Tête-à-Tête mit Erfolgsgarantie.

Ob bei Eurem aussergewöhnlichen Zusammentreffen in Adelaide etwas eine Rolle gespielt hat, das auch beim Ausflug eines Mädcheninternats im Adelaide der Wende zum 20. Jahrhundert eine Rolle gespielt haben könnte, nämlich eine magnetische Anomalie im Mount Macedon Massiv? Spricht nicht die Mathematiklehrerin in der Kutsche auf dem Weg zum erloschenen Vulkan des Hanging Rock von den magnetischen Kräften dieses Mount Macedon Massivs?
Vielleicht, Mariposa, ereignete sich Dir zu Ehren genau damals eine solche magnetische Anomalie ausgehend vom Hanging Rock in Richtung Adelaide, die zu der unheimlich-unwahrscheinlichen Wiederbegegnung zwischen Dir und Andreas beigetragen hat.

Es ist auch eine schöne Geschichte, die anderen Mut machen kann:
jenen, die sich mit dem Gedanken tragen, einmal alleine zu reisen;
aber vor allem jenen, die aus der Geordnetheit, der Enge und Erstickungsgefahr eines unbefriedigenden Lebens ausbrechen wollen, um sich wieder auf das grosse Versprechen der Kindheit und auf das Feuer der Jugend zu besinnen (oder umgekehrt), und all dies in einem Alter, in dem so viele andere wie der Tasmanische Teufel dem beruflichen Vorwärtskommen und dem gesellschaftlichen Prestige hinterherhetzen, Gefahr laufend, das Vermächtnis der Kindheit zu verspielen.

Ich danke Dir, Mariposa, für die Freude, die diese so gut geschriebene wahre Geschichte mir bereitet hat.

loe



Beiträge: 87

29.08.2019 22:36
#580 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

Möchte einem möglichen Missverständnis zuvorkommen, das ich mit dem scherzhaften Hinweis auf die gleiche geologische Ursache für zwei verschiedene Dinge hervorgerufen haben könnte, nämlich einerseits für ein Wiederfinden (Mariposas Reisegeschichte in Australien), und andererseits für ein Verschwinden (im Film PICNIC AT HANGING ROCK).

Mein scherzhafter Hinweis auf eine mögliche magnetische Anomalie im Mount Macedon Massiv sowie das Hin- und Herspringen zwischen wirklicher Welt, nämlich in Mariposas wundersamer Wiederbegegnung in Adelaide, und filmisch dargestellter Welt, nämlich in PICNIC AT HANGING ROCK (1975), könnte den Anschein erwecken, ich gebe dem Irrglauben Nahrung, am Hanging Rock sei wirklich eine Gruppe von Mädchen verschwunden. Aber mit dem genannten realen Faktor, der für Geologen Alltag ist, meinte ich nur die filmisch dargestellte Welt. Über ein wirkliches Verschwinden von Menschen am Hanging Rock möchte ich nichts gesagt haben.

Der Film von 1975, ein Meisterwerk ohnegleichen, nach einem erschütternd guten Drehbuch von Cliff Green und Regisseur Peter Weir, beruht auf dem Roman von Joan Lindsay.
Hätte aber die gute Verlegerin nicht die Autorin, Joan Lindsay, 1967 dazu aufgefordert, das erklärende Schlusskapitel wegzulassen, so wäre das Buch geradezu eine Ausgeburt an Geschmacklosigkeit geworden.
Die gekränkte Eitelkeit der Autorin ging so weit, dass sie eine testamentarische Verfügung erliess: das 1967 von der Verlegerin gestrichene Schlusskapitel mit der nicht nur lächerlichen, sondern vor allem überflüssigen Erklärung sei am dritten Valentinstag nach ihrem Tode zu veröffentlichen, was 1987 geschah; ein Recht, das Lindsay fraglos zusteht.

Die Autorin hat, wie manche Filmzuschauer auch, nicht erkennen können, dass Geschmack und Stil auch etwas mit "abbrechenden Notwendigkeiten" zu tun haben. Zum Glück haben aber die geschmackvolle Verlegerin wie auch die meisten Filmzuschauer genau verstanden, dass die Geschichte genau dort abbrechen muss.
Auch Mariposa hat diesen Geschmack bewiesen. Sie sagt nichts davon, wie ihre Reise weiterging, sagt nicht, ob sie und Andreas sich später im Leben wiedergesehen haben. Auch andere mögliche Dinge liefert sie nicht. Ihre Geschichte erzählt genau das, worauf es ankommt. Und die Notwendigkeit weiterzuerzählen, bricht an der richtigen Stelle ab.

Ebenso fragen wir in PICNIC AT HANGING ROCK nicht "Was folgte nun?" oder "Warum und wie verschwand diese Gruppe von Menschen am Hanging Rock?"
Der Film beruht auf sich, genügt sich selbst, in Anfang, Ende und auch in seinem Warum. Und die Schönheit des Films beruht wesentlich auch darauf, dass wir den Eindruck haben, die im Film erzählte Geschichte setze ihre Grenzen selbst.

Das Buch von 1967 hat seinen Zweck darin erfüllt, das tolle Drehbuch und den unglaublichen Film von 1975 ins Leben zu rufen.

Es mag sein, dass wir im Akt des Verstehens eine Erklärung in unserem Inneren suchen und dabei auf etwas Bebendes stossen, das nichts mit Geologie zu tun hat. Aber das ist etwas ganz Anderes als die geschmack- und stillose Klage der Ratlosen, die eine Erklärung in der äusseren Welt fordern, eine Erklärung der Autorin, eine Erklärung für alle, nicht bloss für die Ratlosen.

Was die Autorin des Buches nicht geschafft hat, zeigt der Film so eindrucksvoll:
er endet zur richtigen Zeit, an der richtigen Stelle.

Chrissie777


Beiträge: 33

15.09.2019 17:49
#581 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern Antworten

Apropos Donau Delta.
Wir fuhren im Oktober 2015 von Kelheim (Grossraum Nuernberg) zum Kloster Weltenburg, dabei kommt man beim Donaudurchbruch bei Weltenburg vorbei, die schmalste Stelle der Donau. Die Landschaft ist atemberaubend, und ich fragte mich, ob dort je etwas fuers deutsche Fernsehen gedreht worden ist?

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