Am Schluss dieses Textes liste ich die direkten Links der besten Fotos auf, wie gestern oder heute Morgen versprochen:
Hafenmole und Leuchtturm von Mangalia zum einen, den "Sloughi-Strand" zum anderen.
Wenn Ihr in Google-Maps weitere Fotos sucht, ist es wichtig, nicht zuerst auf das Foto zu klicken, um es zu vergrössern und evtl. zu speichern; denn diese Qualität von Google-Maps ist erbärmlich und lässt sich u.U. nicht einmal speichern (sichtbar ist diese Misere daran, dass wir uns nach dem Fotoklick auf http://maps.google.de/ befinden).
Deshalb unbedingt nur einmal klicken, dann aber just unter dem Bild auf den Link "in Panoramio ansehen" klicken; das Foto kommt dann sogar mit anderen, die gar nicht angezeigt waren, zusammen, und zwar in bestechender Qualität; sie lassen sich durch Klicken noch zwei Mal vergrössern und auch speichern. Richtig liegen wir, wenn wir uns auf einer Webseite von Panoramio befinden, und zwar so:
Der Unterschied: Beim ersten Link handelt es sich schon um ein grosses Einzelbild. Bei den anderen kann man es unter anderen Fotos auswählen.
Es gibt unter den Fotos eines nahe bei Schitu-Costinesti (südl. von Costinesti) auf der Höhe der Strada Islazului (etwa rechtwinklig hinter der DC4, die der Küste entlangliegt); dieses Foto heisst im Internet "Vedere spre Golful Francezului" (!!) und ist ganz oder zum grossen Teil mit der "Baie des Français" übereinstimmend. Der Strand liegt wohl da oder doch sehr nahe dran. Das Bild, das ihn, nach allem, was ich bislang gesehen habe, am wahrscheinlichsten zeigt, ist ein sehr sonniges Bild mit 7 Booten, wovon eines rot, ein anderes türkis. Dieses Bild ist übrigens eine echte Rarität, denn es lässt sich weder bei Google-Maps noch bei Panoramio finden! Es ist auf der Liste am Ende dieses Textes das erste unter dem Thema.
Ein grosses Glück beim Finden dieses Küstenstreifens war die Unverwechselbarkeit dieser Buchtenlandschaft. Diese steile, 8 bis 14 Meter hohe Küste aus Fels, Erde und Sand, z.T. sonderbar bewachsen bis an den Strand hinunter, gibt es in ganz Rumänien einzig hier, auf knapp 10 Kilometern sich erstreckend. Sie ist auch im SEEWOLF zu sehen.
Echte oder Abenteuer-Archäologen/innen unter uns werden bei einer gut vorbereiteten und behutsam gemachten Strandgrabung sicherlich noch auf Relikte der Filmzeit stossen, z.B. einen versteinerten Hundekegel des Bobtails.
Wie gestern schon mitgeteilt, ist "Auckland", wo die "Sloughi" nur am Kai liegt oder im Radius von 2 m bis maximal 5 m an- oder ablegt, in Wirklichkeit die kleine Stadt Techirghiol am gleichnamigen See. Techirghiol liegt, wie niemanden von euch mehr erstaunen wird, nur 15 Strassenkilometer von Constanta und 15 km Luftlinie vom "Sloughi-Strand" entfernt!
Näheres dazu ein nächstes Mal (muss erst einmal eine Mütze voll Schlaf nehmen).
Ich danke Euch für Eure Antworten auf meinen Beitrag von heute Nacht/Morgen sehr herzlich.
Niemand von uns wurde als „Experte“ geboren, und ohne das Internet und den dadurch verbundenen Austausch würden wir alle wohl in mancherlei Hinsicht immer noch mehr oder weniger im Dunkeln tappen. Ich selbst wäre während meiner Jugend gar nicht auf die Idee gekommen, die Drehorte in Rumänien anzusiedeln, obwohl im Abspann viele rumänische Namen zu lesen waren. Flussdelta ja, schließlich gab es ja genügend Schilf zu sehen, aber wenn schon Flussdelta, dann Rhonedelta, denn Marc, Didier und Dominique (und zuvor Roland Demangeot) waren schließlich Franzosen und Cristian Sofron war für mich ebenfalls ein typisch französischer Name. Dass er Rumäne ist, wurde mir erst viele Jahre später klar.
Ins Rhonedelta wollte ich sowieso immer schon mal, wegen der Camargue-Pferde. Seltsam halt, dass die Pferde in den Vierteilern nicht ausschließlich weiß waren. Gut beim Goldtransport der peruanischen Militärregierung, das waren überwiegend Schimmel. Bei den Bergszenen dachte ich irgendwie ans Karwendelgebirge weil Hark Bohm mal einen jugendgerechten Indianerfilm mit irgendeinem Dschingis dort gedreht hatte. Da dachte ich mir, dass das Karwendelgebirge für Bergszenen in Abenteuerfilmen halt bekannt wäre.
Später, als die frühere Ghost (lt. Reiseprospekt) für Touristenfahrten im Schwarzen Meer eingesetzt wurde und als bekannt war, dass Lockruf des Goldes in Rumänien gedreht worden ist und Michael Strogoff in Ungarn, da kam ich dann ins Grübeln. Wie schon gesagt: „Making off“ gab es damals noch nicht. Es wäre bzw. ist ja schon eine feine Sache um nicht zu sagen ein Traum, wenn sich (weitere) Zeitzeugen, die etwas mit den Verfilmungen zu tun hatten und gar ein verehrter Schauspieler zum Thema melden und unsere „Teilerfolgserlebnisse“ bestätigen (würden).
Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass Einheimische, Locals oder Residentes sehr gerne über Dreharbeiten plaudern, die ja immerhin einige Aufregung in der Gegend verursachten und wohl allen Bewohnern im Gedächtnis geblieben sind. Da werden auch Jahre später noch gerne Fotoalben und Erinnerungsstücke gezeigt, wenn man Interesse bekundet. Also zumindest in Gegenden zu denen ich eine nähere Beziehung habe war das mal so. Ich denke dabei an „Heimat“ (Dreharbeiten im Hunsrück) oder „Lord of the Rings“ (Dreharbeiten in Glenorchy/NZ) oder "Klinik unter Palmen" bzw. "Traumhotel - Karibik“ (Dreharbeiten in Cofresi in der Nähe von Puerto Plata). In Rumänien wird das kaum anders sein, schätze ich. Rumänische Drehorte gibt es derzeit wieder bei 3Sat zu sehen, wo Tom Sawyer in den nächsten Tagen wiederholt wird.
Du hast so schön Rainer „Pike“ Basedow ins Gespräch gebracht, Leo. Also er hat von den „Ehemaligen“ ja die erstaunlichste Entwicklung durchgemacht. Bei dem großen Erdbeben damals, an der Küste ohne Namen, ist er gar nicht umgekommen. Nach seiner wundersamen Rettung von der vergessenen Insel hat er reumütig die Seiten gewechselt, ‚ne Umschulung gemacht und es bis zum Koch und Sanitäter bei der Küstenwache gebracht. Er nennt sich jetzt Kalle Schneidewind und hat treu und brav seinen Dienst an Bord der Albatross verrichtet, bis er aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden musste. Seitdem betreibt er eine Hafenkneipe und wer mir nicht glaubt, der soll mittwochs abends im ZDF mal die Küstenwache gucken. Da gäbe es an manchen Mittwochen ein Wiedersehen mit Ex-„Pike“.
Es wäre zwar äußerst wünschenwert aber wohl doch etwas zuviel verlangt, das ZDF oder TF1 oder TeleMünchen die inzwischen etwas angegrauten aber noch lebenden „Castaways“ (und uns die „Interessengemeinschaft der echten Fans“ natürlich auch) zu einem Veteranentreffen in Kalles Seemannskneipe einladen würden. Dann könnten wir – bei soviel geballter Fachkompetenz – mal persönlich nachhaken, wie es damals war und Reisepläne schmieden. Wörterbücher und Grammatiken würden wir uns vorher besorgen ;-))) Wie heißt es so schön: „die Hoffnung stirbt zuletzt“ oder „man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen“.
In diesem Sinne, ein schönes Restosterfest wünscht Euch MARIPOSA
leo
05.04.2010 11:35
#123 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern
Interessant, dass du das Rhonedelta erwähnst. 1974 und 1975 war ich 2 bzw. 3 Wochen dort, und 1999 war ich 4 Wochen in der Camargue, davon 2 Wochen mit einem gemütlichen, langsamen Tucker-Tucker-Boot (11,6 m) auf dem Canal du Rhône à Sète. Als wir das Boot mal am wilden Ufer festmachten, wollte ein Pferd an Bord! Mit einem geworfenen Apfel konnte ich es zu 4 Schritten rückwärts überreden. Wahrscheinlich hatte der Gaul das aus der Trickkiste einstudiert und musste für die ganze Zeit der Finte sein wieherndes Lachen unterdrücken, dass wir danach noch eine Viertelstunde bis hinter die nächste Flussbiegung hörten.
Die Kenntnis dieser Landschaft hat mir übrigens geholfen, das Donaudelta für gewisse Drehorte auszuschliessen und damit die Suche überhaupt erst zu beginnen. (Der Strand, wo der gute alte O'Brian stirbt, oder der Strand, wo Forbes und Pike in der Hütte gefunden werden, das ist die typische Donaudeltalandschaft.) Ich hatte zwar 1974 bemerkt, dass O'Brian Rumäne war (weil ich schon einen Popescu kannte: a. einen Fussballer, b. einen der Ganoven im Film "Der Dritte Mann", der selber diesen seinen Namen nennt und sagt, er sei Rumäne), hatte aber keine Vorstellung von dem Land. 1976 bemerkte ich, dass Rumänien an dem Film beteiligt war, dass neben O'Brian auch einige der Jungen und andere Rumänen waren. Eine altersgerechte Vorstellung von dem Lande und seinem System hatte ich jetzt wohl durch mein damaliges Interesse für Sport allgemein und nicht zuletzt durch das Erscheinen und den Erfolg von Nadia Comaneci ebenfalls 1976 erhalten! Aber ich hatte damals keine Vorstellung von der Landschaft Rumäniens. Vor ein paar Tagen habe ich den gesamten Küstenraum gesehen, streckenweise 10 bis 20fach! Ein interessantes Land!
Zitat von MariposaEs wäre bzw. ist ja schon eine feine Sache um nicht zu sagen ein Traum, wenn sich (weitere) Zeitzeugen, die etwas mit den Verfilmungen zu tun hatten und gar ein verehrter Schauspieler zum Thema melden und unsere „Teilerfolgserlebnisse“ bestätigen (würden).
Es wäre natürlich sehr schön, wenn sich jemand melden sollte und noch etwas erzählen könnte. Aber für eine Bestätigung dessen, was uns an Orten vorliegt, bedarf es ihrer nicht! Wissen oder Erinnerung eines Schauspielers, Dinge betreffend, die fast 40 Jahre zurückliegen, wäre bloss und bestenfalls so etwa wie die von Person zu Person unterschiedliche 'epistemische Wahrscheinlichkeit' von Aussagen, darf aber nicht mit der Triftigkeit dessen, was an Ergebnissen vorliegt (die induktive Wahrscheinlichkeit des darin liegenden Arguments!) verwechselt werden, wäre daher auch weder eine Veredelung noch eine Verunreinigung derselben.
Rainer B. habe ich einige Male in der Kabarett-Sendung gesehen! Hier spricht er in einem kurzen Auftritt mehr als in vier Teilen ZJF! Sein Pike ist ja, unverdientermassen und nur wohlwollend betrachtet, noch an der Grenze einer Sprechrolle. Also wenn er uns in seiner Kneipe erzählt, dass er bei der Flucht wirklich vom Geländer von Fort Piley runtergesprungen ist ... na dann wird's lustig!
Ach, ja – was es nicht alles für Theorien zu den Drehorten von „Zwei Jahre Ferien“ gab! Mir sagte 1976 jemand, die Steilküsten-Szenen müssten doch bei Laboe gedreht worden sein, dort sähe es genauso aus... Ein „Making of“ – das gab es damals wirklich noch nicht, und auch ich habe – trotz des Genusses von „Bis ans Ende der Welt“ – erst viele Jahre später kapiert, dass Cristian Şofron Rumäne (und nicht Franzose) ist! Von Rumänien als Drehort für die Außenszenen habe ich erst 20 Jahre später erfahren, insofern konnte mir auch meine Bewunderung für Nadia Comăneci, die mich bei der Olympiade 1976 in Montreal sehr beeindruckt hatte, seinerzeit nicht weiterhelfen. Aber: Internet macht ´s möglich (wobei man, wie Du, Leo, schon ganz richtig bemerkst, höllisch aufpassen muss, welche Infos man sich aus diesem Medium „an Land“ zieht)! Damals war es mir sogar ziemlich „schnuppe“, wo „Zwei Jahre Ferien“ gedreht worden war – ich wusste bloß plötzlich: Ich will nach Neuseeland!! Und damit war mein bisheriges Traumziel, die USA (angeregt durch die vielen Western, die ich mir „´reingezogen“ hatte), unter „ferner liefen“ abgehakt. Auf Neuseeland war ich inzwischen (und will auch wieder hin!) – in den USA war ich immer noch nicht (und habe – trotz der unbestreitbaren Verdienste Jack Londons, zu dessen Roman-Schauplätzen eine Reise sich wahrhaftig noch lohnen würde – auch keinen allzu großen Ehrgeiz mehr dazu). Aber ich werde mir bestimmt nächstes oder übernächstes Jahr eine kleine Reise nach Rumänien leisten – vergleichsweise zu NZ ist das ja gleich um die Ecke! Dortselbst gedenke ich, im nămol (Schwefelschlamm) des Techirghiol zu kuren, im orientalischen Basar von Mangalia zu shoppen, lange Strandspaziergänge in nämlicher Gegend zu unternehmen, bei Braşov zu wandern und an all diesen Orten die geneigten „locals“ über ihre Erinnerungen an französische Dreharbeiten anno 1973 zu befragen. Auch ein Theaterbesuch in Bucureşti mag sich anbieten – selbst wenn ich kein Wort des Stückes verstehen sollte...
Nun, dass Rainer B. ein ausgesprochen komödiantisches Talent besitzt, zeigte sich eigentlich bereits in der von uns so geschätzten Filmrolle! Im Grunde präsentierte er sich dort nämlich schon zum Schreien komisch – wohingegen sein wertgeschätzter Filmpartner, der leider schon verschieden ist, nur millimeterweise an der Darstellung eines echten (und leicht wahnsinnigen) Psychopathen vorbeischrammte. In „Zwei Jahre Ferien“ wurde ja bloß angedeutet, was aus unseren Schurken geworden sein könnte, nachdem sie es mit „einstürzenden Neubauten“ zu tun bekommen hatten, aber nicht völlig „dingfest gemacht“. So ist es tatsächlich denkbar, dass unser „Pike“ (engl: „Spieß“, „Hecht“ oder „Mautstraße/ -schranke“ – wie gut konnte J. Verne eigentlich Englisch??) letztendlich doch schockiert von den Implikationen des Ganovenlebens und damit nachhaltig kuriert von derartigem Treiben Abbitte tat, indem er bei der Küstenwache anheuerte. In diesem Falle muss ich allerdings eher annehmen, dass er als „Charlie Piercingwind“ in britische Dienste trat und etwa in den Mangrovendickichten an der Küste um Brisbane nach Schmugglern stocherte. Später dann, nachdem er sich von der Nässe und Kälte an Bord Rheuma geholt hatte, übernahm er in Hobart das Geschäft seines ehemaligen, zwielichtigen Kumpels und Schiffsausstatters, der sich dann zur Ruhe setzte... Rainer B. tourte 1995 mit der „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ auch einmal ganz in der Nähe meines Wohnortes – ich war aber leider komplett verhindert, ihn mir anzusehen! Die Sequenz mit dem „Knastausbruch“ habe ich mir übrigens eben noch ´mal angesehen: Er hoppst tatsächlich über das Geländer (wenn sie diese Szene nicht „knirsch vor knapp“ geschnitten haben)...
Ach, Mariposa, Dein alter Traum, die „Glorreichen Neun“ von damals noch einmal mit uns „echten Fans“ an einem Tisch zu versammeln? Am besten noch an Bord der Schonerbrigg „Greif“ oder des Tall Ship „Søren Larsen“? In Frage käme als stilechte Lokalität auch das Restaurant „Hamburg“ in Valparaíso, dessen Inhaber ein wahres Prachtexemplar von einem „dauerimprägnierten“ Schiffskoch, wenn auch sein Etablissement kein Steak-House ist! Aber ich fürchte, dazu lassen sich „die Helden unserer Jugend“ nicht mehr herbei: Sie sind inzwischen in alle vier Winde zerstreut, zu weit weg, zu berühmt oder nicht mehr interessiert – wenngleich sie vielleicht hier und da einen Blick in unsere bescheidenen Ausführungen werfen und sich von unserer anhaltenden Aufmerksamkeit für sie (und ihr Werk) doch gar geschmeichelt fühlen... – was ich ihnen sehr gönnen würde! Auch wären, wie Leo ebenfalls sehr richtig bemerkte, ihre Erinnerungen „a bisserl“ mit Vorsicht zu genießen. Abgesehen davon wäre fraglich – Grammatik und Wörterbuch hin oder her! –, ob ich vor lauter Ergriffenheit (und Nervosität) ein sinnreiches Gespräch mit „den Jungs“ zu führen imstande wäre!
Eventuell kommt Swiftnicks Kontakt „in die Pötte“ und kramt noch einmal tief in seiner Erinnerung, um unsere bisherigen Ergebnisse zu verifizieren (oder auch nicht)...
leo
07.04.2010 23:45
#125 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern
So was Köstliches wie "knirsch vor knapp", Elaine, habe ich ja schon lange nicht mehr gehört. Ist das nautischer Fachjargon? Oder Rotwelsch und Gaunerprache? Apropos Gauner: Nun, ich habe mir die Fort-Pily-Geländersprung-Szene auch nochmals angesehen: Du hältst also dafür, die Produktionsleitung habe das Risiko auf sich genommen, dass Rainer B. und Werner P. sich in dieser Szene zwischen eins bis vier Fussknöchel brechen (andere Knochen weggelassen) und dann für 6 Wochen der Dreharbeiten mit Krücken auf Deck rumhumpeln und damit im Sand von Costinesti rumstochern und dann diese Stelzen nicht mehr rausbekommen. Mit der Nummer hätten sie sicherlich Pat und Patachon die Schau gestohlen. Kille, kille ... lach doch mal.
Ernst in die Mitte: Pike, Rainer B., das Original, ist schon im Sprunge begriffen, deutlich hoch in der Luft und hat dabei im ganzen Bewegungsablauf lässig (wie über einen Kindergartenzaun) nur eine Hand auf dem Geländer. SCHNIPPEL DI SCHNITT: Ein grösserer Mann im "Basedow-Look" kommt erst ans Geländer, fasst es mit zwei Händen und ist erst dann in der Luft und springt!! Es kann ja sein, dass Rainer B. in den Probeaufnahmen zum Vergnügen mal gesprungen ist. Aber der Mann, der hier im Film letztlich springt, kann nicht Rainer B. sein!
Forbes, Werner P., das Original, macht einen sehr glaubwürdigen Bewegungsablauf. So springt man! Der Mann, der ihn fortsetzt, übernimmt exakt die Griffbreite am Geländer und führt auch die Körperhaltung sehr gut fort. Die Bewegung fliesst, keine Fehler in der Zeitlogik. Aber: Werner P. hat im Sprungansatz erkennbar deutlich dunkle Haare zwischen Stirn und Gefangenenmütze. Der Mann, der nach dem SCHNITT für ihn springt, hat die Mütze so tief in die Stirn gezogen, dass sie dieselbe ohne Haare säumt. Er hat eine andere Haarstruktur, und auf der rechten Gesichtsseite ist der Bereich Kotelette bis Schläfe deutlich verschieden.
Ein Sprung in ein anderes Thema! Was hältst du, Elaine, und auch die anderen ZJF-Kenner, vom dicken peruanischen Bären, den uns der Ulbrich aufgebunden hat? Also wenn ich an den Ulbrich denke, der den deutschsprachigen Zuschauern Mitteleuropas 4 Mal eine olle und ellenlange Kamelle von der Weitergabe eines Plans vom Schatz des Oberst Cerna über viele Leichen auftischt und zumutet! Und dann lässt er den armen Rainer B. auf der Insel im Angesichte des Goldschatzes Folgendes zu Werner P. sagen:
"Meine Fresse [...] Was ist denn das? Sag mal, was ist denn das für ein komisches Zeug? Das ist doch nicht der Zaster, hinter dem wir her sind, der von dem Oberst Cerna! Das Zeug hier ist doch ganz was anderes! Mit der geklauten peruanischen Kriegskasse hat das nichts zu tun!"
War der Ulbrich beknackt oder bin ich es?! Hilfe, sei sie auch noch so frech, ist mir willkommen.
Leo
PS. Bevor ich acht Tage verreise, schicke ich euch noch etwas zum Rätsel vom Hafen von Auckland (Techirghiol)
Oh, ja – *kicher* - ich kann mir das schon bildlich vorstellen, wie Rainer B. und Werner P. mit Krücken... „Deine Spuren im Sand“... oder: „Käpt`n Ahab folgt dem Lockruf des Goldes“? Laurel und Hardy, Buster Keaton und Charlie Chaplin hätten ihren Hut davor ziehen müssen – aber „slapstick“ wäre für so ein leicht düsteres Abenteuer wie „Zwei Jahre Ferien“ doch sehr deplatziert gewesen.
Was machen wir nun jedoch mit jenem beherzten Sprung über ´s „Balkongeländer“ der „Männerpension am Meer“? Ich habe auch noch einmal geguckt – mit „Schritt vorwärts“ und „Schritt rückwärts“, wie mein PC-Video-Programm das nennt – und entscheide das salomonisch (wie es so meine Art ist): Wahrscheinlich ist natürlich, dass die Szene fein säuberlich am entscheidenden Punkt geschnitten wurde, obwohl ich nicht so sicher bin, dass der blonde Herr wirklich größer als Rainer B. ist. Der unterschiedliche Bereich von Kotelette bis zur Schläfe des Dunkelhaarigen spricht schon eher für ein Double, wobei – nun, nachdem die Monsieur Basedow und Monsieur Pochath schon einmal in der Luft waren, mussten sie auch irgendwo wieder landen! Ob sie das nun auf einem Trampolin, einem Feuerwehr-Sprungtuch oder auf einer dicken Turnmatte taten, nachdem sie immerhin ca. 3 Höhenmeter überwunden hatten, und dann für den „knöchelsicheren“ Sprung zusätzlich ein paar Stuntmen engagiert wurden... Ich hätte mich als Stuntman bei dem Job allerdings lieber abgerollt, wenn ich so an meine ungewollten „Abflüge“ beim Bergwandern denke! Im Übrigen ist es ja auch üblich, dass Schauspieler ganz handfest für Filme trainieren und so etwas dann können. Franz Seidenschwan nimmt z.B. für sich in Anspruch, von der Fockrah der Sloughi gesprungen zu sein – das sind so etwa 12 – 15 m bis zur Wasseroberfläche, welche bekanntlich beim Aufschlagen auch ganz schön hart sein kann! (Er springt aber richtig; so haben sie uns das bei der Sicherheitseinweisung auch erklärt für den Fall, dass wir ´mal das sinkende Schiff verlassen müssen.)
Und die Sache mit Pikes Erstaunen über den Schatz habe ich mir einfach so erklärt, dass er Münzen oder Barren erwartet hat, und sich nun (pseudo-) aztekischen oder Inka-Goldskulpturen gegenüber sieht.
Darüber hinaus: Ich werde hier nicht anfangen, die Fehler und unlogischen Brüche in „Zwei Jahre Ferien“ aufzuzählen – nein, nein, nein. Mit je mehr Sachkenntnis (über Neuseeland, Chile, Segelschifffahrt, Kindesentführungen, Filmtricks etc. pp.) man sich den Film nämlich anschaut, desto zahlreicher werden sie! Trotzdem hat der Film für mich immer noch seinen ganz eigenen Zauber! Woran das liegt, habe ich selbst noch nicht so ganz ergründet... Vielleicht können wir das ´mal gemeinsam erörtern... Aber - wer sich gerne mit Filmkritiken herumschlägt, findet hier eine Auswahl:
Recht haben sie alle... und es gibt noch Bissigere (über einen „schreiend schlecht spielenden Franz Seidenschwan“ oder so ähnlich), die habe ich aber gerade nicht gefunden. Wer mag, kann selber danach googlen...
Zur Etymologie von „knirsch vor knapp“: Das ist gar nichts Spezielles – es kursiert nur als Bestandteil der bezaubernden norddeutschen „Mundart“, in deren Einzugsgebiet ich lebe, im Wortschatz meiner Kollegen.
leo
08.04.2010 19:28
#127 RE: Romanvorlagen für und Drehorte von Vierteilern
Wie du, Elaine, bin ich überhaupt kein Freund von miesepetrigen Film-Miesmachern, die mir die Miesmuscheln ... äh ... die Ohrmuscheln mit raffinierten Entlarvungen volllabern und den Film vergällen wollen (was sie bei ZJF nicht könnten!), indem sie Ungereimtheiten erglotzen und, so sie denn fündig werden, pedantisch auflisten. Dem sei ferne hier und unter uns. Ich sehe, dass ich mich mit Blick auf Ulbrichs nachgedrehte und hinzugefügte Cerna-Geschichte ungeschickt und missverständlich ausgedrückt habe. Mir geht es nicht um raffinierte Entlarvungen, sondern um Offensichtliches! Mir ging es um das Verhältnis dieser Cerna-Geschichte zum Ganzen von ZJF: Worin besteht die Motiviertheit, der Gehalt und die Relevanz von Ulbrichs Idee, die ja Folgen hat: Er liess andere Filmszenen über die Klippe springen (schnitt, wusch, klappe zu, weg damit), die in der französischen Version drin sind; zum Glück, denn sie sind einfach toll, z. B. Szenen mit F.S. und dem grossartigen rumänischen Schauspieler Aurel Giurumia in der Kombüse (und ... und ... und).! Er mutet den Film-Zuschauenden ermüdende Wiederholungen vom Überfall auf die peruanische Kriegskasse zu (4 mal), fabuliert von der Weitergabe des Plans vom Schatze Oberst Cernas ... und ...
dann eben zum krönenden Schluss in der Höhle:
Pike's Fragenkatalog an Forbes! Es ist für jeden offensichtlich nicht der Schatz von Oberst Cerna!
Dafür gehen im 1. Teil 8:20 Min. und in den Teilen 2 bis 4 je 2:30 Minuten flöten, insgesamt: 15:10 Minuten. Was trägt diese ganze Cerna-Geschichte zum Film ZJF bei? Unvermeidlich aus heutiger Sicht. Auch mir ist bewusst, dass ich diese ganze Geschichte und auch das mit Fort Pily in der Kindheit 'willy-the-nilly" liebgewonnen habe und nicht mehr davon lassen kann! Die heutige kritische Frage (mit vergleichendem Blick auf die frz. Version) kann mir das in der Kindheit reizvoll Eingepflanzte ja nicht mehr nehmen.
Elaine: Natürlich habe ich mir das auch am PC bzw. Mac (sogar an beiden) hin und zurück angesehen. Dein "salomonisches Urteil" ist ein feiner Wesenszug, vor allem wenn es um Dinge geht, wo wir Menschen Gerechtigkeit oder Respekt widerfahren lassen. Hier nun aber, in dieser ganz offensichtlichen Sprungszene, schmälert keine Feststellung über Stunts die Leistungen und die Personen der Schauspieler. Es ist keine böswillige Entlarvung, sondern eine Offensichtlichkeit, dass sie weder hier noch hernach an der Mauer (gut hinsehen!) runtergesprungen sind! Die Leute, die springen und am Boden landen, sind in allen von mir untersuchten Fort-Pily-Szenen die Stuntmen! (Und nur diese Ulbrich'schen 'Nachdrehungen' habe ich betrachtet!) Niemand hätte das auch von den Schauspielern erwartet. Nur Leute, die solches von sich selbst erwarten, wie Harmstorf oder Belmondo, haben so etwas z. T. Überlüssiges getan. Das Tolle heute ist, dass man mit dem Computer bewundern kann, wie gut diese Sachen gemacht wurden, so gut, dass man sie früher nie bemerkt hätte. Und das für mich Wunderbare ist: Zuvor nicht bekannte Menschen, namenlose rumänische Stuntmen mit tollem Einsatz (Danke!), bekommen endlich ein (verdientes) Gesicht, wenn auch gepudert, maskiert und mit Perücken!
Wenn F.S. sagt, er sei von da oben runtergesprungen, so glaube ich ihm das wohlwollend und nehme es so lange für Cernas Münze, bis ich die Szene genauer angeschaut habe.
Herzlichen Dank, Elaine, für die interessanten "Miesmacher-Links": Ich werde sie heute abend als Letztes genau lesen: Aber wenn sie glauben sollten, sie müssten kein gutes Haar an unserem Film lassen, dann werde ich sie so zerzausend lesen, dass von ihrem Geschreibsel kein Buchstabe mehr übrigbleibt.
Tja, Leo, Fragen über Fragen... Ich habe noch nicht so viel von der französischen DVD gesehen (u.a. aus Zeitmangel ); die Passagen, die ich kenne, kamen wir aber freundlicher, harmloser und humorbetonter vor, als die deutsche - wie schon gesagt: etwas düstere - Version. Wollte Ulbrich mit dem ausführlichen Strapazieren diverser, geheimnisvoller Schätze zum Ausdruck bringen, was Menschen alles für Geld zu tun bereit sind - um dann am Ende doch nicht das bekommen, was sie eigentlich wollten?
Ja, und dann die Sache mit der Romanvorlage von Jules Verne... Auf die Gefahr hin, mich jetzt mit allen Jules-Verne-Fans "anzulegen": Der Mann konnte bislang trotz zahlreicher Bemühungen meinerseits im Jugend- und Erwachsenenalter nur mit sehr wenigen Buchpassagen "einen Blumentopf bei mir gewinnen"... Normalerweise sehe ich einen Film, und wenn er mir gefallen hat, dann lese ich die Romanvorlage, freue mich, dass ich mir bei den Personen gleich ein Gesicht vorstellen kann und dass das Buch noch Zusammenhänge erklärt, die bei der Kürze eines Films wegfallen müssen... Wenn ich das Buch schon kenne und dann erst die Verfilmung sehe, ist das schon kritischer... Dann freue ich mich nämlich nur, wenn Handlung und Personen das treffen, was ich in dem Buch gesehen habe (greife dabei auch gerne auf den Wunsch des Buch-Autors zurück, sofern noch zu ermitteln... ) Bei "Zwei Jahre Ferien" hatte ich nun zuerst die Ulbrich-Verfilmung gesehen - und die "etwas düstere Weltsicht" traf bei mir durchaus auf einen verwandten "Nerv"... ... während "Onkel Jules" mir dann doch gar zu heftig mit dem pädagogischen Zeigefinger und dem üblichen 19.-Jh.-Kitsch wedelte (sowohl in "Zwei Jahre Ferien" als auch in "Ein Kapitän von 15 Jahren")! Außerdem hat Verne viele, ganz grundlegende Fakten außer Acht gelassen, nicht recherchiert oder einfach nicht berücksichtigt (aber darüber habe ich mich an anderer Stelle schon verbreitet...)
Stell' Dir mal vor LEO, wir wären uns anno 1999 in der Camargue begegnet und wissen es gar nicht. Aufregend wäre das !!!
Außer den berühmt berüchtigen Flamingos gab es noch mehr schräge Vögel, darunter auch ein paar Nachteulen .
Damals hatte ich wegen des Orinoco-Deltas so vor mich hingeschwärmt und mich wegen der vielen, vielen Mückenstiche "vor Ort" beklagt. Noch nicht einmal abends draußen sitzen und ein Glas Wein trinken konnte man oder "frau" wegen der Belästigung durch die Mini-Plagegeister. Da hat man mir erzählt, dass das am Orinoco-Delta noch viel, viel, viel schlimmer wäre.
Ich ließ mich dann zwar zu Lateinamerika überreden (war ja grad' die Richtung), aber nicht ganz so weit, nur bis nach Puerto Plata. Und die Plagegeister, die sich in den Hotelanlagen in Nähe des Golfplatzes tummelten, waren der pure Horror, die können selbst am Orinoco-Delta nicht mehr getoppt werden. Ob ich im Laufe der Zeit ein dickeres Fell bekommen oder eine gewisse Immunität entwickelt habe, ich weiß es nicht. Jedenfalls sehe ich nach dem Urlaub nicht mehr aus wie mit fünf Kinderkrankheiten gleichzeitig und vielleicht sollte ich wirklich mal zu meinen ursprünglichen Orinoco-Plänen zurückkehren ...
Von O'Brians Ableben habe ich erst erfahren, als ich für LOCKRUF DES GOLDES recherchierte. Und das ist mal knapp 16 Monate her. Wo rührt bei Dir das Interesse an und die Kenntnisse von den Drehorten her? Kam das von jetzt auf gleich oder besteht das schon länger ???
Seltsam, dass wir bei Cristian trotz seiner Rolle bei "Bis ans Ende der Welt" auf Franzose tippten, aber Jungs die Französisch können, haben wohl einen besonderen Schlag bei Frauen und selbst wenn die Frauen damals noch ganz junge Mädchen waren. Und 3 der Chairman-Zöglinge konnten ja bestätigtermaßen gut Französisch.
Bei Deinen/ meinen/ unseren Rumänien-Plänen sollten wir aber unbedingt "eene Besuch im Zoo" oder zumindest einem Tierpark einplanen, um uns mit eigenen Augen vom Vorkommen des zahmen in Rumänien beheimateten südamerikanischen Büschel-Ohr-Luchses zu überzeugen. Es waren wohl nicht bloss die Drehbuchautoren, die für einen recht seltsamen Mix nicht zusammen passender Tiere auf einsamen Inseln sorgte, sondern auch Verne selbst. Aber bei der geheimnisvollen Insel handelte es sich ja immerhin um eine geheimnisvolle Insel, und da bin ich auch mit einem Jaguar, Känguruhs und einem Dugong im Südpazifik einverstanden, zumal diese Insel ja später von der Bildfläche und der Landkarte verschwand.
Warum uns Juan-Antonio B. nun keinen Jaguar in seinem Meisterwerk gezeigt hat - ich weiß es nicht und ich kann ihn auch nicht mehr fragen. Vielleicht wollte er seinen Junior keiner solchen Gefahr aussetzen, hat dem blendend aussehenden Retter nicht so recht getraut oder vielleicht waren in Spanien auch gerade die Jaguare knapp oder aus. Fragen über Fragen !!! Es mag sich vielleicht um geheimnisvolle Inseln handeln, um Küsten ohne Namen aber KEINESFALLS um vergessene Inseln. Sonst würden wir nicht so viele Jahre später immer noch herumrätseln.
Wieviele Märchenprinzen (nicht bloß AUS Tausend und einer Nacht) entpuppen sich sich noch vor Ablauf VON Tausend und einer Nacht wohl eher als MÄRCHENONKEL und die Herren Drehbuchautoren und Märchenonkel unserer Kindheit haben uns halt einfach etwas vorgeflunkert. Am meisten beeindruckt hat mich die Rede von der Ferienumseglung Neuseelands, während eine Landkarte von Australien gezeigt wurde. Also der Hellste kann der Kapitän Hull wirklich nicht gewesen sein ...
Gab es in der französischen Original-Fassung eigentlich auch Untertitel pro Einzel-Folge oder war das dort nicht so chic ???
In diesem Sinne gute Nacht und angenehme Träume MARIPOSA
Da ich das Glück habe, Kontakte zu einem peruanischen Verne-Kenner zu unterhalten, werde ich demnächst mal mein Spanisch zusammenkratzen, vielleicht noch ein paar Nachhilfestunden bei Harpe Kerkeling in Form von "Spanisch für Paella-Esser" nehmen und fragen, ob ihm als Peruaner oder Verne-Kenner etwas von einer peruanischen Militärregierung und einem verschwundenen Schatz des Oberst Czerna bekannt ist. Ich kenne zwar etliche Verne-Romane, kann mich aber an keine solche Text-Passage erinnern. Ne Militärregierung ist ja ansich nichts Besonderers und ein geklauter Schatz - meine Fresse - auch nicht, aber die Wege von Peru vía ... bis in die letzten Minute der letzten Folge überstrapazieren nicht bloß blonde Schiffsjungen und unsere Nerven sondern auch den "Großen Gott Zufall". Und der stammt nicht aus der Vernchen Feder sondern ist ein Produkt von Jack London. Machen wir doch gleich weiter mit "Das verschollene Inka-Gold", einem nicht mehr sonderlich bekannten Einteiler gegen Ende der phänomenalen Vierteiler-Ära ...
Oh, ja, die tierischen Reisebegleiter und nassen Urlaubsziele...
Ich bin ja im Laufe meiner Reisen immer resistenter gegen „Montezumas Rache“ geworden – deren Urheberschaft freilich noch kleinere Tiere als Mosquitos für sich in Anspruch nehmen können. Auch im Donau-Delta tobt die Schlacht mit Autan, so dass unsere Helden damit ebenfalls ihre einschlägigen Erfahrungen gemacht haben dürften Im Chonos Archipel gibt ´s zwar kein Delta, aber so im Januar, Februar soll es da gewisse rote Fliegen geben, die auch pieksen, und zwar genau dann, wenn man sie scheucht... Ich werde es dieses Jahr ´mal im Mekong-Delta versuchen (mit Malaria-Prophylaxe und allem Drum und Dran), dabei gegebenenfalls auch noch einmal die Frage der Sarongs studieren... Bei Joseph Conrad läuft ein Kapitän in der tropischen Hitze Südostasien den lieben, langen Tag im grau gestreiften Pyjama, mit Strohslippern an den Füßen und einem weichen Hut auf dem Kopf an Bord seines Schiffes herum (Der Stille Teilhaber), und wie ich den Aufzug finden soll... Wenn schon leger, da stelle ich mir den strapazierten Schiffsjungen und zukünftigen Zweiten Steuermann doch lieber vor im lässig über der Hüfte geknoteten...
Aber um doch noch zur (wenigstens partiellen) Ehrenrettung Jules Vernes anzutreten:
Leider macht http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Perus sich nicht die Mühe, bezüglich der Geschichte des 19. Jahrhunderts alle Rebellionen, Bürgerkriege, Präsidenten, Revolutionen und Konterrevolutionen aufzuzählen, die es da gab. Es verzeichnet nur, dass Peru in den „Salpeterkrieg“ (1879 bis 1884) involviert war, so dass es schon eine ganz besonders perfide Beleidigung der Nationalehre gewesen wäre, einen geklauten peruanischen Staatsschatz nach Chile zu verschleppen, jedoch in Anbetracht der noch heute existierenden „Befindlichkeiten“ zwischen Chile und seinen nördlichen Nachbarn durchaus denkbar! Insofern ist ein peruanischer Verne-Experte bestimmt ganz hilfreich, um zu ermitteln, ob Verne in irgendeinem Pariser Boulevardblatt den Namen eines gewissen „El Coronel Cherna“ aufgeschnappt hat (http://dict.leo.org/esde, nicht Hape Kerkeling), oder ob gar Desailly oder Ulbrich sich in die Feinheiten der peruanischen Geschichte vertieft haben sollten.
Die Verwirrung um das zu umschiffende Objekt (Australien vs. Neuseeland) ist wirklich nur schwer von Vernes „Entweichen" der Sloughi aus Auckland zu toppen... Es mag ja sein, dass Doniphans ursprünglicher Plan, um Neuseeland zu segeln, abgeändert wurde – jedoch beschreibt Käpt‘n Hull einen Kurs gegen Wind und Strom, bei der jeder nautisch interessierte Mensch sich mit gesträubten Haaren fragt, wie er dabei auf einen Durchschnitt von 7 Knoten kommen und eine Reisedauer von sechs Wochen einhalten will! ... während Verne eigentlich nur den kleinen Bruder von Briant die Vorleine, die Achterleine, die Vorspring und die Achterspring, jeweils 5 cm dick und mit ordentlich Zug darauf, mit der Axt hätte durchschlagen lassen müssen, um eine prachtvolle Strandung an den damals wahrlich noch wilden Gestaden der Coromandel-Halbinsel in Szene setzen zu können.
Und da am Stadtrand von Braşov schon Braunbären herumturnen und in den Mülltonnen kramen, wird der Zoobesuch, um uns vom Vorkommen des „zahmen, in Rumänien beheimateten südamerikanischen Büschel-Ohr-Luchses“ zu überzeugen, vielleicht nicht zwingend erforderlich sein, sondern die schon anvisierte Bergwanderung völlig ausreichen. Beim Herumstochern im Unterholz nämlich könnte einem durchaus ein solcher Luchs, wenn auch kein zahmer (!), entgegen gehoppst kommen...
Hingegen sind Jaguare (ebenso wie Pumas) schwer zu beschaffende und etwas diffizil zu bedienende Filmrequisiten sind, so dass das Drehbuch von „Zwei Jahre Ferien“ leider nicht wie folgt realisiert werden konnte:
Als Doniphan in „el tepual“ herum stocherte (weit kam er dabei allerdings nicht, denn er plumpste in ein tiefes, schwarzes Waldloch aus verrottende Blättern, Moos und Zweigen*), setzte Mama Puma zum tödlichen Sprung an, weil sie meinte, ein fein lecker und leicht zu erlegendes Häppserchen vor sich zu haben. Doniphan musste sie geistesgegenwärtig in die Ewigen Jagdgründe befördern, um sein eigenes, wertvolles Fell zu retten. Daraufhin schloss ihr tappsiges Junge, das selbst noch nicht jagen konnte, sich dem „Heiligen Service von“ (jetzt könnt ihr Euch aussuchen) „Guafo“, „Guamblin“ oder „Melinka“ an, und futterte den Jungen im Folgenden die von Doniphan „im Schweiße seines Angesichts“ erbeuteten Pudu-Zwerghirsche** – sehr scheu! -, Papageien – sehr raffiniert! - und anderen Vögelchen weg... So mussten die jungen Herren am Ende doch noch wie die frommen Einsiedler von Beeren, wilden, wässrigen Kartoffeln, die sie am Strand ausbuddelten***, vor allem aber von Cochayuyo**** mit Nalca***** und Nalca mit Cochayuyo leben! Und wie sie das erst strapaziert hat...!
Mangels DVD-Recorder und weil heute Nacht – anlässlich des 60. Geburtstags des Ersten – u.a. ein Raumpatrouille-Rückblick versprochen wurde, werde ich mich unter die „Nachteulen“, „Nachtfalter“ sowie anderen „Nachtschattengewächse“ mischen und zu Nacht schlafender Stunde etwas posten. Ich hoffe, unsere „Ober-Nachteule“ hatte eine angenehme Reise ins benachbarte Ausland und ist heil und gesund und voller Ideen wieder zurück gekommen.
Benachbartes Ausland – heißt das jetzt aus Deutschland raus oder nach Deutschland rein ???
Oder ging aufgrund des Vulkanausbruchs im Land der Islandpferde, Trolle und Sagas gar nichts mehr ???
Einer Plausibilitätsprüfung würde ZWEI JAHRE FERIEN sicher nicht stand halten, aber das ändert nichts an dem hohen ideellen Wert, den die Produktion für mich und andere hatte und immer noch hat. Wenn schon Roman- und Drehbuchautoren solchen Irrtümern unterliegen und es mit der Authentizität nicht so genau nehmen, dann darf ich ja auch die Deltas verwechseln, zumal mich die Camargue-Schimmel, die den Goldtransport der peruanischen Militärregierung eskortierten, gleich Irrlichtern in die Irre leiteten …
Themenwechsel: Ein Bad im Bad-Shit überlassen wir lieber dem Ekel-Fernsehen für seine Dschungel-Prüfungen und halten ZWEI JAHRE FERIEN sauber. Ich wüsste auch nicht, wem wir diesen Part unterjubeln sollten. Nein, den Hlg. Chr. von Sofron möchte ich da wirklich nicht hineinschicken. Gleich unserem heißgeliebten Schiffsjungen wird er allmählich in seiner Mehrfach-Funktion als Bobtail-Bändiger (manchmal frage ich mich wer wen an der Leine führt oder bestimmt, wo es lang geht), als Ziegen-Züchter, Luchs-Liebhaber und Fledermaus-Flüsterer etwas überstrapaziert …
Ich finde übrigens, dass der Vater der Science-Fiction seine Sache gar nicht so schlecht gemacht hat. Immerhin hatte er kein Internet und konnte nicht mal schnell nach möglichen Tieren an Küsten ohne Namen googeln. Er musste sich halt auf die Quellen verlassen, die es damals schon gab und einige hinzuerfinden, die es damals noch nicht gab. Von der Science Fiction gleich noch ein schneller (Hecht-)Sprung zur Fan Fiction. Ob der Joshua Pike nun seinen Namen nach diesem Sprung erhalten hat, oder ironischerweise weil er im Hechtteich von Fort Pily als geistig etwas unterbelichteter Karpfen auftrat bleibt noch dahingestellt. Vielleicht wurde der FRANZosen-Strand ja auch gar nicht nach den Franzosen benannt sondern nach Franz S. Immerhin passierte da so allerhand.
Ich selbst hätte es übrigens besser gefunden, wenn die Ausbrecher-Story in Tasmanien angesiedelt worden wäre. Da der erfahrene und „seetüchtige“ Kapitän Hull ohnehin schon die Orientierung beim Segeln verloren hat wäre es darauf nun wirklich nicht mehr angekommen. So ein Tasmanischer Tiger hätte sich neben dem zahmen, in Rumänien beheimateten südamerikanischen Büschelohrluchs, dem Down Under ausgebüchsten Schnabeltier, den dressierten Flattermännern und den auf den Chonos-Archipel emigrierten knatschenden Waranen bestimmt gut gemacht. An Bord der Sloughi könnte sich ja auch noch ein Moa geschmuggelt haben, so ein Moa wäre noch aufregender und beeindruckender als ein Sterbender-Schwan-Nandu. Wenn ich noch weiter überlege, fallen mir bestimmt noch ein paar Merkwürdigkeiten ein, die selbst bei Verne, Ulbrich & Co. noch keine Verwendung fanden ..
In diesem Sinne mit inspirierten Grüßen und besten Wünschen für ein schönes Wochenende, denn jetzt gehts ins Weltall MARIPOSA
Uff - nach einer brettharten Arbeitswoche fällt mir wirklich nicht mehr viel zu Dschungel-Camps, dem pädagogischen Onkel Jules oder blinden Passagieren auf der Sloughi ein, bevor ich mich morgen schon wieder auf die Reise mache...
Ein Moa auf der Gangway... Waren diese Vögelchen nicht an die 3 Meter hoch?? Nachtigall, ick hör' dir trappsen! Und dabei hat Dick doch schon die Bösewichter erlauscht, die in Hobart auf Zehenspitzen den Frachtraum enterten. Wie Forbes aus eigener, leidvoller Erfahrung sehr wohl wusste: "Der Bursche hat seine langen Ohren überall!"
Ein Doppel-Gefängnisausbruch auf Tasmanien wäre zweifellos sehr stilecht gewesen, wo doch Tasmanien die Gefängnisinsel in jener Weltgegend überhaupt ist! Leider bauten, nach allem was ich bislang weiß, die Aussies und Kiwis ihre Gefägnisse immer sehr demokratisch in der Stadtmitte und nicht an einsamen Küsten - es wäre also so oder so ein bißchen schwierig gewesen, Forbes, Pike und Walston "loszueisen".
Einen idealen Kandidaten für das "batman"-Survival-Training hätte ich allerdings... "Macht mir nicht viel aus, Dreck! Ich bin im Dreck aufgewachsen, ohne Dreck bin ich direkt krank."
Und was hätte Jules Verne in Abwesenheit von Google & Co. wohl tun können, um seinem Werk mehr Authentizität einzuhauchen? Charles Darwin ("Die Reise mit der Beagle") ordentlich lesen? Oder jemanden fragen, der sich damit auskennt? Ein paar alte Seebären hätte er in Le Havre bestimmt gefunden, die ihn über die Sache mit der Vorleine, der Vorspring, der Achterleine und der Achterspring hätten aufklären können... oder ihm mit viel frisch gesponnenem Seemannsgarn einen Bären aufgebunden hätten! Vielleicht ist das tatsächlich passiert (und deshalb musste Briants kleiner Bruder nicht mit der Axt anrücken)... Oder gar "... ein wenig herumsegeln und den wässrigen Teil der Erde besehen. ... Wann immer ich bemerke, dass ich um den Mund herum grämlich werde; wann immer in meiner Seele nasser, niesliger November herrscht; wann immer ich bemerke, dass ich vor Sarglagern stehen bleibe und bei jedem Leichenzug, der mir begegnet, die Nachhut bilde; ... - immer dann ist es höchste Zeit, sobald ich kann zur See zu gehen." wie Herman Melville ("Moby-Dick")?
Gleichviel! Ich werde heute sicher nicht zur Nachteule, sondern mit den Hühnern ins Bett gehen. Am Wochenende sollte ich halbwegs fit sein, um "nach 5 im Urwald" - nein, mich in den luftigen Hallen (und etwas düsteren Treppenfluchten) des Bayrischen Roten Kreuzes bzgl. "systemischer Strukturaufstellungen" fortzubilden. Nachtfalterhaft kann ich dann ja in meiner knapp bemessenen Freizeit mit der U4 oder U5 zwischen dem Lehel und Haidhausen hin und her schweben...
Na, dann lassen wir unseren "Dreckspatz" halt Karriere als Müllmann machen, wenn er ohne Dreck krank wird. Aber dann kann er sich die Yacht und die Jungfrauenfalle abschminken und die schöne Pilar findet seinen Akzent auch nicht mehr so sexy, wenn sie merkt, dass das nicht viel zu holen ist.
Hinter dem Weiswurstäquator - da könnte ich fast ins Schwärmen kommen. Wenn Du schon in Haidhausen bist, kannst Du das Angenehme gleich mit dem Nützlichen verbinden ... und der HAUSMEISTERIN einen lieben Gruß ausrichten. Ob die noch mit ihrem Griechen zusammen ist? Oder ob sich die Griechen jetzt in der Lindenstraße konzentrieren, wenn der Pleitegeier (um beim Geflügel zu bleiben :-)) über der Heimat kreist?
Da fällt mir glatt noch ein Witz ein. Ein Ami, oder sagen wir mal ein Texaner oder nehmen wir gleich den J.R. Ewing kommt auf einen bayrischen Bauernhof und quatscht gleich die erstbeste Person an, der er im Kuhstall begegnet. "Hey, Mister", meint er lächelnd. Schaut ihn der Angesprochene ganz bös' an und murmelt: Binn net der Mister, binn der Melker.
Befasse mich derzeit mit Onkel Jules "Reisestipendien". Das ist mal ein recht interessanter Abenteuerroman ohne allzuviel technische Erläuterungen, die mir den Wind aus den Segeln nehmen könnten und den ich wenigstens sinngemäß auch auf Französisch verstehen würde Ich finde den Roman von der Logik her recht gut durchdacht und die Personen gut beschrieben, wenngleich es zu ZWEI JAHRE FERIEN keine Namensgleichheit gibt, wie ich anfänglich dachte. Von der Persönlichkeit her, gäbe es schon Parallelen und die Bösewichter bei Verne sind wirklich abgrundtief böse und nicht etwa ein bisschen deppert, wie einer im Film. Wenn Captain Hull schon in die Irre schippert, dann hätte er genausogut nach Tasmanien segeln können und die schweren Jungs hätten dort ausbrechen, die Mannschaft abmurksen und sich der Feriengäste, die gerade auf Landgang in Hobart waren, bemächtigen können. Dieses Straflager in Neuseeland passt mir nicht!
Hätte auch zugerne Artur Brauss in der Rolle eines Bösewichts gesehen, aber der war wohl gerade fürs Erste als raffi-tückischer Abdul auf Diamantenjagd und da hatte ich ja auch was von. Außerdem bekam ich ihn ja noch in LOCKRUF DES GOLDES und viel später in TIMM THALER zu sehen. Einmal Bösewicht, immer Bösewicht. Ungefährt zeitgleich verführte er im TATORT "Maria im Elend" den überstrapazierten Schiffsjungen zu Straftaten in der Nähe von SACHRANG (das Straßenschild war zu sehen) und Pike war diesmal ein vielleicht aufdringlicher aber gar nicht depperter Reporter. Da haben sich die Herren Drehbuchautoren ja auch irgendwas dabei gedacht, soviele Zufälle gibt es gar nicht.