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 Adventsvierteiler und Weihnachtsserien - Vom Seewolf zu Anna
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Elaine



Beiträge: 285

08.01.2010 21:08
#61 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Doniphan als Weinbauer? - Niemals!
Ich gehe davon aus, dass der morgens über seine Güter reitet und jagt und die Nachmittage in seinem Club verbringt, ganz wie es sich für einen echten Gentleman ziemt.

Mariposa



Beiträge: 784

09.01.2010 22:56
#62 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Tja, wenn Elaine darauf besteht, dass Gentleman Doniphan in den Sonnenuntergang reiten soll, dann muss ich mir halt etwas anderes als den Weinbauern einfallen lassen. Vielleicht züchtet er so nebenbei – als Hobby – noch Pferde oder er muss Pferde züchten, weil der Weinanbau floppt. So der Typ, der aus lauter Tierliebe einen Gnadenhof für Pferde à la Follyfoot eröffnet, ist er ja nicht. Das würde eher zu Service passen, den könnte ich mir prima als späteren Farmer vorstellen. Wie schon gesagt, darüber mache ich mir noch ein paar Gedanken …

Mit welchem Thema fangen wir also an, das ist die Frage. Über Mrs. Weldon gibt der Film ja kaum Auskunft. So wissen wir auch nicht, was sie war, als Doniphan auf die Welt kam: Mädchen, Frau oder Witwe. Müsste gelegentlich mal in „Ein Kapitän von 15 Jahren“ nachlesen. Über eine Witwe Weldon ist mir mal nichts bekannt, ich kenne aus Kindertagen eigentlich nur die Witwe Bolte, aber das ist wohl ein anderes Buch …

Zu den Jünglingen: Wenn „frau“ dem DVD-Booklet oder den den Illustrierten aus den 70er Jahren Glauben schenken darf, dann ist Doniphan im Mai geboren und Dick im April. Da wird Doniphan wohl tatsächlich der Ältere sein und die ehrenwerte Lady hat sich mit dem Kinderkriegen ziemlich ran gehalten. Natürlich wirkt Dick, der ja von Kindesbeinen an mit den Schattenseiten des Lebens konfrontiert wurde, sehr reif aber nicht frühreif. So ein frühreifes „Früchtchen“ spielte er bloß einmal, in einer Folge vom Kommissar. Das Sternzeichen „Stier“ spräche für die El-Ricardo-Variante. Sang nicht schon Heinz Rühmann: „Ich brech’ die Herzen, der stolzesten Frau’n, weil ich so stürmisch und so leidenschaftlich bin, mir braucht nur eine ins Auge zu schau’n un schon iss’se hin. Und er begründete das damit, dass sein Sternbild halt der Stier ist. Also wäre das geklärt. Doniphan ist der Ältere …

Für die Freundinnen von Schiffsjungen hatte 3SAT gleich zu Beginn des neuen Jahres eine nette Überraschung parat. Hat es doch wieder die MS Franziska ausgegraben. Der alte Kahn schippert – unter Regie von Wolfgang Staudte – ganz gemütlich durchs Nachmittagsprogramm den Rhein entlang. Nun gut, kein Schoner, keine Weltmeere, keine Korallenriffe, kein gleichmäßiges Auf und Nieder der schaumgekrönten Wellen aber eine liebevoll und gekonnt gemachte Serie mit einem NICHT mit allen Wassern gewaschenen Schiffsjungen namens Niko (laus), der später sogar als Krankenpfleger in der berühmten Schwarzwaldklinik Karriere machte. Genau genommen wurde er zu meinem zweitliebsten Schiffsjungen.

Bei MS Franziska sind die Drehorte wenigstens nachvollziehbar. Da „Vater Rhein“ seine Schätze (schon gar nicht den Nibelungenschatz) so ohne Weiteres frei gibt, so könnten interessierte Schatzsucherinnen und Schatzsucher vielleicht demnächst in TerraX auf die Reise und Schatzsuche gehen. Eine Folge führt meines Wissens nach Peru und von dort ist es bis zur Legende vom Schatz des Oberst Cherna ja auch nicht mehr allzu weit …

Mit gespannten Grüßen
MARIPOSA

Elaine



Beiträge: 285

10.01.2010 13:27
#63 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Also – bei Doniphan als Weinbauern versagt sich mir mein (sonst reichlich vorhandenes) Vorstellungsvermögen vollkommen!
Den kann ich mir wirklich nur als echten britischen Gentleman mit der nötigen morbiden Blasiertheit der damaligen upper class dazu ausmalen: Studiert ein paar Semester an der Uni (Jura – aber nicht, weil es ihn interessiert, sondern weil das ein passendes Fach für einen Herrn seines Standes ist) und gibt sich dann dem Müßiggang hin. Landgüter Verwalten passt, Jagen auch („Sa majeste chasse!“), Mitgliedschaft in einem illusteren Club und zweifellos auch Pferdezüchten – verfällt er gar dem Wettfieber und treibt sich auf den Pferderennen am Boxing Day und New Years Day auf der Rennbahn in Auckland-Ellerslie ´rum??
Und wann lassen wir die Story eigentlich beginnen? 1887 oder 1897? Da ist der Film nämlich widersprüchlich (s. Beginn von Teil 1 und Vorspann von Teil 2)!
Ist für Doniphan noch ein Offiziersrang bei den ANZAC-Truppen im 1. Weltkrieg drin? Beim Feldzug von Gallipoli, der Schlacht an der Somme oder bei Passchendaele? Ganz schön grausig!! Dann würde er anno 1914 nämlich mit einem überfüllten Truppentransporter in den Sonnenuntergang schippern (und nicht unbedingt zurückkommen)...

Über Mrs Weldon erfahren wir im Film wirklich nicht viel, außer dass sie ein gekünsteltes und geltungssüchtiges Geschöpf ist, wenn wir bloß mal an ihre Wohltätigkeitstombola auf dem Schulfest denken – da steht der Stamm wirklich nicht weit vom (gefallenen) Apfel!
(Im „Kapitän von 15 Jahren“ ist Mrs Weldon übrigens der Prototyp der tapferen und ehrbaren viktorianischen Ehefrau, hier: amerikanische Reedersgattin, mit einem 5jährigen Sohn, der Jack heißt.)
Und um die Verwirrung zu komplettieren: Im Film „wird Doniphan im Oktober 18 Jahre alt“ und über Dicks Geburtstag, -monat oder -jahr wird (passend zum Plot) nichts, aber auch gar nichts verraten! So ist das eben mit der Presse: Nicht zuverlässig... *müdes Schulterzucken*
Das mit den „gebrochenen Herzen“ der stolzesten Frauen hat sich im Nachhinein freilich als wahr erwiesen, und wenn das ein Privileg von Stieren sein sollte... Dabei haben Krebse (harte Schale, weicher Kern) auch ihre Reize und sind in diesem Fall so passend maritim ;-)

Na ja, dann war unsere schottisch-neuseeländische Mrs Weldon also evtl. kein „gefallenes Mädchen“, sondern geriet nach Doniphans Geburt auf Abwege, spiegelte ihrem ahnungslosen Gatten nervöse Erschöpfung vor und reiste in ein europäisches Sanatorium (etwa im Stile des „Zauberbergs“), um ihren Fehltritt zu vertuschen... Warum schob sie dem ahnungslosen Gatten das Kuckucksei aber nicht einfach unter??

Gleichviel, wer nun der Ältere der beiden ist, und auch wenn Dick über weite Strecken den freundlichen, unbedarften, neugierigen Schiffsjungen verkörpert, der sich mit seinem Job redlich langweilt - vernünftiger als Doniphan ist er allemal! Das Leben auf See lässt halt wenig Spielraum für solchen Spinnkram wie Angeberei und Imponiergehabe.

Service als Farmer ist sofort und ohne Einschränkungen genehmigt – ein Faible und ein Händchen für „das liebe Vieh“ hatte er ja schon immer!

Und was machen wir mit Gordon, Bryan, Jimmy, Morris, Henry und Ben??

[Fortsetzung folgt]

Mariposa



Beiträge: 784

10.01.2010 23:41
#64 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Da das Forum-Orakel erfreulicherweise von Tauchgängen zu Herren-Nachtwäsche übergegangen und schlussendlich bei BÄUCHEN gelandet ist (ein Mann ohne Bauch ist ein Krüppel), frage ich mich allen Ernstes, wer denn nun einen Bauch haben soll. Dick oder Doniphan oder hat bei der ehrenwerten Mrs. Weldon wieder der Storch zugeschlagen ...

Da das wie so vieles andere aber nicht von jetzt auf gleich geklärt werden kann und schon gar nicht wie es mit den restlichen Muchachos weiterging/ weitergeht (die machen sich ja noch rarer), vertagen wir es aufs nächste oder übernächste Wochenende ...

Bin schon erleichtert, dass Elaine nicht unseren Schiffsjungen "hoch zu Ross" in den Sonnenuntergang schicken möchte. Ich bring' den eigentlich immer noch mit blondmähnigen Haflingerpferden in Verbindung und wo sollen wir am Ende der Welt nun um Himmels Willen Haflinger herbekommen. Das weiß noch nicht einmal das Forum-Orakel ...

In diesem Sinne "hasta pronto"
MARIPOSA

Elaine



Beiträge: 285

11.01.2010 21:18
#65 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Allerliebster Schmetterling,

freilich ist es sehr nett, sich auszudenken, was aus Dick geworden sein könnte, wenn er zu unverhofftem Reichtum gekommen wäre...

... vielleicht hätte er sich gar nicht damit aufgehalten, seinen verzwickten Stammbaum zu entwirren (hätte dieses dekadente Vergnügen Doniphan überlassen) und statt dessen lieber ein paar scharfsinnige Überlegungen darüber angestellt, was Eddie Forbes und Josh Pike wohl auf seiner Robinson-Insel gesucht haben mochten... Ein helles Köpfchen war er ja schon immer!
Dann hätte er vielleicht die Ärmel aufgekrempelt und den Schutt mit den vorerwähnten Gebeinen weggeschaufelt, um das Gold des Oberst Cherna einer vorteilhafteren Verwendung zuzuführen... Und wer weiß, vielleicht hätte er auf seiner Estancia dann auch Haflinger mit blonder Mähne gehalten – sind 407 genug?
Und es mag sein, dass er dann auch hin und wieder in den Sonnenuntergang ritt—aber bloß die nächsten 100 km zu einem Schwatz mit dem Nachbarn...

... aber – bei aller Liebe! – ich kann mir nicht helfen: Für mich segelt er immer noch als 2. Steuermann auf seinem Windjammer in den Sonnenuntergang (oder Sonnenaufgang!)

Das mit dem kleinen Bauchansatz hat schon so manchen Herrn jenseits der 40 ereilt, so dass wir uns das gut bei allen unseren Helden vorstellen können.

Und was ist nun aus den anderen geworden? Ich habe im Film noch einmal mit Argusaugen nach deren frühen Talenten Ausschau gehalten:
Gordon wird Arzt oder Rechtsanwalt ("Mission Impossible": immer edel, hilfreich, gut und gerecht!)
Bryan wird Marineoffizier und ein rechter Leuteschinder (Motto: „Was ich nicht will, dass man mir tu‘, das füg‘ ich lieber anderen zu!“)
Jimmy wird entweder Lehrer (da er sich schon die ganze Zeit so fürsorglich um die Kleinen kümmerte) oder er wird auch Farmer (und lebt dabei seine praktischen Veranlagungen aus)
Morris wird Mathematiker oder Physiker (zitiere: „Man muss nur die zwei Kräfte in den richtigen Winkel bringen, dann wird daraus ´ne positive Resultante!“)
Henry wird Arzt (man beachte, wie er einem unterkühlten Bryan die Decke um die Schultern legt!)
Und Ben sorgt dafür, dass er fortan immer genug zu essen hat, indem er Lebensmittelgroßhändler wird (und in dem Fall kommt der Bauch vielleicht auch vor dem 40. Geburtstag)

Oder war alles doch ganz anders???

Mariposa



Beiträge: 784

17.01.2010 11:36
#66 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Ich finde es nett von Dir Elaine, dass Du die hübschen Haflingerpferdchen in der Story unterbringen möchtest, aber ich denke unser Lieblingsschiffsjunge steht eher auf mehr PS als auf eines oder soll ich sagen … ein halbes ...

So etwas passioniertes wie Pferdezucht passt in der Tat eher zur High Society und zu Doniphan. Den können wir ja Polopferde züchten lassen, genaugenommen argentinische, um eine lateinamerikanische Note hereinzubringen. Dann darf Doniphan Tango tanzen lernen und den Dick lassen wir besser schuhplatteln oder sagt man da eher schuhplattlern. Um noch mehr lateinamerikanisches Flair hereinzubringen habe ich an ein Au-Pair-Mädchen gedacht, eine hübsche Latina, in die sich einer der Jungs verlieben soll. Ach Quatsch – Au-Pair-Mädchen gab es damals noch nicht, machen wir aus dem Au-Pair-Mädchen halt ein Kindermädchen ...

Der kluge Gordon hat bestimmt später einen angesehenen Beruf ergriffen. Welcher Typ Weißkittel schwebt Dir denn vor Elaine? Vielleicht ein Arzt dem die Frauen vertrauen? Ich könnte mir vorstellen, dass in der Frauenarztpraxis die Hölle los wäre, er könnte sich vor Patientinnen wahrscheinlich kaum retten. Gynäkologen passen zwar hervorragend in Telenovelas (vor allem in lateinamerikanische) aber es wäre auch möglich, dass Gordon in die Fußstapfen seines Onkels trat und zu einem kirchlichen Würdenträger wurde. Vielleicht hat er sich dann in ein nettes Farmermädchen verliebt und es erging ihm so ähnlich wie dem Pater Ralph. Oder in die hübsche Latina. Dann hätten wir die auch unter. Dazu fällt mir nur ein: CUIDADO CON EL FUEGO !!! Aber wie kommt ein Pater an ein Kindermädchen? Oder er ist gleich ins Kloster gegangen, weil „frau“ heutzutage so gar nichts mehr von ihm hört. Auf dem Mont Saint Michel vor der Küste Frankreichs gibt’s eine romantische Abtei, aber das ist oder war – glaube ich – eine Benediktinerabtei. Ich fände einen Dominikanerorden passender …

Im Grunde genommen ist mir das deutsche Ende der Geschichte mit einem Steuermann auf einem der letzten Windjammer schon sehr Recht, daran bin ich schließlich seit 1976 gewöhnt. Auch die Russen haben sich Mitte der 80er Jahre des Schiffsjungen Dick Sand angenommen und „Ein Kapitän von 15 Jahren“ verfilmt. Da gibt es sogar einen „schokoladigen“ Koch, weil wir uns von den schokoladigen Weihnachtsmännern ja jahreszeitbedingt verabschieden müssen, um aktuell zu bleiben. Wer neugierig geworden ist, der sollte mal hereinclicken:

http://www.youtube.com/watch?v=1E3dVLdBu...player_embedded

Zum Vergleich dann noch Links zu anderen osteuropäischen Varianten des bekannten Films mit dem angehimmelten Schiffsjungen (Zusammenschnitte/ Intros), wo vor allem der erste recht gelungen ist. Vor allem die megadramatische Musik gefällt mir sehr gut:

http://www.youtube.com/watch?v=YSWIeH25V...player_embedded

Wem das an Tschechisch-Unterricht noch nicht reicht, der sollte die nächsten Clicks wagen:

http://www.youtube.com/watch?v=8ugCMiWxe-E

http://www.youtube.com/watch?v=o4evhYFZKag&feature=related

Jetzt wissen wir, das KONEC soviel wie Ende heißt und damit möchte ich schließen. Die Kochtöpfe rufen, die schreien schon und Kochen mit „Dick Sand“ klappt nur bedingt, so multi-tasking kann ich gar nicht sein …

MARIPOSA

Elaine



Beiträge: 285

21.01.2010 20:27
#67 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Tja, „Kochen mit Dick Sand“ ist nicht unbedingt zu empfehlen, wie wir wissen: Da wurde seinerzeit schon O’Brian unwirsch aus der Kombüse gefegt, und das Ergebnis von Ben unverblümt kommentiert mit: „Das schmeckt ja grässlich!“
Wie das wohl auf Tschechisch synchronisiert wurde?
Die Musik der tschechischen Version ist jedenfalls in puncto Dramaturgie nicht zu toppen! Da kommt selbst der gute alte Richie Wagner mit seinem Fliegenden Holländer nicht recht mit...

Pferdezüchten passt zu Doniphan ganz ausgezeichnet!
Ob der Tango Argentino anno 1898 schon gen Westen über die Anden gewandert war, wäre freilich noch zu recherchieren. Sollte das noch nicht der Fall gewesen sein, verfiel Doniphan aber möglicherweise irgendwelchen anderen heißen südamerikanischen Rhythmen, während er in „Valpo“ auf die Freipassage nach Auckland wartete, die sein Onkel an die Reederei gekabelt hatte...

Als damaliges Pendant der Au-Pair-Mädchen dürfen wir wohl die Stubenmädchen betrachten, die ausgesucht hübsch sein sollten, weil sie Besuchern die Tür öffneten und dabei das Renommee des Hauses repräsentierten!
Manchmal ging das auch schief (aus Sicht der Dame des Hauses und des Stubenmädchens) und das Mädchen landete mit dem Hausherrn... *räusper* ... so dass die Hausherrinnen in weiser Voraussicht nicht immer das hübscheste Mädchen einstellten.
Aber ein gutaussehender Junggeselle war selbstverständlich ganz frei in seiner Auswahl!

Nun, ja, und Gordon... Den Beruf des Priesters mag ich ihm ja nicht so recht antun! Aber ganz von der Hand zu weisen, ist das sicher nicht: Im Film schwirrt auf der Schulfeier so ein Schwarzrock um ihn herum, dass man glatt meinen könnte, das sei sein Onkel oder sogar sein Vater!
(Im Roman „Zwei Jahre Ferien“ ist Gordon Waise und sein Onkel und Vormund amerikanischer Diplomat in NZ). Allerdings schwebt mir dann eher ein anglikanischer Geistlicher vor, und was die nun wieder für Orden haben?
Über die mögliche Spezialisierung eines PD Gordon James habe ich mir noch keine näheren Gedanken gemacht. Er könnte schon Telenovela-tauglich Frauenarzt werden, aber auch Allgemeinmediziner (immer im Dienste der Menschheit!) oder – seiner Klugheit angemessen – so etwas Anspruchsvolles wie Gehirnchirurg...
Auch den Juristen mag ich noch nicht ganz aufgeben (immer im Dienste der Gerechtigkeit!)...
Fraglos hätten die Damen ihm das Pfarrhaus, die Praxis oder die Kanzlei eingerannt (was immer davon auch seine Wirkungsstätte wurde), so freundlich, vernünftig und fürsorglich wie er immer war! Heutzutage würden die anderen Herren wahrscheinlich neidisch und missmutig so etwas wie „Frauenversteher“ murmeln.
Ärzte haben natürlich eine Helferin in ihrer Praxis oder im Krankenhaus eine ganze Schar hingebungsvoller Krankenschwestern um sich, oder sie können es mit einer schönen Patientin in Bedrängnis zu tun bekommen.
Ein unverheirateter Priester hat immer eine Haushälterin oder wenigstens eine unglücklich verheiratete Dame in seiner Gemeinde! Nehmen wir vorerst die „Society of St Francis (SSF) Australia/New Zealand“ (aus http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_anglikanischer_Orden), in die er sich aus Liebeskummer zurückziehen könnte? Auch als Feldgeistlichen auf den Schlachtfeldern Flanderns im Stile von Anne Perrys Vikar Reavley könnte ich ihn mir vorstellen: Da wäre er denn auch von diversen aufopferungsvollen Krankenschwestern umgeben.
Oder ob er evtl. in die USA zurückkehrte und als Rechtsanwalt in Boston, Philadelphia oder Frisco (so ungefähr wie in Edith Whartons "Zeit der Unschuld") eine Mandantin bekam, die ihm den Seelenfrieden raubte?

Last but not least - Unser Lieblingsschiffsjunge: Gerade weil er überlieferterweise auf viel mehr PS als nur eins oder ein halbes steht, schlug ich ja 407 vor (es mögen etwas weniger gewesen sein – aber mindestens 204 an der Zahl)! Ob er damit hin und wieder so geschwind wie der „Erlkönig“ durch die Nacht ritt?
Oder ob er – der Langsamkeit des Segelns „im Schweiße seines Angesichts“ überdrüssig – 1911 mit einem der ersten motorisierten Flitzer an der Rallye Monte Carlo oder dem „Indy 500“ teilnahm??
Das mit dem Schuhplattlern ist auf dieser Welt doch regional sehr begrenzt! Wenn wir in Betracht ziehen, dass die Sloughi aus Glasgow stammt (s. ihre Rettungsringe) und die Mannschaft bis auf O‘Brian eine rein schottische war (wie wir am Ende von Teil 1 erfahren), dann müssen wir wohl eher annehmen, dass unser Dick Sand sich auf das schwungvolle Tanzen schottischer Reels verstand (so mit fliegendem Schottenrock)...

[Fortsetzung folgt]

Mariposa



Beiträge: 784

22.01.2010 21:15
#68 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Der sandige Dick im Schottenröckchen – welch’ reizvoller Gedanke !!! Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass andere Protagonisten – Vierteiler-technisch betrachtet – mehr Schottenröckchen-Erfahrung haben. Dank neuester technischer Errungenschaften wie z.B. Flughafenscanner bleibt heutzutage aber auch nicht mehr geheim, was „Mann“ unterm Röckchen so trägt oder nicht trägt …

Die Vorstellung von Gordons eventueller Laufbahn als Telenovela-tauglicher Frauenheld – äh – ich meine natürlich Frauenarzt behagt mir sehr. Gynäkologen sind – im allerweitesten Sinne – ja wohl auch so eine Art „Höhlenforscher“ und ich hatte im letzten Neuseeland-Urlaub einen recht jugendlichen Reisegefährten, der dem während ZWEI JAHRE FERIEN ebenfalls noch sehr jungen „Original“ täuschend ähnlich sah. Und dieser Typ nahm jedes Höhlenabenteuer mit und es gibt derer viele auf dem Abenteuerspielplatz Aotearoa …

Ach so, dieser zugeknöpfte „Man in black“ im Vierteiler, das war doch sicherlich Gordons Onkel. Vielleicht war er ja auch derjenige welcher Kapitän Hull oder Lord Buchanan wegen dem Findelkind ins Gewissen geredet hat, falls es ein solches Findelkind jemals gab. Irgendwie kam es mir im Film so vor, als ob sich Gordon und Dick besonders gut verstehen, na ja besser als Doniphan und Briant allemal, aber das ist keine große Kunst …

Wo Ben nun schon mal erwähnt wurde, der war ja wirklich dermaßen versessen aufs Essen oder sogar vom Essen besessen, dass er später noch gedacht hat, seine Freundin wolle ihn zum Dinner einladen, als sie ihm von Morgenübelkeit und dickem Bauch geplagt offenbarte, sie habe wohl „einen Braten in der Röhre“ …

Und wenn wir gerade schon beim Essen und den Lebensmitteln sind, wie ist das eigentlich mit den schokoladigen Weihnachtsmännern. Wenn die nicht vernascht oder angeknabbert werden, mutieren die dann automatisch zu Schokoladenosterhasen ???

In diesem Sinne schönes Wochenende
MARIPOSA

Elaine



Beiträge: 285

23.01.2010 12:46
#69 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Gut – wir wollen also Onkel Jules Verne treu bleiben und auch Gordon in den Familienstand des Waisenknaben befördern? Und den geistlichen Herrn mit dem römischen Profil, der im Film um ihn herumschwebt, machen wir nicht zu seinem Herrn Papa, sondern zu seinem wohlmeinenden Onkel?
Hm, wenn ich ´s mir recht ansehe... eine Frau Mama, so eine dezente Pfarrersfrau, taucht auch im Bild nirgends auf... Vielleicht fanden Gordons Eltern ein vorzeitiges Ende als amerikanische Missionare auf den wilden Salomonen...
Während Gordon aus jugendlichem Protest mit der Familientradition brach, den schwarzen Rock an den Nagel hängte, zum Weißkittel wurde und sich dabei doch nur auf eine andere Methode der Seelenrettung verlegte?
Darauf, anderen ins Gewissen zu reden, verstand der ehrenwerte Reverend sich freilich, brachte er doch die Eltern der Jungen zur Räson, die sich angesichts der Höhe der Lösegeldforderung erbost auf Lord Buchanan stürzen wollten... Und zweifelsohne verstanden Dick und Gordon sich! Es ist Dicks abgeklärte Erwachsenenstimme, die Gordon attestiert, dass er „der Besonnenste und Vernünftigste von allen war“. Das war wohl das höchste Kompliment, dass er einem von der ganzen Rasselbande machen konnte.

Wenn wir Bandwurm-Bens weiteren Lebenswandel noch genauer unter die Lupe nehmen, müssen wir vermutlich zu dem Schluss kommen, dass er sich zehn Jahre nach seiner Errettung (vor dem Hungertod) aus chilenischen Urwäldern – ein gutes Dutzend Zoll größer, die Pausbacken ausgewachsen und mit breiten Schultern (aber noch ohne Bauch!) – in einen glutäugigen Herzensbrecher vom keltischen Typ mit verwegenen schwarzen Locken verwandelt hatte. Dem dürfte auch keinen Abbruch getan haben, wenn er einem so profanen Gewerbe nachging, wie neuseeländische Butter, Cheddar und gefrorene Schafshälften per Kühlschiff nach good old britain zu expedieren.
Aber, Mariposa – „Freundinnen“ gab ´s damals noch nicht, es gab nur „Verlobte“ oder allenfalls „Liebchen“ (wobei letzteres schon wieder ein bißchen anrüchig war)!
Als englischsprachige Dame müsste das Opfer seiner blendenden Erscheinung ihm allerdings gebeichtet haben, dass sie „ein (süßes) Brötchen im Ofen“ (a bun in the oven) hatte, falls sie sich nicht etwas gewählter ausdrückte. Doch natürlich hat auch das zu Verständigungschwierigkeiten und Verwicklungen geführt!
Vielleicht bedurfte es bei der Gelegenheit eines hochgeschlossenen „man in black“ (oder eines integeren Frauenarztes), um dem schönen Verführer ins Gewissen zu reden!

Wohingegen Henry sicherlich „Mamas braver Junge“ blieb, sie jeden Sonntag besuchte, ihr zu jedem Geburtstag einen großen Blumenstrauß mitbrachte, und deshalb neben seinem Medizinstudium keine Zeit für „Weibergeschichten“ hatte. Außerdem war keine so gut wie (und gut genug für) Mama... A boy’s best friend... (*schluck* - o.k., das war 50 Jahre später)
Statt dessen entdeckte er im Laufe seiner Medizinerkarriere vielleicht die süßen Verlockungen des Morphiums (was bei Ärzten dieser Zeit ja nicht so selten vorkam)...

Gewiss haben andere Vierteiler-Protagonisten erwiesenermaßen mehr Schottenröcklein-Erfahrung!
Dick Sand im Schottenrock – das können wir nur in Sherlock Holmes’scher Manier „deduzieren“, indem wir uns „Zwei Jahre Ferien“ gaaanz genau anschauen. Und dann bleibt diese Tracht selbstredend den Gelegenheiten vorbehalten, zu denen er sich landgangsfein machte, weil sie an Bord (ebenso wie das Nachthemd) viel zu unpraktisch ist!
Doch da es gewisse Parallelen zu dem schuhplattlernden Völkcken am Alpenrande gibt – der ausgeprägte Sinn für die eigene Unabhängigkeit, die hingebungsvolle Pflege regionaler Eigenheiten sowie eine Sprache, die für Zugereiste ziemlich unverständlich ist – kommt mir ein schottischer Dick Sand, der (als Seemann) viel herumgekommen ist und dadurch ein wenig das Flair eines Mannes von Welt gewonnen hat, ganz vertraut vor!

Was unseren wertgeschätzten Lebensmittelhandel angeht, soll es ja eine böse Verleumdung sein, dass aus nicht vernaschten Schokoladenweihnachtsmännern –osterhasen gemacht würden. Gleichwohl sind beide eine sehr süße Verlockung...

Mariposa



Beiträge: 784

23.01.2010 18:06
#70 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Danke, danke für die Beantwortung meiner Fragen und ausgiebige Weiterspinnerei meiner Überlegungen, liebe Elaine .

Bis ich mir wiederum Gedanken darüber machen kann, wird es noch ein wenig dauern ...

Als kleines Trostpflaster für alle, die eine Fortsetzung nur schwerlich erwarten können, gibt es gleich noch ein Bildchen aus dem Film. Ich habe ein wenig "Mäuschen gespielt", als sich die älteren Jungs über ihre Erlebnisse mit Mädchen unterhalten haben. Warum die Szene später gekappt oder anders synchronisiert wurde - ich weiß es nicht ...

Jetzt hoffe ich, dass ich das Bildchen einbauen kann und das Thema "Missionare" in Verne-Romanen müssen wir unbedingt noch vertiefen. Da fällt mir nämlich noch etwas ein ...

MARIPOSA

Mariposa



Beiträge: 784

24.01.2010 13:05
#71 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Da ich es ohne „Schützenhilfe“ wohl nicht hinbekomme, das Bild zu laden, bleibe ich lieber beim Texten, das schaffe ich alleine …

Edel sei der Mensch, hilfreich und gut – so stand es mal in meinem Poesiealbum zu lesen. Umso besser, wenn ein Chairman-Zögling das später auch „gelebt“ hat. Obwohl der Begriff „edel“ im Seewolf ja nicht so gut wegkam. Als Frisko-Kid beim Schrottdiebstahl und Dynamitfischen gemeint hatte, Joe sei viel zu edel um sie zu verpfeifen klang das „edel“ so wie dämlich …

Könnte ja sein, dass der kluge Gordon später wirklich Missionar wurde. So wie die Maoris im Verne-Roman beschrieben sind, hatten die es dringendst nötig, missioniert zu werden. Die werden da glattweg als blutrünstige Kannibalen hingestellt sogar noch schlimmer als der bösartige Ayrton oder die malayischen Piraten und Neuseeland ist überhaupt ein mega-gefährliches Pflaster. Statt „Bruder Jakob“ oder – en francais - „Frere Jacques“ hätten wir dann einen Missionar namens „Frere Dominique“. Klingt gut, würde passen und Höhlen bräuchte er dann nicht mehr zu erforschen …

In dem Verne-Roman „Die Kinder des Kapitän Grant“ ist von einem Missionar namens Kendall die Rede. Nun wurde mir in einem anderen Zusammenhang erzählt, Kendall sei der Name einer Klinik in einer … nein - keiner lateinamerikanischen Telenovela … sondern einer US-amerikanischen Soap, die aber vielleicht in Südamerika zu sehen war. Vielleicht wurde dieses Hospital ja nach diesem Missionar benannt oder es besteht gar kein Zusammenhang …

Ach so, der Original-Dick-Sand aus dem Roman wurde ja an die afrikanische Küste getrieben. Dort im heißen Afrika trägt man statt dem Schottenröckchen doch wohl eher Baströckchen. Also Dick Sand im Baströckchen, das toppt selbst noch das Schottenröckchen …

Ob der Tango damals schon außerargentinisch getanzt wurde ist zu bezweifeln. Für die damalige Zeit war das viel zu erotisch und exotisch. Falls dieser Tanz doch schon so früh seinen Siegeszug über den Rest der Welt angetreten hatte, dann machten der clevere Forbes und der etwas unterbelichtete Pike sicher eine recht passable Figur beim Kriminal-Tango …

MARIPOSA

Elaine



Beiträge: 285

24.01.2010 14:03
#72 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Hu, bist Du böse! Der arme Gordon als Missionar, so ganz ohne Damen! Keine schönen Patientinnen, hingebungsvollen Krankenschwestern, unglückliche Gemeindemitgieder oder mysteriöse Mandantinnen... ts, ts. Soviel vergeudete Schönheit!

Und wie wir wissen, war Onkel Verne über die fernen Gestade, über die er schrieb, stets schlecht informiert! So wild waren die Maori im 19. Jh. nicht mehr, schon gar nicht gegen dessen Ende: Ich habe hier historische Fotos mit Massen von rechtschaffenen anglikanischen Maori-Pfarrern bei sehr erbaulichen Weihnachtsfeiern in den 1890ern.
Zwar haben die Maori sich in den Landkriegen um 1860 herum im "Kings Country" bei Hamilton tapfer geschlagen (und das hat wohl Onkel Verne zu seinen skandalösen Schilderungen hingerissen), aber das war schließlich weit vor der Zeit unserer Helden.

Auch Dick im Baströckchen toppt jetzt wirklich alles, was mein Vorstellungsvermögen hergibt!!
Ich stelle ihn mir hilfsweise ´mal bei der ärgsten tropischen Hitze während seiner Fahrten nach Südostasien im Sarong vor...

Übrigens schade um das Bildchen!
Na ja, ich kann mir das schon bildlich vorstellen: Zur fraglichen Stunde nämlich (beim nächtlichen, evtl. auch heimlichen und verbotenen Landgang im verruchten Hafenviertel von Hobart), als es an der richtigen Zeit gewesen wäre, sich über die ersten Erfahrungen mit den Damen auszutauschen ...
Eigentlich ist ja sonnenklar, warum das an der Stelle nicht zur Sprache kommen konnte!
Wir machen hier mal einen kleinen Exkurs in die Sittengeschichte von "Abenteuer 1900" bzw. eine Studie der männlichen Psychologie:
Da hätte Doniphan wohl berichten können, dass er mit der Zofe meiner Frau Mama in ihrem Dienstbotenkämmerlein auf dem Dachboden... Aber Doniphan war leider grade damit beschäftigt, die „Ehre“ seiner Frau Mama zu verteidigen, so dass er unter keinen wie auch immer gearteten Umständen damit aufschneiden konnte, dass diese so eine zweifelhafte Person beschäftigt...
... selbst nicht vor dem großmäuligen Bryan!

Mariposa



Beiträge: 784

29.01.2010 22:59
#73 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Na ja, Elaine, wenn der fürsorgliche Henry Arzt werden soll, dann lassen wir den klugen Gordon doch lieber Missionar werden. Das ist schließlich auch etwas sehr Angesehenes. Zwei Ärzte aus einer Truppe brauchen wir nicht und Gordon kann seine ärztlichen Grundkenntnisse auf diese Weise doch auch irgendwie an den Mann oder an die Frau bringen. Ich hoffe jedenfalls, dass bei Henry aufgrund seiner späteren Morphium-Sucht und der Abhängigkeit von Frau Mama die Erste Hilfe nicht zur letzten wird …

Ich bin übrigens – genau wie Du - dagegen, dass so ein attraktiver Kerl wie Bruder Dominik „unbeweibt“ bleiben soll. Stellen wir ihm einfach eine blutjunge Maori zur Seite, die seine Aufmerksamkeit auf sich zieht, weil sie lieblich und graziös mit den Poi-Kugeln spielt. Zuerst wird sie Bedienstete im Missionarshaushalt, nebenbei seine Lehrerin und dann mehr. Jedenfalls nimmt sie ihm zuliebe den christlichen Glauben an, flicht (oder heißt das flechtet) Gordon ein Baströckchen (dann haben wir das auch unter) und pflückt das Schilf dafür eigenhändig am Lake Rotorua. Er wiederum befasst sich ihr zuliebe eingehend mit der Kultur der Maori und lernt sogar Haka tanzen. (Hoffentlich macht er dabei eine bessere Figur als mein Gordon-Double-Reisegefährte aus dem richtigen Leben ;-))).

Dick Sand ist Röckchen-mäßig dann fürs Erste mal „außen vor“. Der arme Schiffsjunge wird bei unserem Smalltalk eh ein bisschen überstrapaziert. Ich mag ihn mir wirklich nicht im Sarong vorstellen, der Gedanke hat etwas Tuntiges. Ich meine so ein Baströckchen wirkt doch irgendwie noch sehr männlich und inspirierend und in dem Lied übers Schottenröckchen heißt es nicht umsonst: Jeder Schotte hat in Schottland, ein Schottenröckchen an, trotzdem ist ein jeder Schotte, von Kopf bis Fuß ein Mann …

Übrigens hat der WDR letzten Sonntag bei „Der Doktor und das liebe Vieh“ die Idee des Schottenröckchens blitzschnell aufgegriffen. Da üben die Bewohner Darrowbees nämlich einen Schottentanz im Schottenröckchen. Lehrer für schottisches Brauchtum ist dieser neue Partner oder Gehilfe in der Tierarztpraxis.

Und jetzt der Clou: der Typ heißt mit Familiennamen tatsächlich Buchanan. Das ist mir bei der Erstausstrahlung gar nicht so richtig bewusst gewesen, der Name wird auch anders betont als im Vierteiler. Ob da der alte Lord außer mit der ehrenhaften Mrs. Weldon noch mit anderen Damen fort war, die hinterher auch ein „Bun in the oven“ hatten? Das wäre ja die reinste Brötchenbäckerei. So kommts raus, der adlige Herr war wohl ein ganz Schlimmer! Um wenigstens ein bisschen Romantik in die Geschichte zu bringen: „Erst öffnet sich der Flieder, dann öffnet sie das Mieder, später kommt sie nieder und sieht ihn niemals wieder …“

Und damit möchte ich für heute schließen
MARIPOSA

Elaine



Beiträge: 285

31.01.2010 19:00
#74 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Mariposa,

jetzt hast Du mich überzeugt: Gordon als Missionar, das machen wir so!
Er zeigte ja wirklich schon früh erste Neigungen, seinen Mitmenschen ins Gewissen zu reden: Man denke bloß an seine hoffnungsvollen Versuche, Kapitän Hull zur Suche nach „armen Schiffbrüchigen“ zu bewegen („Aber hier geht es doch um Menschenleben!“) oder wenig später seine Kumpel dazu, sich edelmütig um dieselben „zu kümmern“ (nachdem die beiden Kanaillen sich schon verdächtig genug gemacht hatten und selbst der dauer-imprägnierte Koch bereits Lunte gerochen hatte)!
Jack London (oder Walter Ulbrich?) hatten da schon den Durchblick: „Edel“ kann hin und wieder ganz schön „dämlich“ sein! Aber ich halte das für lässliche Jugendsünden. Später wurde er reifer.
Und wenn er gar lernte, „haka“ zu tanzen... Mit den richtigen Drohgebährden... Das wird den Oberen in seinem Orden zwar nicht recht gefallen haben, aber vielleicht gelangte er so – strafversetzt und treu begleitet von seiner holden Geliebten – in eine der wenigen Gefilde, die damals noch Raum für missionarischen Eifer boten: „...the howling savages of Melanesia, head-hunters and man-eaters, half-devil and all beast.“ (Jack London, „A Son Of the Sun“)

Henrys allgegenwärtige Frau Mama segnet ja vielleicht noch rechtzeitig das Zeitliche, so dass dann seine mütterliche Sprechstundenhilfe zur Ersten Hilfe schreiten kann...

Der Tango Argentino war in den 1880ern in Buenos Aires und Montevideo schon ganz mächtig im Kommen, so dass es durchaus möglich wäre, dass er bald darauf auch „Valpo“ eroberte (allerdings nicht gleich die upper class, sondern eher die Viertel der armen Porteños). Wenn also Eddie und Josh unter den Trümmern der Schatzhöhle hervor krabbelten UND dann auch noch schafften, von der Insel zu entkommen, dann haben sie später gewiss in dem etwas zwielichtigen Viertel um den „mercado“ herum im Kriminal-Tango brilliert.

Das gibt noch Stoff für eine ganze Batterie von spin-off-Telenovelas! Wobei Josh Pike beim Tango wohl am besten im Genre Slapstick aufgehoben ist...

Ja, ja, die Buchanans... Das war so ein Fehler von dem Walter Ulbrich, trotz allem Perfektionismus: Denn Buchanan, das spricht sich im allgemeinen „Bjukännän“ aus (ich lasse jetzt mal die Finger von der internationalen Lautschrift, die doch kaum einer lesen kann) – sofern man bei englischen Namen überhaupt erahnen kann, wie sie ausgesprochen werden!
Und sagt der werte Onkel nicht gleich zu Anfang zu seinem Neffen: „Na, hoffentlich hast du nicht alles geglaubt, mein Junge, was Deine Mutter über mich erzählt hat! So schlimm, wie sie es macht, war ich bestimmt nicht“?
Da eröffnen sich doch Phantasien...
„... vielleicht noch schlimmer??“ und vor dem inneren Auge eine ganze Parade süßer Brötchen.

Ein Sarong als etwas Tuntiges? Jetzt bin ich aber schockiert!! Die finde ich ausgesprochen chic und sehr männlich! Man denke nur an so nostalgische Helden wie Sandokan...
So ein ähnliches Problem, ich gestehe es, habe ich eher mit den Baströcklein... Aber das liegt wohl an unserem etwas eingeschränkten mitteleuropäischen Geschmack, der renitent Männer mit Hosen assoziiert, obwohl Männer auf der ganzen Welt schließlich Röcke, Gewänder, Lendenschurze u.ä. tragen, und dabei „von Kopf bis Fuß ein Mann“ sind.
Der „arme Schiffsjunge“ mit seinen mal sachlichen, mal mysteriösen Kommentaren aus dem Off hatte übrigens einfach die tragende Hauptrolle (zumindest in der deutschen Version, die französiche kann ich wegen meiner sehr rudimentären Französichkenntnisse nur sehr eingeschränkt würdigen). Und ob es ihm nun gefiele oder nicht, dass er bei unserem Smalltalk ein bißchen strapaziert wird – mit seiner tragenden Hauptrolle, nach welcher er in eine wahrhaft Joseph-Conrad‘sche Anonymität des tapferen, unauffälligen Zweiten Steuermanns entschwunden ist, eröffnet er eben ein weites Feld für Phantasien und Spekulationen!

Aber schauen wir mal, was wir mit den anderen anfangen...
Wo bringen wir beispielsweise Bryan mit den blonden Engelslocken, dem sinnlichen Schmollmund, dem egalitären Anspruch und der seltsamen Abneigung gegen dringend indizierte Aufgaben („Ich bin nicht zum Lastesel geboren!“ – oder: „Macht mir nicht viel aus, Dreck: Ich bin im Dreck aufgewachsen – ohne Dreck bin ich direkt krank!“) unter??
Gehörte er etwa zu den Nachfahren der französischen Einwanderer in Akaroa?

Mariposa



Beiträge: 784

05.02.2010 21:34
#75 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern antworten

Was für ein Vergleich Elaine. Mit dem Tiger von Malaysia hast Du ja nun einen genauso exotisch wie erotisch wirkenden Mann ins Spiel gebracht und das zu einem Zeitpunkt, wo die fabelhaften Sloughi-Boys noch Jünglinge waren. Der Sandokan mit seinen grün-braun-goldenen Augen, der hatte es mir auch angetan. Das Gefühl ist immer noch nicht so ganz verschwunden. Da sieht „frau“ es mal wieder: manche Typen entstellt einfach gar nichts …

Durch die Erinnerung an Sandokan hast Du mich sogar auf eine Idee gebracht. Nein, den lassen wir nicht in der Telenovela mitspielen, aber die Filmmusik stammte doch von Oliver Onions. Dabei fällt mir ein, dass die Brüder auch andere Filmmelodien komponiert haben und ich rede jetzt nicht von Orzowai, dem weißen Sohn des schwarzen Königs (oder so ähnlich). In TOD ODER FREIHEIT hatte einer der Brüder sogar mitgespielt und unser blonder, überstrapazierter Schiffsjunge hat da kein blondes Haflingerpferdchen geritten (oder gefahren) sondern einen recht großen Braunen. Wohlgemerkt: 1 „PS“, kein halbes ;-) Reiten kann er also und einer Dame hat er auch noch aufs Pferd geholfen. Das war doch richtig edel von ihm. Traumprinzen kommen ja im Allgemeinen auf Schimmeln daher, aber in der damaligen Zeit waren die wohl eher den Obrigkeiten vorbehalten, keinen Ex-Schiffsjungen …

Es müssen nicht immer viele PS sein. In SPÄTE LIEBE fuhr dergleiche Schiffsjunge (da hieß er auch noch Richard aber nicht Buchanan) zum Beispiel einen „Kugelporsche“ und trug … nein, kein Baströckchen sondern eine Baskenmütze und die stand ihm gut. Mit Erinnerungen oder Erinnerungsfotos von ehemaligen Schiffsjungen oder angehenden Missionaren im Baströckchen kann ich leider NICHT dienen, wohl aber von angehenden Medizinern oder Höhlenforschern. Aber das wäre wieder eine ganz andere Telenovela …

Mit nostalgischen Grüßen und das nächstemal werde ich mich ganz dem Verbleib des „jungen Gemüses“ (um beim Lebensmittelhandel zu bleiben) oder den kriminellen Elementen des Vierteilers widmen …

MARIPOSA

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